Reisegeschwindigkeit

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Unter Reisegeschwindigkeit versteht man die durchschnittliche Geschwindigkeit auf einer Reise.

Definition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reisegeschwindigkeit und Reisedauer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bezogen auf den einzelnen Passagier und den einzelnen Transportfall gilt allgemein:

Reiseweite ist der Reiseweg, die Wegstrecke zwischen Antrittsort und Ziel
Reisedauer ist die Zeitspanne, die für die Reise aufgewendet werden muss.

Umgekehrt gilt Reiseweite (in Wegstunden) = Reisegeschwindigkeit (in km/h) × Reisedauer (in Stunden), dasselbe auch für Berechnung längerer Reisen in Tagen.

In diesem Sinne lassen sich etwa historische oder geographische Vergleiche über Reisezeiten bestimmen. Ob man mit Reiseweg die Strecke Luftlinie, oder Verkehrsweg meint, ist dahingestellt.

Weil man bei einer Reise im Allgemeinen mehrere verschiedene Verkehrsmittel benutzt, sind die Begriffe Antrittsort und Ziel im jeweiligen Kontext zu sehen, also ob „von Haus zu Haus“ gerechnet wird, oder nur die Etappe eines Verkehrsmittels betrachtet wird. Auch, ob die Fragestellungen einen speziellen Reisefall, die Leistungsfähigkeit eines Verkehrsmittels, oder die der Infrastruktur betrifft, führt zu anderen Begriffen. Daher gibt es mehrere speziellere Definitionen.

Reisegeschwindigkeit und Fahrgeschwindigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der allgemeinen logistischen Verkehrsplanung unterscheidet man zwischen Reise- und Fahrgeschwindigkeit eines Verkehrsmittels: Der Begriff Reise umfasst im Allgemeinen die ganze Zeitspanne vom Antritt bis zum Erreichen des Ziels. Die Reisegeschwindigkeit beinhaltet auch die Rüstzeiten vor Antritt und am Ende ein. Daher gilt allgemein, dass die Reisegeschwindigkeit niedriger als die Fahrgeschwindigkeit ist. Außerdem gilt, dass die Differenz zwischen Reise- und Fahrgeschwindigkeit (also die Rüstzeiten) umso höher ist, je schneller das Verkehrsmittel ist. Die Rüstzeit eines Radfahrers ist nahezu null, die im Flugverkehr lang, sowohl absolut wie auch in Bezug zur Reisedauer.[1]

So meint man bei Eisenbahn die durchschnittliche Geschwindigkeit, bezogen auf die Gesamtfahrzeit zwischen Abgangs- und Ankunftsbahnhof einschließlich etwaiger Zwischenhalte, bei Straßenfahrzeugen (z. B. Autos) die durchschnittliche Geschwindigkeit für die Gesamtstrecke zwischen Start- und Zielpunkt, unter Berücksichtigung der Pausen unterwegs.

Im Fernverkehr ist auch die Frage, ob man von Bahnhof zu Bahnhof bzw. Flughafen zu Flughafen, oder etwa von Stadtzentrum zu Stadtzentrum misst (Anreisezeiten) – je nachdem fallen Vergleiche ganz unterschiedlich aus. Im Individualverkehr stellt sich diese Frage etwa, ob man Reisegeschwindigkeiten von Stadt zu Stadt einschließlich des Stadtverkehrs bis zur Auffahrt auf die Fernverkehrsstraße meint, oder ab Stadtgrenze.

Reisegeschwindigkeit und Betriebsgeschwindigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter technischen Gesichtspunkten nennt man auch die Geschwindigkeit eines Verkehrsmittels ‚Reisegeschwindigkeit‘, die unter spezifisch gegebenen Umständen eines Reisewegs, nicht einer konkreten Reise erreicht wird. Die Reisegeschwindigkeit ist dann die für ein Verkehrsmittel typische optimale Dauergeschwindigkeit (Betriebsgeschwindigkeit), wie sie im Linienbetrieb erreicht wird.

Neben der maximalen zulässigen (streckenabhängigen) Höchstgeschwindigkeit (Tempolimit) und der bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit gibt man bei Lokomotiven bzw. Zügen auch die Betriebsgeschwindigkeit auf Normstrecke und die Auslegungsgeschwindigkeit innerhalb des Streckennetzes an und subsumiert letztere beide zur ‚Reisegeschwindigkeit‘ (die Reisegeschwindigkeit einer modernen Hochgeschwindigkeitsgarnitur ist auf einer für sie konstruierten Hochgeschwindigkeitsstrecke anders zu bemessen als im Mischbetrieb im klassischen Schienennetz).

Reisegeschwindigkeit und Verkehrsgeschwindigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bezogen auf die Verkehrsinfrastruktur und die konkreten Verhältnisse einer Strecke nennt Reisegeschwindigkeit die durchschnittliche Geschwindigkeit aller Verkehrsteilnehmer, die auf der Strecke innerhalb des regulären Reisebetriebs auf freier Wegstrecke und in freiem Verkehr erreicht wird.

Der Begriff ist dann nicht mehr auf Antrittsort und Ziel eingeschränkt, so spricht von ‚Reisegeschwindigkeit‘ für die Verkehrsgeschwindigkeit auf einem Streckenabschnitt, wie sie auf diesem als Etappe im normalen Reiseverkehr angestrebt wird,[2] oder im Flugverkehr für die Strecke im Reiseflug möglich ist, die cruising speed auf Reiseflughöhe.

Die Ermittlung der Reisegeschwindigkeit gemittelt über die Fahrzeuge ist im Straßenverkehr dann keineswegs trivial, und komplex, was deren Messung oder Modellierung betrifft. Wenn die Verkehrsgeschwindigkeit der Verkehrsfluss je Zeit ist, ist die mittlere Reisegeschwindigkeit des Streckenabschnittes etwa definiert als der gleitende Mittelwert über die ermittelten Einzelgeschwindigkeiten an einer Messstelle vorbeifahrender Fahrzeuge[3] (vgl. Fundamentaldiagramm des Verkehrsflusses).

Reisegeschwindigkeit und Reisequalität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Und zuletzt nimmt man für die Reisegeschwindigkeit die Geschwindigkeit als Bemessungsgrundlage, die eine optimale Reisequalität, und auch eine maximale Sicherheit garantiert.

So ist die empfohlene Reisegeschwindigkeit für den Autofahrer eine, je nach Verkehrsaufkommen, Tageszeit, Strecken- und Witterungverhälnissen, aber auch der Leistungsfähigkeit des Fahrzeuges angepasste Richtgeschwindigkeit, im Schiffsverkehr eine, die nach Seegang und Wind noch sinnvoll eingehalten werden kann, oder im Flugverkehr die, die in Abhängigkeit von Turbulenzen noch für Pilot und Passagiere geflogen werden kann.

Historische Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durchschnittliche Reisegeschwindigkeiten unterschiedlicher Verkehrsmittel im Laufe der geschichtlichen Entwicklung. Die Angaben der Geschwindigkeit beziehen sich auf durchschnittliche Leistungen nach Stand der Technik im regulären Betrieb: Im Stadtraum etwa liegt die effektive Verkehrsgeschwindigkeit (unter Einbezug von Stehzeiten der Verkehrsleiteinrichtungen, Geschwindigkeitsbeschränkung, Verkehrsstau und Parkplatzsuche) heute durchwegs um die 10–15 km je Stunde, wie zu Zeiten des Pferdeverkehrs. Auch sind heute noch Reisezüge auf Strecken unterwegs, die Durchschnittszeiten der 50er-Jahre widerspiegeln, Regionalverkehrszüge mit häufigen Zustiegshalts und Nachrang gegenüber Fernreisezügen liegen noch weit darunter (um die 40–50 km/h).

Verkehrsmittel Epoche [km/h] Besonderheiten
Fußgänger, Packtiere allgemein 0.000.000.00
0.000.000.005
10 Wegstunden, Tagesreise bis ca. 40 km in der Ebene
Tagesmarsch, militärisch: 22,5 km, Gewaltmärsche bis 50 km
Meldeläufer, etwa die Chaski der Inka: 3–400 km Luftlinie (Tages- und Nachtdauerlauf in der Staffel)
Reitpferd allgemein 0.000.000.006
0.000.000.010
80 km: Tagesmarsch Kavallerie
mit Pferdewechsel bis 200[4]–500 km: Mongolische Meldereiter;[5] 193 km in 8h10': Rekord des Ponyexpress 1860; 643 km in 71h27': Kavalleriewettbewerb Preußen/Österreich-Ungarn Berlin–Wien 1892;[6] 100 km in ~8h: Distanzreitsport heute, bis max. 160 km
Fahrrad heute 0.000.000.015
0.000.000.030
Am 1. August 2010 erreichte Christian von Ascheberg 1219 km in 24h bzw. 50,8 km/h auf dem Lausitzring mit einem Velomobil
Mofas
Fahrrad mit Hilfsmotor
heute 0.000.000.025 (D)
Postkutsche 1700er 0.000.000.002 Tagesleistung: 20–30 km[7]
Postkutsche 1800er 0.000.000.003  
Postkutsche 1815er 0.000.000.004  
Postkutsche 1830er 0.000.000.006  
Postkutsche 1850er 0.000.000.010 Tagesleistung: 100–120 km[8]
Eisenbahn (Pferdebahn) 1840er 0.000.000.012
0.000.000.015
Tagesleistung: 128 – Linienbetrieb Pferdeeisenbahn Budweis–Linz seit 1836, ab: 5 Uhr, an: 19 Uhr
Eisenbahn (Dampf) 1850er 0.000.000.035  
Eisenbahn 1870er 0.000.000.050  
Eisenbahn 1910er 0.000.000.090  
Eisenbahn 1930er 0.000.000.120  
Eisenbahn (Diesel/Elektrisch) 1980er 0.000.000.125  
Eisenbahn 2009 0.000.000.310 Schnellfahrstrecke Wuhan–Guangzhou, 924 km
U-Bahn 1950er 0.000.000.020
0.000.000.030[9]
Auto 1905 0.000.000.015  
Auto 1940 0.000.000.050  
Auto heute 0.000.000.0ca. 60 Durchschnittliche Reisegeschwindigkeit im deutschsprachigen Raum
Segelschiff   0.000.000.018  
Dampfschiff 1840er 0.000.000.016   (380 km: Great Western Bristol – New York 1838, 8,66 Kn = 16 km/h[10])
Dampfschiff 1950er 0.000.000.064   (1500 km: United States New York – Southampton 1952, 34,51 kn = 64 km/h[10])
Motorschiff heute 0.000.000.045
Flugzeug 1930er 0.000.000.150–450 z. B. Ju52 185 km/h, 15 Passagiere, von 1300 km Reichweite
Concorde bis 2003 0.000.002.150
Flugzeug heute 0.000.000.850  
Schall allgemein 0.000.001.235 Schallgeschwindigkeit in Luft bei 20 °C
allgemein 0.000.040.320 Fluchtgeschwindigkeit der Erde (11,2 km/s)
Licht allgemein 1.079.252.848,8 Vakuum-Lichtgeschwindigkeit

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dirk Zumkeller: Planungmethodik Verkehr. Skriptum Umdruck; Institut für Verkehrswesen (TH), Karlsruhe, 4. (Grundsätzliche Überlegungen zur Geschwindigkeit [PDF; abgerufen am 27. Januar 2009]).
  2. etwa: Richtlinien für die Anlage von Straßen – Netzgestaltung; Handbuch für die Bemessung von Straßenverkehrsanlagen (HBS 2001). Forschungsgesellschaft für Straßen und Verkehrswesen, Köln 2002, ISBN 3-937356-44-4.
  3. Thomas Weber: Ermittlung der Mittleren Reisegeschwindigkeit mit Methoden der Digitalen Bildverarbeitung. Institut für Maschinelles Sehen und Darstellen, Fakultät für Informatik, Technische Universität Graz Erzherzog Johann Universität, April 2007, Berechnung der mittleren Reisezeit, S. 17 (Masterarbeit).
  4. Fritz Rienecker, Gerhard Maier: Lexikon zur Bibel, books.google.de
  5. Ritt durch die Kulturgeschichte. Opulente Schau zum spannungsreichen Verhältnis zwischen Mensch und Pferd. Zur Ausstellung Pferdestärken – Das Pferd bewegt die Menschheit, Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, 2009
  6. siehe Distanzreiten: Die Anfänge
  7. Jürgen Bähr, Christoph Jentsch, Wolfgang Kuls: Bevölkerungsgeographie. books.google.de Abgerufen am 3. Januar 2015.
  8. Otto Büsch, Ilja Mieck: Handbuch der preussischen Geschichte. Historische Kommission zu Berlin, books.google.de
  9. Wiener Stadtbahn rascher als Pariser U-Bahn, 16. August 1950, Gina Galeta: Wien 1950. In: Wien im Rückblick. Magistrat der Stadt Wien, abgerufen am 27. Februar 2009.
  10. a b siehe Artikel Blaues Band