Ren’ai (Nantou)
| Ren’ai 仁愛鄉 | ||
|---|---|---|
Lage Ren’ais im Landkreis Nantou | ||
| Staat: | ||
| Landkreis: | Nantou | |
| Koordinaten: | 24° 3′ N, 121° 8′ O | |
| Höhe: | 400 — 3590 m | |
| Fläche: | 1.273,5312 km² | |
| Einwohner: | 15.248 (August 2025[1]) | |
| Bevölkerungsdichte: | 12 Einwohner je km² | |
| Zeitzone: | UTC+8 (Chungyuan-Zeit) | |
| Telefonvorwahl: | (+886) (0)49 | |
| Postleitzahl: | 546 | |
| ISO 3166-2: | TW-NAN | |
| Gemeindeart: | Landgemeinde (鄉, Xiāng) | |
| Gliederung: | 16 Dörfer (村, Cūn) | |
| Bürgermeister: | Chiang Tzu-hsin (江子信) | |
| Webpräsenz: | ||
Ren’ai (chinesisch 仁愛鄉, Pinyin Rén'ài Xiāng) ist eine Landgemeinde (鄉, Xiāng) im Landkreis Nantou in der Republik China (Taiwan).
Beschreibung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ren’ai liegt im Zentrum der Insel Taiwan. Mit einer Fläche von 1273 km² ist es die zweitgrößte Gemeinde des Landkreises Nantou und die drittgrößte in Taiwan. Das Gemeindegebiet liegt vollständig im Bereich des Taiwanischen Zentralgebirges und ist durch Berge, die Höhen über 3000 Meter erreichen, und schmal eingeschnittene Täler gekennzeichnet. Die Höhe variiert zwischen 400 Metern in der Flussebene des Beigang im Dorf Huzhu und dem 3590 Meter hohen Hauptgipfel des Qilaishan (奇萊山,
) an der Grenze zum Landkreis Hualien. Es gibt mehr als 70 über 2000 Meter hohe Berggipfel. Zu den bekannteren zählen der Hehuanshan (合歡山), Nenggaoshan (能高山), Zhuoshedashan (卓社大山), Guandaoshan (關刀山) und Shouchengdashan (守城大山). Im Allgemeinen nimmt die Höhe von Westen nach Osten zu.[2]

Die Nachbargemeinden von Ren’ai sind Heping (Taichung) im Norden, Xiulin und Wanrong (Landkreis Hualien) im Osten, Xinyi im Süden sowie Yuchi, Puli und Guoxing im Westen. Das Gemeindegebiet umfasst im Nordosten einen Teil (77 km²) des Taroko-Nationalparks sowie zwei kleinere Naturparks: das Nationale Walderholungsgebiet Aowanda (奧萬大國家森林遊樂區, Àowàndà guójiā sēnlín yóulè qū)[3] und das Nationale Walderholungsgebiet Hehuanshan (合歡山國家森林遊樂區, Héhuānshān guójiā sēnlín yóulè qū).[4]
In Ren’ai liegen die Quellflüsse des Zhuoshui, unter anderem der von Nordosten kommende Wushe (霧社溪, Wùshè Xī) und der von Osten kommende Wanda (萬⼤溪, Wàndà Xī). Der erstgenannte wird durch den Wushe-Staudamm zum Wushe-Stausee aufgestaut. Im Norden Ren‘ais entspringt der Fluss Beigang (北港溪, Běigǎng Xī), der nach Westen in die Nachbargemeinde Guoxing fließt.
Das Klima Ren’ais ist subtropisch, jedoch durch die Höhenlage sehr gemäßigt. Es bestehen deutliche Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei 18 °C mit höchsten Temperaturen zwischen Juni und September. Der mittlere Jahresniederschlag liegt bei 2100 mm. Die Auswirkungen der in Taiwan regelmäßig auftretenden Taifune werden durch die Hochgebirgslage abgemildert.[2]
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die ursprünglichen Bewohner der Gegend waren Angehörige der austronesischen Ureinwohner Taiwans. Als Taiwan zum Kaiserreich China gehörte (1683 bis 1895), stand das unzugängliche Gebiet praktisch nicht unter Kontrolle der chinesischen Verwaltung und wurde auch nicht von Han-Chinesen besiedelt. Die administrative Erfassung des Gebiets und die Unterwerfung der Urbevölkerung fand erst während der japanischen Kolonialherrschaft (1895–1945) statt.
Von Oktober bis Dezember 1930 war Ren’ai das Zentrum des Wushe-Zwischenfalls, des größten Aufstands gegen die japanischen Kolonialherren, bei dem sich die Sediq unter Mona Rudao erhoben. Der Aufstand, den die Kolonialverwaltung mit großer Härte niederschlug, forderte auf beiden Seiten etwa tausend Todesopfer. Dabei machten sich die Japaner die Feindschaft zwischen verschiedenen Stämmen zunutze.
Nach der Übergabe Taiwans an die Republik China im Jahr 1945 wurde Ren’ai als Landgemeinde im 1950 neu gegründeten Landkreis Nantou organisiert.
Bevölkerung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mit einer Bevölkerungsdichte von nur 11 Einwohnern pro km² gehört Ren’ai zu den am dünnsten besiedelten Gebieten Taiwans (durchschnittliche Bevölkerungsdichte auf Taiwan: > 600 E./km²). Die ethnische Zusammensetzung ist komplex. Ende 2017 gehörten 12.666 Personen (knapp 80 %) den indigenen Völkern Taiwans an.[5] Nach undatierten Angaben auf der Webseite der Gemeinde befanden sich darunter 2631 Bunun (hauptsächlich in den Dörfern Wanfeng, Fazhi und Zhongzheng),[6], 9751 Sediq (überwiegend in Hezuo, Jingying, Chunyang, Nanfeng und Huzhu)[7] sowie 2613 Atayal (Dörfer Faxiang, Lixing, Cuihua und Xinsheng).[8]
Eine weitere, nicht in Taiwan wurzelnde ethnische Minderheit sind die Dai. Nach Ende des Chinesischen Bürgerkrieges (1949) waren Reste der geschlagenene Kuomintang-Truppen nach Birma ausgewichen, von wo aus sie wiederholt Offensiven in die chinesische Provinz Yunnan starteten (siehe Kuomintang in Birma). Es kam zu engen Verbindungen zwischen den örtlichen Bergvölkern und den Kuomintang-Soldaten. Als die letzten Soldaten 1961 nach Taiwan evakuiert wurden, zogen mehr als 200 Angehörige des Dai-Volkes mit. Sie erhielten in Ren’ai, in einer sie an ihre Heimat erinnernden Landschaft, 765 Hektar frisch gerodetes Ackerland. Heute gibt es Bemühungen von offizieller Seite, ihre Kultur zu erhalten bzw. wiederzubeleben.[9][10]
Verwaltungsgliederung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Gliederung von Ren’ai |
Ren’ai ist in 16 Dörfer (村, Cūn) untergliedert:[11]
1 Rongxing (榮興村)
2 Cuihua (翠華村)
3 Lixing (力行村)
4 Faxiang (發祥村)
5 Datong (大同村)
6 Hezuo (合作村)
7 Douda (都達村)
8 Jingying (精英村)
9 Chunyang (春陽村)
10 Qin’ai (親愛村)
11 Fazhi (法治村)
12 Zhongzheng (中正村)
13 Wanfeng (萬豐村)
14 Nanfeng (南豐村)
15 Xinsheng (新生村)
16 Huzhu (互助村)
Verkehrsverbindungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ren’ai wird von der aus Puli kommenden Provinzstraße 14 von West nach Ost durchquert. Sie endet im Dorf Jingying. Nördlich des Wushe-Stausees zweigt von ihr die Provinzstraße 14A (14甲) ab, die nach Nordosten in Richtung Hehuanshan und Xiulin (Landkreis Hualien) führt.
Sehenswürdigkeiten, Tourismus
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Neben den oben erwähnten National- und Naturparks, die viele Möglichkeiten des Naturtourismus bieten, gibt es eine Reihe anderer Sehenswürdigkeiten:
- den Qingjing-Bauernhof (清境農場) im Dorf Datong, der 1961 als Musterbauernhof im alpinen Stil eingerichtet wurde,[12]
- den Gedächtnispark für den Wushe-Aufstand (霧社事件紀念公園), der an den Widerstand gegen die japanische Kolonialherrschaft erinnert,
- die Lushan-Thermalquellen (廬山溫泉) im Dorf Jingying.[13]
-
Blick auf den Hehuanshan
-
Aussicht auf das Umland vom Qingjing-Bauernhof
-
Denkmal für den Wushe-Aufstand
Persönlichkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Kung Wen-chi (* 1957), Politiker
- Mona Rudao (1882–1930), Sediq-Häuptling
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ 各月人口資料 03. 鄉鎮戶數及人口數 (9701) („Bevölkerungsdaten für jeden Monat 03. Gemeinden und Bevölkerung (9701)“). Taiwanisches Innenministerium, abgerufen am 1. Oktober 2025 (chinesisch).
- ↑ a b 地理與環境 („Geographie und Umwelt“). Webseite von Ren’ai, 2016, abgerufen am 26. Januar 2019 (chinesisch).
- ↑ Aowanda National Forest Recreation Area. Taiwanisches Tourismusbüro, 2016, abgerufen am 26. Januar 2019 (englisch).
- ↑ Hehuanshan National Forest Recreation Area. Taiwanisches Tourismusbüro, 2016, abgerufen am 26. Januar 2019 (englisch).
- ↑ 原住民戶數及人數 Households and Persons of Indigenous People. (xls) Taiwanisches Innenministerium, abgerufen am 4. August 2018 (chinesisch, englisch).
- ↑ 族群: 布農族概述 („Ethnische Gruppe: Bunun-Übersicht“). Webseite von Ren’ai, abgerufen am 26. Januar 2019 (chinesisch).
- ↑ 族群:賽德克族的分佈 („Ethnische Gruppe: Verteilung der Sediq“). Webseite von Ren’ai, abgerufen am 26. Januar 2019 (chinesisch).
- ↑ 族群:泰雅族概述 („Ethnische Gruppe: Atayal-Übersicht“). Webseite von Ren’ai, abgerufen am 26. Januar 2019 (chinesisch).
- ↑ 族群:擺夷族概述 („Ethnische Gruppe: Übersicht über die Dai-Leute“). Webseite von Ren’ai, abgerufen am 26. Januar 2019 (englisch).
- ↑ 文化局出版品 („Veröffentlichungen des Kulturbüros“). Kulturbüro des Landkreises Nantou, abgerufen am 26. Januar 2019 (chinesisch).
- ↑ 村落 (Liste der Dörfer). Webseite von Ren’ai, abgerufen am 26. Januar 2019 (chinesisch).
- ↑ Qingjing Farm. Taiwanisches Tourismusbüro, abgerufen am 26. Januar 2019 (englisch).
- ↑ Lushan Hot Spring. Tourismusbehörde Nantous, abgerufen am 26. Januar 2019 (englisch).
