Rheinbischofsheim

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48.6518227.927891132Koordinaten: 48° 39′ 7″ N, 7° 55′ 40″ O

Rheinbischofsheim
„Rheinbischofsheimer Wappen“: In Silber über blauem Wasser ein schwarzer hoher Steg, auf dem sich auf goldenem Helm ein blauer Schwanenrumpf mit rotem Schnabel befindet.
Höhe: 132 m
Fläche: 12,33 km²
Einwohner: 2565 (31. Dez. 2012)
Bevölkerungsdichte: 208 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 77866
Vorwahl: 07844
Karte

Lage von Rheinbischofsheim in Rheinau

Evangelische Kirche in Rheinbischofsheim

Evangelische Kirche in Rheinbischofsheim

Rheinbischofsheim ist ein Stadtteil der Stadt Rheinau (Baden). Der Ort hat eine Fläche von 12,33 km² und zählte im Jahr 2012 2565 Einwohner.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Rheinbischofsheim liegt in der Oberrheinischen Tiefebene in der Stadt Rheinau. Die Gemarkung Rheinbischofsheim besteht zu einem Großteil aus Wald und Gewässern, zu denen unter anderem die „Rench“ und der „Holchenbach“ gehören, welcher im Dorf in den „Galgenbach“ mündet. Der „Thomaswald“, der seinen Namen dem Thomasstfit in Straßburg, dem er zwischen 913 und 933 von Bischof Richwin geschenkt wurde, verdankt, ist das größte Waldgebiet in Rheinbischofsheim. Im Westen der Gemarkung liegt noch ein kleiner Teil des Auwaldes, in dem es mehrere Altrheine, wie das von der Ludwig und Jakob Götz GmbH & Co. KG zum Baggersee vergrößerte „Groschenwasser“ und der Altrhein „Bischemer Grund“, gibt.

Nachbarorte[Bearbeiten]

Die Nachbarorte von Rheinbischofsheim sind die Rheinauer Stadtteile Freistett im Norden und Diersheim im Westen, sowie Hohbühn (zu Linx), Hausgereut und Holzhausen im Süden. Ansonsten grenzt die Gemarkung an den Acherner Stadtteil Wagshurst, den Kehler Stadtteil Zierolshofen, Renchen, und Appenweier.

Geschichte[1][Bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten]

Das erste Mal wird Rheinbischofsheim 1274 unter der Herrschaft von Ludwig II. von Lichtenberg als „Bischovesheim“ (später auch als „Bischovisheim“ und „Bischofesheim prope Rhenum“ (nahe dem Rhein)) erwähnt. 1304 besaßen hier das Kloster Allerheiligen, das Kloster Gengenbach und Jung St. Peter Höfe und Güter. Im Jahr 1371 wurde die Kirche urkundlich erwähnt. Von 1390 bis 1393 musste der verschuldete Heinrich der Jüngere alle zum Amt Lichtenau gehörenden Orte (alle Orte des unteren Hanauerlandes), also auch Bischofsheim an den Edelknecht Dietmar von Blumenau verpfänden.

Während des „Bischofskrieges“ im Jahr 1429 kamen ungefähr 60 Bischofsheimer Bauern in den Flammen des Kirchenbrands ums Leben. 1489 liegt die Gemeinde selbst im Streit mit dem Kirchherrn Dr. Thomas Wolff, da dieser zu hohe Abgaben verlangte. Im Jahr 1496 wurde der „Stab Bischofsheim“ erwähnt.

Im Deutschen Bauernkrieg waren Hans Schneider und Thomas Fuhrer die Anführer der Bischofsheimer Bauern, die vom 22. bis zum 25. Mai an den Verhandlungen in Renchen über die 12 Artikel der Bauern teilnahmen. 1552 übernachtete der spanische Herzog Alba, dessen Truppen die Dörfer plünderten, im Haus des Schultheißen. Eine weitere Erwähnung fand im Jahr 1574 als „Bischoffesheim zum hohen Steg“ statt (daher der Steg im heutigen Wappen). 1579 war Tobias Römer der erste bischofsheimer evangelischer Geistiger. Zum „Kirchenspiel Bischofsheim“ gehörten damals die Filialen Freistett und Memprechtshofen, ab 1731 auch Diersheim. 1602 wurde in Bischofsheim aus kirchlichen Mitteln ein Schulhaus errichtet.

17. Jahrhundert[Bearbeiten]

1626 wurden im Zuge des Dreißigjährigen Krieges 200 Mann kaiserlicher Truppen unter Oberst Ossa in Bischofsheim einquartiert. Im Jahr 1634 belegte Rittmeister Ingold den Stab Bischofsheim mit mehreren tausend Gulden und in den Jahren 1636 und 1637 wütete die Pest im Hanauerland. Fünf Jahre darauf, 1642 wurde die Bischofsheimer Kirche zerstört.

Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde allmählich wieder alles aufgebaut, die Kirche zum Beispiel im Jahr 1654 und auch der Markt wurde wieder eröffnet, doch auch im Jahr 1670, 22 Jahre nach dem Ende des Kriegs, waren noch 22 Höfe verödet. 1652 kaufte Graf Johann Reinhard II. von Hanau-Lichtenberg „ein stattliches Fachwerkhaus hinter der gemeinen Laube“ (Rathaus) und 1653 den Schlossweiher. Er vereinigte die Ämter Lichtenau und Willstätt und schuf daraus das Amt Bischofsheim. 1666 starb Johann Reinhard II. und Anna Magdalena, seine Witwe, zog 1672 zusammen mit ihren hier geborenen Kindern, Johann Reinhard III., Philipp Reinhard, Johanna Magdalena und Luise Sophie nach Babenhausen. Auch die Amtsverwaltung wurde im Jahr 1680 durch Amtmann Hüffel wieder nach Willstätt verlegt.

Während der Raubkriege von Ludwig XIV. in den Jahren 1667–1679 wurden in Rheinbischofsheim französische Truppen des Marschal Turenne einquartiert. 1688 wurden erneut französische Truppen einquartiert und es gab viele Plünderungen und Zerstörungen. Ebenfalls 1688 besuchte Johann Heinrich III. zum ersten Mal als Regent seinen Geburtsort und erlässt der angeschlagenen Bevölkerung das 4. Quartal der Frongelder und Steuern.

18. Jahrhundert[Bearbeiten]

Auch der Spanische Erbfolgekrieg (1701 - 1714) wütete im Hanauerland und brachte Unheil mit sich. Kurz nach seiner Hochzeit (1699) ließ Graf Johann Reinhard III. von Hanau in seinem Geburtsort Bischofsheim "am Hohen Steg" 1700 - 1704 ein Schloss erbauen, doch aufgrund des Spanischen Erbfolgekrieges 1701 - 1714 wurde nur der linke Seitenflügel erstellt. Dieser wurde im 18. Jh. für die Lagerung z.B. von Feldfrüchten, Holz oder Werkzeugen des Wasser- oder Landbaues genutzt. 1808 wurde im Schlossflügel eine Wohnung für den Oberbeamten des Bischofsheimer Amtes eingerichtet.[2] Der Schlossflügel wurde nach vielfältigen Reparaturen zwischen 1843 - 1848 abgetragen.[3] Auf Befehl der Franzosen halfen im Jahr 1707 11 Mann bei Schanzarbeiten bei Stollhofen, ungefähr gegenüber von Fort-Louis. 1725 beteiligten sich die Bischofsheimer aufgrund zu hoher Abgaben, Willkürherrschaft von Beamten und Vertragsbruch des Renchner Vertrags von 1525 am Hanauer Bauernaufstand.

1743 kehrte der Österreichische Erbfolgekrieg auch in Bischofsheim ein. Von 1740 bis ins Jahr 1748 lagen ungarische und böhmische Regimenter in den Dörfern des Hanauerlandes und von 1792 bis 1797 Dragoner und Husaren des österreichischen Feldmarschalls Wurmser.

1754 errichtete man ein Schulhaus. Im Jahr 1757 war Prinz Soubise im Schloss zu Gast. Auf Kosten des Amtes Buchsweiler gab es großes Gelage für insgesamt 5045 Gulden. Freistetter Burschen verwüsteten im Jahr 1789 das Haus des Fiskal Jenser und im Jahr 1797 wurde das Dorf nach der Schlacht bei Diersheim stark verwüstet.

19. Jahrhundert[Bearbeiten]

1802 fand die Huldigung der Untertanen vor der neuen Herrschaft von Karl Friedrich (Baden) statt. Außerdem wurde 1802 das Amt Rheinbischofsheim unter Oberamtmann Kappler gegründet, sein Nachfolger von Wechmar residierte ab 1806 nur vorübergehend in Neufreistett. So wurde das Schloss von 1806 bis 1808 zu Diensträumen für das Amt und der Wohnung für den Oberbeamten ausgebaut. Im Jahr 1813 hatte das Dorf seinen heutigen Namen angenommen, wurde aber auch Bischofsheim zum hohen Steg genannt. 1817 verlegte man die Lateinschule von Neufreistett nach Rheinbischofsheim und 1821 wurde ein Schulhaus gebaut, welches bis heute neben der Kirche steht.

In den Jahren 1843 bis 1848 wurde das Schloss abgerissen und 1856 wurde das Amt nach Kork verlegt. 1864 wurde eine katholische Kirche gebaut, sowie eine Filialkirche in Honau eröffnet. Die heutige von Ludwig Diemer entworfene Kirche wurde von 1873 bis 1876 errichtet.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Im Januar 1919 begann die Besetzung durch französische Truppen, welche bis 1924 andauerte.

Von 1944 bis 1945 wurde Rheinbischofsheim durch Artillerie beschossen und es gab einige Bombenangriffe. Es wurden 5 Einwohner getötet.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1590 1790 1802 1857 1885 1925 1939 1946 1950 1975 2012
Einwohner 84 207 215 1428 1569 1377 1439 1354 1411 1629 2565

Politik[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen von Rheinbischofsheim zeigt einen blauen Schwanenrumpf mit rotem Schnabel auf einem goldenen Helm auf einem hohen, schwarzen Steg über blauem Wasser auf silbernem Grund. Rheinbischofsheim führt dieses Wappen seit dem Jahr 1907.[4]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

In Rheinbischofsheim gibt es zwei Bushaltestellen, die den Ort durch Buslinien mit Achern, Lichtenau (Baden), Bühl (Baden) und Kehl verbinden.

Durch Rheinbischofsheim führt die Bundesstraße 36. Außerdem verbindet die L87 Rheinbischofsheim mit den Autobahnanschlussstellen Achern (Bundesautobahn 5) und Offendorf (Autoroute A35). In Frankreich heißt die L87 dann D2.

Bildung[Bearbeiten]

In Rheinbischofsheim gibt es neben einer Grundschule auch das Anne-Frank-Gymnasium und im Karl-Grampp-Gebäude eine Werkrealschule. In der Werkrealschule werden allerdings nur die 5. bis 7. Klassen unterrichtet. Der Unterricht für die 8. bis 10. Klassen findet in Freistett statt.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Das einzige größere Unternehmen in Rheinbischofsheim ist RMA Rheinau.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nikolaus Honold und Kurt Schütt: Chronik der Stadt Rheinau, 1988, S. 361–363
  2. Honold, Schütt, Chronik der Stadt Rheinau, S. 84 - 86.
  3. Ewald M. Hall: Flurnamenbuch der Stadt Rheinau. Stadt Rheinau, Rheinau, S. 12.
  4. Rheinbischofsheim - Heraldry of the World. Heraldry of the World. Abgerufen am 17. August 2015.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rheinbischofsheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien