Rheintaler Binnenkanal

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Rheintaler Binnenkanal
Rheintaler Binnenkanal, Höhe Kriessern, Blickrichtung Widnau (Nordosten)

Rheintaler Binnenkanal, Höhe Kriessern, Blickrichtung Widnau (Nordosten)

Daten
Lage Kanton St. Gallen; Schweiz
Flusssystem Rhein
Abfluss über Alter Rhein → Bodensee → Rhein → Nordsee
Quelle Bach oberhalb Dornen, bei Sennwald
47° 15′ 51″ N, 9° 28′ 42″ O
Quellhöhe 1'000 m ü. M.
Mündung Alter RheinKoordinaten: 47° 27′ 13″ N, 9° 39′ 14″ O; CH1903: 767039 / 258227
47° 27′ 13″ N, 9° 39′ 14″ O
Mündungshöhe 406 m ü. M.
Höhenunterschied 594 m
Länge ca. 23 km

Der Rheintaler Binnenkanal ist ein künstlich angelegtes Binnengewässer im St. Galler Rheintal.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rheintaler Binnenkanal beginnt in Sennwald und geht bei St. Margrethen in den ehemaligen Flusslauf des Rheins über. Hydrologisch gesehen ist er kein eigenständiges Gewässer, sondern wird als Oberlauf des Alten Rheins angesehen. Die "Quelle" des Rheintaler Binnenkanals bildet ein Bach oberhalb von Dornen südwestlich von Sennwald. Östlich von Platten (Sennwald) wird der Rheintaler Binnenkanal für wenige hundert Meter parallel zum Werdenberger Binnenkanal geführt. Hier kann mittels mehrerer Wehranlagen das Wasser je nach Hochwassersituation von einem Kanal in den anderen umgeleitet werden.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis in das 19. Jahrhundert war der Rhein im St. Galler und Vorarlberger Rheintal ein wilder Fluss. Er verzweigte sich regelmässig in neue Seitenarme und verhinderte so die Entwicklung grosser Dörfer und beeinträchtigte die Landwirtschaft. Mit dem Projekt Rheinregulierung wurden der Hinterrhein im Domleschg und der Alpenrhein von Reichenau bis zur neuen Mündung in den Bodensee bei Fußach / Hard kanalisiert oder umgeleitet. Um zukünftig bei Hochwasser eine Überschwemmung zu verhindern, wurden die Einmündungen der Seitenflüsse auf wenige Ausnahmen beschränkt. Auf der Schweizer Seite gibt es zwischen Sargans und Bodensee nur zwei Unterbrechungen des Rheindammes. Dies sind der Zufluss des Vilterser-Wangser-Kanals bei Trübbach und die Einmündung des Werdenberger Binnenkanals auf der Höhe von Lienz.

Bis auf wenige Ausnahmen wurden alle grösseren Seitenbäche, zwischen Alpstein und dem Rhein im St. Galler Rheintal, kanalisiert und mit mindestens einem Kiesfang ausgestattet in einen Binnenkanal geleitet, der parallel zum Rhein verläuft. Die, infolge der Melioration der Rheinebene entstandenen, kleineren Kanäle aus den Feldern des Rheintals münden ebenfalls in den «Kanal», wie er in alamannischer Mundart genannt wird. Der so entstandene Rheintaler Binnenkanal wurde 1906 nach zehnjähriger Bauzeit fertiggestellt. Er ist rund 23 Kilometer lang und verläuft entlang der Dörfer Sennwald, Lienz, Rüthi, Oberriet, Montlingen, Kriessern, durch Widnau und an Au vorbei. Im östlich Teil von St. Margrethen, nach dem Strandbad Bruggerhorn, geht er schliesslich in den Alten Rhein über.

Auf Österreichischer Seite des Rheins existiert zur Entwässerung des Rheintals ebenfalls ein Binnenkanal, der als Vorarlberger Rheintalbinnenkanal bezeichnet wird.

Nebenflüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einmündung des Littenbachs in den Rheintaler Binnenkanal in Au.

Der Rheintaler Binnenkanal nimmt alle ehemaligen linken Zuflüsse zum Rhein zwischen Sennwald und St. Margrethen auf, z.B.:

Wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Letzte Staustufe bei Montlingen.

Der Rheintaler Binnenkanal wird durch drei Staustufen mit eingebauten Kleinkraftwerken zur Erzeugung von elektrischer Energie genutzt (siehe Rheintaler Binnenkanalwerke).

Schlauchbootfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Sommermonaten wird der Abschnitt unterhalb der letzten Staustufe bei Montlingen bis nach Au oder St. Margrethen oft von Schlauchbooten oder Kanus befahren.[1][2]

Seit 1994 wird auf dem Kanal in Widnau die Kanal-Regatta ausgetragen.[3] Das kleine Volksfest mit Spassfaktor wird vom örtlichen Turnverein (KTV) veranstaltet. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind mit selbstgebauten Flossen unterwegs. Höhepunkt des Spass-Rennens ist jeweils die «Bschütti-Binna» welche von einem Prominenten gesteuert wird.[4]

Umwelt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Renaturierter Abschnitt bei Rüthi.

Renaturierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Grund einiger Hochwasser, verursacht durch starke Regenfälle in den Gebieten der Zuflüsse des Rheintaler Binnenkanals, suchte vor allem die Gemeinde Rüthi nach einer Lösung, wie das Wasser besser abgeleitet werden könnte. In die Planung dieses Projektes wurden auch ökologische Überlegungen mit einbezogen und so konnte im Juni 2006 das Projekt "Rheintaler Binnenkanal - Hochwasserschutz und Ökologie im Einklang" gestartet werden. Bis im Sommer 2008 wurde das Vorhaben in mehreren Etappen ausgeführt.[5]

Wasserstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wasserstand des Rheintaler Binnenkanals wird vom Bundesamt für Umwelt (BAFU), Abteilung Hydrologie, permanent überwacht. Beim Bruggerhorn wurde zu diesem Zweck eine Messstation (Rheint.binnenkanal - St.Margrethen (2139)) eingerichtet. Die aktuellen Messdaten des Wasserstandes, sowie weitere interessante Tatsachen, können auf der entsprechenden Seite des BAFU abgerufen werden.[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rheintaler Binnenkanal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eberle, Iwona. Gummibootführer Schweiz. Thun: Werd Verlag, 2015. ISBN 978-3859327429
  2. Ab auf den Binnenkanal Tagblatt Online, Artikel vom 4. Juli 2013
  3. Viel Tempo und noch mehr Spass. Der Rheintaler, 23. August 2004, archiviert vom Original am 3. Dezember 2013, abgerufen am 2. Januar 2016.
  4. Girleströssler verteidigen den Titel. Der Rheintaler, 19. August 2013, abgerufen am 26. November 2013.
  5. Geschichte Hochwasserschutz am Rheintaler Binnenkanal
  6. Messstation Rheint.binnenkanal - St.Margrethen (2139) des BAFU