Rieter von Kornburg

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Das Wappen der Rieter

Die Rieter von Kornburg und Kalbensteinberg (auch Rieter von Kornburg, Kalbensteinberg und Harrlach) waren eine Patrizierfamilie der Reichsstadt Nürnberg, erstmals urkundlich in Nürnberg erwähnt im Jahr 1361. Aus dieser Zeit ist noch ein Topfhelm des Hans Rieter im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg zu sehen.

Ab 1437 waren sie mit kurzen Unterbrechungen bis zu ihrem Aussterben im Jahre 1753 im Inneren Rat vertreten. Sie gehörten nach dem Tanzstatut zu den neuen ratsfähigen Geschlechtern und waren Mitglieder der Reichsritterschaft im Ritterkanton Altmühl. Die Herrschaft Kornburg besaßen sie ab 1447, bis 1812 wurde sie noch von einer Rieter-Stiftung verwaltet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fenster in der Nürnberger Lorenzkirche, gestiftet 1480 von Peter und Sebald Rieter

Der Ursprung der Rieter (auch: Rietter oder Ritter) ist nicht eindeutig geklärt. Es ist wahrscheinlich, dass sie aus der Ministerialität der unterfränkischen Stadt Ebern stammten, im Mittelalter ein wichtiger Stapelplatz für Nürnberger Kaufleute. Als sich Hans I. Rieter in Nürnberg ansiedelte, erhielt er am 12. Februar 1384 einen Wappenbrief des zypriotischen Königs Jakob I. mit der Bestätigung, dass die Melusine in seinem Wappen einen Bezug zu den zypriotischen Kreuzfahrerkönigen aus dem Haus Lusignan symbolisiere und von einer adeligen Herkunft aus dem Königreich Zypern herrühre. Diese später in der Familienchronik ausgeführte Herkunfts- und Wappenlegende war jedoch zweifellos fingiert.[1] Ob überhaupt ein Bezug zum Kreuzrittertum bestand, ist zweifelhaft, es könnte auch eine Pilgerreise ins Heilige Land über Zypern geführt haben, auf der Hans I. seinen Wappenbrief erworben hat, oder ein bloßer Briefwechsel. Der bereits im 14. Jahrhundert vorhandene Grundbesitz und die Wappenverleihung lassen aber eine Abstammung aus dem Ministerialenstand vermuten. Die Rieter waren auch das einzige Geschlecht des Nürnberger Patriziats, denen der alte Adel des fränkischen Ritterkreises die Ebenbürtigkeit (siehe: Adelsprobe) und die Turnierfähigkeit nicht absprach.

Die Rieter wurden im Fernhandel reich und zeichneten sich durch Mobilität, Kunstsinn, Sammelleidenschaft, dem Festhalten an alten Werten, Eigensinnigkeit und durch großzügige Stiftungen aus. Hans Rieter († 1414) ist in Geldgeschäften mit den Medici belegt. Seit 1384 erwarben die Rieter ein Vermögen im Fernhandel mit Genua, Mailand, Rom, Pettau, Ofen, Antwerpen und Kastilien. 1390–1512 besaßen sie das sog. „Haus zur Ersten Bitte“ in Nürnberg, wo die neugewählten Römischen Könige auf ihrem seit 1356 in Nürnberg abzuhaltenden ersten Reichstag jeweils die Reichslehen und Regalien verliehen.

Weit umfangreicher als der Besitz in Nürnberg selbst waren die westlich und südlich davon sowie die in Schwaben (Bocksberg) liegenden Güter. Nachdem sie 1437 in den Besitz des Ortes Kalbensteinberg gelangt waren, kauften die Rieter 1447 das Wasserschloss in Kornburg (Rieterschloss), bekamen den kaiserlichen Briefadel verliehen und nannten sich Rieter von Kornburg. 1462 kam Andreas Rieter von Kornburg durch Heirat an die schwäbische Herrschaft Bocksberg (auch Pocksberg). Er war Begründer der Bocksberger Linie. 1502, nach dem Tod von Peter Rieter, starb die Kornburger Linie aus und das Majorat ging auf die Kalbensteinberger bzw. Bocksberger Linie über. Nach dem Aussterben der Rieter im Jahre 1753 und langwierigen Erbstreitigkeiten mit dem Ritterkanton Altmühl fielen deren Besitztümer durch die bereits 1437 in Vorschickung gegründete Rieterstiftung an das Heilig-Geist-Spital. Die Haller von Hallerstein wurden von der freien Reichsstadt Nürnberg als Stiftungsadministratoren eingesetzt.

Ehemalige Besitzungen (Auszug)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In und um Nürnberg hatten die Rieter große Besitzungen:

Haus zur ersten Bitte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rieterschen Haus am Hauptmarkt 6/8 (1945 zerstört) haben die deutschen Könige, die gemäß der Goldenen Bulle ihren ersten Reichstag in Nürnberg abhielten, Reichslehen und Regalien verliehen. Als Entgelt für die Überlassung des Hauses für die Amtshandlungen besaßen die Rieter das Recht der ersten Bitte, das heißt der Fürsprache des Königs bei den belehnten Fürsten zu Gunsten der Hausbesitzer.[16] Das Haus kam später an die Behaim.

Stiftungen (Auszug)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannte Familienmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Heinrich Rieter (1263–3. Januar 1336), Prior im Benediktinerkloster Reichenbach, zuletzt erster Abt im Kloster Ettal[23] (Bemerkung: Geburtsort unbekannt, aber Ehefrau: Eva von Reischach, geboren: in Riet b. Vaihingen).
  • Nikolaus Rieter (um 1315–1404), Ritter vom heiligen Grabe.
  • Hans Rieter (1339–14. April 1414), Ritter zu Stettbach und Gleisenberg, in seiner Jugend am Königlichen Hof in Zypern, 1384 Ritter vom Heiligen Grabe, erhält 1384 das Eckhaus an der Fleischbrücke (Rietersches Haus) aus der Familie seiner Frau Kunigunde Behaim und gilt 1408 als einer der reichsten Nürnberger.
  • Peter Rieter von Kornburg (1395–1452), 1437/38 Jüngerer Bürgermeister, Erstes Familienmitglied im Inneren Rat. Gründer der Rieterstiftung (Vorschickung Kornburg).
  • Andreas Rieter von Kornburg, Gründer der Bocksberger Linie (1462).
  • Sebald Rieter von Kornburg (1426–1488), Ratsherr, 1479 Pilgerreise mit Hans VI. Tucher nach Rom, Candia, Zypern und in das Heilige Land.
  • Peter Rieter von Kornburg (?–1502), Ratsherr.
  • Hans Rieter d. Ä. von Kornburg (1522–1584), Ratsherr, Kriegsmann in kaiserlichen, spanischen und englischen Diensten, Nürnberger Kriegshauptmann und Diplomat.
  • Hans Rieter d. J. von Kornburg (1564–1626), Ratsherr, Mitglied der Fränkischen Reichsritterschaft.
  • Grabstein des Joachim Rieter in Ottmaring
    Joachim Rieter von Kornburg zu Ottmaring (1568–1619), 1595 folgte er König Rudolph in den Türkenkrieg. Danach reiste er durch die Niederlande, Frankreich, Spanien und Italien. An der Seite der Maltheser kämpfte er auf ihren Galeeren gegen die Türken. Er folgte dem Ruf der Kreuzritter und gelangte 1608 über Venedig ins Heilige Land. In Jerusalem wurde er zum Ritter geschlagen und gehörte dem Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem an. Nach seiner Rückkehr lebte er auf Schloss Ottmaring, wurde Mitglied der Fürstlichen Hofhaltung zu Eichstätt unter den Fürstbischöfen Johann Konrad von Gemmingen und Johann Christoph von Westerstetten und fungierte als Pfleger auf der Willibaldsburg bei Eichstätt
  • Paul Albrecht Rieter von Kornburg (1634–1704), Ratsherr, Bürgermeister, Vorderster Losunger und Reichsschultheiß von Nürnberg. Er versuchte die Finanzen neu zu ordnen (Abbau der Stadt-/Staatsverschuldung), drang jedoch beim Rat nicht durch. Aus Protest legte er sein Amt nieder und zog sich nach Kornburg zurück.
  • Johann Albrecht Andreas Adam Rieter von Kornburg (1677–13. Februar 1753), Ratsherr, Kaiserlicher Rat, Hauptmann des Ritterkantons Altmühl.
  • Katharina Rieter († 1410), Äbtissin von Kloster Himmelkron 1410, starb kurz nach der Ernennung

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Schwarz und Gold geteilt mit einem rot gewandeten und Gold bekrönten zweischwänzigen silbernen Fischweiblein (Melusine). Nach dem Erwerb der Herrschaft Kornburg nahmen sie das Wappen der Kurenberger in ihr gebessertes Wappen auf. Ein rot-gelber Schild mit einer Lilie. Die Herrschaft Kalbensteinberg wird durch einen Kalbskopf symbolisiert.

Nach Erwerb der Bocksberger Besitzungen nahm die Bocksberger Linie einen springenden Bock in das Wappen auf.[24]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fenster in der Nürnberger Marthakirche, gestiftet um 1390 von Hans I. Rieter († 1414) und seiner zweiten Ehefrau Kunigunde Behaim sowie seinem Sohn Hans III. Rieter († 1410) und dessen Ehefrau Elisabeth Stromer[25]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rieter-Fenster Marthakirche, in: Bernhard Peter, Gernot Ramsauer, Alex Hoffmann, Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1405
  2. Das "Pilatushaus" im Besitz der Rieter
  3. Die Geschichte von Buch
  4. Historischer Atlas von Bayern: Teil Franken. Reihe 1 - Bände 27–28 - Seite 307
  5. Baudenkmäler in Untererlbach
  6. Geschichte von Affalterbach
  7. Geschichte von Sorg
  8. Schloss Sorg - ehemaliger Rieterscher Sommersitz
  9. Geschichte von Bocksberg
  10. Wappengeschichte von Zusamaltheim (Memento des Originals vom 30. Mai 2008 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.hdbg.de
  11. Die Geschichte von Rezelsdorf
  12. Die Geschichte von Harrlach (Memento des Originals vom 11. Juli 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.stadt-roth.de
  13. Die Kunstdenkmäler von Mittelfranken
  14. Der Hirsvogelsaal im Besitz der Rieter
  15. Die Schlösser von Ottmaring
  16. Rechtsgeschichte - Das Haus zur ersten Bitte
  17. Das Rieterfenster (Memento des Originals vom 8. Januar 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.lorenzkirche.citykirche-magazin.de
  18. Die Rieterkirche in Kalbensteinberg@1@2Vorlage:Toter Link/absberg.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  19. Kirche Kleinschwarzenlohe
  20. Kirche Rezelsdorf
  21. Kirche Kornburg
  22. Zum Topfhelm: siehe: Diskussionsseite.
  23. Gründungsgeschichte des Klosters Ettal (Memento des Originals vom 11. Juni 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/abtei.kloster-ettal.de
  24. Die Wappenrolle der Rieter -pdf
  25. Rieter-Fenster in der Marthakirche, in: Bernhard Peter, Gernot Ramsauer, Alex Hoffmann, Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1405

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Rieter von Kornburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien