Rocker (Film)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Originaltitel Rocker
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1972
Länge 85 Minuten
Stab
Regie Klaus Lemke
Drehbuch Klaus Lemke
Produktion Hans Kaden, Willi Segler
Kamera Bernd Fiedler, Anna Harnisch
Schnitt Jutta Brandstaedter
Besetzung
  • Gerd: Gerd Kruskopf
  • Mark Modschiedler: Hans-Jürgen Modschiedler
  • Uli Modschiedler: Paul Lys
  • Frank Murnau: Dennis O. Heinrich
  • Sonja: Marianne Mim
  • Frau Modschiedler: Heidrun Rieckmann
  • Rocker: Ole Jürgens
  • Rocker: Joe Ebel
  • Michael-Thomas Krannich
  • Dieter Lennssen
  • Thomas Dunker
  • Marianne Quast
  • Walter Zahn
  • Eva Pampuch
  • Die Hamburger Rockergruppe "BLOODY DEVILS"

Rocker ist ein Fernsehfilm aus dem Jahr 1972 von Regisseur Klaus Lemke, der auch das Drehbuch zum Film schrieb.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film beginnt mit einer Szene, in der Rocker Gerd aus dem Gefängnis Fuhlsbüttel entlassen und von seinen Kumpanen empfangen wird. Gerd ist auf Bewährung entlassen. Seine ehemalige Freundin Sonja hat inzwischen das Rockermilieu verlassen und arbeitet im Kaufhof. Gerd versucht sie dort auf barsche Art zurückzugewinnen. Ein am Abend anberaumtes Treffen der beiden wird durch eine Bande von Rockerfeinden zunichtegemacht, die Gerd niederschlagen, seine Gartenhütte in Brand stecken und ihn an einen Baum fesseln. Sonja hat derweil eine Beziehung zu dem Kleinkriminellen Ulli Modschiedler angefangen. Ulli klaut in der Tiefgarage am Hamburger Millerntor einen "Daimler" (Mercedes Cabrio), den er für 4000 DM an einen Zuhälter zu verkaufen versucht. Auf der Probefahrt wirft der vermeintliche Käufer zusammen mit einem Kumpan Ulli aus dem Wagen und klaut seinerseits das Fahrzeug. Ulli versucht in der Wohnung seiner Schwester an Geld zu kommen. Als er die Wohnung verlässt, folgt ihm sein 15-jähriger Bruder Mark, dessen Geld er an sich genommen hat. Erst versucht er ihn nach Hause zu schicken, doch später betrinken sie sich zusammen in einer Kneipe auf St. Pauli. Nach dem Gelage findet Ulli den Daimler wieder. Sie machen das Auto auf und schlafen dort ein. Der neue „Besitzer“ des Wagens und sein Kumpan sehen die beiden und zerren sie aus dem Wagen, wobei Mark – festgehalten von dem Kumpan – mit ansehen muss, wie der Zuhälter Ulli mit einem Knüppel zu Tode prügelt. Völlig apathisch rennt Mark vom Ort des Geschehens weg.

Am Morgen schläft Mark, immer noch betrunken, vor der verschlossenen Tür des Supermarktes, in dem er seine Ausbildung macht. Er wird von einer Verkäuferin geweckt und randaliert dort. Nachdem ihn die Polizei nach Hause bringt, wird er von seiner Schwester zu den Eltern nach Cuxhaven geschickt. In einer Kneipe in der Zeppelinstraße am Hamburger Flughafen, in der Mark landet, nachdem er in der Straßenbahn eingeschlafen war, lernt er den Rocker Gerd und zwei seiner Kumpel kennen. Gerd hatte sich dort mit seiner Ex-Freundin Sonja getroffen, die kurz zuvor vom Tod ihres neuen Freundes Ulli erfahren hatte. Sprachlos verlässt Sonja die Szene. Nach einer durchzechten Nacht zusammen mit Mark und seinen beiden Kumpeln zieht Gerd am nächsten Tag den Dealer Frank über den Tisch, indem er den Koffer mit Marks Kleidung an die Kunden des Dealers als Koffer voll Rauschgift verkauft. Von den ergatterten 4000 Mark („4 Mille“) kauft Gerd ein Motorrad und will mit Mark damit nach Cuxhaven fahren. Bei einem Zwischenstopp in einer Kneipe (Gasthof „Zur Linde“) in Bornberg an der B 73 (zwischen Hamburg und Cuxhaven) endet die Fahrt der beiden unfreiwillig. Nach einer Auseinandersetzung mit einem LKW-Fahrer verlässt dieser die Kneipe und überfährt das Motorrad mit seinem LKW. Gerd ist außer sich vor Wut; doch man sieht auch, der harte Rocker hat Tränen in den Augen. Anstatt nach Cuxhaven geht die Fahrt schließlich per Anhalter zurück nach Hamburg – obwohl der Fahrer eigentlich woanders hin wollte.

Wieder in Hamburg angekommen, erkennt Mark die Freundin eines der Mörder seines Bruders, folgt ihr in ein Nachtlokal an der Großen Freiheit und erzählt die ganze Sache Gerd. Der alarmiert seine Rocker-Gang, die daraufhin vor dem Etablissement Ullis Mörder stellt und verprügelt. Währenddessen steht Mark auf dem Kühler des geparkten Zuhälterautos und zertrümmert dessen Windschutzscheibe mit einer Eisenstange. Als die Polizei auftaucht, verlässt er den Ort. Der Film endet mit einer Einstellung auf Marks lächelndes Gesicht, darunter wird der Filmtitel eingeblendet. Mark erweist sich als der eigentliche Rocker.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Darsteller sind Laien und treten in ihrer Rolle in einigen Fällen unter ihrem bürgerlichen Namen auf, was für die Authentizität des Films von entscheidender Bedeutung ist. Schauplatz ist im Wesentlichen der Hamburger Kiez.
  • Klaus Lemke verwendete dieselbe Handlung später als Grundlage für seinen Film Die Ratte von 1993.
  • In der Szene, in der ein LKW-Fahrer das Motorrad des Rockers Gerd schrottreif fährt, greift Lemke ein Thema auf, welches als moderne Sage im Buch Die Spinne in der Yucca-Palme von Rolf Wilhelm Brednich als „Rache des Lastwagenfahrers“ beschrieben wird. Das gleiche Thema findet 1977 im Film Ein ausgekochtes Schlitzohr mit Burt Reynolds Verwendung. Ebenso verwendete Dieter Hallervorden zusammen mit Kurt Schmidtchen als Rocker die Handlung in einem Sketch der Serie Nonstop Nonsens aus den 1970er Jahren.
  • Der Film wurde von TV-Union Berlin im Auftrag des Zweiten Deutschen Fernsehen im Herbst 1971 produziert. Seine Erstausstrahlung war am 2. Februar 1972 im ZDF.

Soundtrack[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Musikalisch begleitet wird der Film mit Titeln von Santana („Black magic woman“, „Jingo“), Them („It's all over now baby blue“), den Rolling Stones („Sister Morphine“, „Moonlight mile“, „I got the blues“), Led Zeppelin („Rock'n'roll“) und anderen.

Kultstatus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film genießt in einigen Kreisen insbesondere in Hamburg Kultstatus. Das Hamburger 3001-Kino hat ihn deshalb regelmäßig im Programm. Ursache dafür ist die zumindest aus heutiger Sicht möglicherweise teilweise unfreiwillige Komik der Aussprüche der Figuren. Zudem ist der Kiez vielen bekannt, so dass eine gewisse Authentizität wahrgenommen wird. Dass die Handlung eigentlich dramatisch-tragisch ist, erhebt den Film über plumpe Unterhaltung. Vorführungen des Films haben dennoch in der Regel Partycharakter. Einzeiler wie

  • „Zwei oder drei Jahre.“
  • „Du flachst mich nicht, Torte!“
  • „Hast du schon mal gebumst?“
  • „Daimler is Daimler, und das is mein Daimler.“
  • „Wer rauchen kann, kann auch saufen.“
  • „Raus aus Hamburg, weg vom Leder.“
  • „Du meinst also, dass du das Geld nicht zurückbekommst, du Klappstuhl, oder was?“
  • „Das ist mir doch jetzt auch egal.“
  • „Dir ist doch alles egal, du kalter Puffer.“
  • „Du fährst jetzt nach Hamburg, das schwör ich dir!“
  • „Du bist doch'n Kerl oder was, mach dich gerade!“
  • „Ja, gucken und gucken, da kommt ja nichts.“
  • „Ja, schenk ein, bring an, ein Bier, doppelten Cola-Rum und für ihn weiß nicht, was er trinkt.“
  • „Kannst du bitte mal sagen, wie spät das ist?“

werden dabei vom Publikum gerne mitgesprochen. [1]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regisseur Dominik Graf in seiner Laudatio bei der Verleihung des Filmpreises der Stadt München 2010 an Lemke:

„Sein Film ‚Rocker‘, das war für 1972 eine Zeitenwende, zunächst mal für Lemke selbst. [...] Wenn man die Erstausstrahlung von Rocker im ZDF, im Februar 1972, miterlebt hat, dann wird man nicht mehr vergessen, wann und wo das war. [...] Rocker war mein Einstieg in etwas, das ich nicht definieren konnte, ich hatte keine Ahnung von den westdeutschen Stadtstraßen, keine Ahnung von wüst aussehenden Menschen auf Motorrädern, vom Kiez, von einer anderen westdeutschen Welt [...]. Es war Fernsehen als pure Lebenserfahrung.“

Dominik Graf[2]

„Klaus Lemkes dritter Fernsehfilm bemüht sich um eine authentische Beschreibung des Rocker-Alltags und schrieb durch seinen rüden Jargon und die ungeschönte Beschreibung des Kiez Fernsehgeschichte. Eine nahezu entfesselte Kamera setzte neue Maßstäbe im Bereich des Fernsehfilms.“

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Volker Behrens: Zwischen Kiez, Knast und Krad. Hamburger Abendblatt, 20. Juli 2010, abgerufen am 30. Dezember 2015.
  2. Dominik Graf In: Süddeutsche Zeitung vom 29. Juli 2010, S. 10
  3. Rocker. In: Lexikon des internationalen Films. Zweitausendeins, abgerufen am 22. August 2017.