Rosamunde Pilcher

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Rosamunde Pilcher [ˈɹəʊzəmʊnd ˈpʰɪɫtʃʰə] (Audio-Datei / Hörbeispiel anhören?/i) OBE (geborene Scott; * 22. September 1924 in Lelant, Cornwall, England; † 6. Februar 2019[1][2] in Longforgan, Perth and Kinross, Schottland[3][4]) war eine britische Schriftstellerin. Ihre Werke erschienen bis 1965 zum Teil unter dem Pseudonym Jane Fraser.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tochter eines Marineoffiziers wuchs bei ihrer Mutter in England auf, während ihr Vater in Burma diente.[5] Sie schrieb seit ihrem 15. Lebensjahr. Nach dem Schulabschluss trat sie 1942 während des Zweiten Weltkriegs dem freiwilligen Dienst des Women’s Royal Naval Service bei. Daneben arbeitete sie auch als Sekretärin im Außenministerium. 1943 wurde sie nach Indien berufen, wo sie sich bis Kriegsende aufhielt.

Im Jahr 1946 heiratete die Autorin den Textilunternehmer Graham Pilcher (1916–2009)[6] und zog mit ihm in den Ort Longforgan bei Dundee in Schottland, wo sie seither wohnte. Neben ihrer Tätigkeit als Hausfrau und Mutter von vier Kindern (unter anderem Robin Pilcher) begann sie Ende der 1940er-Jahre unter dem Pseudonym Jane Fraser Kurzgeschichten und Liebesgeschichten für Frauenmagazine zu schreiben – nach eigener Angabe dabei am Küchentisch sitzend, weil es im Haus keinen Platz für einen eigenen Schreibtisch gab. Die Kinder sahen sie niemals schreiben.[7]

Erst 1987 kam ihr Durchbruch als kommerziell erfolgreiche Romanautorin mit der Familiensaga The Shell Seekers (ab 1990 als Die Muschelsucher in Deutschland über 1,7 Millionen Mal verkauft). Ihre bislang über 60 Millionen weltweit verkauften Bücher haben sie seither zu einer der erfolgreichsten Autorinnen der Gegenwart gemacht.

Im Jahr 2002 wurde Pilcher der Titel eines Officer of the Order of the British Empire verliehen.

Am 7. Juni 2012 gab Pilcher mit 87 Jahren bekannt, dass sie aus Altersgründen mit dem Schreiben aufhöre.[8]

Am 6. Februar 2019 starb Rosamunde Pilcher im Alter von 94 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls nach einer Bronchitis.[9]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pilcher verkaufte rund 65 Millionen Bücher und verdiente zu Lebzeiten rund 100 Millionen britische Pfund.[10] Damit zählt sie zu den kommerziell erfolgreichsten Autorinnen der Gegenwart.[11] Sie gilt als „Meisterin der Liebesschnulze“:[12][13] Ihre der Trivialliteratur zugeordneten Liebesromane – häufig in der Kritik auch als „Kitsch“ bezeichnet[14] – drehen sich zumeist um Liebesbeziehungen, Liebesleid und Freundschaften („Heile Welt“; „Happy End“) in der britischen Upperclass,[15] deren männliche Protagonisten häufig Ärzte, Rosenzüchter oder beides waren.[16] Die Berliner Zeitung resümierte in einem Nachruf „Inzest, Erbschaftsstreitereien und wiederaufflackernde Liebesgeschichten bilden das Handlungsgerüst von einfach konstruierten Romanen, die unter der behutsamen Federführung von Rosamunde Pilcher stets von einfühlsamen Dialogen getragen wurden, mit denen sich ein von ganz anderen Alltagssorgen geplagtes Publikum mühelos identifizieren konnte.“[17] Die Emotionen der Charaktere und die Landschaften Englands, insbesondere ihrer Heimat Cornwall, sowie auch Schottlands sind ausgiebig beschrieben, hinzu kommen meist stark romantisierte Beschreibungen von Einrichtungen, Häusern oder Orten. Sie selbst sagte dazu: „Ja, in meinen Büchern ist ein gewisser Eskapismus drin, eine Flucht vor der Wirklichkeit. Aber es ist ja auch nicht so, dass unser Leben oder unser Job immer angenehm sind. Besonders Frauen führen oft ein Schattendasein, mit Kindererziehung und all dem. Da ist es doch manchmal schön, an die Hand genommen und in eine andere Welt oder anderes Leben geführt zu werden. Das Leben anderer Menschen ist immer faszinierend.“[18]

Insbesondere im deutschsprachigen Raum wurden ihre Werke und Adaptionen (vgl. Verfilmungen) erfolgreich und führten zu einem Touristenboom in Cornwall und Devon im Südwesten Englands. So berichtete der Chef des Fremdenverkehrsamts Visit Cornwell Malcom Bell: „Dass Cornwall die Kulisse für die Filme stellt, ist das beste Marketing, das wir kriegen können“, die Hälfte aller ausländischen Gäste in der strukturschwachen Gegend seien deutschsprachig, was als „Rosamunde-Pilcher-Effekt“ bezeichnet wird. Etwa bis zu 350.000 Touristen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz würden jährlich anreisen.[19] Arno Frank resümierte in Spiegel Online: „Die Nachfrage des deutschen Publikums nach idyllischen Gesellschaften in idyllischen Landschaften, diese Verbindung aus milder Exotik und mildem Herzklopfen ist an sich schon ein eigenes Genre geworden.“ Auch wenn sie Vorlagen lieferte, „ist Pilcher für ihre Verschmonzettung hierzulande nicht verantwortlich zu machen“. Sie habe „im Seichten einen tieferen Sinn“ entdeckt. Zitiert wird Pilcher mit den Worten: „Als jemand, der den Krieg erlebt hat, bin ich zufrieden, meine kleine Rolle dabei gespielt zu haben, das hinter uns zu lassen“.[20]

Öffentlich-rechtliche Sender wie das ZDF wurden in der Medienkritik auch mit Schlagworten wie Pilcherisierung oder Verpilcherung aufgrund einer angeblichen Verflachung und Verkitschung ihres Programms in der Hauptsendezeit bedacht.[21] Diese pejorativen Begriffe stünden seitdem als Referenz für Produktionen, in denen „ästhetisierte Landschaften“ als „Dekor“ für „eskapistische Liebesgeschichten“ stehen. Torsten Körner sagte etwa anlässlich der Verleihung des Bert-Donnepp-Preis 2009: „Statt Menschen sehen wir viel zu oft brave Landschaften, pilcherisierte Täler und degetoisierte Wälder“.[22]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verfilmungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke (in deutscher Übersetzung)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Muschelsucher. Roman (Taschenbuch). rororo – Rowohlt, Reinbek 1990. (Hardcover: Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste vom 10. Februar bis zum 28. März 1992)
  • Karussell des Lebens. Roman (Hardcover & Taschenbuch). Rowohlt, Reinbek 1991.
  • Lichterspiele. Roman (Taschenbuch). Rowohlt, Reinbek 1991.
  • September. Roman (Taschenbuch). Wunderlich, Reinbek 1991. (Hardcover: Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste vom 29. April bis zum 20. Oktober 1991)
  • Sommer am Meer. Roman (Hardcover & Taschenbuch). Rowohlt, Reinbek 1992.
  • Stürmische Begegnung. Roman (Hardcover & Taschenbuch). Rowohlt, Reinbek 1992.
  • Wechselspiel der Liebe. Roman (Taschenbuch). Rowohlt, Reinbek 1992.
  • Wilder Thymian. Roman (Hardcover & Taschenbuch). Wunderlich, Reinbek 1993. (Hardcover: Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste vom 10. bis zum 16. Januar 1994)
  • Schlafender Tiger. Roman (Taschenbuch). Rowohlt, Reinbek 1993.
  • Schneesturm im Frühling. Roman (Taschenbuch). Rowohlt, Reinbek 1993.
  • Blumen im Regen. Roman (Taschenbuch). rororo – Rowohlt, 1994.
  • Ende eines Sommers. Roman (Hardcover & Taschenbuch). Rowohlt, Reinbek 1994.
  • Heimkehr. Roman (Taschenbuch). Wunderlich, Reinbek 1995.
  • Wolken am Horizont. Roman (Hardcover & Taschenbuch). Rowohlt, Reinbek 1995.
  • Wintersonne. Roman (Taschenbuch). Wunderlich, Reinbek 2000.
  • Alle Erzählungen. Roman (Taschenbuch). Rowohlt, Reinbek 2000 (Sammelband, enthält die Erzählbände Das blaue Zimmer und Blumen im Regen)
  • Familienalbum. Bildband (Hardcover). Wunderlich, Reinbek 2007 (literarische Porträts all ihrer Kinder, Enkel und Urenkel; mit Fotos von ihrem Enkel Oliver Pilcher)
  • Meine beiden Mütter. (Taschenbuch). Rowohlt, Reinbek 2012.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Siv Bublitz (Herausgeber), Rosamunde Pilcher: Die Welt der Rosamunde Pilcher. Wunderlich Verlag, 1994, ISBN 978-3805205719.
  • Weihnachten mit Rosamunde Pilcher. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 2003, ISBN 3-499-23530-7.
  • Claus Beling, Heidi Ulmke: Bezauberndes Cornwall. Eine Reise zu den Schauplätzen der Rosamunde-Pilcher-Filme. vgs Egmont, Köln 2005, ISBN 3-8025-3408-5.
  • Ulrike Grunewald, Petra Woebke: Auf Rosamunde Pilchers Spuren: Eine Reise durch Schottland und Cornwall. Moewig, Hamburg 2008. ISBN 978-3-86803-274-1.

Dokumentationen im TV[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rosamunde Pilchers CornwallZDF-Dokumentation (2008) – Erstausstrahlung am 31. Mai 2009
  • Rosamunde Pilchers Schottland – ZDF-Dokumentation (2008) – Erstausstrahlung am 1. Juni 2009
  • Cornwall – Das echte Land der Rosamunde Pilcher – ZDF-Dokumentation (2020) – Erstausstrahlung am 13. April 2020

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2004 besuchte Rosamunde Pilcher ihre Großnichte Marissa auf Schloss Rheda. Marissa ist die Ehefrau von Maximilian zu Bentheim-Tecklenburg. Damals wurde eine Rose im Schlosspark nach ihr benannt.[23]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rosamunde Pilcher obituary, theguardian.com, erschienen und abgerufen am 7. Februar 2019
  2. Alison Flood: Rosamunde Pilcher, author of The Shell Seekers, dies aged 94. In: The Guardian. 7. Februar 2019, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 7. Februar 2019]).
  3. Novelist Rosamunde Pilcher dies, aged 94 thebookseller.com, abgerufen am 7. Februar 2019
  4. Kult-Autorin Rosamunde Pilcher (94) ist tot telebasel.ch, abgerufen am 7. Februar 2019
  5. Vineta Colby (Hrsg.): World authors, 1985–1990. H. W. Wilson, New York 1995, ISBN 0-8242-0875-7, S. 970.
  6. Graham Pilcher. In: The Telegraph, 3. Mai 2009.
  7. Stefanie Maeck: Kitsch lebt sie nur in der Fiktion. In: spiegel.de, 21. September 2014, abgerufen am 21. September 2014
  8. Rosamunde Pilcher hört auf: Rente mit 87. In: Spiegel Online Kultur, 7. Juni 2012
  9. Rosamunde Pilcher, author of The Shell Seekers, dies aged 94, The Guardian vom 7. Februar 2019; abgerufen am 9. Februar 2019
  10. "So richtig verliebt war ich noch nie"; Süddeutsche.de vom 7. Februar 2019; abgerufen am gleichen Tag
  11. Rosamunde Pilcher mit 94 Jahren gestorben, Handelsblatt vom 7. Februar 2019
  12. Angelika Bucerius: "Sie schreibt über Gefühle, aber zeigt sie nicht gern". In: Die Welt. 19. Mai 2013, abgerufen am 8. Juni 2015 (Interview mit Rosamunde Pilcher).
  13. Hendrik Werner: Die Schnulzenkönigin Rosamunde Pilcher wird 85. In: Die Welt. 22. September 2009, abgerufen am 8. Juni 2015.
  14. Mit Kitsch stellte Rosamunde Pilcher fast alle in den Schatten; br24 vom 7. Februar 2019; abgerufen am gleichen Tag
  15. Die Konfektions-Romantikerin, Deutschlandfunk vom 7. Februar 2019; abgerufen am 9. Februar 2019
  16. Meisterin der Kitschprosa: Rosamunde Pilcher gestorben; Der Standard vom 7. Februar 2019; abgerufen am 9. Februar 2019
  17. Nachruf auf Rosamunde Pilcher Die Herrin der Liebe; Berliner Zeitung vom 7. Februar 2019; abgerufen am 20. Februar 2019
  18. Die Meisterin der Liebesromane, tagesschau.de vom 7. Februar 2019; abgerufen am gleichen Tag
  19. Warum die Deutschen Rosamunde Pilcher vergöttert haben; Augsburger Allgemeine vom 8. Februar 2019; abgerufen am 11. Februar 2019
  20. Queen Kitsch, Spiegel online vom 7. Februar 2019; abgerufen am gleichen Tag
  21. Pilcherisierung; Lexikon der Filmbegriffe; abgerufen am 14. Februar 2019
  22. Tanja Weber: Kultivierung in Serie: Kulturelle Adaptionsstrategien von fiktionalen Fernsehserien; Schüren Verlag 2015 S. 308; online in Google Bücher
  23. Erinnerungen an Rosamunde Pilcher. Die Glocke.online, abgerufen am 18. Mai 2020.