Rudolf von Thadden

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Rudolf von Thadden auf dem Deutschen Evangelischer Kirchentag 2013

Rudolf Joachim von Thadden (* 20. Juni 1932 auf Gut Trieglaff) ist ein deutscher Historiker und war Professor für Mittlere und Neuere Geschichte an der Universität Göttingen.

Familie[Bearbeiten]

Thadden entstammt dem pommerschen Adelsgeschlecht von Thadden und ist der Sohn von Reinold von Thadden (1891–1976), Gründer und Ehrenpräsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages, und Elisabeth Freiin von Thüngen (1893–1988).

Er heiratete am 28. August 1958 in Göttingen Wiebke Fesefeldt (* 7. Juli 1931), Autorin historischer Jugendliteratur, die Tochter des Universitätsdozenten und Industriephysikers Hans Fesefeldt und der Ilse Hoffmann. Beide haben vier Kinder. Tochter Elisabeth von Thadden (* 1961) arbeitet als Schriftstellerin sowie als Redakteurin der Wochenzeitung Die Zeit. Sohn Ernst-Ludwig von Thadden (* 1959) ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Mannheim.

Seine Tante war die 1944 von den Nationalsozialisten hingerichtete Widerstandskämpferin Elisabeth von Thadden (1890–1944).

Sein Bruder Franz-Lorenz von Thadden (1924–1979) war CDU-Bundestagsabgeordneter (1969–1972) und kam 1979 bei einem Flugzeugabsturz in Ecuador ums Leben, wo er als Leiter der Caritas-Überseehilfe Entwicklungsprojekte inspizierte.

Sein Onkel Adolf von Thadden (1921–1996, Halbbruder seines Vaters Reinold) schlug politisch eine andere Richtung ein und war von 1967 bis 1971 Bundesvorsitzender der NPD, zu deren Gründern er gehörte.

Leben[Bearbeiten]

Thadden studierte Geschichte, Evangelische Theologie und Romanistik an den Universitäten Tübingen, Paris und Göttingen und wurde 1958 in Göttingen zum Dr. phil. promoviert. 1967 folgte ebendort die Habilitation. Im folgenden Jahr erhielt er seine erste Dozentur, eine Lehrstuhlvertretung an der Technischen Hochschule Hannover und 1968 folgte er einem Ruf als ordentlicher Professor an das Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte der Georg-August-Universität Göttingen, wo er bis zu seiner Emeritierung blieb. 1974/1975 war er zudem Rektor der Philosophischen Fakultät in Göttingen und gehörte dem Senat der Westdeutschen Rektorenkonferenz an.

Deutsch-französische Zusammenarbeit[Bearbeiten]

1983 war der im Rahmen der deutsch-französischen Zusammenarbeit stark engagierte von Thadden als Gastprofessor an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris tätig, wo er zwischen 1989 und 1992 einen weiteren Lehrstuhl innehatte. Von 1985 bis 1994 war er zudem Präsident des Deutsch-Französischen Instituts in Ludwigsburg. Darüber hinaus stand er von 1994 bis 2007 der heutigen Stiftung Genshagen mit dem Berlin-Brandenburgischen Institut für deutsch-französische Zusammenarbeit in Europa als Direktor vor und war von 1999 bis 2003 Koordinator für die deutsch-französische Zusammenarbeit der Bundesregierung.

Forschungsschwerpunkte[Bearbeiten]

Neben der deutsch-französischen Zusammenarbeit und der französischen Geschichte der Neuzeit bilden vor allem die preußische Geschichte seit dem 17. Jahrhundert, die vergleichende Kulturgeschichte Europas und die Kirchengeschichte die Forschungsschwerpunkte von Thaddens, wobei er letztere vor allem aus dem Blickwinkel der Gesellschaftsgeschichte betrachtet. Neben zahlreichen Werken zu diesen Themen (u.a. sein Standardwerk Fragen an Preußen) verfasste er weitere Schriften zur Geschichte der Hugenotten, des Liberalismus sowie Essays zu Geschichte und Gegenwart. Daneben ist er seit 1997 Herausgeber der Reihe Genshagener Gespräche.

Ehrungen[Bearbeiten]

Mitgliedschaften[Bearbeiten]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Die brandenburgisch-preußischen Hofprediger im 17. u. 18. Jahrhundert. Ein Beitrag zur Geschichte der absolutistischen Staatsgesellschaft in Brandenburg-Preußen, Berlin 1959.
  • Restauration und napoleonisches Erbe. Der Verwaltungszentralismus als politisches Problem in Frankreich (1814–1830) , Wiesbaden 1972.
  • Fragen an Preußen. Zur Geschichte eines aufgehobenen Staates, München 1981.
  • Die Hugenotten 1685-1985 (Herausgeber), München-Paris 1985.
  • Weltliche Kirchengeschichte. Ausgewählte Aufsätze, Göttingen 1989.
  • Nicht Vaterland, nicht Fremde. Essays zu Geschichte und Gegenwart, München 1989.
  • Brückenwege nach Europa, 2003.
  • Trieglaff. Eine pommersche Lebenswelt zwischen Kirche und Politik 1807-1948, Wallstein Verlag,Göttingen 2010 ISBN 978-3-8353-0760-5

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rudolf von Thadden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien