Rudolf von Thadden

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Rudolf von Thadden auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag 2013

Rudolf Joachim von Thadden (* 20. Juni 1932 auf Gut Trieglaff; † 18. November 2015 in Göttingen[1][2]) war ein deutscher Historiker und Professor für Mittlere und Neuere Geschichte an der Universität Göttingen.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rudolf von Thadden entstammte dem pommerschen Adelsgeschlecht von Thadden und war der Sohn von Reinold von Thadden (1891–1976), Gründer und Ehrenpräsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages, und Elisabeth Freiin von Thüngen (1893–1988).

Er heiratete am 28. August 1958 in Göttingen Wiebke Fesefeldt (* 1931), Autorin historischer Jugendliteratur, die Tochter des Universitätsdozenten und Industriephysikers Hans Fesefeldt und der Ilse Hoffmann. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor. Die Tochter Elisabeth von Thadden (* 1961) arbeitet als Redakteurin der Wochenzeitung Die Zeit, der Sohn Ernst-Ludwig von Thadden (* 1959) ist Professor für Volkswirtschaftslehre und Rektor der Universität Mannheim.

Seine Tante war die 1944 von den Nationalsozialisten hingerichtete Widerstandskämpferin Elisabeth von Thadden (1890–1944).

Sein Bruder Franz-Lorenz von Thadden (1924–1979) war CDU-Bundestagsabgeordneter (1969–1972) und kam 1979 bei einem Flugzeugabsturz in Ecuador ums Leben, wo er als Leiter der Caritas-Überseehilfe Entwicklungsprojekte inspizierte.

Sein Onkel Adolf von Thadden (1921–1996, Halbbruder seines Vaters Reinold) schlug politisch eine andere Richtung ein und war von 1967 bis 1971 Bundesvorsitzender der NPD, zu deren Gründern er gehörte.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thadden studierte Geschichte, Evangelische Theologie und Romanistik an den Universitäten Tübingen, Paris und Göttingen und wurde 1958 in Göttingen zum Dr. phil. promoviert. 1967 folgte ebendort die Habilitation. Im folgenden Jahr erhielt er seine erste Dozentur, eine Lehrstuhlvertretung an der Technischen Hochschule Hannover, und 1968 folgte er einem Ruf als ordentlicher Professor an das Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte der Georg-August-Universität Göttingen, wo er bis zu seiner Emeritierung blieb. 1974/1975 war er zudem Rektor der Philosophischen Fakultät in Göttingen und gehörte dem Senat der Westdeutschen Rektorenkonferenz an.

Deutsch-französische Zusammenarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1983 war der im Rahmen der deutsch-französischen Zusammenarbeit stark engagierte von Thadden als Gastprofessor an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris tätig, wo er zwischen 1989 und 1992 einen weiteren Lehrstuhl innehatte. Von 1985 bis 1994 war er zudem Präsident des Deutsch-Französischen Instituts in Ludwigsburg. Darüber hinaus stand er von 1994 bis 2007 der heutigen Stiftung Genshagen mit dem Berlin-Brandenburgischen Institut für deutsch-französische Zusammenarbeit in Europa als Direktor vor und war von 1999 bis 2003 Koordinator für die deutsch-französische Zusammenarbeit der Bundesregierung.

Forschungsschwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der deutsch-französischen Zusammenarbeit und der französischen Geschichte der Neuzeit bildeten vor allem die preußische Geschichte seit dem 17. Jahrhundert, die vergleichende Kulturgeschichte Europas und die Kirchengeschichte die Forschungsschwerpunkte von Thaddens, wobei er letztere vor allem aus dem Blickwinkel der Gesellschaftsgeschichte betrachtete. Neben zahlreichen Werken zu diesen Themen (u.a. sein Standardwerk Fragen an Preußen) verfasste er weitere Schriften zur Geschichte der Hugenotten, des Liberalismus sowie Essays zu Geschichte und Gegenwart. Daneben war er seit 1997 Herausgeber der Reihe Genshagener Gespräche.

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die brandenburgisch-preußischen Hofprediger im 17. und 18. Jahrhundert. Ein Beitrag zur Geschichte der absolutistischen Staatsgesellschaft in Brandenburg-Preußen (= Beiträge zur Kirchengeschichte, Band 32). de Gruyter, Berlin 1959, DNB 55032181 (Zugleich Dissertation, Universität Göttingen, Philosophische Fakultät, 7. August 1958, DNB 480765472).
  • Restauration und napoleonisches Erbe. Der Verwaltungszentralismus als politisches Problem in Frankreich (1814–1830) (= Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz, Band 63: Abteilung Universalgeschichte), Steiner, Wiesbaden 1972, DNB 730043428 (Zugleich Habilitationsschrift Uni Göttingen, Philosophische Fakultät, 1967).
  • Institution und politisches Handeln: zur Frage des Handlungsspielraums eigenständiger Institutionen. Vortrag, gehalten zur Eröffnung der Universitätswoche Göttingen am 28. Oktober 1974 (= Göttinger Universitätsreden, 58), Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1976, ISBN 3-525-82609-5.
  • Fragen an Preußen. Zur Geschichte eines aufgehobenen Staates. München 1981.
  • Die Hugenotten 1685–1985 (Herausgeber), München-Paris 1985.
  • Weltliche Kirchengeschichte. Ausgewählte Aufsätze. Göttingen 1989.
  • Nicht Vaterland, nicht Fremde. Essays zu Geschichte und Gegenwart. München 1989.
  • Brückenwege nach Europa. 2003.
  • Trieglaff. Eine pommersche Lebenswelt zwischen Kirche und Politik 1807–1948. Wallstein, Göttingen 2010, ISBN 978-3-8353-0760-5.
  • mit Karl Schlögel und Adam Krzemiński: Blicke Ost - Blicke West (= Göttinger Sudelblätter). Wallstein, Göttingen 2010, ISBN 978-3-8353-0907-4.
  • Eine preußische Kirchengeschichte. Wallstein, Göttingen 2013, ISBN 978-3-8353-1364-4.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rudolf von Thadden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Traueranzeige Familie, FAZ, 21. November 2015
  2. Nachruf Stiftung Genshagen, FAZ, 21. November 2015
  3. Patrick Bahners: Weltakademiker. Historiker Rudolf von Thadden ist tot. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. November 2015, S. 14.