Sütterlinstube Hamburg

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Altenzentrum Ansgar am Reekamp in Hamburg-Langenhorn, 2017

Die Sütterlinstube Hamburg ist ein Verein mit dem Ziel der Aktivierung der Fähigkeit, die deutsche Schrift zu lesen und zu schreiben. Er leistet Unterstützung bei der Transliteration von Texten aus der deutschen in die lateinische Schrift. Der Verein ist der erste und größte dieser Art in Deutschland.[1] Der Name orientiert sich an der 1911 entstandenen Sütterlinschrift, die zur Zeit des Nationalsozialismus verboten wurde und daher für spätere Generationen nicht mehr lesbar war.

Verein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sütterlinstube Hamburg ist in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins organisiert. Der Verein arbeitet ehrenamtlich, nimmt jedoch Spenden entgegen,[2] die unter anderem für soziale Projekte und Förderungen verwendet werden. Die im Altenzentrum Ansgar am Reekamp 49–51 in Hamburg-Langenhorn ansässige Sütterlinstube existiert seit 1996 und wurde 2009 zum Verein mit anerkannter Gemeinnützigkeit. Neben Texten in der Sütterlinschrift wurden bisher von der Sütterlinstube Texte in der deutschen Kurrentschrift, in der deutschen Kanzleischrift und in der früher in Deutschland gebräuchlichen Kurzschrift Stolze-Schrey übertragen. Der Verein bietet zudem Kurse in Sütterlin an der Volkshochschule Hamburg-Ost an sowie einen Fernkurs in Sütterlin per E-Mail.

Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eines der größten Projekte der Sütterlinstube bisher war die Übertragung der über 1.000 Briefe aus der Familie des Altonaer Landschaftsmalers Louis Gurlitt.[3][4] Ein weiteres großes Projekt waren die 2.000 Manuskriptseiten in 10 Bänden der Chronik 1650–1911 der Familie Runge, zu der auch Daniel Nikolaus Runge, der Hamburger Kaufmann, Reeder und Lyriker Daniel Runge, der Hamburger Maler Philipp Otto Runge, der Hamburger Bildhauer Otto Sigismund Runge und der Pastor Daniel Runge gehörten. Hinzu kommen Tagebücher des Hamburger Malers Fritz Friedrichs, Familienbriefe des Malers und Kupferstechers Friedrich Wilhelm Delkeskamp und Gerichtsakten um unerlaubte Nachdrucke seiner Werke sowie Briefe und Abhandlungen des Landschaftsmalers Wilhelm Steinhausen, Briefe und Notizen des Malers und Bildhauers Bruno Piglhein, Schriftwechsel des Hamburger Komponisten Oscar Fetrás mit der Wiener Komponistenfamilie Strauss, Schriftverkehr des Literaturwissenschaftlers und Philosophen Friedrich Theodor Vischer, Briefe und Texte des Publizisten und Schriftstellers August Adolph von Hennings, Briefe des Dichters August Thieme, Tagebücher des späteren Reichsführers der SS Heinrich Himmler und Briefe und Texte vieler weiterer bekannter und unbekannter Persönlichkeiten. Zu den Auftraggebern zählt auch das Internationale Maritime Museum Hamburg. Bis August 2017 wurden etwa 3500 Aufträge bearbeitet,[2] die inzwischen aus der ganzen Welt kommen.[5]

Die Sütterlinstube betreibt auch Förderprojekte. Unter anderem übernahm sie als Buchpatin die Restaurierungskosten für De Messias (niederländisch) von Friedrich Gottlieb Klopstock (drei Bände) und drei Kirchenansichten, für die ihr eine Urkunde von der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg verliehen wurde. Die Kirchenansichten waren eine Lithografie von F. I. Stock nach einer Zeichnung von Hermann Peter Fersenfeldt der Hauptkirche Sankt Jacobi aus dem Jahre 1825, eine Lithografie, die die Ruine des Hamburger Domes zeigt von ca. 1806 und eine kolorierte Zeichnung von Johann David Fritzsche aus dem Jahre 1761, die die ehemalige Altonaer Stadtkirche St. Trinitatis darstellt.[6][7]

Circa Mitte 2018 stiftete die Sütterlinstube der Ansgarkirche in Hamburg-Langenhorn einen der beiden Entwürfe für ein wahrscheinlich nicht mehr existentes Altar-Triptychon von Anita Rée, die die Kirche von der Kunsthistorikerin Maike Bruhns mit Spendengeldern erwerben wollte, sodass die Kirche nur noch einen Entwurf mit Spendengeldern finanzieren brauchte. Die beiden Entwürfe tragen die Titel Einzug in Jerusalem und Verhaftung in Gethsemane (auch Judaskuss).[8]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2017 wurde die Sütterlinstube Hamburg e.V. durch den Hamburger Senat mit der Medaille für treue Arbeit im Dienste des Volkes in Bronze ausgezeichnet. Die Hamburger Kulturstaatsrätin Jana Schiedek, die stellvertretend dem Verein die Medaille verlieh, bezeichnete diesen als eine „in Deutschland einzigartige Institution“.[9]

Publikationen unter Verwendung der Übertragungen des Vereins (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jürgen Gressel–Hichert, Christiane Timper: Sütterlin – Eine alte deutsche Schrift. In: kulturradio.de. Abgerufen am 4. August 2017.
  2. a b Katja Iken: Vergessene Sütterlinschrift – Ururomas Liebesbriefe. In: Spiegel Online, 2. August 2017, abgerufen am 4. August 2017.
  3. Gurlitt - Ausstellung – Das Werk. In: suetterlinstube-hamburg.de. Abgerufen am 4. August 2017.
  4. Gurlitt - Ausstellung – Termine. In: suetterlinstube-hamburg.de. Abgerufen am 4. August 2017.
  5. Website der Sütterlinstube
  6. Objekt-Nr. 44 und 43, Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg
  7. Förderprojekte auf der Website der Sütterlinstube
  8. Nacht der Kirchen, Ansgar-Spiegel, September 2018, S. 3
  9. Ehrung: Senat zeichnet Sütterlinstube e.V. mit der Medaille für treue Arbeit im Dienste des Volkes in Bronze aus. In: hamburg.de. 29. März 2017, abgerufen am 4. August 2017.

Koordinaten: 53° 39′ 9,3″ N, 10° 0′ 35,6″ O