SIX Group

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SIX Group AG

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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 2008
Sitz Zürich, Schweiz
Leitung Jos Dijsselhof
(CEO)
Thomas Wellauer
(VR-Präsident)
Mitarbeiterzahl 2'710 (31. Dezember 2019)[1]
Umsatz 1.129 Mio. CHF (2019)[1]
Branche Finanzdienstleistungen
Website www.six-group.com

SIX betreibt die Infrastruktur für den Finanzplatz Schweiz. Das Unternehmen erbringt Dienstleistungen rund um Wertpapiergeschäfte, die Aufbereitung von Finanzinformationen, den Zahlungsverkehr und baut eine digitale Infrastruktur auf. Die Unternehmensbezeichnung SIX ist eine Abkürzung und steht für Swiss Infrastructure and Exchange. SIX ist international tätig, ihr Hauptsitz ist Zürich.[2]

Unternehmensgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1930: Gründung der Ticker AG und Bezug der neuen Börse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ticker AG in Zürich wurde mit dem Zweck gegründet, Börsenkurse zu übermitteln.[3] Sie war die Vorgängerin der Telekurs AG, die zu einem späteren Zeitpunkt gemeinsam mit anderen Unternehmen zur SIX fusionierte.[4][5]

Mit Eröffnung der neuen Börse begann auch die Tickeranlage zu senden.[3] Dieser Börsenticker, einer der ersten auf dem europäischen Kontinent und eine spezielle Anwendung des Lokaltelegrafen, übermittelte die Zürcher Börsenkurse, die Schlusskurse anderer Schweizer und wichtiger ausländischer Börsen in kursiver Schrift auf einem schmalen Streifen Papier an beliebig viele Empfänger.[3]

1961: Börsenfernsehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ticker AG führte das erste Börsenfernsehen überhaupt ein und weckte mit diesem Novum mediales Interesse: Am Bildschirm konnten die Kurse von bis zu neunzig Titeln verfolgt werden.[4] Die Neue Zürcher Zeitung beschrieb das Börsenfernsehen als Weltneuheit und widmete dieser technischen Entwicklung eine Technik-Beilage.[6]

Die Ticker AG änderte ihre Firma auf Telekurs AG.[7]

1987: Inbetriebnahme Swiss Interbank Clearing (SIC)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das neue Online-Clearingsystem stützte sich auf ein zentrales Computersystem bei Telekurs mit Online-Anschluss der Teilnehmer.[4][8] Primär werden nur Zahlungen in Schweizer Franken abgewickelt.

1993: Gründung der Schweizer Börse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Börsen in Genf, Basel und Zürich fusionierten zur Schweizer Börse Swiss Exchange.[2]

1995: Elektronischer Börsenhandel und Swiss Value Chain[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schweizer Börse lancierte den elektronischen Börsenhandel mit integrierter Abwicklung und Verwahrung und stellte im Jahr darauf den Ringhandel ein.[9] Voraussetzung für diesen Schritt war die Verknüpfung zum SECOM-System für SEGA sowie zum Interbank-Zahlungssystem SIC, welches Telekurs betrieb.[9]

1999: euroSIC internationalisiert die Zahlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Clearingsystem für Euro-Zahlungen euroSIC nahm den Betrieb auf und verschaffte den Schweizer Banken Anschluss an die europäischen Zahlungssysteme.[10] SEGA schloss sich mit INTERSETTLE zur SIS Group zusammen. INTERSETTLE war bisher für die Wertschriftenabwicklung zuständig, die dem Börsenhandel nachgelagert ist.[11]

2001: SIS erwirbt die weltweit bedeutendste Sammlung historischer Wertpapiere und gründet eine Stiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Eröffnung der Wertpapierwelt in Olten als erstes internationales Museum für historische Wertpapiere folgte im Juli 2003. Heute ist die Ausstellung im Schweizer Finanzmuseum in Zürich zu sehen.[12]

2005: Kartellrechtsverfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die SIX Multipay AG lancierte im Jahr 2005 eine DCC-Funktion (dynamic currency conversion), die nur auf den Zahlkartenterminals der SIX Card Solutions AG verfügbar war. Die Wettbewerbskommission (Weko) intervenierte und warf der Konzerntochter von SIX vor, ihre marktbeherrschende Stellung zu missbrauchen.[13] Im Dezember 2006 stellte SIX Multipay AG die DCC-Funktion auch anderen Terminalanbietern zur Verfügung und legte die Schnittstellen-Informationen offen. Vier Jahre später verhängte die Weko gegen SIX eine Busse von sieben Millionen Schweizer Franken.[13]

2008: Fusion und Umfirmierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die SWX Group, SIS Group und Telekurs Group fusionierten am 1. Januar zur Swiss Financial Markets Services AG.[14] Das Unternehmen deckte damit die Geschäftsfelder Wertschriftenhandel, Börsentransaktionen, Finanzinformationen und Zahlungsverkehr ab.[2]

Am 21. August 2008 erfolgte eine Umbenennung der Swiss Financial Markets Services AG zu SIX Group AG.[15]

2016: Mobiles Bezahlen mit Twint[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinsam mit verschiedenen Schweizer Banken lancierte und etablierte SIX die Mobile-Payment-Lösung Twint.[16]

2018: Partnerschaft mit Worldline[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SIX ging eine strategische Partnerschaft mit Worldline ein. Worldline übernahm SIX Payment Services und SIX hält einen Anteil von 27 % an Worldline.[17]

Dienstleistungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wertpapierhandel über SIX Swiss Exchange[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SIX betreibt die Schweizer Börse. Kernfunktionen der SIX Swiss Exchange sind die Zulassung von Wertpapieren, der Betrieb der Handelsplattform, die Überwachung des Handels sowie der Vertrieb von Marktinformationen. Über die gemeinsame Handelsplattform von SIX Swiss Exchange und SIX Structured Products Exchange werden unter anderem Aktien, Anleihen, Derivate, Anlagefonds und Zertifikate gehandelt. Darüber hinaus berechnet SIX Indizes, wie zum Beispiel den Swiss Market Index.

Als unabhängige Einheit innerhalb von SIX übernimmt Exchange Regulation sämtliche Aufgaben im Rahmen der börsengesetzlich vorgesehenen Selbstregulierung. Die Einheit ist getrennt vom operativen Geschäft und erlässt Regeln für Emittenten und Teilnehmer, überwacht den Handel und setzt die Regeln durch.

Nachhandelsabwicklung und weitere Securities Services[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ist ein Börsenhandel zustande gekommen, übernimmt SIX alle nachfolgenden Prozesse.[18] Der Unternehmensbereich SIX Securities Services agiert als Vertragspartner zwischen Handelsparteien in ganz Europa (zentrale Gegenpartei).[9] Dieser Service dient dazu, die Risiken sowohl von Käufern als auch von Verkäufern zu senken (Clearing).[9] Danach wickelt SIX die Transaktionen elektronisch ab (Settlement). Dazu gehören auch Echtzeit-Zahlungen von einer Bank an eine andere.[9]

Ausserdem betreibt SIX Systeme, die Anlagewerte und Dokumente vor unbefugtem Zugriff sichern (Custody). Für die Schweiz fungiert das Unternehmen in diesem Bereich als Zentralverwahrer. Es verwahrt die meisten der nach Schweizer Recht emittierten Finanzinstrumente. SIX bietet ihren Verwahrungsservice aber auch international an.

Ebenfalls zum Geschäftsbereich «Securities Services» gehören Plattformen für Lastschriften und E-Rechnungen sowie das elektronische Auskunftsportal für Grundbuchdaten in der Schweiz. Es heisst Terravis und ermöglicht Hypotheken-, Grundstücks- und Handelsregistergeschäfte.[19] SIX Interbank Clearing betreibt die Zahlungssysteme SIC und euroSIC in der Schweiz und über ihre Grenzen hinaus. Sie ermöglicht dadurch Finanzinstituten weltweit, ihre Grossbetrags- und Massenzahlungen in Franken und Euro abzuwickeln.[20]

Im November 2020 wurde bekannt, dass das im Januar 2018 gestartete kommerzielle Security Operations Center (SOC) aufgelöst werde. Die bestehenden Verträge (u. a. mit T-Systems) würden noch eingehalten. Das SOC werde weiterhin für die interne Security von SIX eingesetzt.[21]

Financial Information[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SIX bezieht in Echtzeit Finanzdaten von internationalen Börsen und Unternehmen und vertreibt sie weiter.[22] Dazu gehören unter anderem Basisinformationen über börsennotierte Unternehmen (Referenzdaten) und Informationen zu Massnahmen, die die Kapital- und Stimmrechte von Aktionären betreffen (Corporate Actions).[22] Ausserdem können sich Kunden von SIX über Preise und Marktkurse von rund 15 Millionen Finanzinstrumenten auf dem Laufenden halten.[22] Auf Grundlage der Finanzdaten von SIX entscheiden Banken und andere Marktteilnehmer über Finanzgeschäfte und bewerten Anlagerisiken.[22]

Bargeldloser Zahlungsverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SIX verarbeitet Mobile-Payment sowie Kredit-, Debit- und Wertkartenzahlungen in der Schweiz, in Österreich und Luxemburg sowie in vielen weiteren Ländern Europas. Daneben ermöglicht SIX das Beziehen von Bargeld an Geldautomaten. Ausserdem schafft SIX mit ihrer Infrastruktur die nötigen, sicheren Voraussetzungen dafür, dass Hotels, Gastronomie und Handel online oder am Terminal Mobile-Payment und Zahlkarten akzeptieren können. In Österreich gab SIX zeitweise selber Zahlkarten heraus. Die SIX Payment Services AG wurde 2018 an Worldline verkauft.[23]

Eigentümer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SIX befindet sich im Besitz von rund 120 nationalen und internationalen Finanzinstituten, die auch Hauptnutzer der Dienstleistungen sind. Das Unternehmen ist nicht börsennotiert.[24][25]

Initiativen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SIX unterstützt das Schweizer Finanzmuseum (früher Wertpapierwelt in Olten). Das Museum zeigt eine multimediale Ausstellung über die Ursprünge des Wirtschaftssystems, sowie die Bedeutung des Schweizer Finanzmarkts und seiner Infrastruktur.[12]

SIX ist Gründungsmitglied des FinTech Incubators und Accelerators F10. Hier arbeiten zum Beispiel Mitarbeiter von SIX gemeinsam mit Start-ups an dem Ziel, die Finanztechnologie der Schweiz weiterzuentwickeln.[26] SIX beabsichtigt noch 2019 einen Open-Banking-Hub für Geschäftskunden anzubieten. Unter anderem werden die beiden Buchhaltungssoftware-Anbieter Abacus und Klara den Hub nutzen. Auch Banken können ihre IT-Schittstelle zum Hub öffnen.[27] UBS, Credit Suisse, Zürcher Kantonalbank, Valiant sowie die Raiffeisen-Gruppe machen beim Projekt mit.[28]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b [1] März 2020
  2. a b c Was SIX ausmacht. Abgerufen am 16. Dezember 2018.
  3. a b c Elisabeth Meyerhans: Börsen. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 19. August 2004, abgerufen am 17. Dezember 2018.
  4. a b c Auf einen Blick – Die Telekurs Group. grafmoll.ch, abgerufen am 17. Dezember 2018.
  5. Company Overview of Telekurs Holding AG. Bloomberg.com, abgerufen am 17. Dezember 2018 (englisch).
  6. Neue Zürcher Zeitung (Hrsg.): Die Fernseh-Kursübermittlungsanlage in der Effektenbörse Zürich. Nr. 1056, 22. März 1961.
  7. Profil – Unsere Geschichte. Abgerufen am 16. Dezember 2018.
  8. Das Swiss Interbank Clearing (SIC). Schweizer Nationalbank, abgerufen am 17. Dezember 2018.
  9. a b c d e Das Effektenabwicklungssystem SECOM. Schweizer Nationalbank, Mai 2009, abgerufen am 17. Dezember 2018.
  10. euroSIC. Swiss euro clearing bank, abgerufen am 17. Dezember 2018.
  11. Company Overview of SIX SIS AG. Bloomberg.com, abgerufen am 17. Dezember 2018 (englisch).
  12. a b Schweizer Finanzmuseum. Abgerufen am 16. Dezember 2018.
  13. a b Weko verhängt Millionenbusse gegen Six-Gruppe. Tages-Anzeiger, 14. Dezember 2010, abgerufen am 16. Dezember 2018.
  14. Konzernstruktur nach Fusion von SWX, SIS und Telekurs durch Aktionäre gutgeheissen. Radio B: Die Stimme der Vernunft, 12. September 2007, abgerufen am 17. Dezember 2018.
  15. Telekurs Multi Solutions AG wird zu SIX Multi Solutions AG. 26. September 2008, abgerufen am 16. Dezember 2018.
  16. Gemeinsame Mobile – Payment – Lösung für die Schweiz beschlossen. 27. Mai 2016, abgerufen am 16. Dezember 2018.
  17. Strategische Partnerschaft zwischen Worldline und SIX zur Konsolidierung des europäischen Zahlungsverkehrs unterzeichnet. Abgerufen am 16. Dezember 2018.
  18. SIX Securities Services AG veräussert SIX SAG AG an Computershare. moneycab, 10. Juli 2015, abgerufen am 17. Dezember 2018.
  19. Produktbeschreibung. Abgerufen am 17. Dezember 2018.
  20. Profil. Abgerufen am 17. Dezember 2018.
  21. Marcel Gamma: Exklusiv: SIX gibt sein SOC auf. In: inside-it.ch. 2. November 2020, abgerufen am 3. November 2020.
  22. a b c d Die Produktpalette von SIX Financial Information. SIX-Group, abgerufen am 17. Dezember 2018.
  23. Christoph G. Schmutz: SIX geht im Zahlungsverkehr mit französischer Worldline zusammen In: nzz.ch, 15. Mai 2018, abgerufen am 30. September 2018.
  24. Aktionärsstruktur. SIX Group, abgerufen am 8. März 2018.
  25. PostFinance neue Aktionärin von SIX SIX Group, 8. März 2018, abgerufen am 8. März 2018.
  26. SIX startet FinTech-Incubator F10 und will führende Rolle in der Finanzwesen-Digitalisierung einnehmen. IT-Finanzmagazin, 13. August 2015, abgerufen am 17. Dezember 2018.
  27. Daniel Imwinkelried: Banken verlieren die Datenhoheit. In: nzz.ch. 14. Mai 2019, abgerufen am 19. Mai 2019.
  28. Samuel Gerber: Diese Grossbanken starten zuerst mit dem Open Banking der SIX. In: finews.ch. 15. Mai 2019, abgerufen am 19. Mai 2019.