SMS Augusta

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Augusta
SMS-Augusta.jpg
Schiffsdaten
Flagge PreußenPreußen (Kriegsflagge) Preußen
Norddeutscher BundNorddeutscher Bund (Kriegsflagge) Norddeutscher Bund
Deutsches ReichDeutsches Reich (Reichskriegsflagge) Deutsches Reich
andere Schiffsnamen
  • Yeddo
Schiffstyp Korvette
Klasse Augusta-Klasse
Bauwerft L’Arman Frères, Bordeaux
Stapellauf 1864
Indienststellung 4. Juli 1864
Verbleib Anfang Juni 1885 gesunken
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
81,5 m (Lüa)
75,2 m (KWL)
Breite 11,1 m
Tiefgang max. 5,62 m
Verdrängung Konstruktion: 1.827 t
Maximal: 2.272 t
 
Besatzung 230
Maschine
Maschine 4 Kofferkessel
2-Zyl.-Dampfmaschine
indizierte
Leistung
Vorlage:Infobox Schiff/Wartung/Leistungsformat
1.300 PS (956 kW)
Höchst-
geschwindigkeit
13,5 kn (25 km/h)
Propeller 2 zweiflügelig ⌀ 4,28 m
Takelung und Rigg
Takelung Vollschiff
Anzahl Masten 3
Segelfläche 1600 m²
Bewaffnung
  • 8 × 24-Pfünder Geschütz
  • 6 × 12-Pfünder Geschütz

ab 1872:

  • 4 × Rk 15,0 cm L/22 (440 Schuss)
  • 6 × Rk 12,0 cm L/23 (660 Schuss)
  • 1 × Rk 8,0 cm L/23

SMS Augusta war eine Korvette (sogenannte Glattdeckskorvette) der Preußischen Marine, die bei der Reichsgründung 1871 in die Kaiserliche Marine übernommen wurde. 1884 wurde sie als Kreuzerkorvette umklassifiziert. Sie sank 1885 in einem Zyklon.

Lebenslauf und Verbleib[Bearbeiten]

Die preußische Kriegskorvette Augusta, Gironde, 1870 (Alexander Kircher)

Die Konföderierten Staaten hatten für den Einsatz im Sezessionskrieg bei L’Arman Frères in Bordeaux zwei Schiffe bestellt. Um dies zu verschleiern und internationale Verwicklungen zu verhüten, wurden die Schiffe wurden unter den (scheinbar japanischen) Namen Yeddo und Osakka gebaut. Der tatsächliche Name der Yeddo wäre Mississippi gewesen. Die Ablieferung wurde durch das persönliche Eingreifen Kaiser Napoleons III. unterbunden, der eine Verwicklung Frankreichs in den Krieg vermeiden wollte.

Nachdem die Abgabe an den Auftraggeber nicht mehr möglich war, wurde die Schiffe während des Deutsch-Dänischen Krieges am 13. Mai 1864 vom Königreich Preußen angekauft. Die Yeddo wurde als Augusta und die Osakka als Victoria in dienst gestellt, trafen jedoch erst im Juli 1864 und damit nach Kriegsende in der Nordsee ein und blieben bis zum Frühjahr 1865 im Dienst, um die Besatzungen einzuweisen.

Einsatz auf der Westindischen Station (1867–1868)[Bearbeiten]

Obwohl die geringen Ressourcen der preußischen Marine eine permanente Besetzung der Stationierung eines Schiffes in Westindien eigentlich nicht ermöglichten, mussten Auswärtiges Amt und Marineministerium ab 1867 auf eintreffende dringende Ersuche für den Schutz deutscher Bewohner und von Vertretungen der Hansestädte reagieren. Die Gesuche betrafen zum Einen Mexiko, wo sowohl die kaiserlich-maximilianischen als auch die liberalen Machthaber die deutschen Kaufleute unter Druck setzten, zum Anderen Barranquilla in Kolumbien und Venezuela, wo Revolutionswirren angeblich den deutschen Handel gefährdeten. Roon lehnte im Marineministerium die feste Stationierung eines Schiffes zunächst mangels Kapazitäten ab, sicherte aber die vorübergehende Entsendung der Augusta in die Karibik zu, womit das Außenministerium einverstanden war. Unter ihrem Kommandanten Franz Kinderling stellte die Korvette am 27. August 1867 für den Winter 67/68 für Westindien in Dienst.

Hauptsächliches Operationsgebiet sollte der Golf von Mexiko sein. Da die inzwischen neue mexikanische Regierung unter Benito Juárez noch nicht von Preußen (bzw. vom Deutschen Bund) anerkannt worden war, wurde Kinderling ein vorsichtiger aber einvernehmlicher Umgang mit den neuen mexikanischen Machthabern empfohlen, die Regierung sollte im Umgang mit den Behörden als Faktum anerkannt werden. Ziel war Veracruz. Die Wahl der übrigen anzulaufenden Häfen war Kinderling freigegeben.

Neben dem Ersuchen des Außenministeriums erhielt Kinderling von der Marine selbst durch Prinz Adalbert den weiteren Auftrag, Voruntersuchungen für die mögliche Gründung eines preußischen Flottenstützpunkts in einer wenig bekannten Bay namens Limón an der Karibikküste Costa Ricas durchzuführen. Hintergrund waren Bemühungen eines als obskur geltenden ehemaligen preußischen Staatsangehörigen und nunmehrigen costarikanischen Staatsrats Estreber (alias Friedrich E. Streber) der mit Bismarck 1866 in Briefwechsel stand.[1] Bismarck reagierte zurückhaltend und gab den Briefwechsel an das Marineministerium ab. Damit ergab sich für Prinz Adalbert und Roon durch die Reise der Augusta die Gelegenheit, auf das Angebot Estrebers zurückzukommen.

Erst nach zahlreichen Verzögerungen technischer Art erreichte die Korvette im März 1868 ihr Operationsgebiet. Damit begann die Präsenz der (nord)deutschen Marine auf der Westindischen Station.

Nach kurzen Besuchen in Venezuela und Kolumbien lief die Augusta am 1. April Aspinwall (Panama) an, zehn Tage später die Bucht von Limón, dem heutigen Puerto Limón. Zu Verhandlungen mit dem Präsidenten Costa Ricas, Castro, begab sich Kinderling in Begleitung eines indianischen Führers und einiger Besatzungsmitglieder der Augusta am 17. April 1868 auf die Reise nach San José, das die Gruppe durch den Urwald per Maultier und Kanu am 24. April erreichte. Schon am 25. April traf Kinderling mit Präsident Castro zusammen, doch die Verhandlungen mit der costaricanischen Regierung verliefen unverbindlich. Kinderling nahm selbst an, dass mit Rücksicht auf die USA eine Landabtretung höchstens an eine Privatgesellschaft, nicht jedoch an eine fremde Regierung in Frage käme.[2] Vom 7. bis 9. Mai 1868 ritten die Deutschen in Begleitung eines costaricanischen Offiziers nach Puntarenas und besichtigten mit einem Boot die San Lucas Insel im Golf von Nicoya, die man für einen Flottenstützpunkt geeignet hielt. Nach seiner Rückkehr über Aspinwall, wo die Augusta inzwischen auf ihn wartete, segelte Kinderling wieder nach Norden, um seinen eigentlichen Auftrag, den Schutz der Deutschen in Mexiko, wieder aufzunehmen. Am 30. Mai 1868 erreichte die Augusta Veracruz, doch die Behörden verweigerten jede Kommunikation. Auf der Reede von Sacrificios erreichte ihn der Rückrufbefehl (aus Etatsgründen) vom 30. April. Die Augusta kehrte daher über New Orleans nach Europa zurück und lief am 20. Juli 1868 in Kiel ein.

Handelskrieg im Deutsch-Französischen Krieg[Bearbeiten]

Im Deutsch-Französischen Krieges plante die Preußischen Marine die Aufnahme des Kreuzerkrieges gegen französische Waffen- und Munitionslieferungen. Die Augusta stellte daraufhin am 26. Oktober 1870 in Dienst und lief, mit der erfahrenen Besatzung der Nymphe bemannt, von Danzig nach Kiel. Das Kommando hatte Korvettenkapitän Weickhmann. Der Einsatzbefehl verzögerte sich, da Bismarck zunächst befürchtete, der Kreuzerkrieg würde die Beziehungen zu Großbritannien und den USA stören, ließ sich aber schließlich umstimmen. Schließlich verließ die Augusta am 12. Dezember 1870 Kiel und umrundete die Britischen Inseln mit dem Ziel Brest. Am 26. Dezember wurden dort zwei Schiffe kontrolliert, ohne Konterbande zu finden. Anschließend lief die Augusta in die Biscaya. Dort wurden ab dem 4. Januar 1871 insgesamt drei Handelsschiffe mit Kriegsgütern aufgebracht. Zwei davon wurden als Prisen nach Deutschland geschickt. Eines der Schiffe ging auf dem Weg verloren. Um der weit überlegenen französischen Flotte auszuweichen, lief die Auguata dann weiter nach Kap Finisterre, konnte jedoch keine weiteren Schiffe aufbringen. Am 7. Januar 1871 mußte die Augusta den spanischen Hafen Vigo anlaufen, um ihren Kohlenvorrat zu ergänzen. Dort wurde sie von überlegenen Französischen Marineschiffen bis zum Waffenstillstand festgehalten. Weickhmann erhielt für diesen Einsatz das Eiserne Kreuz 2. Klasse.

Weitere Einsätze[Bearbeiten]

1874–1876 war sie wiederum in den westindischen Gewässern stationiert.

1877/78 wurde eine Reise nach Samoa unternommen.

1885 ging eine Reise mit der Ablösung für die im Pazifik eingesetzten Schiffe nach Australien. Während dieser Reise, unter ihrem letzten Kommandanten, Kapitän Falkow von Gloeden, sank das Schiff am 3. Juni 1885 im Golf von Aden in einem Zyklon.

Literatur[Bearbeiten]

  • Victor Valois. Aus den Erlebnissen eines alten Seeoffiziers. Potsdam [1907]
  • Gerhard Wiechmann: Die Königlich Preußische Marine in Lateinamerika 1851 bis 1867. Ein Versuch deutscher Kanonenbootpolitik, in: Sandra Carreras/Günther Maihold (Hrsg.): Preußen und Lateinamerika. Im Spannungsfeld von Kommerz, Macht und Kultur (Europa-Übersee Bd. 12), Münster 2004, S. 47–60, ISBN 3-8258-6306-9
  • Mirko Graetz: Prinz Adalberts vergessene Flotte. Die Norddeutsche Bundesmarine 1867–1871. Lulu Enterprises Inc. Morrisville, NC (USA) 2008, ISBN 978-1-4092-2509-6, S. 46-48.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Augusta – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gerhard Wiechmann: Die Königlich Preußische Marine in Lateinamerika 1851 bis 1867. Ein Versuch deutscher Kanonenbootpolitik, in: Sandra Carreras/Günther Maihold (Hrsg.): Preußen und Lateinamerika. Im Spannungsfeld von Kommerz, Macht und Kultur (Europa-Übersee Bd. 12), Münster 2004, S. 48–49.
  2. Gerhard Wiechmann: Die Königlich Preußische Marine in Lateinamerika 1851 bis 1867. Ein Versuch deutscher Kanonenbootpolitik, in: Sandra Carreras/Günther Maihold (Hrsg.): Preußen und Lateinamerika. Im Spannungsfeld von Kommerz, Macht und Kultur (Europa-Übersee Bd. 12), Münster 2004, S. 53.