Karitébaum

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Karitébaum
Karitébaum

Karitébaum

Systematik
Kerneudikotyledonen
Asteriden
Ordnung: Heidekrautartige (Ericales)
Familie: Sapotengewächse (Sapotaceae)
Gattung: Vitellaria
Art: Karitébaum
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Vitellaria
C.F.Gaertn.
Wissenschaftlicher Name der Art
Vitellaria paradoxa
C.F.Gaertn.

Der Karitébaum, auch Sheanussbaum, Schibutterbaum, Schibaum oder Afrikanischer Butterbaum genannt (Vitellaria paradoxa, Syn.: Bassia parkii G.Don (parkii ehrt den britischen Forscher Mungo Park), Butyrospermum paradoxum (C.F.Gaertn.) Hepper, Butyrospermum parkii (G.Don) Kotschy),[1] ist die einzige Pflanzenart der Gattung Vitellaria in der Familie der Sapotengewächse (Sapotaceae).

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vitellaria paradoxa wächst als langsamwachsender Baum, der Wuchshöhen von 15 bis 25 Metern erreicht, mit kräftigem Stamm und vielverzweigter, ausladender Baumkrone. Die sehr dicke und rauhe, netzrissige und korkige Borke ist meist grau bis schwärzlich oder rötlich und kann ältere Bäume vor Feuer schützen.[2] Die Bäume können über 300 Jahre alt werden, die Mannbarkeit liegt bei 10 bis 25 Jahren. Es werden Kurztriebe mit kantigen Blattspuren gebildet. Die Rinde junger Zweige, Blattstiele und Blütenknospen besitzt eine rostfarbene Behaarung in unterschiedlicher Stärke. Die dunkelgrünen und unterseits helleren Blätter sind spiralig an den Astspitzen angeordnet. Der Blattstiel ist ein Drittel bis halb so lang wie die Blattspreite. Die verkehrt-eilanzettliche, -eiförmige oder länglich bis elliptische, ledrige Blattspreite weist eine Länge von 10 bis 25 cm und eine Breite von 4,5 bis 14 cm auf. Die Nervatur ist hellgrün mit 20 bis 30 wechselnd gefiederten Seitennerven je Blatthälfte und einer dickeren Mittelrippe. Der Blattrand ist ganz und hellgrün und etwas verdickt und gewellt. Die Blätter werden am Beginn der Trockenzeit abgeworfen. Der Stamm, die Zweige und die Früchte, Samen und die Blätter führen einen rötlichen, guttaperchaähnlichen Milchsaft, denn auch hier sind die Polyisoprene, im Gegensatz zum Naturlatex, hauptsächlich trans-konfiguriert (Kariten).[3][4][5][6][7]

Etwa 30 bis 40 Blüten oder mehr stehen in Bündeln zusammen.[2] Die bis zu 3 cm lang, haarig gestielten Blüten duften und sind zwittrig, sowie protogyn. Die rostbraunen und haarigen Kelchblätter stehen in zwei Kreisen meist zu viert: die äußeren sind eiförmig, 9 bis 14 mm lang und 3,5 bis 6 mm breit; die inneren sind etwas kleiner. Die sechs bis acht cremefarbenen Kronblätter sind röhrig verwachsen mit 2,5 bis 4 mm langer Kronröhre und breit-eiförmigen, 7 bis 11 mm langen 4,5 bis 7 mm breiten Kronlappen. Die meist acht Staubfäden sind 7 bis 12 mm lang. Die beweglichen und eilanzettlichen Staubbeutel sind bis zu 4,5 mm lang. Die meist acht größeren, petaloiden und bespitzten, fransigen Staminodien sind bis zu 8 mm lang. Der vielkammerige Fruchtknoten ist haarig und oberständig, mit einem 8 bis 15 mm langen Griffel mit kleiner Narbe. Die Bestäubung geschieht durch Insekten oder den Wind.

Die bei Reife grünlich bis gelben oder bräunlichen, meist einsamigen (bis drei), rundlich, ellipsoiden bis eiförmigen Beeren, weisen eine Länge von bis zu 6,5 cm und einen Durchmesser von 4,5 cm auf. Sie enthalten ein süßes Fruchtmark, das die Samen umgibt. Die rundlich, ellipsoiden bis eiförmigen, bräunlichen und glatten, etwas glänzenden Samen mit dünner Samenschale haben auf einer Seite eine breites, rauhes Hilum. Die Samen weisen eine Länge von bis zu 5 cm und einen Durchmesser von 3,5 cm auf.[8] Sie sind etwa 5 bis 16 Gramm schwer.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verbreitung

Vitellaria paradoxa kommt in den Savannen der Sudanzone im tropischen Afrika zwischen Senegal und Uganda vor. Sie wächst in Höhenlagen zwischen 100 und 600 Metern bei einer Jahresdurchschnittstemperatur zwischen 25 und 29 °C und einem Jahresniederschlag von 600 bis 1400 mm.

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt zwei Unterarten:

  • Vitellaria paradoxa subsp. paradoxa: nur in Westafrika
  • Vitellaria paradoxa subsp. nilotica: nur in Ostafrika
Vitellaria paradoxa, Herbarbeleg aus dem Herbarium Senckenbergianum
Früchte am Zweig
Kariténüsse
Herstellung
Seife aus Sheabutter

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Früchte des Sheanussbaums sind botanisch gesehen Beeren, die darin enthaltenen etwa 4 cm großen Fruchtkerne, die Kariténüsse, enthalten ungefähr 50 % Fett und stellen eine wesentliche Quelle für Speise- und Hautpflegefett dar, das Fruchtfleisch wird gegessen.

Als wichtiger Nutzbaum wird der Karité neben anderen Arten, wie Néré und Baobab, bei der Rodung für neue Felder meist verschont. Diese traditionelle Agroforstwirtschaft wird auch als Kulturbaumpark bezeichnet. Da der Karitébaum aber nur schwer vermehrt werden kann, neue Pflanzen oft nur Zufallskeimungen sind, er erst ab einem Alter von etwa 20 Jahren blüht und erst mit etwa 50 Jahren seine volle Ertragskraft erreicht, ist seine groß angelegte kommerzielle Verwertung durch die lange Wartezeit auf den Ertrag noch schwierig.

Sheabutter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus der Kariténuss wird Pflanzenfett gewonnen, das als Sheabutter, daneben auch Schibutter, Galambutter, Karitébutter oder Bambukbutter bezeichnet wird. Zur Produktion dieses Fettes werden die Samen von aufgesammelten Früchten vom Fruchtfleisch befreit, auf verschiedene Weise getrocknet und zerkleinert. Nach Abtrennen der Schalenteile werden die Kerne dann hitzebehandelt und zu einer fettigen Masse zerrieben. Dieser wird zuletzt Wasser zugegeben und sie wird zeitaufwendig von Hand bearbeitet, um das Fett von allen unerwünschten Bestandteilen zu trennen. Die so gewonnene schmalzig, talgige Sheabutter ist beinahe weiß, leicht gelblich, elfenbeinfarben oder grün-gelblich, ihr eigentümlicher Geruch wird je nach Sorte als fettig, aromatisch, würzig und ähnlich beschrieben, teils werden fruchtige, nussige, hölzerne oder rauchige Anteile wahrgenommen.[9] Der Schmelzbereich von Sheabutter liegt bei 35 °C bis 42 °C.[10][11]

Eine Variante ist sogenannte „schwarze Sheabutter“, die man erhält, indem man die Kerne der Nüsse 15–30 Minuten röstet. Dieses Fett ist von inhomogener gräulicher Farbe und hat einen intensiven aromatischen, rauchigen Geruch.[9]

Sheabutter ist in reinem Zustand bis zu vier Jahre haltbar, auch in tropischer Hitze. Das Besondere an der Sheabutter ist der hohe Anteil an unverseifbaren Bestandteilen (etwa 75 % Triterpene, daneben Ölsäure, Triterpenalkohole, Vitamin E, Beta-Karotin und Allantoin),[12] der Anteil liegt zwischen 8 und 11 % – im Vergleich zu Avocadoöl 6 %, Sesamöl 1,5 %, Olivenöl 1,2 %. Sheabutter enthält hauptsächlich Triglyceride langkettiger, ungesättigter Fettsäuren. Unter den Fettsäureresten der Triglyceride dominieren Acylreste der Ölsäure (40–55 %), Stearinsäure (35–45 %), Linolensäure (3–8 %) und Palmitinsäure (3–7 %).

Für den Export wird Sheabutter jedoch häufig raffiniert: Das so entstehende Fett ist geruchlos, zäh, in der Farbe weiß. Der Inhaltsstoff Beta-Karotin (gelbe Farbe) geht dabei verloren, weitere Untersuchungen bezüglich verloren gegangener Inhaltsstoffe sind nicht bekannt.

Raffinierte Sheabutter

Sheabutter wird als Kakaobutteräquivalent für Kakaobutter bei der Schokoladenerzeugung eingesetzt, und als Zutat für biologische Brühwürfel. „Schwarze Sheabutter“ findet hauptsächlich in der Küche Verwendung.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • J.-M. Boffa: Productivity and management of agroforestry parklands in the Sudan zone of Burkina Faso, West Africa. Dissertation, Purdue University, West Lafayette, Indiana, 1995.
  • E. G. Bonkoungou: Monographie du karité, Butyrospermum paradoxum (Gaertn. f.) Hepper, espèce agroforestière à usages multiples. Institut de Recherche en Biologie et Ecologie Tropicale, Ouagadougou, Burkina Faso, 1987.
  • A. Chevalier: Les Sapotacées à graines oléagineuses et leur avenir en culture. In: Revue de Botanique Appliquée. 23(257, 258, 259), 1943, S. 97–159 online auf persee.fr, abgerufen am 3. Mai 2017.
  • M. Gakou, J. E. Force, W. J. McLaughlin: Non-timber forest products in rural Mali: a study of villager use. In: Agroforestry Systems. 28, 1994, S. 213–226, doi:10.1007/BF00704757.
  • S. Guinko, L. J. Pasgo: Harvesting and marketing of edible products from local woody species in Zitenga, Burkina Faso. In: Unasylva. 43(168), 1992, S. 16–19.
  • A. N. Henry, V. Chithra, N. C. Nair: Vitellaria vs. Butyrospermum (Sapotaceae). In: Taxon. 32, 1983, S. 286.
  • G. Sallé, J. Boussim, A. Raynal-Roques, F. Brunck: Le karité, une richesse potentielle. Perspectives de recherche pour améliorer sa production. In: Bois et Forêts des Tropiques. 228, 1991, S. 11–23.
  • A. Zwarg, M. Schmidt, K. Hahn-Hadjali: Der Schibutterbaum. In: Natur und Museum. 138 (9/10), 2008, S. 242.
  • Datenblatt der AgroForestryTree Database.
  • H. A. M. van der Vossen, G. S. Mkamilo: Vegetable oils. (= Plant Resources of Tropical Africa. 14). Prota, 2007, ISBN 978-90-5782-191-2, S. 182–187.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Karitébaum (Vitellaria paradoxa) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vitellaria paradoxa im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  2. a b Datenblatt der AgroForestryTree Database.
  3. Frances E. M. Booth, G. E. Wickens: Non-timber Uses of Selected Arid Zone Trees and Shrubs in Africa. FAO Conservation Guide 19, FAO, 1988, 1993, ISBN 92-5-102745-5, S. 34–45.
  4. Jules Janick, Robert E. Paull: The Encyclopedia of Fruit and Nuts. CABI, 2008, ISBN 978-0-85199-638-7, S. 846.
  5. Geoff Talbot: Specialty Oils and Fats in Food and Nutrition. Woodhead, 2015, ISBN 978-1-78242-376-8, S. 142.
  6. R. A. S. Hemat: Principles of Orthomolecularism. Urotext, 2004, ISBN 1-903737-05-2, S. 160.
  7. Rainer Höfer: Sustainable Solutions for Modern Economies. RSC Pub., 2009, ISBN 978-1-84755-905-0, S. 205.
  8. J. H. Hemsley: Vitellaria paradoxa in Flora of Tropical East Africa, 1968, online bei JSTOR.
  9. a b Sabine Krist: Lexikon der pflanzlichen Fette und Öle. 2. Auflage. Springer, Wien 2013, ISBN 978-3-7091-1005-8, S. 741, doi:10.1007/978-3-7091-1005-8 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  10. Waldemar Ternes, Alfred Täufel, Lieselotte Tunger, Martin Zobel (Hrsg.): Lebensmittel-Lexikon. 4., umfassend überarbeitete Auflage. Behr, Hamburg 2005, ISBN 3-89947-165-2, S. 1721.
  11. R.-M. Megnanou, S. Niamke, J. Diopoh: Physochemical and microbiological characteristics of optimized and traditional shea butters from Côte d'Ivoire (PDF; 101 kB).
  12. S. Ellsässer: Körperpflegekunde und Kosmetik: Ein Lehrbuch für die PTA-Ausbildung und die Beratung in der Apothekenpraxis. Springer, 2000, ISBN 3-540-66866-7, S. 141.