Schiffbrücke (Koblenz)

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Koordinaten: 50° 21′ 33″ N, 7° 36′ 26″ O

Schiffbrücke Koblenz
Schiffbrücke Koblenz
Schiffbrücke über den Rhein um 1896
Nutzung Straßenbrücke
Querung von Rhein
Ort KoblenzEhrenbreitstein
Konstruktion Pontonbrücke
Gesamtlänge 325 m
Baubeginn 1818
Fertigstellung 1819
Eröffnung 18. April 1819
Zustand zerstört
Schließung 1945
Lage
Schiffbrücke (Koblenz) (Rheinland-Pfalz)
Schiffbrücke (Koblenz)

Eine Schiffbrücke überbrückte von 1819 bis zu ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg im Jahre 1945 den Rhein zwischen Koblenz und Ehrenbreitstein. Sie war zunächst eine gebogene Pontonbrücke und wurde 1866 zu einer geraden Brücke umgebaut. In den Rheinanlagen sind die beiden Brückenhäuser und der linksrheinische Brückenkopf bis heute erhalten geblieben.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Bau der preußischen Festung Koblenz Anfang des 19. Jahrhunderts mit ihren weit auseinander liegenden Festungen und Forts, besonders auf der linken Rheinseite, genügte der einzige Rheinübergang mittels der alten Fliegenden Brücke (Gierseilfähre) nicht mehr den Ansprüchen. So wurde im Jahr 1818 auf Betreiben von General Ernst Ludwig von Aster in Anwesenheit des preußischen Kanzlers Karl August von Hardenberg in Koblenz die Erbauung einer gebogenen Schiffbrücke beschlossen. Erbaut wurde sie von den Gebrüdern Stinnes für 40.000 Taler und konnte am 18. April 1819 eröffnet werden.

Auf 36 hölzernen Kähnen überspannte die Fahrbahn den Rhein in einer Länge von 325 Metern. Es wurden zwei oder drei Joche ausgefahren, um Schiffen die Durchfahrt zu ermöglichen. Erst 1866 wurde unter Oberbürgermeister Karl Heinrich Lottner der Handbetrieb zum Ausfahren der Joche durch Dampfmaschinen ersetzt und die Brücke zu einer geraden Pontonbrücke umgebaut. Die Auswechselung der hölzernen Kähne durch eiserne erfolgte noch später. Bei Hochwasser und Eisgang musste die Schiffbrücke ganz ausgefahren werden. Sie lag dann im Ehrenbreitsteiner Hafen. Zur Überquerung wurde an zwei Brückenhäusern auf Koblenzer Seite ein Brückengeld in Höhe von 2 Pfennig erhoben, für das Militär war die Benutzung kostenlos. Von 1907 bis 1947 regelte die Wahrschaustation (Seemannssprache: wahrschauen = warnen, instruieren) in Pfaffendorf den Schiffsverkehr auf dem Rhein. Wenn die Schiffbrücke in Koblenz offen war, gab sie den Schiffen mit einer Fahne die Durchfahrt frei.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs zerstörten im März 1945 die deutschen Truppen bei ihrem Rückzug alle Rheinbrücken, so auch die Schiffbrücke in Koblenz. Noch 1945 bauten amerikanische Pioniere eine neue Pontonbrücke an gleicher Stelle. Nach der Übergabe an die französische Militärverwaltung wurde bei einem Hochwasser versäumt, die Verankerung dem steigenden Wasser entsprechend zu lockern, und die Schiffbrücke versank im Rhein. Die französische Armee wiederholte den Bau, gab die Pontonbrücke aber 1947 auf. Mit Abschluss des Wiederaufbaus der Pfaffendorfer Brücke 1953 wurde die Schiffbrücke schließlich entbehrlich, zudem galt sie schon vor dem Krieg als Hindernis für den zunehmenden Schiffsverkehr.

Heute verkehrt an gleicher Stelle das Personenfährschiff Schängel. Auf der Koblenzer Seite zeugen noch die beiden Brückenhäuser und Überreste der Brückenverankerung in den Rheinanlagen von der Existenz der Schiffbrücke.

Brückenhäuser und Brückenkopf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überreste der Verankerung der Schiffbrücke (links) und die beiden Brückenhäuser (rechts) 2011

In den Koblenzer Rheinanlagen vor dem Koblenzer Hof stehen die beiden spiegelsymmetrisch aufgebauten Brückenhäuser mit auf Pfeilern ruhenden Vorhallen und ausschwingenden Dächern. Sie stammen aus der Zeit vor 1914 und wurden nach Plänen des Stadtbaurats Friedrich Neumann errichtet.

Ebenfalls erhalten ist der linksrheinische Brückenkopf am Rheinufer. Die untereinander verbundenen, pfeilerartigen Bauteile wurden aus Basaltlava erbaut.

Neben den Brückenhäusern erinnert eine Gedenkplatte an die Schiffbrücke. Hier steht zu lesen:

Schiffbrücke Koblenz–Ehrenbreitstein
1819–1945
Auf 36 hölzernen, später eisernen Pontons überspannte sie den 325 m breiten Rhein. Zwei oder drei Joche wurden ausgefahren, wenn Schiffe nahten. 1819 für 40.000 Taler gebaut, 1945 zerstört.

Denkmalschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Brückenhäuser und der erhaltene linksrheinische Brückenkopf der ehemaligen Schiffbrücke sind geschützte Kulturdenkmale nach dem Denkmalschutzgesetz (DSchG) und in der Denkmalliste des Landes Rheinland-Pfalz eingetragen. Sie liegen in Koblenz-Altstadt am Konrad-Adenauer-Ufer.[1]

Seit 2002 sind die Brückenhäuser und der erhaltene linksrheinische Brückenkopf der ehemaligen Schiffbrücke Teil des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Energieversorgung Mittelrhein GmbH (Hrsg.): Geschichte der Stadt Koblenz. Gesamtredaktion: Ingrid Bátori in Verbindung mit Dieter Kerber und Hans Josef Schmidt
    • Bd. 1: Von den Anfängen bis zum Ende der kurfürstlichen Zeit. Theiss, Stuttgart 1992. ISBN 3-8062-0876-X
    • Bd. 2: Von der französischen Stadt bis zur Gegenwart. Theiss, Stuttgart 1993. ISBN 3-8062-1036-5
  • Stadt Koblenz: Koblenz Stadt der Brücken Dokumentation zur Einweihung der Koblenzer Balduinbrücke, Koblenz, August 1975
  • Herbert Dellwing (Bearbeiter): Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Band 3.2: Stadt Koblenz. Innenstadt. Werner, Worms 2004. S. 158. ISBN 3-88462-198-X

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler - Kreisfreie Stadt Koblenz (PDF; 1,5 MB), Koblenz 2013