Feste Kaiser Alexander

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Feste Kaiser Alexander 1888

Die Feste Kaiser Alexander war Teil der preußischen Festung Koblenz und Ehrenbreitstein und das Hauptwerk des Systems Feste Kaiser Alexander. Die Feste im heutigen Koblenzer Stadtteil Karthause wurde 1822 fertiggestellt. Sie erhielt ihren Namen nach Zar Alexander I., einem Verbündeten Preußens in der Heiligen Allianz gegen Napoleon in den Befreiungskriegen. Nach ihrer Schleifung 1922 wurden die letzten großen Überreste des Festungswerk 1964 gesprengt. Nur das Haupttor, das sogenannte Löwentor, Reste des Kehlreduits und Teile der krenelierten Mauer westlich des Tores sind erhalten geblieben. Die Gesamtanlage war etwa dreimal größer als die in der gleichen Zeit neu entstandene Feste Ehrenbreitstein.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Ersten Koalitionskriegs wurde 1792 die Stadt Koblenz und die Festung Ehrenbreitstein vom kurtrierischen General Clemens Freiherr von Wenz verteidigt. Gegen die heranrückende französische Revolutionsarmee unter General Adam-Philippe de Custine ließ der damalige preußische Major Ernst von Rüchel oberhalb der Stadt nahe dem Kartäuserkloster Schanzen aufwerfen. Aus Angst vor den Franzosen rissen Bauern die Befestigungen zunächst wieder ein, nach der Neuerrichtung wurden sie von 160 Soldaten besetzt. Hier entstand 30 Jahre später die riesige Feste Kaiser Alexander.

Das schon 1814 von General Ernst Ludwig von Aster projektierte Werk wurde in den Jahren 1816 bis 1822 nach Plänen des Ingenieuroffiziers Claudius Franz Le Bauld de Nans erbaut.[1] Am 24. November 1818 erhielt die Befestigung auf der Karthäuserhöhe ihren Namen nach Zar Alexander I. Mit einer Ausdehnung von 550 x 500 Metern war sie die größte Anlage innerhalb der Festung Koblenz und Ehrenbreitstein.

Das System Feste Kaiser Alexander mit seinen veralteten Festungsanlagen wurde 1903 aufgegeben, die Anlagen blieben aber vorerst unter militärischer Verwaltung und wurden für militärische Übungen genutzt. Nach dem Ersten Weltkrieg waren in der Feste zunächst amerikanische Besatzungstruppen stationiert, die ab 1922 von einer französischen Besatzung abgelöst wurden. Wie viele andere militärische Standorte erhielt auch die Feste Alexander in dieser Zeit einen neuen Namen und wurde daher als Fort Verdun bezeichnet.

In Ausführung des Artikels 180 des Versailler Vertrags musste die Feste Kaiser Alexander, wie auch die anderen Koblenzer Festungswerke, entfestigt werden. Vorgesehen waren sehr weitreichende Arbeiten, wie z.B. die Beseitigung aller Kaponnieren, Batterien und Pulvermagazine sowie die Zerstörung diverser Hohlgänge und -räume. Alle Grabenmauern wurden zerstört, die Wälle und Gräben an zwanzig Stellen mit Breschen versehen. Die Entfestigungsarbeiten an der Feste begannen etwa März/April 1922 und wurden am 22. Dezember des gleichen Jahres von Vertretern der Interalliierten Militär-Kontrollkommission abgenommen, welche die Arbeiten zuvor argwöhnisch beobachtet hatten.

Erhalten blieben neben einer ausgedehnten Trümmerlandschaft das Kernwerk in Form zweier in sich geschlossener Reduits sowie das angrenzende sogenannte Löwentor, der ehemalige Haupteingang der Feste Kaiser Alexander. Da es sich bei den dargestellten Tieren um Greifen handelt, ist die Bezeichnung aber irreführend.

Das Gelände wurde schon während der Entfestigungsarbeiten durch die Stadt Koblenz in Teilen reguliert, da hier ein neues Wohngebiet entstehen sollte. Allerdings ging die Liegenschaft erst zum 1. Januar 1934 in den Besitz der Stadt über; die Ansiedlung begann wenig später. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Bautätigkeit zunächst eingestellt.

Reste des Kehlreduits 2001

Nach dem Zweiten Weltkrieg dienten auch die erhaltenen Reduits der Feste Kaiser Alexander als Notunterkunft für ausgebombte Familien. Wie auch bei den anderen Festungsteilen entstand hier allerdings eines von vielen Koblenzer Elendsvierteln. Um die katastrophalen Zustände zu beseitigen, wurden die Bauten schließlich 1961/62 geräumt und 1964 gesprengt, so dass heute nur noch die Reste der äußeren Mauer des Reduits sowie das Löwentor erhalten sind. Daneben zeichnen sich die Reste der Wälle im Gelände ab. Den Grundriss der Festung kann man im Straßenverlauf noch sehr gut erkennen. Das Löwentor wurde 1982 saniert und dabei Beschädigungen ausgebessert.

System Feste Kaiser Alexander[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das System Feste Kaiser Alexander bestand neben dem Hauptwerk Feste Kaiser Alexander aus diesen weiteren Festungsanlagen:

Hauptaufgabe des Systems war die Sicherung des sogenannten Hunnenkopfes und damit die Sicherung der Stadt Koblenz vor direktem Beschuss von den Höhen im Süden. Das Fort Großfürst Konstantin war durch einen Hohlgang (Kommunikation) mit der Feste Alexander verbunden.

Die Batterie Hübeling und das Fort Großfürst Konstantin sind heute noch in großen Teilen erhalten. Von der Schanze Großfürst Alexander und der Moselbatterie existieren keine Reste mehr.

Militärische Einrichtungen im Bereich des Systems Feste Kaiser Alexander[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Verbesserung der Unterbringung der Soldaten wurde unterhalb des östlichen Glacis der Festung ab 1870 die Spitzberg-Kaserne errichtet, zunächst als Barackenkaserne, später als Fachwerkkaserne. Auf dem riesigen Exerzierplatz südlich der Feste Kaiser Alexander landete am 7. Oktober 1909 das erste Luftschiff Parseval 3. Hieraus entstand das 1913 offiziell eröffnete Flugfeld Koblenz-Karthause, auf dem im selben Jahr im Rahmen des Prinz-Heinrich-Flugs erste Flugzeuge landeten. Das Flugfeld wurde 1965 geschlossen und der Flugbetrieb mit Eröffnung des Flugplatzes Koblenz-Winningen 1971 nach Winningen verlegt.

Löwentor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Löwentor, das Haupttor der ehemaligen Feste Kaiser Alexander

Das Löwentor (50° 20′ 52,1″ N, 7° 34′ 48″ O) stand ursprünglich mit der Stirnseite über der Eskarpemauer, der inneren Wand des die Festung umgebenden Grabens. Bei dem ehemaligen Haupttor handelt es sich um einen hohen lagernden einheitlichen Baublock. Dieser wird nach oben durch einen umlaufenden Rundbogenfries auf dimantierten Würfelkonsolen und darüber einem Zinnenkranz abgeschlossen. Diese Zinnen wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entfernt und bei der Restaurierung des Löwentors 1982 wieder hergestellt.

In der Mitte des Blocks befindet sich die stichbogige Toröffnung in einer halbkreisförmigen von dimantierten Quadern eingefassten Nische. Flankiert wird die Toröffnung von zwei monumentalen Greifenreliefs aus Gusseisen, die in der Sayner Hütte nach den Entwürfen von General Ernst Ludwig von Aster entstanden sind. Über der Toreinfahrt befindet sich folgende Inschrift zur Erinnerung an den Bau der Feste Alexander: Veste Kaiser Alexander/Erbauet unter Koenig Friedrich Wilhelm III./in den Jahren 1817 bis 1820. Zur Verteidigung des Eingangs verfügt die Frontmauer über jeweils zwei übereinanderliegende Gewehrscharten. Dahinter im Durchgang befinden sich zwei hölzerne Torflügel mit gitterförmigen Eisenbeschlägen.

Die ehemalige Innenseite des Löwentors ist triumphbogenartig mit drei rundbogigen Blendarkaden zwischen einfachen Pfeilern aufgebaut. In der mittleren Blendarkade mündet der Durchgang in die ehemalige Festung, rechts und links sind Fenster zu den flankierenden Wachstuben eingelassen. An der Nordwestecke im Inneren führt eine Wendeltreppe auf das Dach.

Denkmalschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Löwentor der ehemaligen Feste Kaiser Alexander ist ein geschütztes Kulturdenkmal nach dem Denkmalschutzgesetz (DSchG) und in der Denkmalliste des Landes Rheinland-Pfalz eingetragen. Es liegt in Koblenz-Karthause Am Löwentor.[2]

Seit 2002 ist das Löwentor der ehemaligen Feste Kaiser Alexander Teil des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Tippach: Koblenz als preussische Garnison- und Festungsstadt Wirtschaft, Infrastruktur und Städtebau. (= Städteforschung, Reihe A: Darstellungen Band 53). Dissertation. 2000, ISBN 3-412-08600-2.
  • Klaus T. Weber: Die preußischen Festungsanlagen von Koblenz (1815–1834). (= Kunst- und Kulturwissenschaftliche Forschungen). Dissertation. 2003, ISBN 3-89739-340-9.
  • Rüdiger Wischemann: Die Festung Koblenz. Vom römischen Kastell und Preußens stärkster Festung zur größten Garnison der Bundeswehr. Koblenz 1978. (In vielen Dingen überholt, aber immer noch die beste Darstellung für einen Überblick)
  • Matthias Kellermann: Die Feste Kaiser Alexander in Koblenz von der Entfestigung 1922 bis zur Zerstörung des Reduits 1964. In: Festungsjournal. Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Festungsforschung e.V. (DGF), Nr. 32, Juli 2008, S. 33–46.
  • Ulrike Weber (Bearb.): Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Band 3.3: Stadt Koblenz. Stadtteile. Werner, Worms 2013, ISBN 978-3-88462-345-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Feste Kaiser Alexander – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Weber: Die preußischen Festungsanlagen von Koblenz (1815–1834). S. 182ff.
  2. Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler – Kreisfreie Stadt Koblenz (PDF; 1,5 MB), Koblenz 2013.

Koordinaten: 50° 20′ 49″ N, 7° 34′ 39″ O