Schlücht

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Schlücht
Geografische Lage und Verlauf

Geografische Lage und Verlauf

Daten
Gewässerkennzahl DE: 21988
Lage Hochschwarzwald

Alb-Wutach-Gebiet


Baden-Württemberg

Waldshut
Flusssystem Rhein
Abfluss über Wutach → Rhein → Nordsee
Quelle in der Glasmatt östlich von Rothaus
47° 47′ 43″ N, 8° 15′ 36″ O
Quellhöhe ca. 942 m ü. NN[1] Q. Glasmatt
Mündung in Waldshut-Tiengen in die WutachKoordinaten: 47° 37′ 14″ N, 8° 15′ 38″ O
47° 37′ 14″ N, 8° 15′ 38″ O
Mündungshöhe ca. 316 m ü. NN
Höhenunterschied ca. 626 m
Länge 28,9 km[2] 
Namenslauf der Schlücht mit kurzer Glasmatt
36,7 km[2]
hydrologischer Hauptstrang Ahabach→Schwarza→Schlücht
Einzugsgebiet 232,7 km²[3]
Abfluss an der Mündung[4]
AEo: 232,7 km²
MNQ
MQ
Mq
MHQ
HHQ
1,19 m³/s
5,13 m³/s
22 l/(s km²)
61,3 m³/s
321 m³/s
Linke Nebenflüsse Steina
Rechte Nebenflüsse Schwarza, Mettma
Durchflossene Seen Schlüchtsee bei Grafenhausen
Mittelstädte Waldshut-Tiengen
Gemeinden Grafenhausen, Ühlingen-Birkendorf, Weilheim
Mittleres Gefälle: 2,37 %
Schlücht-Felsdurchbruch kurz unterhalb der Mettmamündung

Schlücht-Felsdurchbruch kurz unterhalb der Mettmamündung

Die Schlücht ist der größte Nebenfluss der Wutach und verläuft im südöstlichen Südschwarzwald (Baden-Württemberg). Ihr Quellbereich liegt bei Rothaus (Gemeinde Grafenhausen), ihre Mündung bei Waldshut-Tiengen.

Geografie und Topografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellgebiet und Oberlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Quellgebiet der Schlücht liegt auf den Hochebenen der Schwarzwald-Ostabdachung, etwa 20 km östlich des Feldberges in einem von der L 170 durchquerten Waldgebiet östlich von Rothaus. Dort sammeln sich in den Talmulden Tiefmatt und Glasmatt zwei kurze Quellbäche, die sich zur Schlücht vereinen. Die oberste Quelle in der Glasmatt liegt laut amtlicher Gewässerkarte[5] auf etwa 942 m ü. NN im Gewann Glasbühl, wird aber, wie auch der Quellbach der Tiefmatt, von Gräben gespeist, die einen Kilometer weiter nordwestlich im Blummoos auf über 1000 m ü. NN beginnen.

Nach etwa einem Kilometer wird die Schlücht auf 300 Metern Länge zum Schlüchtsee (ca. 917 m ü. NN) aufgestaut. Im weiteren, zunächst südsüdöstlichen Verlauf senkt sich das Tal der Schlücht stetig tiefer in das Gelände ein und erreicht schon nach 5 Kilometern eine Tiefe von 80 Metern. Nach weiteren 5 Kilometern weitet sich das Tal kurz vor Ühlingen zu einer flachen Talmulde. Dort wendet sich die Schlücht in weitem Bogen nach Südwesten.

Schlucht des Mittellaufs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Weiler Riedersteg endet die breite Talsohle, und die zunächst niedrigen Uferhänge werden allmählich höher und rasch felsiger. Ab der Einmündung der Mettma hat das Tal Schluchtcharakter.

Die Mettma hat ein nur wenig kleineres Einzugsgebiet als die Schlücht, führt aber von Natur aus mit 0,92 m³/s etwas mehr Wasser als die Schlücht selbst (0,79 m³/s).[4] Durch die Ableitungen zum Schluchseewerk ist die sichtbare Wasserführung der Mettma meistens jedoch sehr gering.

Auf der folgenden, etwa 4 Kilometer langen Strecke durchsetzen beiderseits hohe Klippen und Wände aus Graniten wie der Schwedenfelsen und der Allmutfelsen in dichter Folge die ungefähr 150 Meter hohen Schluchthänge. Sie beherbergen das einzige Vorkommen der Aspisviper in Deutschland. Die flussbegleitende Straße musste windungsreich aus den Felshängen geschlagen werden. Wenig unterhalb der Mettma-Mündung wurde für den Straßenbau die Schlücht abkürzend durch ein Felsentor geleitet. Die Schlucht endet mit der Einmundung der Schwarza.

Dieser vom Schluchsee herabkommende Fluss übertrifft die Schlücht an Länge, Einzugsgebiet und natürlichem Abfluss. Er ist damit der hydrologische Hauptast des Flusssystems und verläuft wie auch die Mettma westlich parallel zum Oberlauf der Schlücht.

Unterlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem weiteren, ab der Witznauer Säge an der Schwarza-Mündung wieder nach Süden gerichteten Lauf lassen die Steilhänge streckenweise wieder einer schmalen Talsohle Raum. Bei Gurtweil, gut drei Kilometer vor der Mündung in die Wutach, mündet von rechts (Westen) der Haselbach ein. Er stürzt kurz vor der Mündung 9 Meter tief in den Teufelskessel. Ab Gurtweil weitet sich die Talsohle auf fast einen Kilometer Breite; der Flusslauf ist begradigt und in Dämme gefasst. Dieser letzte Flussabschnitt vom Schluchtaustritt bis zur Mündung ist wasserwirtschaftlich als Gewässer 1. Ordnung eingestuft.

Stauseen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schlüchtsee ist ein kleiner, teilweise unter Naturschutz stehender Stausee, in dem Baden und Fischen möglich ist. Ursprünglich war es ein Eisweiher für die seit 1791 bestehende nahe gelegene Brauerei in Rothaus.[6] Die Fläche des Sees umfasst ca. 6 ha (0,06 km²) bei einem Umfang von knapp 0,73 km.[7]

Lage der Schlücht mit ihrem Stau-Wehr innerhalb des gesamten Pumpspeichernetzwerkes Schluchsee

Der Lauf der Schlücht ist, abgesehen von kleineren Wehren, nur durch einen weiteren kleinen Stau unterbrochen: Etwa auf halbem Weg zwischen der Mettma- und Schwarzamündung wird ein Großteil des Wassers der Schlücht durch einen Stollen im natürlichen Gefälle dem Stausee Witznau im Tal der Schwarza zugeführt und damit für die Wasserkraftgewinnung der Schluchsee-Werke AG im Pumpspeicher-Verbund von Schluchsee, Stausee Schwarzabruck und Stausee Witznau, sowie dem Kraftwerk Waldshut am Hochrhein nutzbar gemacht. Diese Staustufe fungiert, wie der Mettma-Stausee und der Albstausee, als Seitenarm.

Nebenflüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle größeren Zuflüsse der Schlücht treffen aus nordwestlicher Richtung, von den Höhen des Südschwarzwaldes kommend, auf die Schlücht. Ihr Verlauf markiert den Übergangssaum zwischen dem nach Südosten gerichteten Entwässerungsgebiet des Südschwarzwaldes und den im rechten Winkel dazu verlaufenden Entwässerungslinien des Klettgaues im Bereich der ehemaligen Urdonau.

Nebenfluss Mündung
bei (ca.)
Mündungshöhe
ü. NN (ca.)
Mittlerer Abfluss (m³/s)
Nebenfluss / Schlücht[4]
Einzugsgebiet
Fläche / Anteil (ca.)
Mettma km 10,5 530 m 0,92 m³/s 0,79 m³/s 37,3 km² 15,5 %
Schwarza km 7,3 427 m 2,83 m³/s 1,78 m³/s 114,8 km² 49,9 %
Haselbach km 3,8 385 m 0,31 m³/s 4,77 m³/s 15,9 km² 6,6 %

Verkehrserschließung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mündungsbereich der Schlücht wird der Fluss von der Bundesstraße 34 gekreuzt. Die aus Hohentengen am Hochrhein kommende Landesstraße 161 führt durch das untere Schlüchttal bis Gurtweil. Von dort verläuft die Landesstraße 157 bis Rothaus durch das Schlüchttal, wo sie an die L 170 anbindet.

Nutzungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wasserbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mündungsgebiet der Schlücht hatte der Fluss bis zum 18. Jahrhundert einen gewundenen Lauf und mehrere Seitenarme. Wegen immer wiederkehrender Hochwasserschäden wurden ab 1789 erste größere Maßnahmen zur Eindämmung der Schlücht geplant. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden nach erneutem Hochwasser und zum Schutz der neuen Schlüchtbrücke zwischen Waldshut und Tiengen weiter an den Uferbefestigungen und der Begradigung gearbeitet.

Der Bau der Eisenbahnbrücke weiter flussaufwärts zog die vollständige Begradigung und Befestigung zwischen Mündung und Gurtweil nach sich.

Unterhalb Aichen entstand bei Gutenburg aus einem kleinen Flusskraftwerk um 1900 das heutige Unternehmen GUTEX.

Burgen entlang der Schlücht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schlüchttal war im Mittelalter und früher ein strategisch wichtiges Gebiet für den Bau von Burgen und Wehranlagen. Im Schlüchttal sind von den folgenden Anlagen Ruinen oder Mauerreste erhalten:

Mühlen und Sägereien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wasserkraft der Schlücht wurde und wird durch mehrere Getreide- bzw. Sägemühlen genutzt, so die Schlüchtmühle, Tannenmühle, Igelschlatter Säge, Witznauer Säge, Gutenburger Säge und Gurtweiler Säge.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Höhe nach dem Höhenlinienbild auf dem Hintergrundlayer Topographische Karte des Online-Kartenservers der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW). Siehe bei den → Weblinks.
  2. a b Länge nach dem Layer Gewässernetz (AWGN) des Online-Kartenservers der LUBW..
  3. Einzugsgebiet nach dem Layer Aggregierte Gebiete 05 des Online-Kartenservers der LUBW.
  4. a b c LUBW: Abfluss-Kennwerte HQ und MQ/NQ, abgerufen am 1. Oktober 2016
  5. Layer Gewässernetz (AWGN) des Online-Kartenservers der LUBW.
  6. Stephan Elsemann: Refugium für Seerosen. Der Sonntag, S. 4, 14. August 2016, abgerufen am 17. August 2016.
  7. Fläche Schlüchtsee

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schlücht – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien