Sebastian Voigt

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Sebastian Voigt (* 1978 in Ludwigsburg) ist ein deutscher Historiker.

Sebastian Voigt (2013)

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sebastian Voigt studierte von 2000 bis 2007 Geschichte, Germanistik, Philosophie und Pädagogik an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau, der University of Massachusetts/Amherst und der Universität Leipzig. 2006 erwarb er den Magister Artium und legte 2007 das Erste Staatsexamen für das gymnasiale Lehramt ab. Während des Studiums erhielt er Stipendien der Studienstiftung des deutschen Volkes, der Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Fulbright-Kommission. Zwischen 2003 und 2013 war Sebastian Voigt am Simon-Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur in Leipzig tätig.

2009 erhielt er ein Promotionsstipendium der Hans-Böckler-Stiftung und wurde 2013 mit einer Arbeit über die Gedächtnis- und Familiengeschichte linker jüdischer Aktivisten im Nachkriegsfrankreich an der Universität Leipzig promoviert. Die Publikation erschien 2015 unter dem Titel „Der jüdische Mai '68: Pierre Goldman, Daniel Cohn-Bendit und André Glucksmann im Nachkriegsfrankreich“ und wurde sowohl in der Tagespresse als auch in Fachzeitschriften breit rezipiert.[1][2][3][4][5] In einem Interview äußerte sich Daniel Cohn-Bendit positiv zu Voigts Überlegung, dass seine jüdische Herkunft eine Bedeutung in der 68er Bewegung gehabt habe, auch wenn sie für ihn damals subjektiv keine Rolle spielte.[6] Seit 2013 arbeitet Voigt als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte München – Berlin. Dort koordiniert er das Graduiertenkolleg „Soziale Folgen des Wandels der Arbeit in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts“.[7] Voigt ist außerdem Fachredakteur des Rezensionsjournals Sehepunkte und der IfZ-Schriftenreihe Zeitgeschichte im Gespräch.[8][9]

Von 2013 bis 2015 war er Lehrbeauftragter am Lehrstuhl für Zeitgeschichte an der Universität Leipzig.[10] Seit 2015 ist er Fellow am Institut für soziale Bewegungen[11] und Lehrbeauftragter an der Ruhr-Universität Bochum.[12] Voigt hat zwei Monographien verfasst, mehrere Bücher herausgegeben und zahlreiche Aufsätze veröffentlicht. Er ist Mitbegründer und Herausgeber der Reihe „Relationen. Essays zur Gegenwart“[13], die seit 2014 im Neofelis Verlag erscheint. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Geschichte der Gewerkschaften und der Arbeiterbewegung, des Antisemitismus, des (Anti)Kommunismus und die Geschichte der Linken. Außerdem hat er zahlreiche journalistische Artikel und Kommentare veröffentlicht, darunter in der TAZ[14], der Jungle World[15], dem Tagesspiegel[16] und der Jerusalem Post.[17]

Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelne Mitglieder der linken Bundestagsfraktion und Teile ihrer Parteibasis kritisieren die israelische Palästina-Politik heftig. Sebastian Voigt und der Politologe Samuel Salzborn beschrieben 2011 in einem Aufsatz israelfeindliche und antisemitische Tendenzen in der Partei.[18] Der zuerst in der Frankfurter Rundschau veröffentlichte Aufsatz erschien später etwas überarbeitet in der Zeitschrift für Politik.[19] Der Aufsatz war Anlass einer von CDU/CSU und FDP beantragten Aktuellen Stunde im Bundestag.[20] Einige Mitglieder der Parteiführung beurteilten die beschriebenen Tendenzen kritisch,[21] andere stritten sie ab.[22][23][24][25][26]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Autor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der jüdische Mai '68: Pierre Goldman, Daniel Cohn-Bendit und André Glucksmann im Nachkriegsfrankreich. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen/Bristol 2015, ISBN 978-3-525-37036-0.
  • Die Dialektik von Einheit und Differenz. Über Ursprung und Geltung des Pluralismusprinzips in den Vereinigten Staaten von Amerika (Hochschulschriften). Trafo, Berlin 2007, ISBN 978-3-89626-716-0.

Als Herausgeber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sebastian Voigt, Wiebke Friedrich, Christoph Schwarz (Hrsg.): Gewerkschaften im demokratischen Prozess/Labour Unions in the Democratic Process, Edition der Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf 2013, ISBN 978-3-86593-177-1.
  • Sebastian Voigt, Heinz Sünker (Hrsg.): Arbeiterbewegung – Nation – Globalisierung. Bestandsaufnahmen einer alten Debatte, Velbrück Wissenschaft, Weilerswist 2014, ISBN 978-3-942393-71-3.
  • Jewish and Non-Jewish Spaces in the Urban Context; Neofelis Verlag, Berlin 2015; ISBN 978-3-943414-44-8. (englisch)
  • Sebastian Voigt, Bernd Heyl, Edgar Weick (Hrsg.): Ernest Jouhy–zur Aktualität eines leidenschaftlichen Pädagogen. Brandes & Apsel, Frankfurt am Main 2017, ISBN 978-3-95558-201-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. [1] Website der H-Soz-Kult. Abgerufen am 7. Februar 2018.
  2. [2] Rezension aus der Süddeutschen Zeitung. Abgerufen am 7. Februar 2018.
  3. [3] Rezension aus Neues Deutschland, Sozialistische Tageszeitung. Abgerufen am 7. Februar 2018.
  4. [4] Rezension aus der Zeitschrift Neue Politische Literatur. Zuletzt abgerufen am 7. Februar 2018.
  5. Stiftung Demokratie Saarland SDS: Der jüdische Mai ’68 - 30.05.18. Abgerufen am 8. Februar 2019.
  6. [5] Cohn-Bendit in der jüdischen Allgemeine. Zuletzt abgerufen am 3. April 2018.
  7. [6] Internetseite des Graduiertenkollegs Wandel der Arbeit. Abgerufen am 7. Februar 2018.
  8. [7] Sehepunkte Profil von Sebastian Voigt.
  9. Institut für Zeitgeschichte: Zeitgeschichte im Gespräch. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 22. Oktober 2018; abgerufen am 5. Juni 2018. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ifz-muenchen.de
  10. [8] Lehrstuhl für Zeitgeschichte Universität Leipzig.
  11. [9] Mitarbeiterseite von Sebastian Voigt am Institut für soziale Bewegungen.
  12. [10] Sebastian Voigts Profil an der Ruhr-Universität Bochum.
  13. (Memento des Originals vom 10. Februar 2018 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.neofelis-verlag.de „Relationen. Essays zur Gegenwart“
  14. [11] Artikel von Sebastian Voigt in der TAZ.
  15. [12] "Shalom ohne Frieden" von Sebastian Voigt in der Jungle World.
  16. [13] "Positionen von Israels Seite" von Sebastian Voigt im Tagesspiegel.
  17. [14] "Let the left go forward" von Sebastian Voigt in der Jerusalem Post.
  18. Samuel Salzborn/Sebastian Voigt: Antisemiten als Koalitionspartner? Die Linkspartei zwischen antizionistischem Antisemitismus und dem Streben nach Regierungsfähigkeit. (Memento vom 19. August 2011 im Internet Archive) Online-Vorab-Publikation, 2011.
  19. Samuel Salzborn, Sebastian Voigt: Antisemiten als Koalitionspartner? Die Linkspartei zwischen antizionistischem Antisemitismus und dem Streben nach Regierungsfähigkeit. In: ZfP 58, Jg. 3/2011.
  20. der 110. Sitzung, S. 41 ff.; Aufzeichnung online als Video@1@2Vorlage:Toter Link/dbtg.tv (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. einsehbar in der Mediathek des Bundestags.
  21. Linke verärgert über antisemitische Tendenzen. In: welt.de. 3. Juni 2011, abgerufen am 23. Dezember 2014.
  22. M. Hollstein, P. Kuhn: Warum die Linkspartei ein Problem mit Israel hat. In: welt.de. 20. Mai 2011, abgerufen am 23. Dezember 2014.
  23. Die „Linke“ und ihr Verhältnis zu Israel: „So erzeugt man Feindbilder.“ hagalil.com
  24. Jan-Philipp Hein: Linkspartei: Ein Problem namens Israel. In: stern.de. 23. Mai 2008, abgerufen am 23. Dezember 2014.
  25. Gaza-Hilfe: Linke-Abgeordnete wettern gegen Israel. In: Focus Online. 1. Juni 2010, abgerufen am 23. Dezember 2014.
  26. Wirbel um antiisraelisches Flugblatt auf der Website der Linken in Duisburg. DerWesten