Sickershausen

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Sickershausen
Stadt Kitzingen
Ortswappen von Sickershausen
Koordinaten: 49° 43′ 14″ N, 10° 10′ 56″ O
Höhe: 203 m
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 97318
Vorwahl: 09321
Sickershausen (Bayern)
Sickershausen

Lage von Sickershausen in Bayern

Ortsteil Sickershausen mit evangelischer Johanneskirche
Ortsteil Sickershausen mit evangelischer Johanneskirche

Sickershausen ist ein Ortsteil der Großen Kreisstadt Kitzingen. Diese gehört zum Regierungsbezirk Unterfranken und liegt im Bundesland Bayern.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsteil liegt ca. 5 km südlich des Kitzinger Stadtzentrums, am von Mainbernheim kommenden Sickersbach, dessen Nebenlauf Franzosengraben und am Fuß des Kitzinger Klettenbergs.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Zeit der Fränkischen Landnahme, am Ende der Völkerwanderungszeit dürfte der Ort Sickershausen seinen Anfang genommen haben. Dies lässt sich aus den Bestandteilen Sicker und –hausen ableiten. Der erste Bezeichnung Sicker entstand aus Siegher oder Sieghart. Die Endung –hausen bedeutet bei den Häusern. Durch den Zusatz des Besitzers war der Ort eindeutig bestimmbar als bei den Häusern des Siegher.[1]: 11

Ortsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsnamen wurden oft zufällig schriftlich belegt, wenn der Ort in Verbindung mit einem Rechtsgeschäft in einer Urkunde festgehalten wurde. Dies geschah für Sickershausen am 27. Juni 1225[1]: 12 in einem Vertrag zwischen König Heinrich VII und Bischof Hermann von Würzburg. 1275 fungierte Cunrado de Sickershausen als Zeuge eines Verkaufs von Bischof Bertold und ebenso 1316 Bruder Cunnrat von Sickershausen bei Albrecht von Hohenlohe.[1]:12 Vermutlich waren die Herren von Sickershausen hohenlohische Ministerialen. Die Hohenlohe-Brauneck verpfändeten den Ort an die Grafen von Castell. Gottfried von Brauneck konnte ihn am 5. Juli 1340 wieder zurückkaufen.[2] Am 13. Oktober 1448 erwarb Markgraf Albrecht Achilles zu Brandenburg Sickershausen zusammen mit Gnodstadt, Martinsheim, Marktsteft, Oberickelsheim, Obernbreit und Enheim für 24.000[3] Gulden. Wütende Bauern brandschatzten und richteten im Dorf 1525 große Zerstörungen an. In einer der ersten Ortschaften führte Georg von Brandenburg-Ansbach 1528 hier die Reformation ein. Mehrere schwere Heimsuchungen trafen in der Folgezeit die Ortschaft. Im Dreißigjährigen Krieg sowie durch Hungersnöte und die Pest wurde der Ort bis auf 18 Bürger entvölkert.[4]: 26 Erneut litt die Bevölkerung 1673 unter Plünderungen und blinder Zerstörungswut von Franzosen und Kaiserlichen. Auch die Kirche wurde nicht verschont, so dass alle kirchlichen Aufzeichnungen aus dieser Zeit verloren sind.[4]: 26 – 29 Nach langer brandenburgischer Herrschaft fiel Sickershausen 1792 an Preußen. Im Vertrag von 1806 zwischen Frankreich und Preußen wurde das Fürstentum Ansbach an Frankreich abgetreten. 1806 kam die Ortschaft als Dank für „wohlwollendes Verhalten“ schließlich zu Bayern.[4]: 30

Von besonderer Bedeutung für die Entwicklung der Gemeinde war der Anschluss an die Eisenbahnlinie Würzburg-Nürnberg, die den Sickershäuser Ortsrand berührt (1843). Sickershausen blieb bis 1982 Haltepunkt an der Strecke.

Seit der Gemeindegebietsreform, die am 1. Januar 1975 in Kraft trat, ist Sickershausen ein Ortsteil von Kitzingen.[5]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1861[6] 1864[7] 1900 1925 1950 2000 2010 2015 2018
Einwohner 565 605 620 750 840 910 940 980 1020

Weinort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Brandenburgische Archivar wies in seinem 1761 erschienenen Jahrbuch auf guten Wein und regen Handel damit hin. Im Jahr 1856 gab es 250 Tagwerk Rebenanbau. 1868 war die Anbaufläche auf 152 Tagwerk geschrumpft.[4]: 48 Vor der Bereinigung betrug 1968 die vorhandene Rebfläche 4,5 ha, jedoch waren nur 0,65 ha noch bestockt.[4]: 45

1966 begann die fünf Jahre dauernde Weinbergs-Flurbereinigung am Klettenberg. In deren Folge wurde 1967 auch die Sickershäuser Weinlage „Storchenbrünnle“ mit einer Größe von ca. 7 ha angelegt.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsteil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sickershausen ist ein Ortsteil der politischen Gemeinde Kitzingen.

Ortssprecherin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anni Schlötter vertritt für weitere 6 Jahre als Ortssprecherin die Interessen des Stadtteils Sickershausen im Kitzinger Stadtrat.[8]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein schräg von rechts oben nach links unten gestellter goldener Pilgerstab teilt das Rot mit silberner Muschel und das Schwarz mit sechsstrahligem Stern.

Wappengeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Gerichtssiegel aus dem 17. Jh. zeigt einen Wallfahrer mit Pilgerstab und Muschel. Diese Darstellung fußt auf eine seit dem 16. Jahrhundert nachweisbare Marienwallfahrt. Die Pilgersymbole sowie das Marienattribut, der Stern, fanden im Wappen Eingang. Auf die Herrschaft der Markgrafen von Ansbach deutet die Farbgebung Weiß – Schwarz, auf das Hochstift Würzburg die Farben Weiß – Rot.[9]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rathaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründungstafel am Rathaus

Ursprünglich war das Rathaus neben der Dorfkirche Teil der Kirchenburg. Im Jahr 1592 erfolgte der Bau unter Schultheiß Arnold. Das Fachwerk des ältesten Gebäudes im Ort konnte 1948 freigelegt werden. Im Ratssaal gibt es eine spätgotische Holzdecke und einen Tisch mit Schieferplatte von 1628.[1]:142 – 144 Heute dient das Rathaus als Archiv. Außerdem ist dort seit 1977 das Frankenstudio untergebracht.

Frankenstudio[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieses beherbergt eine reichhaltige und pädagogisch wertvolle Sammlung zur regionalen Natur-, Landes- und Volkskunde. Es wurde von Dr. Andreas Pampuch ins Leben gerufen und enthält Staatsexamens- und Seminararbeiten zu Unterfranken und Kitzingen. Auch eine Sammlung von Büchern zum gleichen Thema mit rund 2000 Bänden sowie das reichhaltige Bildarchiv bildeten eine wertvolle heimatkundliche Quelle für interessierte Besucher.

St. Johannes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den christlichen Vorgängerbauten der heutigen Kirche St. Johannes oder St. Johannis[1]: 136 – 140 ist nur wenig erhalten. Besonders bemerkenswert sind im Altarraum der Kirche das spätgotische Kruzifix aus der Zeit um 1500 und das Renaissance-Taufbecken. Die mittelalterliche Vorgängerkirche war durch die kriegerischen Auseinandersetzungen 1673[10]: 45 ziemlich baufällig geworden.

Als die Bevölkerungszahl durch den Zuzug von Salzburger Emigranten und von Bürgern aus dem rekatholisierten Kitzingen erheblich anstieg, wurde die Kirche zu klein. Deshalb fanden durch den Hofarchitekten Steingruber 1747/48[10]: 43 Umbauten im Markgrafenstil 33statt. Bis zur großen Renovierung 1956 stellte der Kanzelaltar in der Stirnwand die Einheit aus Wort und Sakrament optisch in den Mittelpunkt des Gotteshauses. Im Zuge der bedeutenden Umgestaltung wurde der alte, relativ kleine Chorraum freigelegt, nachdem die Orgelempore mit dem Kanzelaltar, das vordere Gestühl für Würdenträger und die zweiten Seitenemporen entfernt worden waren.

Friedhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1510[1]: 122 wurde der Friedhof an den Dorfrand verlegt und mit einer Steinmauer befestigt. Die Arkaden, welche ehemals die Sitzplätze für die Trauergemeinde schützten, mussten abgebrochen werden.[10]:30 Nur der Pfarrer hat bei schlechten Witterungsverhältnissen bis heute einen kleinen Vorzug durch die freistehende Renaissance-Steinkanzel. Am Kanzelkörper befindet sich die Jahreszahl 1690. Nach dem Sterbebuch der Gemeinde wurde die Kanzel zur „Leichpredigt“ für die Ehefrau von Leonhard Adler zum ersten Mal am 6. Mai des gleichen Jahres genutzt.[4]: 139 – 140 Ähnliche steinerne Kanzeln stehen auch in den nahen Orten Marktsteft und Mainbernheim.

Vor 1961[11]:17 blieben die Toten bis zur Beerdigung im Trauerhaus. Dort wurden sie nach der Aussegnung von Trägern aus dem Bekanntenkreis abgeholt und in Begleitung der Trauergemeinde zum Friedhof geleitet. Dieser Brauch änderte sich mit dem Bau des Leichenhauses 1964. Es war mit Aussegnungs-, Geräte- und Kühlraum ausgestattet. Das Eingangsportal musste für den Neubau etwa fünf Meter zur Straße hin versetzt werden.

1981 brachte man neun Grabsteine[10]:31 aus dem Friedhof und der Ummauerung in den Kirchgarten. Man versuchte, sie neben dem Turm unter kleinen Dächern vor weiterer Zerstörung durch Verwitterung zu schützen.

Sage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ähnlich wie in Possenheim existiert auch in Sickershausen eine Sage über einen sogenannten Judenbrunnen.

Vor langer Zeit lebte ein Bauer in Sickershausen. Er war ein geiziger und roher Mann und lieh sich eines Tages von einem Juden eine große Menge Geld. Trotz mehrmaliger Ermahnung zahlte er das geliehene Geld nicht mehr zurück. Der Jude kam nach Sickershausen und drohte dem Bauern, ihn vor Gericht zu verklagen. Darüber geriet der Bauer in Zorn und erschlug den Juden. Der Sterbende sprach: „Wenn auch kein Mensch deine Tat sieht, so muss dich die Sonne verraten!“

Immer wenn nun die Sonne schien, lächelte der Bauer. Seine Frau bemerkte das, konnte aber den Grund nicht erkennen. Die Tat blieb verborgen und das Bauernpaar wurde älter und älter. Auf dem Sterbebett wollte der Bauer sein Gewissen erleichtern und erzählte seiner Frau nun alles ganz genau. Er hatte den Juden nach seiner Tat in einen Brunnen geworfen, der fortan von der Bevölkerung Judenbrunnen genannt wurde.[12]

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gesangverein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein reiner Männergesangverein besteht seit 1914. Auf Initiative von Manfred Stang, dem Vorsitzenden des Gesangvereins 1914 e. V., bildeten sich 2002 der[8] Gospelchor Sicantiamo und der Kinderchor Sickerstörchli.

Posaunenchor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Anregung von Andreas Wagner lieh sich der ehemalige Mainbernheimer Georg Herbst Instrumente von dort für alle Lernwilligen seines neuen Heimatortes. Damit war im Jahr 1925 der Posaunenchor gegründet.[11]:84, 85

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Maibaumstellen (30. April)
  • Sickershäuser Weinfest (Juli)
  • Hohlgrabenfest (August)
  • Kirchweih (Oktober)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sickershausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Christine Röhner: Sickershausen. Würzburg 13. Mai 1969.
  2. Adolf Röß: Beiträge zur älteren Geschichte des Dorfes Sickershausen (= Am fränkischen Herd. Nr. 18). 1926, S. 3 – 5.
  3. Auszug aus der Original Sickershäuser Chronik von R. K.: Info´s über den schönen fränkischen Weinort: "SICKERSHAUSEN". Kleine Chronik von Sickershausen. Gerd Pfau, abgerufen am 17. November 2012.
  4. a b c d e f Rainer Krumpholz: Sickershausen – eine Dorfchronik. Würzburg Januar 1977.
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 747.
  6. Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1175–1176, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  7. Valentin Grübel: Amts- und Adreß-Handbuch für den k. bayer. Regierungsbezirk Unterfranken und Aschaffenburg : nach amtlichen Quellen bearbeitet. Hrsg.: Valentin Grübel. Selbstverl. d. Verf., Würzburg 1865, S. 36 (Online [abgerufen am 9. Oktober 2013]).
  8. a b Gerd Pfau: Weinort Sickershausen. Gerd Pfau, 16. September 2011, abgerufen am 17. Dezember 2012.
  9. R. K.: Der schöne Weinort Sickershausen. Gerd Pfau, 16. September 2011, abgerufen am 23. November 2012.
  10. a b c d Evang.-Luth. Kirchengemeinde Sickershausen (Hrsg.): 250 Jahre Johanneskirche Sickershausen. 500 Stück Auflage. Selbstverlag bei Kummor, Kitzingen 1997.
  11. a b Friedrich Kratsch: Chronik der Evang. Kirche Kitzingen–Sickershausen. Sickershausen Februar 1995.
  12. Klarmann, Johann Ludwig (u. a.): Sagen und Skizzen aus dem Steigerwald. S. 125.