St. Antonius von Padua (Berlin-Oberschöneweide)

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St.-Antonius-Kirche
Ansicht von Südosten

Ansicht von Südosten

Baujahr: 1906
Einweihung: 3. November 1907
Baumeister: Wilhelm Fahlbusch
Architekt: Wilhelm Fahlbusch
Bauherr: Katholische Kirchengemeinde Oberschöneweide
Grundfläche: 45 × 15 m
Platz: 1800 Personen
Turmhöhe:

39 m

Lage: 52° 27′ 54,4″ N, 13° 30′ 57,6″ OKoordinaten: 52° 27′ 54,4″ N, 13° 30′ 57,6″ O
Anschrift: Griechische Allee 9 / Roedernstraße 1
Berlin-Oberschöneweide
Berlin, Deutschland
Zweck: Gottesdienst römisch-katholisch
Pfarrei: Kath. Kirchengemeinde St. Antonius von Padua
Bistum: Erzbistum Berlin
Begründerplakette

St. Antonius von Padua ist eine römisch-katholische Kirche in Oberschöneweide im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick. Das dem hl. Antonius von Padua geweihte Gotteshaus wurde nach Plänen des Architekten Wilhelm Fahlbusch aus Hannover errichtet und im Jahr 1907 geweiht. Das komplett denkmalgeschützte Bauensemble umfasst auch das benachbarte Pfarrhaus, dessen Entwurf ebenfalls von Fahlbusch stammt und das 1908 fertiggestellt war. Die Pfarrgemeinde St. Antonius von Padua gehört zum Dekanat Treptow-Köpenick des Erzbistums Berlin.

Geschichte des Kirchenbaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die schnelle Einwohnerentwicklung der neuen Landgemeinde Oberschöneweide gegen Ende des 19. Jahrhunderts brachte Katholiken aus allen deutschen Gegenden und auch aus Polen in den Ort. Sie waren allesamt anfangs nach Köpenick gepfarrt. Zunächst gab es im Ort keine Räumlichkeiten für Gottesdienste, sodass der Köpenicker Pfarrer Karst 1896 beim Fürstbischöflichen Ordinariat in Breslau beantragte, die weiteren umliegenden Orte Karlshorst, Baumschulenweg, Johannisthal und Niederschöneweide zu einer eigenen katholischen Gemeinde mit Pfarrsitz in Oberschöneweide zu vereinigen. Das kam jedoch nicht zustande, man stellte den Oberschöneweidern dagegen die Mitbenutzung des Kaiserpavillons in Karlshorst in Aussicht. So feierten sie Ostern 1897 ihren ersten Gottesdienst dort. Der Pavillon genügte auf Dauer der Menge der Gläubigen aber nicht. So fanden die Katholiken aus Oberschöneweide in der gerade fertiggestellten Feuerwache in der Siemensstraße ab Oktober 1899 einen geeigneteren Ort. Nachdem 1903 der Fürstbischof von Breslau Oberschöneweide zusammen mit Johannisthal und Baumschulenweg zur eigenen Kuratie erhoben hatte, wurde die Errichtung eines Gotteshauses in der Gemeinde geplant. Kaplan Joseph Rennoch konnte mit Unterstützung der Forstverwaltung die Überlassung eines gut gelegenen Baugrundstücks aushandeln. Durch die Gemeinde waren dafür 43.000 Mark (kaufkraftbereinigt in heutiger Währung: rund 260.000 Euro) für Straßenregulierungsarbeiten zu bezahlen. Die Kosten für den Bau eines eigenen Kirchengebäudes wurden auf 155.000 Mark (heute: rund 939.000 Euro) geschätzt, die mit Hilfe von Spenden anderer deutscher Kirchengemeinden zustande kamen. In der Kirchenchronik heißt es dazu:

„Um einen recht guten Erfolg zu erzielen, wählte ich zum Patron der Kirche den beim katholischen Volke in großer Verehrung stehenden hl. Antonius von Padua.“

Kuratus J. Rennoch

Der vom Architekten Wilhelm Fahlbusch aus Hannover vorgelegte Plan für eine Kirche samt Pfarrhaus fand die Zustimmung des Gemeindekirchenrates und so konnte bereits am 26. August 1906 der Grundstein gelegt werden. Fahlbusch leitete anschließend auch den Bau. Schon nach 15 Monaten, genau am 3. November 1907 war die Kirche fertiggestellt. Die Kirchweihe nahm der fürstbischöfliche Delegat Carl Kleineidam vor.

Fahlbusch hatte auch das Pfarrhaus barockisierend entworfen und seinen Bau geleitet. Das Eckhaus an der Roedernstraße erhielt ein abgewalmtes Mansarddach mit zwei plastischen Segmentbogengiebeln am ausgebauten Dachgeschoss. Das relativ schlicht gehaltene Bauwerk wurde mit geklinkerten Lisenen gegliedert und verputzt. Am 22. Dezember 1908 war auch das Pfarrhaus bezugsfertig.

Pfarrhaus (links) und Kirchengebäude St. Antonius, 1909

Nachdem Oberschöneweide zur Pfarrei erhoben worden war, ernannte das Dekanat am 13. November desselben Jahres Joseph Rennoch zum ersten Pfarrer der Gemeinde St. Antonius. Dieser leitete die Gemeinde bis 1923, als er eine andere Pfarrstelle in Berlin übernahm. In seiner Amtszeit hatte er zur Bereicherung des kirchlichen Lebens insgesamt 27 Pfarrgruppen mitgegründet, darunter einen Kirchenchor, einen Kindergarten, einen Gesellenverein, ein Männerapostolat, eine Vinzenz-Konferenz, einen katholischen Arbeiterverein und vieles mehr. Im Jahr 1925 erfolgte eine größere Sanierung des Kirchengebäudes: das Dach wurde umgedeckt und die Empore vergrößert.

Bischof Konrad von Preysing konsekrierte den Kirchenbau am 3. November 1937. Bei dieser Gelegenheit erhielt die Gemeinde von einem Franziskanerorden eine Reliquie des Hl. Antonius geschenkt. Sie fand ihren Platz in einem Schrein auf dem Antoniusaltar.

Im Zweiten Weltkrieg, am 27. Januar 1944 beschädigten Bombenabwürfe das Bauensemble: das Kirchendach wurde zum größten Teil abgedeckt und sämtliche Fenster zerstört. Die Bewohner umliegender ebenfalls zerstörter Wohnhäuser nutzten nun einige Kirchräume zur Unterstellung ihres noch erhaltenen Mobiliars. Die Überlebenden halfen aber tatkräftig mit, um die Kirche noch im gleichen Jahr wieder nutzbar zu machen. Nach Kriegsende erfolgten gründlichere Reparaturen am Gotteshaus. So konnte es sogar im Rahmen des 75. Deutschen Katholikentages im August 1952 in Berlin von den katholischen Würdenträgern mit genutzt werden. Im Jahr 1954 führte eine Orgelwerkstatt Reparaturarbeiten an dem Instrument aus.

Die mittlerweile dringend notwendige Renovierung des Gotteshauses konnte 1962/1963 erfolgen. Die Neugestaltung stand unter den liturgischen Gesichtspunkten des Zweiten Vatikanischen Konzils. Der Künstler Georg Nawroth aus Görlitz hatte für die Prinzipalien das Motto „Anbetung des Lammes“ gewählt. Seine Entwürfe zu einer kompletten Neuausstattung wie Altarfenster, Kanzel, Tabernakel, Seitenaltäre, Kapellen und so weiter fanden die Zustimmung des Kirchenvorstands. Ab Mai 1963 begannen Umbau und Erneuerung. Mit dem Einsetzen der fünf neuen Altarfenster, die der Künstler mit Heiligenfiguren gestaltet hatte, konnte der erste Abschnitt der Innenrenovierung am 19. Oktober 1963 abgeschlossen werden. Die übrigen Erneuerungen (Fenster, Kanzel und Kirchenbänke) erfolgten in weiteren Schritten. Erst mit der Aufstellung des Tabernakels und der Einweihung eines neuen Kreuzwegs fanden die geplanten Arbeiten in der Kirche 1966 ihren endgültigen Abschluss.

Währenddessen konnten noch mit Spenden der Gemeindemitglieder 18 neue Bronzeleuchter für die drei Altäre angeschafft werden. 1963 erhielt die Antonius-Gemeinde von den Staatlichen Museen zu Berlin als Dauerleihgabe den Schrein eines spätgotischen Schnitzaltars mit Marienkrönung, der aus dem Schwäbischen stammt und am rechten Seitenaltar aufgestellt wurde.

Im Jahr 1977 ergab ein Statikgutachten, dass der Turmhelm baufällig war. Zur Reparatur wurde ein Mobilkran nötig, der in der DDR aber nicht verfügbar war; so orderte man ihn in West-Berlin. Am 23. Mai 1977 hob der Kran den Turmhelm ab, sodass Spezialisten nun die notwendigen Erneuerungen vornehmen konnten. Bereits am Folgetag kam die Turmspitze wieder auf den Schaft.

Schließlich hatten 1980 erste werterhaltende Maßnahmen an den Gebäuden der Kirche, des Pfarrhauses und der Kita begonnen. Aber erst nach der politischen Wende konnten sie im größeren Stil und mithilfe von Fördermitteln bis zum Jahr 2000 fortgeführt werden. Abschließende Arbeiten erfolgten 2011/2012, für die eine Summe von 200.030 Euro aufgebracht werden musste. Dabei wurden auch Reste der ersten Wandfresken freigelegt.[1]

Die 100. Wiederkehr der Kirchenweihe wurde mit einem Pontifikalamt Erzbischofs Georg Kardinal Sterzinskys am 11. November 2007 gefeiert.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptportal

Das Kirchengebäude ist ein Bauwerk im neugotischen Stil. Als Baumaterial dienten Backsteine und als Grundform wählte Fahlbusch eine Basilika mit kreuzförmigem Grundriss. Das dreijochige Kirchenschiff wird von einem Kreuzrippengewölbe überspannt. Weitere Merkmale sind ein dreiseitig geschlossener Chor, ein Westturm mit quadratischem Grundriss und ein etwa 24 Meter langes Querhaus, ausgestattet mit Maßwerkfenstern. Im Turmschaft ist das rundbogige trichterförmig gestaltete Hauptportal eingearbeitet. Darüber befindet sich das Cäcilienfenster, womit die gläserne Rosette bezeichnet wird. Im Kirchturm hängen eine Turmuhr mit rechteckigem Zifferblatt sowie ein dreistimmiges Geläut. Das ziegelgedeckte Turmdach trägt einen Spitzhelm, dessen Giebelflächen ornamentale Rosetten verzieren. Das Ganze wird von einem Kreuz auf Turmkugel mit einem vergoldeten Wetterhahn bekrönt.

Das Kirchenschiff bietet Platz für 1800 Personen.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Kirchturm wurden drei Bronzeglocken installiert, von denen zwei bereits im Ersten Weltkrieg als Metallspende des deutschen Volkes abgeliefert werden mussten. Die kleinste Glocke (Ave) blieb vorerst erhalten. Im Jahr 1924 konnten mit Spenden der Gemeindemitglieder zwei Ersatzglocken, diesmal als Stahlguss, angefertigt werden. Die größere Glocke St. Joseph mit der Inschrift: „Unseren im Weltkrieg 1914/18 Gefallenen gib, o Herr, den ewigen Frieden“ und die mittlere Glocke St. Antonius mit der Inschrift: „Vor Pest, Hungersnot und Krieg bewahre uns, o Herr.“ wurden am 8. Dezember 1924 in den Kirchturm aufgezogen. Sie läuteten gemeinsam mit der kleinsten Bronzeglocke erstmals zu Weihnachten desselben Jahres. Die Ave-Glocke, im Zweiten Weltkrieg auch für Kriegszwecke eingeschmolzen, wurde 1956 ebenfalls aus Stahl nachgegossen und im September 1957 geweiht. Sie trägt die Inschrift „Maria, Königin des Friedens, bitte für uns“.

Den Hochaltar fertigte der Berliner Bildhauer Joseph Breitkopf-Cosel[2] nach Entwurf des Architekten Fahlbusch an; er konnte 1913 eingeweiht werden. Auf der Empore fand eine in der Orgelbauanstalt Eggert aus Paderborn gearbeitete Orgel ihren Platz. Sie wurde am 26. Januar 1916 geweiht. Das im Chor vorhandene Kruzifix stammt aus dem späten 14. Jahrhundert. Im Jahr 1991 erwarb die Pfarrgemeinde eine Klein-Orgel der Firma W. Sauer Orgelbau Frankfurt (Oder), die im Hauptschiff unterhalb der Empore platziert wurde.

Geschichte der Kirchengemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Zeit der Weihe der Kirche bestand das Einzugsgebiet der Gemeinde St. Antonius von Padua aus den Ortsteilen Ober- und Niederschöneweide sowie Johannisthal. Die neue Gemeinde vereinigte rund 6000 Gläubige. Zwischen 1926 und 1927 entstand auf einem Grundstück in Johannisthal eine Kapelle der Gemeinde St. Antonius von Padua, die dem Evangelisten Johannes geweiht wurde. Damit hatten die Einwohner dieses Berliner Ortsteils ihre eigene Kirche und wurden aus St. Antonius ausgegliedert. Für die Katholiken in Baumschulenweg wurde die Gemeinde St. Anna errichtet.

Die Antonius-Gemeinde eröffnete 1934 ein weiteres Gebäude in der Weiskopfstraße, das der Kinder- und Jugendarbeit diente. Die Kinderbetreuung konnte in den folgenden Jahren stetig erweitert werden. In den späten 1990er Jahren wurde ein gemeinsam mit der Caritas betreutes Seniorenzentrum St. Konrad gegründet. Der Schwund von Mitgliedern und die wirtschaftlichen Probleme führten zu Beginn des 21. Jahrhunderts dazu, dass früher ausgegliederte Kirchenbereiche aus Johannisthal in das Betreuungsgebiet der St. Antonius-Kirche zurückgeführt wurden. Im Herbst des Jahres 2012 gehörten der St.-Antonius-Gemeinde rund 2000 Katholiken an.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Institut für Denkmalpflege (Hrsg.): Die Bau- und Kunstdenkmale der DDR. Hauptstadt Berlin-II. Henschelverlag, Berlin 1984, S. 325.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Antonius-Kirche (Berlin-Oberschöneweide) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stand der Renovierung des Kircheninnenraums. (PDF; 1,3 MB) In: ponticulus, Pfarrbrief der Gemeinde St. Antonius von Padua; Dezember 2011/Januar 2012, S. 9 ff; abgerufen am 10. November 2012
  2. Breitkopf-Cosel, Joseph. In: Berliner Adreßbuch, 1919, Teil 1, S. 306. „akad. Bildh., Modelle und Bildschnitzkunst, Denkmal und Grabmalplastik“.