St. Georg (Altenrath)

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Pfarrkirche St. Georg Altenrath 2014
Pfarrkirche St. Georg Altenrath 2007

Die katholische Pfarrkirche St. Georg in Altenrath, einem Stadtteil von Troisdorf im nordrhein-westfälischen Rhein-Sieg-Kreis, ist eine romanische Pfeilerbasilika. Das Gebäude ist ein geschütztes Kulturdenkmal und für die Region von großer Bedeutung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als im Jahre 1311 nachweislich das Kirchspiel Altenrath an die Grafschaft Berg verkauft wurde, [1] war die St.-Georgs-Kirche schon längst Kern dieser dörflichen Ansiedlung gewesen. Ihre Errichtung darf für die Mitte des 12. Jahrhunderts angesetzt werden, wenngleich man für den Standort von einem vermutlich hölzernen Vorgängerbau ausgehen darf, der allerdings mit archäologischen Mitteln noch nachzuweisen wäre. Zur Zeit der Reformation war Altenrath lutherisch gesinnt, den Katholiken in St. Georg die Ausübung ihrer kirchlichen Praxis verboten worden.[2] Anfang des 17. Jahrhunderts kam es zeitweise zu einer simultanen Nutzung des Gotteshauses.[1]

Während des Dreißigjährigen Krieges litt auch Altenrath unter der Drangsal schwedischer Besatzungstruppen, was u. a. auch zur Plünderung der Kirche geführt hatte.[1] Von Urkunden aus dieser Zeit, welche kirchenbauliche Verpflichtungen zum Thema haben, lassen sich die Adelshäuser Sülz und Schönrath herauslesen, die zur Hälfte sowohl für das Mittelschiff als auch für den Turm in der Verantwortung standen.[2] Sowohl ein eigener Chor, das sog. Sülzer Chörchen, als auch eine eigene Gruft für die Inhaber des Hauses Sülz ist nachgewiesen.[2]

In dieser Zeit kam es zu einer ersten durchgreifenden Sanierungs- bzw. Erweiterungsphase des Sakralbaus. Im Rahmen dieser Maßnahme erfolgte v. a. die Verlängerung des Chorraumes und parallel dazu die flankierenden Anbauten „Sülzer Chörchen“ auf der Nordseite bzw. der „Sakristei“ auf der Südseite der Kirche. Da die Sakristei im Jahre 1632 von den Schweden geplündert wurde[1], muss sie zumindest zu diesem Zeitpunkt schon vorhanden gewesen sein. Außerdem wurden im Langhaus die Fenster zugemauert und durch größere ersetzt.[2] Weitere Umbaumaßnahmen sind aus den Jahren 1866/67 überliefert.[1] So ist aus den beiden Choranbauten einschließlich des westlich gelegenen Teils des Chores ein Querhaus angelegt worden. Da man allerdings auf das „Sülzer Chörchen“ nicht verzichten wollte und ebenso ein Sakristeianbau notwendig war, musste auch das verbliebene Reststück des Chores wiederum eine entsprechende Verlängerung erfahren. Außerdem wurde der Fußboden der Kirche um eineinhalb Fuß (ca. 40 cm) tiefer gelegt und erneut die Lage der Befensterung verändert.

Mit der Errichtung des preußischen TruppenübungsplatzesWahner Heide“ im Jahre 1817 und seinen darauf folgenden Erweiterungen reichte er bald bis an den Ortsrand von Altenrath heran.[3] 1933 wurden zur Abrundung des militärisch genutzten Gebietes weitere Geländeabschnitte erworben und 1938 die vollständige Enteignung und Zwangsräumung von Altenrath angeordnet. Im Anschluss benutzte man die dörfliche Bausubstanz einschließlich der Kirche bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges zum Einüben des Straßenkampfes.[4]

Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten v. a. Wiederherstellungsarbeiten durchgeführt werden, um den Sakralbau vor Witterungseinflüssen zu schützen. Erst Anfang der 1950er Jahre ließ sich der Innenraum wieder einigermaßen würdig herrichten. Eine grundlegende Restaurierung erfolgte zwischen 1959 und 1967.[2] Von 2009 bis 2011 erfolgte die bislang letzte Sanierungsmaßnahme, die wiederum dem Erhalt des verputzten Bruchstein-Mauerwerks, der Neueindeckung der verschieferten Dachflächen und der Wiederertüchtigung der Metall- und Glasbauteile diente.

Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauhistorisch betrachtet handelt es sich um eine flachgedeckte, dreischiffige Pfeilerbasilika mit einem vorgesetzten Westturm, einem nur geringfügig ausladenden Querhaus und einem daran ansetzenden Langchor mit 3/8-Schluss. Das Bauwerk ist städtebaulich betrachtet in einer Talsenke angesiedelt, am Standort selbst aber gegenüber der dorfseitigen Zuwegung bzw. Bebauung um ca. 2.50 m erhöht inmitten seines Kirchhofes gelegen.[5]

Der Grundriss der Kirche ist entsprechend den liturgischen Vorschriften des frühen Christentums nur annähernd präzise geostet, d. h. mit dem Chor nach Osten und mit dem Turm nach Westen hin ausgerichtet. Die Abweichung von der Ideallinie von 27 Grad nach Norden hin ist auf keinen Austragungsfehler zurückzuführen, sondern hängt mit der Einbeziehung des Patroziniums in die Ausrichtung des Kirchenbaus zusammen, das für den Hl. Georg am 22. April gefeiert wird. An diesem Tag lässt sich für Altenrath der Sonnenaufgang an einem Punkt festmachen, der ca. 22 Grad von der exakten Ostrichtung nach Norden hin abweicht.[5]

Im Kern ist die Pfeilerbasilika von Altenrath im 12. Jahrhundert errichtet worden. [2] Ob der Westturm schon zum ursprünglichen Konzept der Anlage gehörte ist fraglich. Tatsache ist, dass der über einem annähernd quadratischen Grundriss entwickelte, viergeschossige Turm Öffnungen besitzt, die erst in späterer Zeit in das Bruchsteinmauerwerk gebrochen wurden. So können die Schallarkaden einschließlich des schlichten Eingangsportals auf der Westseite des Turmes sowohl in die Barockzeit als auch in das 19. Jahrhundert datiert werden. Der Turm selbst ist mit einer spitzen Haube bekrönt. [2]

Auch die sich deutlich vom Mittelschiff absetzenden Seitenschiffe können jeweils von der Westseite aus separat erschlossen werden. Gleich große rundbogig abgeschlossene Fensterformate sind sowohl in die Seitenschiffwände als auch in die Hochschiffwände eingeschnitten. Das Querhaus, das nur geringfügig über die Seitenschiffe hinausragt, ist etwas schmaler als das Mittelschiff angelegt, jedoch sind Traufe und First der beiden Bauteile auf gleicher Höhe zu finden. Die Stirnseiten des Querhauses sind jeweils durch großformatige Rundbogenfenster bereichert. Über der Vierung ist ein Dachreiter angeordnet. Der Chor besteht aus einem Joch und einem anschließenden 3/8-Schluss. Die Befensterung ist in der Dimensionierung wie jene des Querhauses und in der Mittelachse der drei Seiten eines Achtecks angebracht. Die Dachhaut ist auf der Ostseite nach allen drei Seiten abgewalmt. Zwei Anbauten, die heute als Sakristei bzw. als Nebenraum genutzt werden, flankieren den Chor und zitieren in ihrer äußeren Gestaltung nochmals das Motiv der Seitenschiffe.[5]

Das Innere der Kirche ist mit Ausnahme des Chores flach gedeckt. Der glatt gefasste Raum des Mittelschiffes zeigt eine vierjochige Gliederung. Die Arkadenpfeiler weisen nur ansatzweise eine Profilierung auf. Die Fenster schneiden mit ihren Laibungen hart in die Hochschiffwand ein. Die Seitenschiffe sind ebenfalls flach eingedeckt, etwa halb so hoch wie das Mittelschiff und auf der Ostseite durch einen Abschlussbogen mit dem Querhaus verbunden. Die jeweils durch eine Bogenöffnung vom Langhaus abgetrennten Querhausarme lassen die Abschnitte eher als Kapellen erscheinen. Ein Triumphbogen bildet den Übergang zum kreuzrippengewölbten Chor.[5]

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich war die Kirche in Altenrath etwas reicher ausgestattet. Neben dem Hochaltar, der dem Hl. Georg geweiht war, gab es noch zwei Seitenaltäre, von denen einer zu Ehren der Gottesmutter konsekriert war. Sie finden noch bis in das 19. Jahrhundert Erwähnung, danach verliert sich ihre Spur.[6]

Beachtenswert ist ein noch vorhandener Weihwasserkessel, der zur Eheschließung des Wesselinger Amtmanns Wilhelm Stael von Holstein zu Haus Sülz und seiner Ehefrau Katharina Steinkopp im Jahre 1528 gestiftet wurde.[7]

Die Verglasung der Chorfenster ist auf eine Stiftung der Pfarrer Kemper und Daniels sowie der Familie Spirtz aus Aachen zurückzuführen.[8]

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel stammt aus dem Jahre 1965 und wurde von der Firma Romanus Seifert (Kevelaer) erbaut.[9] Bei dem Instrument handelt es sich um ein Hochpositiv mit zwei Manualen und – bis auf den eigenständigen Subbaß 16′ – angehängtem Pedal.[10]

I Hauptwerk C–g3
Gedackt 8′
Praestant 4′
Hohlflöte 4′
Mixtur III 113
II Schwellwerk C–g3
Rohrflöte 8′
Blockflöte 4′
Sesquialter II
Superoktav 2′
Pedal C–f1
Subbass 16′

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altenraths Glocken, die über Jahrhunderte im Kirchturm hingen, wurden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch drei Glocken ersetzt, die in der Sieglarer Gießerei Claren gefertigt wurden. Dieses Dreiergeläut wurde allerdings schon 1929 durch drei Neugüsse von der Firma Otto aus Hemelingen ersetzt. Und schon 1938, als das Dorf Altenrath gezwungenermaßen Evakuiert wurde, kamen diese Glocken wieder aus dem Turm und wurden "in der Hoffnung auf bessere Zeiten" bei den Klöckner-Mannstaedt Werken auf der Friedrich-Wilhelms-Hütte deponiert. Dort wurden sie, wie Tausende anderer Glocken im Reichsgebiet auch, 1942 beschlagnahmt und zum Einschmelzen abtransportiert. Die beiden heute im Turm hängenden Glocken sind sog. "Leihglocken", die 1952 auf dem Hamburger Glockenlager (ehemaliger Sammelplatz noch einzuschmelzender Glocken) gefunden und in Patenschaft übernommen wurden.[11][12]

In unmittelbarer Nachbarschaft zur St. Georgskirche befindet sich die Friedhofskapelle. In deren im Jahre 2009 aufgesetzten Dachreiter befindet sich eine Glocke, die aus einer halbierten Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefertigt wurde.

Nr.
 
Name, Herkunftsort
 
Gussjahr
 
Gießer, Gussort
 
Durchmesser
(mm)
Masse
(kg)
Schlagton
(HT-1/16)
1 Trinitatis, (Leihglocke), Herkunftsort: Pestlin, St. Michael, Kreis Stuhm/Westpreußen 1673 Johannes Breufelt, Damblain/Lothringen 921 464 gis1 –5
2 Maria, (Leihglocke), Herkunftsort: Schulen, Hl. Kreuz/St. Jakobus, Kreis Heilsberg/Ostpreußen um 1500 Hausmeistermarkenzeichen, Königsberg/Ostpreußen 780 280 h1 –1

Pfarrer in Altenrath[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • um 1448: Gevave
  • 1474: Johann Stephani
  • 1590–1597: Johann Adam von Schwanenberg
  • 1597–1613: Gerhard von Emmerich
  • 1613–1645: Arnold Mohrenhofen 1613–45 (in Altenrath gestorben)
  • 1645–1664: Johann Füssenich
  • 1664–1701: Hermann Jungk
  • 1702–1730: Heinrich Gilles (in Altenrath geboren)
  • 1731–1741: Andreas Frings
  • 1742–1752: Johann Keyser
  • 1752–1777: Hermann Joseph Brandts
  • 1777–1808: Johann Georg Gines (in Altenrath gestorben)
  • 1808–1819: Ignatius Heller
  • 1819–1826: Christian Höhr
  • 1832–1835: Christian Kemper
  • 1835–1865: Johann Söntgerath
  • 1860–1865: Mathias Klemens (Pfarrverwalter)
  • 1865–1888: Herbert Daniels
  • 1888–1910: Herbert Delvos
  • 1910–1922: Hermann Joseph Brinkmann
  • 1922–1934: Adolf Melder
  • 1934–1938: Gerhard Bendermacher
  • 1945–1958: Hermann Richarz
  • 1958–1960: Maximilian Zymolka
  • 1960–1966: Hugo Ophey
  • 1966–1978: Josef Junkersfeld
  • 1978–1981: Gerd Hagedorn
  • 1981–1983: Manfred Lazar
  • 1983–1992: Fred Schmitz
  • 1992–2008: Joseph Steffl
  • ab 2009: Peter Orth

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Troisdorfer Geschichtsinformationen in Kurzform bis 1932
  2. a b c d e f g Helmut Schulte: Aus der Baugeschichte der Pfarrkirche St. Georg zu Altenrath, in: Troisdorfer Jahreshefte 1972, S. 4 ff.
  3. Interkommunaler Arbeitskreis Wahner Heide (Hrsg.): Die Wahner Heide. Eine rheinische Landschaft im Spannungsfeld der Interessen. Rheinland-Verlag, Köln 1989, S. 81 ff.
  4. Gerhard Bendermacher: Geschichte der Pfarre St. Gerhard, in: Troisdorf im Spiegel der Zeit, Siegburg 1950, S. 162 f.
  5. a b c d Michael Werling: Die St. Georgskirche zu Altenrath, in: Troisdorfer Jahreshefte 2011, S. 82 ff.
  6. Christian Hubert Thaddäus Delvos: Geschichte der Pfarreien des Dekanats Siegburg, Köln 1896, S. 122
  7. Helmut Schulte: Altes Kultgerät in den Pfarrkirchen zu Altenrath, Bergheim, Sieglar und Troisdorf, in: Troisdorfer Jahreshefte 1972, S. 53 ff.
  8. Helmut Schulte: Aus der Baugeschichte der Pfarrkirche St. Georg zu Altenrath, in: Troisdorfer Jahreshefte 1972, S. 9 f.
  9. Orgelbau Seifert
  10. Orgel in St. Georg
  11. Albert Schulte: Die vielen denkmalwürdigen Glocken des Heiligen Georg in Altenrath, in: Troisdorfer Jahreshefte 1992, S. 55 ff.
  12. Glocken im Dekanat Troisdorf

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christian Hubert Thaddäus Delvos: Geschichte der Pfarreien des Dekanats Siegburg. Köln 1896.
  • Paul Clemen (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Die Kunstdenkmäler des Siegkreises, bearbeitet von Edmund Renard. V. Band, Düsseldorf 1907.
  • Carl Rademacher: Die vorgeschichtliche Besiedlung der Heideterrasse zwischen Rheinebene, Acher und Sülz. Die Entstehung des Dorfes Altenrath. Leipzig 1920.
  • Handbuch des Erzbistums Köln, Köln 1958.
  • Rolf Müller: Geschichte der Troisdorfer Pfarreien. Siegburg 1969.
  • Marianne Vogt-Werling/Michael Werling: Denkmalpflegeplan für die Stadt Troisdorf. (als PDF-Dokument auf CD-ROM) (= Schriftenreihe des Archivs der Stadt Troisdorf. Band 31.) Troisdorf 2010.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Georg (Altenrath) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 50° 51′ 27,9″ N, 7° 11′ 34″ O