St. Ludwig (Darmstadt)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
St. Ludwig
Innenansicht

St. Ludwig ist die katholische Hauptkirche von Darmstadt. Ihre markante Kuppel erhebt sich an exponierter Stelle oberhalb des Stadtzentrums am Ende der boulevardartigen Wilhelminenstraße. Im Volksmund wird die Ludwigskirche auch als Käseglocke bzw. „Kääsglock“ bezeichnet.

Zur Pfarrgemeinde gehören rund 5000 Katholiken (2015).

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ludwigskirche entstand 1822 bis 1827 nach Plänen von Georg Moller als erste katholische Kirche Hessen-Darmstadts seit der Reformation.

Mit Artikel 47 der Wiener Kongressakte erhielt das Großherzogtum Hessen 1815/16 weitere Gebiete zugewiesen, unter anderem Worms, Alzey, Bingen und Mainz, ein Gebiet, das als Rheinhessen bezeichnet wurde und damit wurde das protestantische Darmstadt zur Hauptstadt eines souveränen Staates, der durch diese Gebietszuwächse zahlreiche katholische Bürger erhielt. Großherzog Ludwig I. beauftragte seinen Hofbaumeister Georg Moller mit dem Bau einer repräsentativen Kirche in Darmstadt. Das einem Pantheon entsprechenden Bauwerk sollte jenseits jeder konfessionellen Enge dem Geiste der Aufklärung und der religiösen Toleranz deo uno (dem einen Gott - so auch die Widmung über dem Portal bis 1944) geweiht sein. Den Bauplatz auf dem Riedeselberg in exponierter Lage und erhebliche Geldmengen stellte der Großherzog zur Verfügung.

Ein zentraler Kuppelbau kam aufgrund beschränkter finanzieller Mittel anstelle einer anfangs geplanten gewölbten Basilika, mit drei Säulengängen, erhöhtem Chor, zwei Türmen und gewölbter hoher Vorhalle zur Ausführung.[1]

Am 19. Februar 1827, zum fünfzigsten Hochzeitstag von Großherzog Ludwig I. mit Prinzessin Luise Henriette Karoline von Hessen-Darmstadt, fünf Jahre nach Baubeginn, konnte die neue Kirche eingesegnet werden. Zu Ehren des Großherzogs wurde die Kirche nach dem hl. Ludwig von Frankreich benannt. Das tempelartige und überdimensionierte Gotteshaus mit einer zunächst sehr minimalistischen Innenausstattung wurde aber von der kleinen katholischen Gemeinde nicht akzeptiert.

In der Brandnacht vom 11. September 1944 wurde St. Ludwig bis auf die Außenmauern und den Säulengang zerstört. 1951 erfolgte eine Notüberdachung des Rundgangs und des Altars. Der Neuaufbau der Kuppel war 1955 fertiggestellt.[2] In den Jahren 1975 bis 1977 wurden die zerstörten Kapitelle wiederaufgebaut, in den Jahren 1993 bis 1995 wurde die Kuppel neu eingedeckt und es erfolgte eine Außensanierung. Erst die Sanierung des Innen-und Altarraums der Jahre 2002 bis 2005 brachte den festlichen Glanz nach der klassizistischen Grundidee wieder zurück.

Bauwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Vorbild für den klassizistischen Bau diente das Pantheon in Rom mit um ein Fünftel verminderten Gesamtmaßen. Der 35 Meter hohe Zentralbau besteht aus einem Zylinder mit 43,2 Meter Durchmesser mit einer Halbkugel als oberen Abschluss. Den Eingang betont eine Kolossalnische mit Tympanon. Der ursprünglich von Moller geplante Säulenportikus kam nicht zur Ausführung. Eine umlaufende Reihe Pilaster, auf hohem Sockel stehend, gliedert die Fassade, die nahezu vollständig ohne Öffnungen ist. Die Kapitelle der Pilaster tragen ein hohes, zweifach gegliedertes Gebälk, das in einem Rollwerkkonsolen-Kranz seinen oberen Abschluss findet.

Kuppel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kuppel, die auf einem inneren Kranz von 28 mit Stuckmarmor verkleideten korinthischen Säulen ruht, hat einen Durchmesser von 33 Metern. Im Sinne von Johann Wolfgang von Goethe feiert man die Auferstehung des Herrn, denn sie sind selber auferstanden aus niedrigen Häuser dumpfen Gemächern und aus der Straßen quetschender Enge und gemäß des Psalms 18,20: Du führst mich hinaus in die Weite . Du machst meine Finsternis hell. Ursprünglich wurde im Jahre 1827 die Kuppel als Holzkonstruktion mit Schiefereindeckung errichtet. Die Innenseite war mit Kassetten bemalt.

Mit 33,5 Meter Spannweite war es die größte Holzkuppel in Deutschland. Einfache und doppelte radiale Ringbalken aus Eichenholz nahmen die Ringdruck- und Zugkräfte der Kuppel auf und stellten das räumliche Tragverhalten sicher.[3]

Beim Wiederaufbau im Jahre 1954 entschied man sich nach Plänen von Clemens Holzmeister aus Wien für eine Stahlkonstruktion mit Kupferblechbespannung. Das Pultdach über der Rotunde wurde durch ein Flachdach mit einer Attika ersetzt.

Lichtöffnung (Opaion)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie im römischen Pantheon fällt Tageslicht nur durch eine neun Meter weite, kreisrunde Öffnung im Kuppelscheitel ein, die hier mit einem Dreifaltigkeitsfenster von dem österreichischen Bildhauer Rudolf Hoflehner verglast ist, sie symbolisiert den erhellenden Einbruch des Göttlichen in die Welt. Mit der Plastik fließt das Blau des göttlichen Auges (Vater) mit dem Blau der Kuppel, das Rot des Kreuzes (Sohn) im Rot der Rotunde und das Geld der Taube (Geist) mit dem oberen zulaufenden Feldern der Kuppel zusammen.

Innenraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Widerspruch zwischen Mollerscher aufgeklärter Religionsauffassung und der katholischen Liturgieauffassung führten schon früh zu Um- und Einbauten.[2] Die ersten Veränderungen des Innenraums wurden 1834 durchgeführt, 1841 folgten Um- und Einbauten von Chor, Kanzel und Oratorium. Eine Renovierung und Erneuerung der Grundausstattung gab es 1909/1910. Das Innere ist auf den Hauptaltar mit seiner vier Meter langen Sandsteinplatte und auf das Engelsmosaik der Rückwand ausgerichtet. Beides sind Werke des späten 20. Jahrhunderts, das Mosaik von 1960 stammt von der Wiener Künstlerin Clarisse Schrack-Praun. Die farbliche Neufassung mit kräftigen Rot- und Blautöne von Kuppel und Wänden prägen seit 2005 den Raumeindruck. Beachtlich sind die im Jahre 1905 von den Gebrüdern Wilhelm Albermann und Franz Albermann errichteten Kreuzwegstationen. In einer visuellen Querachse des äußeren Umgangs befinden sich die Grabmäler der katholischen Mitgliedern des Hauses Hessen-Darmstadt von Großherzogin Mathilde († 1862) im rechten Halbrund und des Prinzen Friedrich von Hessen († 1867) gegenüberliegend auf der linken Seite. Am rechten Außenrund wurde im Jahre 1955 ein Marienbild des Wiener Professors Andreae installiert. Als letztes markantes Kunstwerk wurde im Jahre 2009 im Eingangsbereich ein Weihwasserbecken des Habitzheimer Kunstschlossers Schorsch Wolf installiert.

Altarbereich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 2005 schuf der deutsche Bildhauer Elmar Hillebrand die neue Altarinsel, die von einer Kommunionsbank umsäumt wird, deren Mensa auf einer jüdischen Menora (siebenarmiger Leuchter) ruht. Die Siebenzahl der sieben Sakramente ist auch auf der Rückseite des Chorgestühls dargestellt. Den Altar umgeben zwölf in den Marmorboden eingelassenen Metallreliefsymbolen, welche die zwölf Stämme Israels darstellen. Sie finden den Wiederklang in den zwölf Quadern des Altars, in denen die Namen der zwölf Aposteln eingemeißelt sind. Im Scheitelpunkt befindet sich das im Jahr 2007 geschaffene Kreuz der österreichischen Bildhauerin Annelie Kemer. [4]

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Orgel stellte im Jahr 1823 Gottlieb Dietz mit 34 Registern auf. Das 1944 zerstörte Instrument ersetzte Förster & Nicolaus Orgelbau 1955 durch eine zweimanualige Orgel mit 20 Registern. Eine neue Orgel mit 43 Registern wurde 2005 von der Orgelbaufirma Claudius Winterhalter (Oberharmersbach) im französisch-romantischen Stil gebaut.[5] Sie erhielt am 17. September 2005 die Orgelweihe durch Weihbischof Werner Guballa.

I Grand-Orgue C–a3
1. Bourdon 16’
2. Montre 8’
3. Flûte harmonique 8’
4. Gambe 8’
5. Préstant 4’
6. Flûte creuse 4’
7. Doublette 2’
8. Fourniture IV/V 2’
9. Cornet V (ab g0) 8’
10. Bombarde 16’
11. Trompette 8’
12. Clairon en chamade 4’
II Positif C–a3
13. Montre 8’
14. Salicional 8’
15. Cor de nuit 8’
16. Flûte allemande 8’
17. Préstant 4’
18. Flûte douce 4’
19. Nazard 22/3
20. Quarte de Nazard 2’
21. Tièrce 13/5
22. Plein Jeu IV 11/3
23. Cromorne 8’
Tremblant
III Récit expressif C–a3
24. Quintaton 16’
25. Diapason 8’
26. Flûte traversière 8’
27. Bourdon 8’
28. Viole de Gambe 8’
29. Voix céleste (ab c0) 8’
30. Flûte octaviante 4’
31. Viole 4’
32. Octavin 2’
33. Trompette harmonique 8’
34. Basson-Hautbois 8’
35. Clairon 4’
Tremblant
Pédale C–g1
36. Bourdon 32’
37. Montre 16’
38. Soubasse 16’
39. Basse 8’
40. Violoncelle 8’
41. Flûte 4’
42. Bombarde 16’
43. Trompette 8’

Fotos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Stadt Darmstadt. Kulturdenkmäler in Hessen. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Friedr. Vieweg, Braunschweig 1994, ISBN 3-528-06249-5, S. 146.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Ludwig (Darmstadt) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Groblewski: StaatsBauKunst. Gedanken zu den Oeuvres von Georg Moller, Karl Friedrich Schinkel und Leo von Klenze. In: Georg Moller Symposium aus Anlass seines 150. Todestages am 13. März 2002 im Hessischen Landtag in Wiesbaden. Hessische Schriften zum Föderalismus und Landesparlamentarismus Nr. 10, S.83
  2. a b Günter Fries et al.: Stadt Darmstadt. (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen.) Vieweg, Braunschweig 1994, ISBN 3-528-06249-5, S. 146
  3. Christian Müller: Die Entwicklung des Holzleimbaues unter besonder Berücksichtigung der Erfindungen Otto Hetzer- ein Beitrag zu Geschichte der Bautechnik. Dissertation, Bauhaus-Universität Weimar 1998, S.15
  4. Elisabeth Prügger-Schnizer, Katholische Innenstadtkirche St.Ludwig, Auslage der Katholischen Citypastorale Darmstadt, 2013
  5. Winterhalter-Orgel (Memento vom 23. Dezember 2014 im Internet Archive)

Koordinaten: 49° 52′ 5″ N, 8° 39′ 8″ O