Stiftskirche St. Peter und Johannes der Täufer (Berchtesgaden)

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Stiftskirche Berchtesgaden

Die Stiftskirche St. Peter und Johannes der Täufer ist als Teil des kurz zuvor begründeten Augustinerchorherrenstifts vermutlich ab Anfang des 12. Jahrhunderts erbaut worden und seit 1803 Pfarrkirche der römisch-katholischen Pfarrei St. Andreas in Berchtesgaden in Bayern in der Erzdiözese München und Freising.

Gebäude und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Notbau zur romanischen Pfeilerbasilika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Historiker A. Helm ließ der erste Stiftspropst Eberwin im Auftrag von Berengar I. von Sulzbach das Münster in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts wahrscheinlich als Notbau errichten. Eine Inschrift verweist auf das Jahr 1122, in dem der Salzburger Erzbischof Konrad zumindest einen ersten Bauabschnitt weihte.[1][2] Dem folgten in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts ein massivere Bauausführung als dreischiffige romanische Pfeilerbasilika und vermutlich die ersten Türme, von denen es jedoch weder eine Beschreibung noch eine Abbildung gibt.[3] Mitte des 13. Jahrhunderts wurde die Kirche als Teil des Klosterstifts um den sehr gut erhaltenen und sehenswerten Kreuzgang, „dessen Bauschmuck bestimmte Bindungen des Stifts an das staufische Königtum anschaulich macht“,[4] eine Vorhalle und zwei Türme erweitert.[5]

Um- und Anbauten zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Georg Matthäus Vischer: Das Fürstliche Stüfft Berchtolsgaden, 1650

Die gotische Überbauung in den folgenden Jahrhunderten setzte um die Wende des 13. ins 14. Jahrhundert mit Propst Johann Sax von Saxenau und der Gestaltung eines neuen Chors (1283–1303) im frühgotischen Stil ein.[4] Schäden erlitt die Kirche, als der von Propst Ulrich I. Wulp zur Unterstützung gerufene Bayernherzog Friedrich 1382 in Berchtesgaden einfiel und auch die Kirche plündern ließ, um Ulrichs Position im Schisma mit dem Gegen-Propst Sieghard Waller durchzusetzen.[3]

Die nördliche Vorhalle wurde der Kirche 1474 unter Erasmus Pretschlaiffer angefügt.[3]

Propst Gregor Rainer veranlasste zu Anfang des 16. Jahrhunderts eine „große Renovierung“ sowie den Anbau einer „Custorey“ beziehungsweise Sakristei.[3]

Nach der Säkularisation (1803)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Säkularisation und nach Aufhebung der aus dem Augustinerchorherrenstift hervorgegangenen Fürstpropstei Berchtesgaden löste die Stiftskirche im Jahr 1803 die 1397 von den Berchtesgadener Bürgern errichtete Kirche St. Andreas als Pfarrkirche ab.[5] Während das Kirchengebäude von St. Andreas nach wie vor als „Pfarrkirche“ bezeichnet wird, wird die nunmehr eigentliche Pfarrkirche, in der alle Hochämter und Festgottesdienste an den christlichen Feiertagen zelebriert werden, nach wie vor „Stiftskirche“ genannt.[6]

Die der Stiftskirche angegliederten Klostergebäude des Augustinerchorherrenstifts gingen zusammen mit dem zu Beginn des 13. Jahrhunderts erbauten und noch vollständig erhaltenen romanischen Kreuzgang samt Kreuzgarten[7] ab 1810 in den Besitz des Hauses Wittelsbach über. Dessen Angehörige nutzen die Gebäude noch heute als Königliches Schloss.

Umbauten und Neuerrichtung der Türme im 19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Romanisches Stufenportal

Die romanischen wie auch die gotischen Ausgestaltungen der Pröpste Johann Sax von Saxenau, Bernhard II. Leoprechtinger und Erasmus Pretschlaiffer sind nur noch in geringem Maße erhalten. Aus der ältesten Bauzeit stammt nur noch in der Vorhalle des Hauptportals das innere Stufenportal im Stil der Romanik.[3]

Es sind insbesondere die zahlreichen Umbauten im 19. Jahrhundert, die dem Kirchenbau seine heutige Gestalt geben.[5] So wurden beide Türme zwischen 1856 und 1864 noch unter Federführung von Heinrich Hübsch (1795–1863) im neoromanischen Stil mit jeweils 50,6 Meter Höhe neu errichtet.[4][5] Dem vorangegangen war deren Zerstörung durch Blitzeinschläge. Den Südturm hatte es 1596, den seinerzeit ebenfalls in Mitleidenschaft gezogenen und im Renaissancestil alsbald auf 76 Meter Höhe wieder aufgebauten Nordturm 1819 erneut getroffen.[4]

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stiftskirche ist nach wie vor Teil eines in sich geschlossenen Gebäudeensembles, zu dem die Schlossgebäude rechts von ihr, der ab dem 16. Jahrhundert gegenüberliegende, mit seinen Arkaden bis 1803 als Marstall dienende Hofbau sowie zwei Bogentore gehören (südlich das Schlosstor, nördlich der Kassierbogen, später Rentamtbogen, rechts daneben an die Stiftskirche angrenzend das ehemalige Rentamt selbst, das vor 1803 als Stallmeisterei diente).[8]

ehem. Marstall, Rentamtbogen, ehem. Rentamt, Stiftskirche und Königliches Schloss

Innenausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chorgestühl und Ältäre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Inneren der Stiftskirche hat sich lediglich das 1449 von Marquard Zehentner geschnitzte Chorgestühl als gotisches Inventar erhalten.

Chorgestühl (re: Detail) Chorgestühl (re: Detail)
Chorgestühl (re: Detail)

Die Altäre stammen aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, so auch der 1661 bis 1669 von Bartholomäus von Opstall im Auftrag des Wittelsbacher Administrators Maximilian Heinrich von Bayern geschaffene marmorne Hochaltar, der dem des Salzburger Doms ähnelt. Das Altarbild von 1665 (lt. A. Helm: 1669) mit der Darstellung der Aufnahme Mariens in den Himmel des späteren Wiener Hofmalers Johann Spillenberger (lt. A.Helm: des Malers Zott) ziert an den hohen Festtagen ein silbernes Antependium des Augsburgers Franz Thaddäus Lang aus dem Jahr 1735. Lang hat auch den Rokoko-Altaraufsatz mit Silbertabernakel geschaffen, der links von den Kirchenpatronen Johannes der Täufer und dem Heiligen Petrus sowie rechts von dem Heiligen Augustinus und dem Heiligen Paulus flankiert wird.[3][5] Neben dem Hochaltar befinden sich seit der letzten Renovierung (1995–98) wieder die nach der Umgestaltung der 1960er Jahre entfernten Seiten- bzw. Choraltäre des Hl. Stefanus (links) und des Hl. Johannes auf Patmos (rechts). Deren Darstellungen auf den von Johannes Zick geschaffenen Altarblättern aus dem Jahr 1742 bilden mit dem Hochaltar eine theologische Einheit.[5]

Hochaltar mit Seitenaltären

Die beiden Seitenaltäre des Langhauses aus den Jahren 1657 und 1666 sind dem Heiligen Sebastian (linkes Seitenschiff) und dem Heiligen Augustinus als Ordenspatron der Chorherren (rechtes Seitenschiff) geweiht.[3]

Bei der letzten Innenrenovierung von 1995 bis 1998 wurden „einige unglückliche Eingriffe“ der Umgestaltung in den Jahren 1963 bis 1966 wie s.o. die Entfernung der Choraltäre des Heiligen Stefanus und des Heiligen Johannes auf Patmos rückgängig gemacht. Der Volksaltar zur Feier der Eucharistie zeigte bis dahin auch zwei von drei Mitte der 1960er im Boden gefundene Platten aus dem Jahr 1549.[9] Diese Platten sind jetzt vor dem Altar des rechten Seitenschiffes übereinander in die Langhauswand eingelassen worden und bilden zusammen mit einer goldglänzend verkleideten Nische dazwischen für eine hinter Glas aufgeschlagene Bibel mit dem jeweiligen Sonntagsevangelium einen „stelenartigen Wandschrein“.[10] Die seinerzeit ins Kircheninnere weisende, jetzt unten angebrachte Platte zeigt Petrus mit dem Wappen des Fürstpropstes Wolfgang Griesstätter, die vormals zum Hochaltar gewandte, jetzt obere die Ausgießung des Heiligen Geistes mit Maria und den Aposteln.[10]

Wandschrein

Der neue Volksaltar wurde von dem Laufener Bildhauer Friedrich Koller geschaffen und steht zusammen mit dem neuen Ambo seit 1998 zwischen den Seitenaltären auf dem erhöhten Presbyterium.[11]

Neuer Volksaltar mit Ambo

Grabmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An und vor den Seitenwänden befinden sich mehrere Grabmäler Berchtesgadener Stifts- und Fürstpröpste, auf denen sie meist im Hochrelief und zum Teil lebensgroß in ihrem Ornat dargestellt sind. Am künstlerisch bedeutendsten ist der Grabstein an der linken Chorwand für Gregor Rainer († 1522), der ihn vermutlich porträtgenau unter einem spätgotischen Baldachin aus Astwerk zeigt. Auch der Grabstein für Wolfgang I. Lenberger († 1541) an der rechten Chorwand gegenüber ist aufwändig gestaltet. Beide wurden im Boden unmittelbar vor ihren Grabdenkmälern in eigenen Grüften bestattet.[12] Die vergleichsweise einfach gehaltene Grabstätte des ersten Stiftspropsts Eberwin befindet sich unter einer Bodenplatte vor dem Volksaltar.[3]

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel geht zurück auf ein Instrument, welches im Jahre 1869 von dem Orgelbauer Max Maerz aus München gefertigt wurde.[3] 1969 wurde die Orgel von dem Orgelbauer Carl Schuster (München) neu erbaut. Es hat 31 Register auf drei Manualen und Pedal. Die Spiel- und Registertrakturen sind elektrisch.[13]

Empore mit Orgelprospekt
Disposition der Orgel:
I Hauptwerk C–
Gedacktpommer 16′
Prinzipal 8′
Rohrflöte 8′
Oktave 4′
Koppelflöte 4′
Rauschpfeife II 223'
Octave 2′
Mixtur V-VI 2′
Trompete 8′
II Positiv C–
Holzgedackt 8′
Praestant 4′
Schwiegel 2′
Gemsquinte 113'
Zimbel III 13'
Schalmei 4′
III Brustwerk C–
Holzflöte 8′
Weidenpfeife 8′
Weitprinzipal 4′
Rohrgedackt 4′
Quinte 223'
Glöckleinton II 2′
Terz 45'
Scharf IV 1′
Oboe 8′
Tremulant
Pedal C–
Offenbaß 16′
Subbaß 16′
Octavbaß 8′
Pommer 8′
Choralflöte 4′
Hintersatz IV 223'
Bombarde 16′
  • Koppeln: Generalkoppel, II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P
  • Spielhilfen: zwei freie Kombinationen und zwei freie Pedalkombinationen, jeweils mit Auslösern; tutti, Crescendowalze mit Abstellern, Zungenabsteller

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Brugger: Stiftskirche Berchtesgaden (= Schnell-Kunstführer Nr. 551). 5. Auflage. Schnell und Steiner, München 1995, DNB 944730264.
  • Manfred Feulner: Berchtesgaden – Geschichte des Landes und seiner Bewohner. Verlag Berchtesgadener Anzeiger, Berchtesgaden 1985, S. 18 ISBN 3-925647-00-7.
  • A. Helm, Hellmut Schöner (Hrsg.): Berchtesgaden im Wandel der Zeit. Reprint von 1929. Verein für Heimatkunde d. Berchtesgadener Landes. Verlag Berchtesgadener Anzeiger sowie Karl M. Lipp Verlag, München 1973. S. 338 f..
  • Hellmut Schöner (Hrsg.): Berchtesgaden im Wandel der Zeit – Ergänzungsband I. Verein für Heimatkunde d. Berchtesgadener Landes. Verlag Berchtesgadener Anzeiger sowie Karl M. Lipp Verlag, München 1982, S. 185, 309 f.. ISBN 3-87490-528-4.
  • Reinhard Weidl: Stiftskirche Berchtesgaden. Hg. Katholisches Pfarramt Berchtesgaden. Reihe: Christliche Kunst in Bayern, Nr. 9. Verlag St. Peter, Salzburg 2002.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Manfred Feulner: Berchtesgaden - Geschichte des Landes und seiner Bewohner. S. 18
  2. A. Helm: Berchtesgaden im Wandel der Zeit, Stichwort: Geschichte des Landes, S. 106 bis 111, S. 107–108.
  3. a b c d e f g h i Hellmut Schöner (Hrsg.), A. Helm: Berchtesgaden im Wandel der Zeit. Stichwort: Stiftskirche S. 338 f.
  4. a b c d Bayrisches Landesamt für Denkmalpflege: Fachinformationen Ehem. Stiftspfarrkirche St. Andreas und Schlossplatz inkl. Stiftskirche. Abgerufen am 17. April 2009.
  5. a b c d e f stiftskirche-berchtesgaden.de Zur Stiftskirche: Homepage der römisch-katholischen Pfarrei St. Andreas in Berchtesgaden.
  6. stiftskirche-berchtesgaden.de U.a. zur Funktion der Stiftskirche.
  7. Hellmut Schöner: Berchtesgaden im Wandel der Zeit. Ergänzungsband I, 1982, zum Kreuzgang S. 185
  8. Hellmut Schöner: Berchtesgaden im Wandel der Zeit. Ergänzungsband I, 1982, zum Schloss S. 185, 309 f.
  9. Hellmut Schöner: Berchtesgaden im Wandel der Zeit. Ergänzungsband I, 1982, S. 311.
  10. a b Reinhard Weidl: Stiftskirche Berchtesgaden. Verlag St. Peter, Salzburg 2002; S. 32.
  11. Reinhard Weidl: Stiftskirche Berchtesgaden. Verlag St. Peter, Salzburg 2002; S. 24
  12. stiftskirche-berchtesgaden.de Grabmäler in der Stiftskirche
  13. Informationen zur Orgel der Stiftskirche
  14. Christian Holzner: Zeitgenössische Kunst in der Berchtesgadener Stiftskirche; Fernsehbericht für das Regionalfernsehen Oberbayern (RFO) am 13.  Februar 2013
  15. berchtesgadener-anzeiger.de Im »Fasten der Augen« das Heilige neu entdecken, im Traunsteiner Tagblatt am 21. März 2013; online über Berchtesgadener Anzeiger
  16. stiftskirche-berchtesgaden.de „Fasten des Schauens“ in der Stiftskirche Berchtesgaden, PDF-Datei zu einem zeitgenössischen Verhüllungsprojekt in der Zeit vom 13. Februar bis 22. März 2013 unter Beteiligung von sechs Künstlern.
  17. salz-der-heimat.eu Hinweise zum Projekt vom mitwirkenden Künstler und Organisator Peter Karger

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stiftskirche St. Peter und Johannes der Täufer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 47° 38′ 1″ N, 13° 0′ 14″ O