Straßenbahn Helsinki

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Straßenbahn
Straßenbahn Helsinki
Bild
Linie 7A am evangelischen Dom
Basisinformationen
Staat Finnland
Stadt Helsinki
Eröffnung 1891
Elektrifizierung 4. September 1900
Betreiber HKL
Verkehrsverbund HSL
Infrastruktur
Streckenlänge 45,2 km
Spurweite 1000 mm (Meterspur)
Stromsystem 600 V DC Oberleitung
Betrieb
Linien 12
Statistik
Fahrgäste 55 600 000 (2005)
Netzplan
Das Helsinkier Straßenbahnnetz

Die Straßenbahn Helsinki wird von den städtischen Verkehrsbetrieben Helsingin kaupungin liikennelaitos (HKL) betrieben. Sie ist Teil des vom regionalen Verkehrsverbund HSL organisierten Verkehrssystems.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Straßenbahnbetrieb in Helsinki begann zunächst mit Pferdetrambahnen im Jahr 1891. Schon bald wurde auf elektrischen Betrieb umgestellt und 1901 der letzte Pferdewagen aus dem Verkehr gezogen. An der Spurweite wurden jedoch keine Änderungen vorgenommen, so dass die Straßenbahn bis heute auf 1000-mm-Schmalspur fährt. Neue Strecken wurden über Jahrzehnte nicht gebaut, jedoch wurde das bestehende Netz laufend gepflegt und bei Bedarf mit Zusatzgleisen oder neu geführten Abschnitten modernisiert. Am 10. August 2008 wurde nach langer Zeit die erste Neubaustrecke, der Abschnitt der neuen Linie 9 zwischen der Haltestelle Helsinginkatu und Itä-Pasila, neu eröffnet. Der Streckenausbau fand 2012 seine Fortsetzung. Zum 1. Januar 2012 ging die Verlängerung der Linie 8 in Betrieb. Sie ist knapp einen Kilometer lang und führt in südlicher Richtung von Salmissaari über die Crusellbrücke nach Jätkäsaari. Damit entstanden die drei neuen Haltestellen Länsisatamankatu, Crusellinsilta und die neue Endstelle Saukonpaasi.[1][2]

Liniennetz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Derzeit (Stand: August 2013) gibt es in Helsinki zwölf Straßenbahnlinien,[3] die insgesamt etwas weniger Passagiere haben als die Metro Helsinki. Insgesamt wurden im Jahr 2005 55,6 Millionen Fahrgäste befördert.

  • 1 Kauppatori – Käpylä (nicht in der HVZ)
  • 1A Eira – Kauppatori – Käpylä (nur in der HVZ)
  • 2 Kaivopuisto (aus Linie 3) - Kauppatori - Kampin keskus - Töölö - Eläintarha (weiter als Linie 3)
  • 3 Kaivopuisto (aus Linie 2) - Eira – Kallio - Eläintarha (weiter als Linie 2)
  • 4 Katajanokka – Munkkiniemi
  • 5 Katajanokan terminaali - Rautatieasema[4]
  • 6 Hietalahti – Arabia
  • 7A Senaatintori – Töölö – Pasila – Senaatintori (Ringlinie, Gegenrichtung zur Linie 7B)
  • 7B Senaatintori – Pasila – Töölö – Senaatintori (Ringlinie, Gegenrichtung zur Linie 7A)
  • 8 Jätkäsaari – Salmisaari – Töölö – Arabia
  • 9 Länsiterminaali – Itä-Pasila
  • 10 Kirurgi – Pikku-Huopalahti

Technik und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Straßenbahn ist eine Straßenbahn im klassischen Sinne (keine Stadtbahn), alle Strecken führen auf Straßen, zum Teil auch auf einem eigenen Gleisbett neben der Straße oder in ihrer Mitte. Dabei besteht jeweils für beide Fahrtrichtungen ein eigenes Gleis. Die Spurweite beträgt 1000 Millimeter (Meterspur). Die Stromversorgung mit 600 Volt Gleichstrom erfolgt über eine Oberleitung.

Die Straßenbahn hat eigene Lichtzeichenanlagen, die statt Farben Symbole anzeigen: Ein senkrechter Pfeil steht für „Freie Fahrt“, ein Strich für „Achtung“ und der Buchstabe S für „Halt“. Teilweise besteht eine Telematik-Vorrangschaltung gegenüber dem Individualverkehr.

Sämtliche Straßenbahnstrecken sind für den Einrichtungsbetrieb ausgelegt, d. h., sie besitzen ein(e) Wendeschleife oder -Dreieck an ihrem Ende. Da auch die neuen Variotrams Einrichtungstriebwagen sind, wird sich in naher Zukunft auch nichts daran ändern.

Fahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Fuhrpark der HKL befinden sich etwa 130 Schienenfahrzeuge für den Linienverkehr.

Hochflurwagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hochflurzug Typ Nr I
Hochflurzug Typ Nr II / MLNRV mit nachträglich eingebautem niederflurigen Mittelteil
Innenraum eines Helsinkier Valmet-Straßenbahnwagens

Der Großteil der im Einsatz befindlichen Züge stammt noch aus den 1970er und 1980er Jahren. Sie wurden in Finnland von Valmet gebaut. Zahlreiche Komponenten wie Drehgestelle, Achsgetriebe und Falttüren entsprechen den Standardwagen der Firma Düwag. Im Inneren sind sie mit gepolsterten Schalensitzen und optischen Haltestellenanzeigen ausgestattet, akustische Haltestellenansagen fehlen jedoch. Insgesamt ist der Innenraum in verschieden Grün- und Blautönen gestaltet.

Nr I / MNLRV 1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit 40 Fahrzeugen stellten die 20 Meter langen Sechsachser des zwischen 1973 und 1975 gebauten Typs Nr I (Wagennummern 31 bis 70) fast die Hälfte des Hochflur-Wagenparks. Bei diesen Wagen handelt es sich um die weltweit ersten serienmäßigen Straßenbahnfahrzeuge mit Gleichstrom-Choppersteuerung. Abweichend vom übrigen Wagenpark Helsinkis wurden sie in orange/grauer Farbgebung abgeliefert, diese wurde zwischen 1986 und 1995 durch das traditionelle creme/grün ersetzt. Äußerlich unterscheiden sie sich vom Nachfolgetyp Nr II durch die runden Rückleuchten. Im Laufe der Jahre wurden an den Wagen die ursprünglichen Schaffnerplätze ausgebaut und in zwei Modernisierungsprogrammen überwiegend technische Erneuerungen durchgeführt. Bei vielen Wagen wurden die Liniennummernbänder durch elektronische LCD-Anzeigen mit Liniennummer und Fahrziel ersetzt, bei allen Wagen wurden Haltestellen-Innenanzeigen nachgerüstet und die Sitze im Fahrgastraum erneuert. Als Nachfolger der abgestellten ex-Mannheimer Fahrzeuge wurden die Wagen 33, 42, 46 und 64 zu Reklamebahnen; sie werden etwa halbjährlich wechselnd mit Ganzreklamen beklebt.

Die komplette Außerdienststellung des Typs I war für die Jahre ab 2014, nach der Inbetriebnahme der Transtech-Niederflurbahnen beabsichtigt. Entgegen dieser ursprünglichen Pläne wurde im Januar 2012 der Auftrag für die Modernisierung und Ausrüstung von zehn Fahrzeugen mit Niederflurmittelteilen an die deutsche Firma VIS in Halberstadt erteilt. Gleichzeitig wurden zwei Optionen für die Ausrüstung von jeweils weiteren fünf Fahrzeugen vereinbart.[5][6] Zum Umbau wurden die Wagen Nr. 34, 37, 38, 49, 50, 60, 61, 62, 63 und 68 ausgewählt; die Optionen für weitere Umbauten wurden nicht wahrgenommen. Die umgebauten Wagen bekamen die Bezeichnung MNLRV 1, äußerlich auffällig sind die Zielanzeigern aus weißen LEDs. Zunächst kamen sie unter ihren alten Nummern zum Einsatz. Ende 2013 wurden sie umnummeriert in die Nummerngruppe 113-122.[7]

Mit der Serienlieferung der Artic-Niederflurbahnen werden die nicht zu Achtachsern verlängerten Bahnen des Typs I nach und nach außer Betrieb genommen und teilweise außerhalb des Straßenbahnnetzes, im Depot der Metro Helsinki, geschützt abgestellt. Im Oktober 2016 waren noch 20 Wagen im Einsatz.

Nr II / MLNRV 2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der in den Jahren 1983 bis 1987 in 42 Exemplaren gebaute sechsachsige Nachfolgetyp Nr II (Wagennummern 71 bis 112) unterscheidet sich optisch nur unwesentlich von seinen Vorgängern. Die Wagen waren ab Werk für schaffnerlosen Betrieb vorgesehen und wurden, entsprechend dem technischen Fortschritt, mit einer moderneren Fahrzeugsteuerung ausgerüstet. Auffälligste Unterschiede zum Typ Nr I sind die leiseren Betriebsgeräusche der Elektronik, der längere Dachcontainer auf dem hinteren Wagenteil und die eckigen Rückleuchten. Bis zur Wagennummer 103 wurden sie ebenfalls in der Farbgebung hellgrau/orange geliefert. Die letzten neun Fahrzeuge kamen schon ab Werk im traditionellen grün/beige, die übrigen Wagen wurden zwischen 1986 und 1995 ebenso umlackiert. Auch diese Wagen wurden in zwei Programmen laufend modernisiert: es wurden LCD-Ziel-Außenanzeigen eingebaut (ursprünglich nur Rollbänder mit Liniennummern), Haltestellenanzeigen im Fahrgastraum angebracht und die Sitze verändert.[8]

Als Erster wurde der Wagen Nr. 80 im Jahr 2006 versuchsweise mit einem niederflurigen Mittelteil zu einem Achtachser verlängert, wie dies etwa auch in Tallinn, Duisburg, Mannheim oder Zürich getan wurde. Auf Grund der guten Erfahrungen und der anvisierten langen Nutzungsdauer wurden ab 2008 alle Fahrzeuge des Typs Nr II entsprechend umgebaut. Die umgebauten Wagen sind nunmehr 26,5 Meter lang und tragen die neue Typbezeichnung MLNRV 2. Das Umbauprogramm dieser Serie fand im Oktober 2011 mit dem Wagen Nr. 95 seinen Abschluss. Beim Umbau haben die Fahrzeuge ihre ursprünglichen Wagennummern behalten.[9] [10]

Niederflurwagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Variobahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Variobahn
Eine der seit 1999 eingesetzten Variobahnen

Zwischen 1998 und 2003 wurden in zwei Serien insgesamt 40 neue, 5-teilige Niederflurfahrzeuge des Typs Variobahn vom Hersteller Adtranz angeschafft (Wagennummern 201 bis 240). Sie ersetzten die seit 1959 fahrenden Wagen der Baureihe 59, von der der letzte 2003 verschwand.

Ihr Innenraum ist vornehmlich in Lichtgrau gehalten, die Sitze sind härter als die der Valmet-Wagen und mit orangem Stoff bezogen. Im Mittelteil befinden sich zwei kleine Tische, auf denen täglich die aktuelle Gratiszeitung metro zu finden ist. Die Variobahnen für Helsinki wurden erstmals bei Straßenbahnwagen mit einer Fußbodenheizung ausgerüstet. Die persönlichen Einstellungen für Fahrersitz und Außenspiegel werden auf einer Chipkarte gespeichert und stellen sich beim Personalwechsel automatisch ein.[11]

Nach kurzer Einsatzdauer stellte sich heraus, dass die Fahrzeuge den klimatischen Verhältnissen in Finnland nicht gewachsen waren. Wegen technischer Probleme mussten sie immer wieder aus dem Verkehr gezogen werden. Dies führte zu langen Verhandlungen mit der Firma Bombardier, die die Firma Adtranz mittlerweile aufgekauft hatten. Seit 2007 werden alle Variobahnen durch Bombardier gewartet, ausgenommen sind Unfallreparaturen. Der geschlossene Vertrag läuft zehn Jahre und sieht außerdem vor, dass beim Unterschreiten einer Verfügbarkeitsquote von 35 Fahrzeugen für die Dauer von mindestens drei Monaten die komplette Serie an Bombardier zurückgegeben werden kann. Durch den Hersteller wurden umfangreiche Nachbesserungen vorgenommen. Die Verfügbarkeit der Variobahnen hat sich durch diese Maßnahme deutlich erhöht, der Wartungsaufwand ist jedoch weiterhin sehr hoch.

Artic / MLNRV 3[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Transtech Artic

Am 25. März 2011 gab die HKL das Ergebnis einer Ausschreibung über vierzig neue Niederflurwagen in Drehgestelltechnik bekannt. Die Wagen im Auftragswert von 113 Millionen Euro sollten von der finnischen Firma Transtech gebaut und geliefert werden. Zunächst wurden ab 2013 zwei Prototypen hergestellt und im Regelbetrieb, auch im Winter, erprobt. Die Serienlieferung von weiteren 38 Wagen begann im Januar 2016 und soll zur Ablösung der Hochflurwagen vom Typ Nr. I führen. Weiterhin wurde eine Option auf 90 zusätzliche Wagen vereinbart.[12][13] Eine erste Designstudie der Fahrzeuge wurde im Juni 2012 auf der Messe HiDesign in Helsinki ausgestellt.[14]

Die Prototypen 401 und 402 wurden ab 2013 umfangreichen Tests unter verschiedenen klimatischen Bedingungen und auf allen Linien in Helsinki unterzogen. Schon während der Fahrerschulung wurde an einzelnen Tagen einer der Wagen im regulären Linieneinsatz dem Urteil der Fahrgäste ausgesetzt, begleitet von einer großen Kampagne in den Medien und den sozialen Netzwerken.

Nach der Übernahme von Transtech durch Škoda Transportation begann im Januar 2016 die Serienlieferung der übrigen 38 Fahrzeuge. Die Fahrzeuge der Serie weichen nur in geringfügigen Details von den Prototypen ab, am auffälligsten ist die Veränderung der Drehgestellblenden. Im Oktober 2016 waren die Wagen 401 bis 412 ausgeliefert. Ab Wagen 411 tragen sie das Škoda-Firmenzeichen auf Front und Heck.

Die Fahrzeuge sind im Innenraum hell gestaltet, die Sitzflächen und Kopfstützen der Fahrgastsitze sind mit rotem Veloursleder bezogen. In die grauen Rückenlehnen der Sitze wurde ein stilisierter Straßenbahn-Liniennetzplan eingewebt. Die meisten Sitze sind auf Podesten angebracht, der Fahrzeugboden ist im Übrigen aber stufenlos, mit leichten Schrägen über den Drehgestellen. Bei der ersten Doppeltür ist eine Klapprampe für Rollstühle angebracht. Der Fahrgastraum ist klimatisiert und mit Fußbodenheizung ausgestattet, durch LEDs beleuchtet und mit Haltestellenanzeigen und Bildschirmen für das in Helsinki verwendete kombinierte Info- und Werbesystem ausgerüstet. Die Außenanzeigen erfolgen ebenfalls durch weiße LEDs. Statt Außenspiegeln verfügen die Wagen über Kameras, auch die Einstiege werden durch mehrere Kameras überwacht.

Die Fahrzeuge gelten als ausgesprochen wartungsfreundlich und weisen im Netz von Helsinki, auch auf schlechtem Gleis, angenehme Fahreigenschaften auf.[15]

Gebrauchtkäufe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 2004 bis 2007 kaufte die HKL zehn verschiedene Wagen gebraucht aus Mannheim und Ludwigshafen am Rhein (siehe in den einzelnen Unterabschnitten). Alle Wagen wurden technisch überholt und mit einem neuen Armaturenbrett ausgerüstet. Ein Radio im Führerstand und eine Scheibenwaschanlage wurden nachgerüstet. Die ursprünglich nur halbhohe Tür zum Fahrerstand wurde durch ein Oberteil erweitert. Die Betätigungsrichtung der per Kurbel handbetätigten Fahrschalter wurde entsprechend der in Helsinki üblichen Weise geändert (Fahren in Helsinki im Uhrzeigersinn, Bremsen entgegen dem Uhrzeigersinn - in Mannheim und Ludwigshafen war dies genau umgekehrt). Zwischen 2008 und 2009 wurden die Fahrschalter mit einer Servosteuerung ausgerüstet, die die Bedienung für die Fahrer stark vereinfacht. Die Kurbel ist seitdem nicht mehr aufgesteckt und dient nur noch für Störungsfälle als Notfahrmöglichkeit. Die Zukäufe waren nach der deutlich verbesserten Verfügbarkeit der Variobahnen nur noch sporadisch im Einsatz. Meist verkehrten von Montag bis Freitag ein oder zwei Wagen zu den Spitzenzeiten im Linienverkehr. Bis Dezember 2014 wurden sie, mit Ausnahme der Charterbahnen 150 und 166, außer Betrieb genommen und entweder abgegeben oder verschrottet.

Die Bauarten im Einzelnen:

Nr. 150[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2004 erwarb die HKL den Achtachser Nr. 150 von den Verkehrsbetrieben Ludwigshafen am Rhein. Dieser diente zur Erprobung, ob die konstruktiv ähnlichen, eigenen Fahrzeuge ohne Verstärkung der Antriebe zu Achtachsern erweitert werden konnten und den Ansprüchen im städtischen Netz genügen würden. Der Wagen wurde bis Juli 2005 im Liniendienst eingesetzt und anschließend als Betriebsreserve verwendet. Seit Mitte 2006 dient er als Partywagen. Dazu wurden goldene Zierstreifen abgebracht und der Wagen im Innern mit Vorhängen, stoffgepolsterten Sitzen, Teppichen, einer Musikanlage und einer Theke am ehemaligen Kinderwagenplatz ausgestattet. Der Wagen ist in Helsinki der einzige Achtachser mit hochflurigem und türlosem Mittelteil.

"Typ Mannheim" Nr. 151 bis 154[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Typ Mannheim

Im Frühjahr 2005 kaufte die HKL die vier ausrangierten Sechsachser Nr. 453, 456, 457 und 455 des Typ Mannheim aus der namensgebenden Stadt, und reihte sie in den eigenen Wagenpark in dieser Reihenfolge als Nr. 151 bis 154 ein. Der Ankauf diente dazu, um die Ausfälle durch die Reparaturzeiten bei den Variobahnen auszugleichen - insbesondere im Hinblick auf die Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2005. Später wurde noch der Wagen 451 als Ersatzspender gekauft. Er war schon in Mannheim zur Teilegewinnung verwendet worden und wurde nach Ausbau der nötigen Ersatzteile im Jahr 2008 verschrottet. Die vier Bahnen haben in Helsinki nie die traditionelle Farbgebung in grün/creme getragen, sondern wurden von Anfang an mit etwa halbjährlich bis jährlich wechselnden Ganzreklamen beklebt. Im Gegensatz zu den einheimischen Bahnen, auf denen Reklame nur sehr sparsam angebracht wird, waren sie sehr auffällige Erscheinungen im Straßenbild.

Die Fahrzeuge 151 und 152 wurden im Juni 2012 außer Betrieb genommen, die Wagen 153 und 154 im September und Oktober 2013. Wagen 154 kam im Dezember 2013 nach Mannheim zurück, um durch die Interessengemeinschaft Nahverkehr Rhein-Neckar e.V. als historisches Fahrzeug erhalten zu werden. Die drei übrigen Wagen wurden im Jahr 2013 verschrottet.

Nr. 161 bis 166[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der anhaltenden Schwierigkeiten mit den Variobahnen kaufte man ab 2007 außerdem die sechs Mannheimer Umbauachtachser mit Niederflurmittelteil Nr. 517, 519, 523, 503, 507 und 510 und reihte sie in dieser Reihenfolge unter den Nummern 161 bis 166 in den Wagenpark ein. Diese Wagen wurden zwischen 1962 und 1964 als Sechsachser gebaut und 1991 und 1992 zu Achtachsern verlängert. Damit waren sie mit Abstand die ältesten Linienfahrzeuge im Wagenpark der HKL. Vor dem ersten Einsatz in Finnland wurde jeder Wagen einer ausführlichen Grundüberholung unterzogen, so dass die letzten Wagen eigentlich erst nach der "Variobahn-Krise" in Betrieb gingen.

Der umfangreichste Umbau wurde am Wagen 166 (ex 510) ausgeführt. Er wurde im Innenraum mit neuen, schräg ausgerichteten Sitzen im Heckteil, kleinen Sitzgruppen im Vorderteil, einer farblich veränderbaren LED-Innenbeleuchtung und Monitoren an der Decke völlig umgestaltet. Der Wagenkasten wurde außen mit einer Metallfolie beklebt, die je nach Sonneneinstrahlung und Blickrichtung in unterschiedlichen Farben schimmert, vor dem Stromabnehmer wurde eine beleuchtete Skulptur auf dem Dach montiert. Als "Kulturtram" war der Wagen ab September 2010 zu bestimmten Zeiten auf jeweils festgelegten Linien unterwegs. Während der Fahrt wurden auf einer kleinen Bühne im Niederflur-Mittelteil Musik, Kleinkunst oder andere künstlerische Darbietungen aufgeführt.[16] Die Einsätze als Kulturbahn endeten am 21. Dezember 2012. Der Wagen ist als einziger Mannheimer noch in Helsinki einsatzfähig vorhanden und kann als Charterbahn individuell gemietet werden.

Der Einsatz der übrigen ex-Mannheimer Niederflurachtachser gestaltete sich sehr unterschiedlich. Nur kurz währte der Plandienst der reklamefreien Fahrzeuge: die Wagen 161, 163 und 165 waren ab 2009 nur 14, 15 und 9 Monate im regulären Linieneinsatz. Mit Wagen 161 wurden ab 2010 für kurze Zeit Stadtrundfahrten durchgeführt, ehe er ab ca. 2011 als Ersatzteilspender verwendet wurde. Wagen 163 wurde sporadisch für gemietete Fahrten und für Fahrschuldienste verwendet, Wagen 165 blieb ab der Jahresmitte 2011 abgestellt, offiziell als Reserve, jedoch ohne weitere Einsätze. Die Wagen 162 und 164 wurden, wie die Typ Mannheim, mit wechselnden Ganzreklamen versehen und deshalb bis 2014 regelmäßig eingesetzt.

Mit dem Ende des Umbauprogramms der Valmet-Bahnen und der Anschaffung der Artic-Niederflurbahnen wurden auch die beiden Reklamewagen verzichtbar. Einen Käufer für vier Wagen fand man bei der Straßenbahn Łódź in Polen, wo bereits sechs gleichartige Wagen aus Mannheim im Einsatz standen. Im Mai 2014 wurden die jahrelang abgestellten Wagen 163 und 165 nach Lodz abgegeben, ihnen folgten die Reklamewagen 162 und 164 im Januar 2015. Wagen 161 wurde in Helsinki verschrottet.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. HSL traffic bulletin vom 29. Dezember 2011 zur Verlängerung der Linie 8
  2. Zeitschrift Raitio, Ausgabe 1/2012, Seiten 14 bis 17. Helsinki, Februar 2012
  3. Fahrpläne. Abgerufen am 12. August 2013.
  4. HSL - Aikataulut - Helsinki 5. In: aikataulut.reittiopas.fi. Abgerufen am 24. Oktober 2016.
  5. Großauftrag aus Helsinki lässt VIS aufatmen; Volksstimme Magdeburg vom 7. Januar 2012
  6. Datenblatt Typ Nr I (finnisch / englisch)
  7. http://transphoto.ru/list.php?serv=0&mid=3719&cid=140 abgerufen am 4. Juli 2016
  8. Datenblatt Typ Nr II (finnisch / englisch)
  9. Datenblatt Typ Nr II (finnisch / englisch)
  10. Datenblatt Typ MLNRV (finnisch / englisch)
  11. Datenblatt Variobahn (finnisch / englisch)
  12. Pressemitteilung der HKL: HKL und Transtech schließen Kaufvertrag über Straßenbahnen ab (finnisch)
  13. Niederflurbahn auf der Webseite von Transtech (englisch)
  14. Foto der Designstudie auf finland.fi
  15. Datenblatt Transtech Artic (finnisch / englisch)
  16. Datenblatt Kulturtram (finnisch / englisch)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Straßenbahn Helsinki – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien