Kaffeewicke

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Stragelkaffee)
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Kaffeewicke
Kaffeewicke (Astragalus boeticus) (Illustration von Ferdinand Bauer in Flora Graeca)

Kaffeewicke (Astragalus boeticus)
(Illustration von Ferdinand Bauer in Flora Graeca)

Systematik
Eurosiden I
Ordnung: Schmetterlingsblütenartige (Fabales)
Familie: Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
Unterfamilie: Schmetterlingsblütler (Faboideae)
Gattung: Tragant (Astragalus)
Art: Kaffeewicke
Wissenschaftlicher Name
Astragalus boeticus
L.

Die Kaffeewicke[1] (Astragalus boeticus) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Tragant (Astragalus) in der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Sie ist von Makaronesien über den Mittelmeerraum bis Westasien verbreitet.

Trivialnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im deutschsprachigen Raum werden oder wurden für diese Pflanzenart auch die weiteren Trivialnamen verwandt; Spanischer Tragant[1], Schwedischer Kaffee und Strapelkaffee sowie Schwäbischer Kaffee, Kaffeetragant und Kaffeestragel.[2][3]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Astragalus boeticus wächst als einjährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 30 bis 100 Zentimetern.[4] Sie ist an ihrer Basis[5] oder im oberen Bereich verzweigt.[4] Der teils rötliche,[5], aufrechte, aufsteigende bis niederliegende behaarte Stängel besitzt einen Durchmesser bis zu 7 Millimetern.[4]

Die wechselständig am Stängel angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel Blattspreite gegliedert und insgesamt 4 bis 18 Zentimeter. Die Blattspreite ist unpaarig gefiedert mit 6 bis 13 Paaren Fiederblättchen.[4] Der Blattstiel ist 0,5 bis 1,5 Zentimeter lang und behaart.[4] Die rinnenförmige Rhachis ist behaart.[5] Die Fiederblättchen sind bei einer Länge von 6 bis 25, selten bis zu 35 Millimetern sowie einer Breite von 3 bis 10, selten bis zu 13 Millimetern eiförmig bis länglich-eiförmig mit ganzem Rand[4] und eingebuchten bis gerundetem oberen Ende[5]. und Die Blattoberseite ist kahl[4] und die Blattunterseite ist fein behaart[5]. Die 7 bis 15 Millimeter langen Nebenblätter sind, meist weiß oder gemischt weiß und schwarz, behaart und am Rand bewimpert.[4]

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf einem 2 bis 12 Zentimeter langen Blütenstandsschaft werden dichte, traubige Blütenstände gebildet, die zwei bis zwölf Blüten enthalten. Die weißlichen Tragblätter sind 4 bis 6 Millimeter lang.[4]

Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf selten 4 bis meist 6 bis 8 Millimeter langen Kelchblätter sind bis etwa der Hälfte ihrer Länge verwachsen und ihre Trichome sind alle schwarz oder weiß und schwarz gemischt. Die fünf gleichen Kelchzähne sind 3 bis 4 Millimeter lang. Die fünf weißlichen oder gelblichen Kronblätter stehen in der typischen Form der Schmetterlingsblüte zusammen. Die 8 bis 11, selten bis zu 14 Millimeter lange Fahne ist viel länger als die 6 bis 7,5 Millimeter langen Flügel und das 5,5 bis 6 Millimeter lange Schiffchen. Es sind zehn Staubblätter vorhanden.[4] Das einzige Fruchtblatt ist oberständig.

Die mehr oder weniger aufrechten, fein behaarten, bei Reife rötlich-braunen und sich nicht öffnenden[5] Hülsenfrüchte sind bei einer Länge von 20 bis 45, selten bis zu 60 Millimetern sowie einer Breite von 5 bis 7 Millimetern dreikantig und kurzem, zurückgebogenen Schnabel.[4] Jede Hülsenfrucht enthält bis zu zehn Samen.[5] Die hellbraunen Samen sind bei einer Länge von 4 bis 4,5 Millimetern sowie einem Durchmesser von 5 bis 6 Millimetern[4] nierenförmig und etwas abgeflacht. Die Tausendkornmasse beträgt 2,6 bis 3 Gramm.[5]

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 15; es liegt Diploidie mit einer Chromosomenzahl von 2n = 30 vor.[4][6]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Astragalus boeticus von Makaronesien nur Madeira sowie Gran Canaria über den Mittelmeerraum von Nordafrika mit Algerien, Marokko, Tunesien, Libyen sowie Ägypten bis Süd- und Südosteuropa mit südlichen Portugal, südlichen Spanien (inklusive Balearen), Frankreich (inklusive Korsika), Italien (inklusive Sardinien sowie Sizilien), dem ehemaligen Jugoslawien, Griechenland, Kreta, Kos sowie Rhodos über den Nahen Osten mit Israel, Libanon sowie Syrien bis zum Iran verbreitet.[4][7][8]

Taxonomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung von Astragalus boeticus erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomo 2, Seite 758.[7][9][10] Synonyme für Astragalus baeticus L. sind: Astragalus uncinatus Bertol., Tragacantha boetica (L.) Kuntze, Triquetra boetica (L.) Medik., Astragalus boeticus var. siliquosus Rouy, Astragalus boeticus var. subinflatus Rouy.[8]

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die gerösteten Samen von Astragalus boeticus wurden unter den Bezeichnungen Stragelkaffee, Schwedischer Kaffee und Astragalkaffee als Kaffeesurrogat genutzt, weshalb diese Pflanzenart unter dem Namen „Kaffeewicke“ bekannt ist.[11][12]

Der Name „Schwedischer Kaffee“ kam daher, dass der schwedische König Karl XIV. Johann 1819 im Garten von Schloss Rosersberg in einem Feldversuch eine große Menge an Astragalus boeticus anbauen ließ, um ihn als Kaffee-Ersatz zu propagieren, und 80 Pfund Samen der königlichen Ackerbau-Akademie zur Verteilung zur Verfügung stellte. Den Bericht darüber in den Annalen der Schwedischen Akademie des Ackerbaus machte 1821 Josef Carl Bayrhammer durch eine „Gemeinnützige Nachricht von dem neuen Ersatzmittel“ in der Nürnberger Allgemeinen Handlungs-Zeitung bekannt.[13] Bayrhammers Angebot, kostenlos Samen und eine Anleitung zur Verfügung zu stellen, führte zu umfangreichen Versuchen, vor allem in Bayern, aber auch in Preußen, über die vor allem die Allgemeine deutsche Garten-Zeitung mehrfach berichtete.[14] Die Zeitung regte 1824 auch den Namen „Stragel-Kaffee“ an.[15] Nach einigen Jahren legte sich die Begeisterung, doch noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts finden sich Anleitungen zur Verwendung von Stragelkaffee.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Peter Hanelt, R. Büttner, Mansfeld's Encyclopedia of Agricultural and Horticultural Crops. Springer 2001, ISBN 978-3-540-41017-1, S. 796.
  2. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 50, archive.org.
  3. Jahrbuch ... der Bundesanstalt für Pflanzenbau. Bundesanstalt für Pflanzenbau (Austria), 1987.
  4. a b c d e f g h i j k l m n Astragalus boeticus, S. 291, In: Flora Iberica LXXXVIII: LEGUMINOSAE – ASTRAGALEAE Volltext-PDF.
  5. a b c d e f g h Hippolyte Coste: Flore descriptive et illustrée de la France de la Corse et des contrées limitrophes. 2. Auflage. Band 1. Librairie des Sciences et des Arts, Paris 1937, S. 365 (Digitalisat, PDF, 43,8 MB). Digitalisat, PDF, 43,8 MB (Memento des Originals vom 16. Mai 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.tela-botanica.org
  6. Astragalus boeticus bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  7. a b Astragalus boeticus im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 10. März 2019.
  8. a b Astragalus boeticus - Datenblatt bei Euro+Med PlantBase einem Datensatz aus ILDIS = World Database of Legumes.
  9. Carl von Linné: Species Plantarum: eingescannt bei biodiversitylibrary.org.
  10. Astragalus boeticus bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis, abgerufen am 10. März 2019.
  11. Rudolf Palm: Die wichtigsten und gebräuchlichsten menschlichen Nahrungs-, Genussmittel und Getränke. J. Habermann, St. Petersburg 1882, S. 112 (Digitalisat).
  12. B. Rolow: Deutscher Kaffee und Zucker, oder die Cultur des Astragalus baeticus (der sogenannten schwedischen Kaffee-Wicke) und wie diese mit Vortheil als Kaffee-Surrogat angewendet werden muß. Industrie-Comptoir, Hersfeld 1828.
  13. Josef Carl Bayrhammer: Gemeinnützige Nachricht von dem neuen Ersatzmittel (Supplemente), wodurch der Kaffebedarf in Schweden gegenwärtig vermindert wird. In: Allgemeine Handlungs-Zeitung: Mit den neuesten Erfindungen und Verbesserungen im Fabrikwesen und in der Stadt- und Landwirthschaft. 28. Jahrgang, Nr. 18, 1821, S. 74 (Digitalisat).
  14. Siehe etwa Der Kaffee-Stragel. In: Allgemeine deutsche Garten-Zeitung. 1. Jahrgang, Nr. 39, 1823, S. 301–304 (Digitalisat). Und die Register der Jahre 1823 bis 1826.
  15. Der Stragel-Kaffee (Astragalus baeticus). In: Allgemeine deutsche Garten-Zeitung. 2. Jahrgang, Nr. 14, 1824, S. 105 (Digitalisat).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jaime Prohens, Isabel Andújar, Santiago Vilanova et al.: Swedish coffee (Astragalus boeticus L.), a neglected coffee substitute with a past and a potential future. In: Genetic Resources and Crop Evolution. Volume 61, Issue 1, 2014, S. 287–297, doi:10.1007/s10722-013-0059-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kaffeewicke (Astragalus boeticus) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!