Stricken

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Albert Anker: Strickendes Mädchen (1884). Auf dem Gemälde erkennt man das Arbeiten in Runden mit dem Nadelspiel beim Stricken von Strümpfen.

Stricken ist die Herstellung von Maschen mit Hilfe eines oder mehrerer Fäden oder Garne sowie zweier oder mehrerer Nadeln. Der Faden wird dazu auf der Nadel mit sich selbst verschlungen. Gestricke sind im Vergleich zu Geweben dicker, schwerer, wärmeisolierender und durchsichtiger.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wort „stricken“ geht auf mhd. stricken und ahd. strikkan, strikken zurück und entstand als Ableitung vom Substantiv Strick. Im Deutschen Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm sind als ältere, ursprüngliche Bedeutungen angegeben: „eine Schlinge, einen Knoten knüpfen; binden“. Die jüngere Verwendung des Wortes, die im 19. Jahrhundert auch schon allgemein gebräuchlich war – die Fertigung von Textilien aus einem Endlosfaden mit Hilfe von zwei oder mehr Nadeln –, fanden die Brüder Grimm erstmals 1495 belegt.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antike[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nadelgebundene Socken (Ägypten, 3.–5. Jahrhundert n. Chr.)

Weder aus den altorientalischen noch aus den antiken Hochkulturen sind echte Gestricke erhalten; auch indirekt weist nichts darauf hin, dass das Stricken in dieser Zeit bereits bekannt gewesen sein könnte.

Die ältesten archäologisch gesicherten Textilfragmente, die zumindest von einigen Forschern als Gestricke eingestuft worden sind, wurden in den 1920er und 1930er Jahren in Dura Europos gefunden, einer um 300 v. Chr. gegründeten römischen Festung am Euphrat im heutigen Syrien. Nach heutiger Einschätzung waren diese Maschenarbeiten aber nicht mit zwei Nadeln gestrickt, sondern nadelgebunden, also mit einer Art Nähnadel und aus relativ kurzen Fäden gefertigt.[2] Auch bei Socken, die im 3.–5. Jahrhundert n. Chr. von Kopten angefertigt und später im ägyptischen Oxyrhynchos (heute: Al Bahnasa) ausgegraben worden sind, handelt es sich nicht um Gestricke, sondern um nadelgebundene Arbeiten.[3] Das Nadelbinden geht weitaus langsamer und mühsamer vonstatten als das Stricken, liefert aber festere Maschenwerke, die auch gegen Laufmaschen geschützt sind.

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rechtes Retabel des Buxtehuder Altars, das die Muttergottes beim Stricken zeigt, um 1400

Als Hinweis auf Strickkenntnisse in der Spätantike gilt ein knöchernes Nadelpaar, das in einem Frauengrab in Thüringen gefunden und etwa auf das Jahr 300 n. Chr. datiert wurde.[4] Vergleichbare Artefakte, die etwa aus derselben Zeit stammen, wurden 1903 in einem römischen Gräberfeld in Metz gefunden.[5] Aus der Merowingerzeit, nämlich etwa aus dem Jahre 500, stammen archäologisch sichergestellte eiserne Nadeln, die von einigen Forschern ebenfalls als Stricknadeln eingestuft wurden.[4] Ob diese Einstufung berechtigt ist, erscheint jedoch zweifelhaft; denn während gewebte Stoffe gefunden wurden, die 30.000 Jahre alt waren, stammen die ältesten erhaltenen unzweifelhaften Gestricke aus frühmittelalterlicher Zeit. In Museen werden die hochempfindlichen alten Textilien fast immer in schwachem Licht und unter Glas gehalten, sodass Forscher kaum Gelegenheit finden, die Herstellungsart genau zu bestimmen. Die polnische Textilhistorikerin Irena Turnau, die über Jahre hinweg vermeintliche Gestricke in Augenschein genommen hat, vermutet, dass nur wenige davon tatsächlich gestrickt worden sind. In seinem Standardwerk A History of Hand Knitting (1987) berichtet Richard Rutt von einem im ägyptischen Fustāt entdeckten Gestrickfragment, das der Schweizer Textilexperte Franz Iklé (1877–1946) aufs 7.–9. Jahrhundert datiert hatte; ältere seien nicht bekannt.[6]

Möglicherweise waren es die in Spanien eindringenden Araber, die das Stricken nach Europa brachen. Als Beispiel für die hochentwickelte Strickkunst der spanischen Mauren, die im 8. Jahrhundert nachgewiesermaßen u.a. die Makrameetechnik eingeführt hatten, gelten gestrickte Kissenbezüge aus dem späten 13. Jahrhundert, die in den Gräbern der kastilischen Königsfamilie entdeckt wurden.[7] Die Zahl der Fundstücke ist jedoch zu gering, um den vermuteten Ursprung des Strickens im arabischen Raum wissenschaftlich zu sichern.

Im Hochmittelalter erscheinen erste bildliche Darstellungen des Strickens. Mehrfach wurde die strickende Madonna dargestellt, etwa in La Santa Famiglia (Ambrogio Lorenzetti, um 1345), in Madonna dell’Umiltà (Vitale da Bologna, 1353) und auf dem Meister Bertram zugeschriebenen Altarbild Unsere Liebe Frau (um 1400), auf dem Maria mit vier Nadeln einen Rock für das Jesuskind strickt. Das letztgenannte Bild ist gleichzeitig eine der ältesten Darstellungen des Rundstrickens mit einem Nadelspiel.

Stricken als Handwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plakataufruf des amerikanischen Roten Kreuzes im ersten Weltkrieg, mit der Bitte, Socken für Soldaten zu stricken.

Die erste Erwähnung des gewerblichen Strickens findet sich im Jahr 1268 in Paris. Die Gilde der Pariser Stricker wird zudem 1366, 1380 und 1467 erwähnt. Auch in Doornik in den Niederlanden (1429) und in Barcelona (1496) sind Gilden von Strickern beurkundet. Für Deutschland sind im Jahr 1600 erstmals die Nürnberger Hosen- und Strumpfstricker urkundlich erwähnt. Die Entwicklung des Handstrickens hin zu einem anerkannten Handwerk ist nicht zuletzt durch den Aufstieg der Pariser Handstricker zu einer der sechs wichtigsten Handwerkergilden belegt.

Außerhalb Europas[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Japan waren Gestricke nahezu unbekannt, bis das Land Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten Ausländer empfing. Erste Verbreitung erlebte das Handstricken mit der Entmachtung der Samurai und der Umorganisation des Militärs, das Bedarf an gestrickten Handschuhen und Tabi hatte. In der Literatur wird gelegentlich berichtet, dass ein Großteil dieser Strickarbeiten von wirtschaftlich unter Druck geratenen Samurai erledigt worden sei.[8] Breitere Bevölkerungsschichten erreichte die Technik aber erst in den 1870er Jahren mit der zunehmenden Öffnung des Landes und der Einrichtung christlicher Mädchenschulen, die von westlichen Missionarinnen geführt wurden. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde in Heimarbeit gestrickt, die bereits im frühen 20. Jahrhundert durch Strickwarenfabriken abgelöst wurde. Parallel verbreitete sich das Handstricken im Privathaushalt.[9]

Auch in China war das Stricken lange Zeit unbekannt. Wolle wurde traditionell verfilzt oder gewoben; Strümpfe wurden aus Webstoffen geschnitten und genäht. Erst mit dem Import gestrickter Strümpfe und gestrickter Unterwäsche im späten 19. Jahrhundert wurde die Technik in China populär. 1902 und 1909 entstanden in Hangzhou und Shanghai die ersten Strickwarenfabriken. In vielen Privathaushalten wurden für die Strumpffertigung zur selben Zeit Rundstrickmaschinen angeschafft. Das Handstricken war bereits in den 1920er Jahren weithin bekannt, seine größte Verbreitung fand es jedoch erst in den ersten Jahren der Volksrepublik China.[10]

Stricken von Hand und mit der Maschine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stricken von Hand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Material verwendet man Handstrickgarn, das z. B. aus Schurwolle, Baumwolle, Seide, Kaschmir, Angora oder auch Kunstfasern bestehen kann. Die Stricknadeln werden aus beschichtetem Stahl, Holz, Kunststoff oder Kohlenstofffasern angefertigt, sind 15 bis 50 cm lang, überall gleich stark (0,5–20 mm) und verjüngen sich zum Ende hin. Strickt man mit zwei Nadeln, sind diese an einem Ende oft mit einem Maschenstopper versehen, damit die Arbeit dort nicht von der Nadel gleitet. Auf die eine Nadel werden durch Knüpfen Maschen aufgelegt; diese Nadel nimmt ein Rechtshänder in die linke Hand und legt den an der letzten Masche hängenden Faden über den Zeigefinger um die anderen Finger; mit der von der rechten Hand gehaltenen zweiten Nadel sticht man in die erste Masche, fasst mit der Nadel den straff angezogenen Faden, zieht ihn durch die Masche hindurch und lässt diese von der Nadel heruntergleiten. Die dadurch neu geformte Masche bleibt auf der rechten, der Arbeitsnadel, bis alle Maschen von der linken auf die rechte Nadel abgestrickt wurden. Danach wendet man die Arbeit und strickt die nächste Reihe ebenso.

Die Ausführung von rechten und linken Maschen

Man unterscheidet rechte und linke Maschen, wobei die Vorderseite einer rechten Masche genauso aussieht wie die Rückseite einer linken. Daher werden beim Hin- und Herstricken, etwa bei einem Schal oder dem Rückenteil einer Jacke, auf der Außenseite (der rechten Seite) rechte Maschen gestrickt, auf der Rückseite (der linken Seite) linke Maschen. Das dabei entstehende Muster nennt sich auch glatt rechts.

Will man in Runden stricken, braucht man mehrere kurze Nadeln (ein sogenanntes Nadelspiel) oder aber eine Rundstricknadel, die aus zwei durch ein Perlonseil oder mit Kunststoff ummanteltes Drahtseil miteinander verbundenen Nadeln besteht. Mit einer Rundstricknadel werden die Maschen fortlaufend gestrickt, wodurch ein schlauchförmiges Gestrick entsteht. Im Gegensatz zum Stricken in Hin- und Rückreihen, entfällt bei dieser Methode oft das Stricken der linken Maschen. Um einen glatt rechts gestrickten Schlauch zu erhalten, müssen ausschließlich rechte Maschen gestrickt werden. Verwendet man ein Nadelspiel, so werden die Maschen gewöhnlich auf vier Nadeln verteilt, eine weitere verwendet man zum Abstricken der Maschen. Es ist auch gut möglich, mit einer Rundstricknadel hin- und herzustricken. Dies hat den Vorteil, dass man nur eine Nadel braucht, die Arbeit nicht von der Nadel gleiten kann und das Gewicht der Arbeit im Schoß ruht und nicht auf den Armen lastet.

Durch die Variation von rechten und linken Maschen, Ab- und Zunahmen, Umschlägen, Verschränken der Maschen und anderen Arten von Maschenbildungen kann man verschiedene Muster stricken (Strickmuster).

Mit der sogenannten Doppelstrick-Methode, die vor allem in Ostpreußen gebräuchlich war, werden zwei verschiedenfarbige Fäden verstrickt. Dadurch können Mützen, Strümpfe oder Handschuhe so hergestellt werden, dass bei kompletter Wendung der Innenseite nach außen das gleiche Muster, aber in der anderen Farbe zu sehen ist.

Die Strickmethoden, also z. B. die Haltung der Hände, die Führung des Arbeitsfadens oder die Formung der Maschen, unterscheiden sich regional. Bei der im angelsächsischen Sprachraum, Südeuropa und entlang der Atlantikküste gebräuchlichen Strickweise wird der Faden mit der rechten Hand geführt und um die Arbeitsnadel gewickelt. Bei der im deutschsprachigen Raum, Nord- und Osteuropa gebräuchlichen Strickweise wird der Faden mit der linken Hand gehalten und mit der rechten Nadel durch die vorhandene Masche durchgeholt.

Gestrickt werden können fast alle Arten von Kleidungsstücken wie z. B. Strümpfe, Pullover, Röcke, Jacken, Schals, Hauben und Mützen, aber auch Spitzendecken, Gardinen, Teppiche etc.

Maschinelles Stricken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch → Strickmaschine.

Während beim Wirken die Maschenreihe mit sämtlichen Einzelmaschen auf einmal entsteht, werden beim Stricken die Maschen nacheinander gebildet. 1856 ließ der Engländer Mathew Townsend aus Leicester eine mit Gelenk versehene Nadel (Zungennadel) patentieren. Mit Hilfe dieser Nadel wurde der Maschenbildungsprozess einfacher als mit Spitzennadeln. 1881 wurde die Doppelzungennadel von Durand erfunden. Dadurch konnten jetzt von Links-Links-Strickmaschinen gebaut werden. In Bezug auf die Ausgestaltung unterscheidet man Flach- und Rundstrickmaschinen, die sowohl für den Hand- als auch für den Motorbetrieb infrage kommen.

Mit industriellen Rundstrickmaschinen lassen sich besonders feine Gestricke herstellen, Flachstrickmaschinen erzeugen mit Baumwoll-, Woll-, oder Synthetik-Garnen Kleidungsstücke wie z. B. Pullover. Wie dick das Gestrick wird und welche tragetechnischen Eigenschaften es hat, hängt dabei unter anderem von der Strickmaschine, dem verwendeten Garntyp, dem eingesetzten Fasermaterial und der Strickbindung ab.

Industrielle Strick- und Wirkmaschinen sind nicht gleichzusetzen mit Handstrickapparaten, oder Heimstrickmaschinen, wie sie vor allem in den 1960er und 1970er Jahren im häuslichen bzw. Hobbybereich eingesetzt wurden. Die Erzeugung eines Kleidungsstücks in einem Arbeitsgang ist mit solchen Apparaten nicht möglich. Die Funktionsweise ähnelt zwar der einer industriellen Maschine, die Maschen hängen in einer Reihe auf Zungennadeln und werden mittels eines beweglichen Schlittens abgestrickt. Anschließend wird das Gestrick in derselben Weise weiterverarbeitet wie beim Handstricken.

Stricktechniken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rechte und linke Maschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt beim Stricken nur zwei verschiedene Arten von Maschen:

  • die rechte Masche
  • die linke Masche
Bei der rechten Masche wird die neue Schlaufe von hinten kommend nach vorn durch die alte Schlaufe gezogen (das heißt, der querlaufende Teil des Fadens liegt hinten). Stricktechnik - rechte Masche.png
Bei der linken Masche wird der Faden von vorn nach hinten durchgezogen, wobei der querlaufende Teil vorn zu liegen kommt. Stricktechnik- linke Masche.png

Jede der beiden Maschenarten bildet die Rückseite der jeweils anderen, das heißt, rechte Maschen erscheinen, dreht man die Arbeit um, als linke Maschen und umgekehrt.

Weitere Techniken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem Stricken von rechten und linken Maschen kommen u.a. folgende Techniken zum Einsatz:

Umschlag. Umschläge werden besonders bei Patentmustern eingesetzt, wo sie das Gestrick materialreicher und voluminöser machen. Bei der Ajour-Strickerei dagegen werden Umschläge im Gegenteil dazu verwendet, um ornamentale Löcher zu erzeugen. Drittens kann durch Umschläge die Maschenzahl erhöht werden; so kann man, um z.B. aus einer Masche drei Maschen zu machen, in die Ausgangsmasche eine Masche stricken, dann folgt ein Umschlag und schließlich – in die Ausgangsmasche gestochen – eine weitere Masche.[11] Stricktechnik - Umschlag.png
Masche rechts verschränkt (= 180 Grad verdreht) abstricken

Maschen, die rechts verschränkt abgestrickt werden, wirken im Vergleich zu nicht verschränkt gestrickten Maschen definierter. Diese Technik kann unter anderem auch genutzt werden, um aus einer Masche drei Maschen herauszustricken; dafür wird aus der Masche zunächst eine Masche herausgestrickt, dann eine verschränkt gestrickte und schließlich eine weitere Masche.

Zusammenstricken von zwei Maschen zu einer rechten Masche; auch drei und mehr Maschen können auf diese Weise zusammengestrickt werden. Man unterscheidet zwischen nach rechts geneigten und nach links geneigten Abnahmen. Es gibt Muster, die ein Zusammenstricken von Maschen erfordern. Hierbei kann die Maschenzahl pro Strickreihe verringert oder es können zusammengestrickte Maschen mit Umschlägen kombiniert werden, woraus sich Loch- und Spitzenmuster ergeben.
Zusammenstricken von zwei Maschen zu einer linken Masche; auch drei und mehr Maschen können auf diese Weise zusammengestrickt werden.

Es gibt Muster, die ein Zusammenstricken einzelner Maschen erfordern; bei nicht rechtwinkligen Gestricken werden Maschen daneben auch zusammengestrickt, um die Maschenzahl zu verringern.

Rechte Maschen aus der unteren Masche zunehmen. Bei dieser Technik wird eine rechte Masche aus der Masche selbst, und eine zweite Masche aus der Seite der darunterliegenden Masche gestrickt.

Wenn in mehreren aufeinanderfolgenden Reihen Maschen zugenommen werden, neigt sich die Säule der jeweils aus der oberen Masche gestrickten Maschen charakteristisch nach rechts oder links (jeweils fort von den Maschen, die aus der tiefliegenden Masche gestrickt wurden).

Es gibt Muster, die Zunehmen einzelner Maschen erfordern; bei nicht rechtwinkligen Gestricken werden Maschen daneben auch zugenommen, um die Maschenzahl zu erhöhen.

Maschen aus dem Steg zunehmen. Die Technik ähnelt der im vorigen Absatz beschriebenen; auch bei dieser Technik neigt sich die Maschensäule nach links oder rechts. Der Steg wird, wie im Bild dargestellt, mit der rechten Nadel aufgenommen, dann auf die linke Nadel gehoben und von dort aus schließlich verschränkt rechts abgestrickt. Das Verschränken ist nötig, weil an dieser Stelle sonst ein Loch entsteht. Stricktechnik - Masche aus dem Steg aufnehmen.png
Masche abheben. Diese Technik kommt u.a. bei vielen Patentmustern zum Einsatz.
Abstricken von Maschen einer darunterliegenden Reihe. Diese Technik wird bei manchen Patentmustern eingesetzt. Stricktechnik - tiefes Einstechen.png

Erwähnenswert sind außerdem folgende Techniken:

  • Verkreuzen mehrerer Maschen, etwa für Zopfmuster
  • Anschlagen oder zusätzliches Aufnehmen von Maschen zu Beginn des Gestricks oder um die Maschenzahl zu erhöhen
  • Maschen abheben, um in die Höhe verlängerte, über zwei oder mehr Reihen gehende Maschen zu erzielen, die dann oft auch noch verkreuzt werden
  • Maschen abketten am Ende der Strickarbeit

Strickmuster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flächenhafte Muster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim glatt rechts Gestrickten wird abwechselnd eine Reihe rechts und eine Reihe links gestrickt; die links gestrickte Reihe wird als Rückreihe bezeichnet. Beim Stricken auf der Rundnadel oder mit dem Nadelspiel dagegen werden, weil die Strickrichtung sich dabei niemals ändert, nur rechte Maschen gestrickt, um ein glatt rechts gestricktes Maschenbild zu erhalten

Gestricke mit diesem Muster sind von mittlerer Elastizität.

Durch Kombinieren von Rechts- und Linksmaschen können viele verschiedene Muster gebildet werden.
Vollpatentmuster: Für dieses Muster gibt es grundsätzlich zwei Techniken:
  • Beim Patentstricken beginnt die Arbeit mit einer Grundreihe, für die abwechselnd eine Masche rechts und eine Masche links gestrickt wird; in allen folgenden Reihen wird dieses Muster wiederholt, wobei jedoch bei allen rechten Maschen nicht in die oberste, sondern in die zweitoberste Masche eingestochen wird.[12]
  • Beim Patentstricken mit Umschlagen wird immer abwechselnd eine Masche umgeschlagen, eine Masche links abgehoben und 1 Masche (die Doppelmasche, die in der Vorreihe aus abgehobener und umgeschlagener Masche entstanden ist) rechts abgestrickt.[13]

Wenn nicht hin und her, sondern rund gestrickt wird, kommt eine dritte Technik zum Einsatz, die ebenfalls Umschlagen und Abheben einschließt.[14] Gestricke mit Patentmuster sind besonders dicht, voluminös und elastisch. Vollpatent wird häufig für Mützen, Schals, dicke Pullover und ähnliches verwendet. Da die Reihen flacher ausfallen als beim normalen Stricken, sind spezielle Randmaschen erforderlich.

Strickmuster - Vollpatent.JPG
Halbpatent: Wird ebenso gestrickt wie Vollpatent mit Abheben; jede zweite Reihe wird abwechselnd eine Masche rechts, eine Masche links gestrickt.[15] Das Ergebnis ist eine Verbindung aus Vollpatent und Bündchenmuster.
Waffelpatent: Bei diesem vierreihigen Muster werden nur rechte Maschen gestrickt. Einige Maschen werden mit Maschen aus darunterliegenden Reihen zusammengestrickt und die Umschläge werden in der folgenden Reihe mit einer Masche zusammengestrickt.[16] Auf der Rückseite zeigt das Gestrick ein krauses Muster. Strickmuster - Waffelpatent.JPG
Ajour-Gestrick

Ajour-Strickerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ajour-, Loch- oder Spitzenstrickerei bringt filigrane, oft hoch komplexe, Spitzen-ähnliche Gestricke hervor. Durch wiederkehrende Zu- und Abnahmen entstehen hier rhythmische und ornamentale Abfolgen aus strukturierten Flächen, Löchern und Stegen.[17]

Strickschrift[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Strickmuster können mit Hilfe von Strickschriften notiert werden, die entweder als – meist stark abgekürzter – Text oder grafisch, unter Verwendung verschiedener Symbole, dargestellt wird. Eine international gleichbleibende Symbolik hat sich nicht durchsetzen können, obwohl sich etwa das in Carrollton, Texas ansässige Craft Yarn Council um eine Standardisierung der Symbole bemüht.[18] In der Regel enthält die Strickanleitung oder das entsprechende Werk eine Aufschlüsselung der verwendeten Symbole. Für blinde Nutzer gibt es eine spezielle Braille-Strickschrift.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte des Strickens

  • Sylvia Greiner: Kulturphänomen Stricken. Das Handstricken im sozialgeschichtlichen Kontext. Verlag Bernd A. Greiner, Weinstadt 2002, ISBN 3-935383-06-1.
  • Anne Macdonald: No Idle Hands: The Social History of American Knitting. Ballantine Books, 1990.
  • Richard Rutt: A History of Hand Knitting. 1987.
  • Susan M. Strawn, Melanie Falick: Knitting America: A Glorious Heritage from Warm Socks to High Art. Voyageur Press, 2007.
  • Irena Turnau: History of knitting before mass production. Oficyna Wydawnicza „Akcent“, Warszawa 1991, ISBN 83-900213-2-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stricken – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutsches Wörterbuch: stricken. Abgerufen am 31. Oktober 2015.
  2. Nancy Bush u.a.: Knitting Socks From Around the World. Voyageur Press, 2011, ISBN 978-0-7603-3969-5, S. 373 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. Ulrike Claßen-Büttner: Nalbinding - What in the World Is That?: History and Technique of an Almost Forgotten Handicraft. Books on Demand, Norderstedt 2015, ISBN 978-3-7347-8775-1, S. 37 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. a b Zur Geschichte des handgestrickten Strumpfes (www.deutsches-strumpfmuseum.de). Abgerufen am 30. Oktober 2015.
  5. H. Graeven, H. Lehner: Museographie über das Jahr 1902. In: H. Graeven, J. Hansen, H. Lehner (Hrsg.): Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst. Jahrgang XXII. Jacob Lintz, Trier 1903, S. 358 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  6. Kerry Wills: The Close-Knit Circle. Praeger, Westport, CT, London 2007, ISBN 978-0-275-99246-0, S. 6 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  7. Christina Cowden-Wüthrich: Das Schaf und seine Wolle – Historischer Exkurs: Von den Anfängen der Schafzucht bis zu heutigen Standard des Wollsiegels – Eine Unterrichtssequenz im Textilunterricht an der Grundschule. Schwäbisch Gmünd 2004, S. 82 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche). Wissenschaftliche Hausarbeit, Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd; Die heilsame Kraft der Maschen: Geschichtliches zum Stricken. Abgerufen am 31. Oktober 2015.
  8. The Story of Knitting in Japan, Part 1. Abgerufen am 30. Oktober 2015., zitiert aus Yoshihiro Matushita: Amimono ima mukashi (Knitting Today & Past), in Nihon Vogue, 1986
  9. The story of Knitting in Japan, Part 2. Abgerufen am 30. Oktober 2015.
  10. Antonia Finnane: Changing Clothes in China: Fashion, History, Nation. S. 120–123 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  11. Three-Stitches Increase Into Same Stitch. Abgerufen am 29. Oktober 2015.
  12. Patent mit tiefer gestochenen Maschen - Vollpatent - Patentmuster. Abgerufen am 25. Oktober 2015.
  13. Vollpatent stricken - Patentmuster. Abgerufen am 25. Oktober 2015.
  14. Patent in Runden - Patentmuster - Strickmuster. Abgerufen am 25. Oktober 2015.
  15. Halbpatent stricken - Patentmuster - Strickmuster. Abgerufen am 26. Oktober 2015.
  16. Stricken - Patentmuster - Waffelpatent - Strickmuster. Abgerufen am 26. Oktober 2015.
  17. Ajour. Abgerufen am 27. Oktober 2015.
  18. Knit Chart Symbols. Abgerufen am 28. Oktober 2015.