Styrax (Räucherwerk)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Styrax-Harz in Glasfläschen

Das Storaxharz, oft auch nur als Styrax, flüssiges Amber oder Balsam bezeichnet, ist ein wohlriechendes Naturharz, das für Räucherwerke oder als Heilmittel verwendet wird. Bereits in der Antike zählte das Harz zu den wichtigsten und begehrtesten Räuchermitteln, das vielfältig genutzt wurde (Plinius, Naturalis historia 12; 81,124, Dioskurides, Materia Medica I, 79). Die Phönizier brachten das Styrax nach Ägypten, sie nannten es „miniaki“ (Papyrus Ebers).[1]

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis in das 18. Jahrhundert soll es ausschließlich vom aus Kleinasien und dem östlichen Mittelmeergebiet stammenden Storaxbaum (Styrax officinalis) gewonnen worden sein, dies ist aber umstritten, sogar fraglich.[2][3][4][5][6] Danach stammt der Großteil des Storaxharzes von verschiedenen Arten der geruchlich sehr ähnlichen, aber nicht näher mit den Storaxbäumen verwandten Amberbäume (Liquidambar orientalis, aus Nordamerika Liquidambar styraciflua, aus Ostasien Liquidambar formosana), welche deshalb auch manchmal fälschlicherweise als Storaxbäume bezeichnet werden. Dementsprechend bezeichnet man je nach Herkunft das Räucherwerk als echtes Styrax (Harz von Styrax officinalis) und falsches Styrax (Harz von Liquidambar-Arten). Auch gibt es von Altingia excelsa (Burmesisches Storax) und Altingia gracilipes Substitute.[7]

Abzugrenzen ist Storaxharz, im Deutschen Gebrauch ebenfalls als „Styrax“ bezeichnet, von Benzoeharz welches von anderen Storaxbäumen (Styrax) stammt.

Gewinnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es wird ähnlich wie Weihrauch gewonnen: Der Stamm wird angeschnitten, und das austretende harzige Gemisch wird gesammelt. Da dieser Rohstoff einen hohen Flüssigkeitsanteil hat, muss er anschließend noch veredelt werden. Dies geschieht entweder durch Lufttrocknung oder durch Destillation. Früher wurde nur die Wasserdampfdestillation verwendet, welche auch die beste Qualität ergibt. Heutzutage wird oft, teils nur als Zwischenstufe, ein Alkohol verwendet, da dies die Ausbeute erhöht.

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben vielen anderen Inhaltsstoffen besteht Styrax hauptsächlich aus Zimtsäure, Styracin, Zimtsäureethylester, Vanillin, Cinnamein, Storesinol und einer geringen Menge Styrol.

Der Styrax-Rauch riecht schwer süßlich und wirkt entspannend und beruhigend.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Balsam wird schon seit der Antike zum Räuchern benutzt und ist heute neben dem Weihrauch das wichtigste Räucherwerk der griechisch-orthodoxen Kirche. Dabei wird meistens Holzkohle mit Styraxbalsam getränkt und diese dann auf Kohle oder Holzkohle verbrannt.

Die Volksheilkunde verwendet das Styrax bei Bronchitis, Herzerkrankungen, Lepra, Schlaganfall und Verstopfung. Äußerlich wird es bei Krätze und als Wundheilmittel eingesetzt. In der Parfümerie wird es in vielen klassischen Duftkompositionen wegen seines balsamisch-süßen, leicht grasartigen Duftes geschätzt und als Fixateur beigemischt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Dieterich, Erich Stock: Analyse der Harze. 2. Auflage, Springer, 1930, ISBN 978-3-642-89462-6, S. 348–366.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Günther Ohloff: Irdische Düfte — Himmlische Lust: Springer, 1992, ISBN 978-3-0348-6161-8, S. 61.
  2. Liefert Styrax officinalis L. ein Harz? (PDF; 2,87 MB), auf e-periodica.ch, abgerufen am 1. Januar 2017.
  3. Paul T. Nicholson, Ian Shaw: Ancient Egyptian Materials and Technology. Cambridge University Press, 2000, ISBN 0-521-45257-0, S. 437.
  4. Jehuda Feliks: Storax. In: Fred Skolnik, Michael Berenbaum: Encyclopaedia Judaica, Vol. 19, 2nd Edition, 2007, Thomson Gale, ISBN 978-0-02-865928-2, S. 238, online.
  5. Albert Weinlig: Die Pflanzenchemie, ein Handbuch für Aerzte und Apotheker. Wilh. Vogel & Sohn, Leipzig 1839, S. 519, ISBN 978-5-87854-779-6 (Let Me Print, 2012, Reprint).
  6. Scherrer, Virchow, Eisenmann: Canstatt’s Jahresbericht über die Fortschritte der gesammten Medicin in allen Ländern. 5. Band, Stahelsche Buchhandlung, Würzburg 1858, S. 15 ff.
  7. Jean H. Langenheim: Plant Resins. Timber Press, 2003, ISBN 978-0-88192-574-6, S. 350. online (PDF; 22,18 MB).