Tatort: Edel sei der Mensch und gesund

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Episode der Reihe Tatort
OriginaltitelEdel sei der Mensch und gesund
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Produktions-
unternehmen
ophir film
im Auftrag des RBB
Länge 87 Minuten
Einordnung Episode 796 (Liste)
Erstausstrahlung 3. April 2011 auf Das Erste
Stab
Regie Florian Froschmayer
Drehbuch Dinah Marte Golch,
Gerhard J. Rekel
Produktion Andreas Born
Gloria Burkert
Musik Oliver Kranz
Kamera Stephan Motzek
Schnitt Christian Sporrer
Besetzung

Edel sei der Mensch und gesund ist ein Fernsehfilm aus der Krimireihe Tatort. Der vom RBB produzierte Film wurde am 3. April 2011 erstgesendet. Kriminalhauptkommissar Till Ritter geht sein 30. Fall, auch aus privaten Gründen, sehr nahe. Zusammen mit seinem Kollegen Felix Stark, für den es sein 24. Fall ist, ermittelt er im Umfeld einer Arztpraxis, die das deutsche Gesundheitssystem anprangert.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als der Rentner Olaf Mühlhaus seinen Arzt Dr. Gerhard Schmuckler aufsucht, der auch ein alter Freund ist, reicht dieser ihn an die in seiner Praxis angestellte Frau Dr. Antje Berger weiter, da er dringend weg muss. Mühlhaus missfällt das. Die Ärztin untersucht ihn und spricht ihn auf eine blutunterlaufene Stelle an seinem Körper an. Der alte Mann antwortet, er habe sich an einem Stuhl gestoßen. Als ihm Dr. Berger die Anweisung gibt, seine Tabletten gegen Morbus Crohn weiter einzunehmen, antwortet er ihr, dass er diese doch gar nicht mehr brauche. Die Ärztin widerspricht und weist ihn darauf hin, dass er dieses Mittel unbedingt einnehmen müsse, er wisse doch, dass seine Krankheit nicht heilbar sei.

Einige Tage später werden die Kriminalhauptkommissare Till Ritter und Felix Stark zu einer Obduktion gerufen, auf dem Tisch liegt Olaf Mühlhaus. Der Gerichtsmediziner teilt den Kommissaren mit, dass der Rentner vor fünf Tagen verstorben sei; er habe an der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn gelitten. Todesursache seien Medikamente gewesen, deren Wirkung sich wechselseitig verstärkten und damit das Immunsystem komplett lahmgelegt hatten. Die Mittel hätten die Blutgerinnung beeinflusst, daher auch die Hämatome an Mühlhaus’ Körper. Ein Gespräch mit der Tochter des Verstorbenen bringt keine weiteren Erkenntnisse, außer dass ihr Vater bei seinem letzten Besuch nicht von Dr. Schmuckler, sondern von seiner Vertretung Dr. Berger, behandelt worden sei. Die Frage steht im Raum, ob die Ärztin übersehen hat, dass Dr. Schmuckler Mühlhaus vor etwa vier Wochen eine Infusion gegeben hatte, die die Einnahme der Tabletten verbot. Berger meint jedoch, das müsse dann in einer anderen Praxis geschehen sein. Auch Dr. Schmuckler will von einer Infusion in seiner Praxis nichts wissen. Er habe keine Ahnung, wie es dazu gekommen sein könne. Auch Patrizia Mühlhaus antwortet auf entsprechende Fragen, dass sie nichts davon wisse, dass ihr Vater noch zu einem anderen Arzt gegangen sei und ist sich sicher, dass er ihr das erzählt hätte. Kommissar Lutz Webers Recherchen ergeben, dass Mühlhaus in den letzten Monaten ausschließlich bei Dr. Schmuckler und einmal bei Dr. Berger in Behandlung war. In der ebenfalls im Haus liegenden Apotheke wurde die Infusionslösung in der letzten Zeit zwei Mal verkauft. Sie hat einen Verkaufspreis von 8000 Euro. Laut Aussage des Apothekers sind keine Daten mehr vorhanden, an wen das Mittel gegangen ist.

Schmucklers verheirateter Sohn Martin, ebenfalls Arzt in der Praxis seines Vaters, hat ein Verhältnis mit Antje Berger, die sich in die Praxis einkaufen will und sich um einen Kredit bemüht. Sie will wissen, wann er endlich mit seinem Vater sprechen werde und ob es möglich sei, dass Gerhard Schmuckler ein Fehler bei seinem alten Freund Mühlhaus unterlaufen ist. Derweil legt die langjährige Arzthelferin Karin Diestel ihrem Chef Schmuckler Abrechnungsunterlagen vor und meint, man müsse in nächster Zeit vorsichtiger sein. Ganz überraschend wird Antje Berger kurz darauf tot aufgefunden. Da an ihrer Tür keine Einbruchsspuren festgestellt werden, geht man davon aus, dass sie ihren Mörder gekannt hat. Nach ihren Alibis befragt, bestätigt Yvonne Schmuckler, dass ihr Mann Martin ab halb neun zu Hause gewesen sei. Gerhard Schmuckler meint, er habe Hausbesuche gemacht, will aber keine Namen nennen. Auch die Caféhausbesitzerin Susanne Richthofen, zu der Ritter sich hingezogen fühlt, und die ein krankes Kind hat, das regelmäßig von der Praxis Schmuckler behandelt wurde, wird befragt. Sie war mit Antje Berger befreundet und erzählt, dass es Schicksal gewesen sei, dass die Ärztin vor einem halben Jahr in ihr Café gekommen sei. Damals habe sie ihrer Tochter das Leben gerettet. Weitere Ermittlungen ergeben, dass eine Patientin Schmuckler wegen zu hoher Abrechnungen angezeigt hatte. Der Fehler wurde eingestanden und das Verfahren eingestellt. Es stellt sich heraus, dass die Budgetierung der Kassen, die nur einen bestimmten Betrag pro Quartal zur Verfügung stellte, von Dr. Schmuckler regelmäßig um 15.000 bis 20.000 Euro pro Quartal überzogen wurde. Da der Arzt eine andere Einnahmequelle brauchte, wurden diese Kosten von ihm und seiner Vertrauten Karin Diestel auf Privatpatienten umgelegt. Dr. Schmuckler meint zu den Kommissaren, dass bei den Krankenkassen jährlich um 15 Milliarden Euro betrogen werde. Er jedoch habe seinen Patienten grundsätzlich nur die billigsten Medikamente verschreiben dürfen, nicht die, die sie wirklich gebraucht hätten, außerdem habe er sich für jeden Patienten höchstens acht Minuten Zeit nehmen dürfen. Er habe die Kosten doch nur verlagert, um denen zu helfen, die Hilfe gebraucht hätten. Die Kommissare lassen Schmuckler wissen, dass seine Mitverantwortung am Tod von Olaf Mühlhaus in einem separaten Verfahren geklärt werden müsse. Ritter meint zu seinem Kollegen Stark, dass er anfange, das Verhalten von Schmuckler zu verstehen. Gerade als die Kommissare die Praxis verlassen, kommt ein Krankenwagen, Sophia, Susanne Richthofens Tochter, atmet nicht mehr, ihre Lippen sind ganz blau. Die Kleine leidet an Mukoviszidose und hat auf ein Antibiotikum überreagiert, das sie wegen eines Infekts nehmen musste. Dr. Schmuckler durfte dem Kind das sehr viel teurere und besser geeignete Mittel Tobramycin im laufenden Quartal aus Kostengründen nicht mehr verschreiben. Die zuständige Krankenkasse habe beschieden, dass es Sophia noch nicht schlecht genug gehe, um ein solch teures Mittel zu bekommen. Susanne Richthofen fleht Ritter an, dass er Dr. Schmuckler wegen seiner Handlungsweise nicht verurteilen dürfe, es sei richtig, was er getan habe. Sie sei bei Antje Berger gewesen und habe sie um Hilfe gebeten. Die Ärztin habe jedoch nur an ihre Praxis gedacht und an ihren Ruf. Es habe sie nicht interessiert, dass sie sie um Hilfe für ihr Kind angefleht habe. Da sei es passiert. Ritter hört sie am Bett ihrer Tochter sagen, dass sie einfach alles für sie tun würde, das dürfe sie nie vergessen. Ritter und Stark verlassen wort- und hilflos das Krankenhaus.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einschaltquoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstausstrahlung von Edel sei der Mensch und gesund am 3. April 2011 wurde in Deutschland von insgesamt 9,51 Millionen Zuschauern gesehen und erreichte einen Marktanteil von 26,1 % für Das Erste; in der Gruppe der 14- bis 49-jährigen Zuschauer konnten 3,03 Millionen Zuschauer und ein Marktanteil von 19,9 % erreicht werden.[1]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christian Buß von Spiegel Online war der Ansicht, dass es sich bei dieser Tatort-Folge um einen „kompakten, emphatischen und klug konstruierten Themen-Tatort“ handele, ein „Kammerspiel, in dem die Schieflage des deutschen Gesundheitswesens im Mikrokosmos einer Altberliner Familienpraxis durchgespielt [werde]“.[2]

TV Spielfilm hielt diese Folge für „spannend, bewegend, aufschlussreich“ und fasste zusammen: „Sparzwang führt zu Mord und Totschlag!“[3]

Dieter Hoß von Stern.de titelte: „Bleiben Sie bloß gesund!“ und war der Meinung, dass „die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen“ in diesem Tatort. Dieter Hoß’ Urteil lautete: „Ein überzeugender Tatort, gut erzählt.“[4]

Für Rainer Tittelbach war die Tatort-Folge Edel sei der Mensch und gesund zwar als Themenfilm überzeugend, als Krimi aber eher enttäuschend, auch stieß er sich an den vielen „Leidensmienen“ im Film:

„Eine falsche Medikation kostet einem Rentner das Leben. Ein Krimi-Drama über die Verteilungskämpfe im Gesundheitswesen. Als Themenfilm, der diskussionsträchtig zuspitzt, ist dieser Berliner ‚Tatort‘ überzeugend, als Krimi weniger. Der Film ist als Kammerspiel angelegt, mit guten Schauspielern, deren Spiel ein wenig spröde wirkt. Gute Drehbuch-Ideen. Allein der Bild-Regisseur Florian Froschmayer ist für solch ein schwergewichtiges Schauspieler-Drama nicht der Richtige – und so nehmen die Leidensmienen kein Ende.“

Rainer Tittelbach: tittelbach.tv[5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Quotenmeter.de: Berliner «Tatort» eine Macht, abgerufen am 21. Februar 2012.
  2. Christian Buß: Berlin-"Tatort": Der Doktor und das liebe Krankenkassenvieh In: Spiegel Online. Abgerufen am 21. Februar 2012.
  3. Tatort: Edel sei der Mensch und gesund bei tvspielfilm.de. Abgerufen am 14. Mai 2013.
  4. TV-Kritik zum Tatort: Edel sei der Mensch und gesund → Bleiben Sie bloß gesund! Dieter Hoß. In: Stern.de vom 3. April 2011. Abgerufen am 14. Mai 2013.
  5. tittelbach.tv: Reihe „Tatort – Edel sei der Mensch und gesund“. Abgerufen am 21. Februar 2012.