Tatort: Nachtfrost

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Folge der Reihe Tatort
OriginaltitelNachtfrost
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Produktions-
unternehmen
NDR
Länge95 Minuten
AltersfreigabeFSK 12[1]
EinordnungFolge 36 (Liste)
Erstausstrahlung20. Januar 1974 auf Deutsches Fernsehen
Stab
RegieWolfgang Petersen
DrehbuchHerbert Lichtenfeld
ProduktionDieter Meichsner,
Karl-Heinz Knippenberg
MusikNils Sustrate
KameraJörg-Michael Baldenius
SchnittKarin Wagner,
Hannelore Pitscheck
Besetzung

Nachtfrost ist ein im Februar 1972 gedrehter Fernsehfilm aus der Fernseh-Kriminalreihe Tatort der ARD und des ORF. Der Film wurde vom NDR produziert und am 20. Januar 1974 zum ersten Mal gesendet. Er ist die 36. Folge der Tatort-Reihe, der vierte Fall für Kommissar Finke.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Kieler Seiboldstraße wird eine junge Frau in ihrer Wohnung, einem Appartement in einem tristen Wohn- und Lagerhaus, tot aufgefunden. Sie wurde zwei bis drei Tage zuvor von hinten erschlagen. Der Nachmieter und der Hausverwalter haben sie entdeckt, als der Nachmieter die Wohnung übernehmen wollte. Die Tote hieß Renate Plikat. Finke findet heraus, dass sie das Appartement vor einem Jahr angemietet hatte, ihr Stiefvater hatte sie kurz zuvor vermisst gemeldet. Kurz vor ihrem Tod hatte sie noch 20.000 DM von der Bank abgehoben. In einem Notizbuch finden sich ausschließlich Kontaktdaten von Männern und eine Callgirl-Anzeige aus einer Zeitung. Herr Miesbach, der seinen Kiosk gegenüber dem Appartement von Renate Plikat hat, kann bestätigen, dass in Plikats Wohnung des Öfteren Männer ein und aus gingen.

Finke informiert den Stiefvater des Mädchens, der ist bestürzt und überrascht über die Zweitwohnung, von der er nichts wusste. Ebenso wusste er nichts von den 20.000 DM, die aus dem Appartement verschwunden sind. Er gibt an, dass seine Stieftochter als Verkäuferin in einer Boutique gearbeitet hat, von ihren Aktivitäten als Callgirl hatte er keine Ahnung. Der Inhaber der Boutique sagte aus, dass Renate Plikat dort nicht nur Verkäuferin, sondern Geschäftsführerin gewesen ist. Ihre Arbeitskollegin sagte aus, dass Renate beabsichtigte, eine eigene Boutique in Hamburg zu kaufen. Zudem rief ein Unbekannter in der Boutique an, er wartet auf Renate Plikat in einem Lokal. Kollegen von Finke erscheinen im Lokal und machen den Mann ausfindig. Plikat hatte auch einen Freund in ihrem Alter, Bertram Schaarf. Finke sucht ihn auf. Er berichtet von seinem vorletzten Treffen mit ihr, bei dem sie sich von ihm trennen wollte. Danach suchte er sie noch einmal auf, um sie umzustimmen. In ihrem Appartement wäre er nie gewesen. Von ihrer Tätigkeit erfuhr er erst nach Renates Tod von seiner Mutter.

Während Finkes Kollegen weitere Freier von Renate ausfindig machen, befragt Finke auch den Vater ihres Ex-Freundes. Dieser kannte Renate von ihren Besuchen in ihrem Hause, war aber ebenso wie seine Frau der Auffassung, dass Renate unter dem Niveau ihres Sohnes lag. Finkes Assistenten Franke und Scheffler machen einen weiteren Freier ausfindig, allerdings scheint weder einer der Freier noch die in der Wohnung gefundenen Gegenstände eine Spur zu ergeben. Finke und Franke treffen sich mit einem Mann vom Gesundheitsamt. Dort müssen die Prostituierten registriert sein. Durch einen anonymen Anruf war das Gesundheitsamt auf Renate Plikat gekommen, die nicht registriert war und ihre Tätigkeit zu verschleiern versuchte. Finke und Franke begleiten den Mann ins Rotlichtviertel. In einer Kneipe finden sie einen Zeitungsausschnitt mit der Annonce von Renate Plikat.

Franke sucht den Zuhälter Heiko Schulz auf, von dem die Polizei wegen der gefundenen Annonce vermutet, dass er der Zuhälter von Renate Plikat werden wollte und sie kontaktiert hat. Er schlägt Franke nieder und kann fliehen. Finke sucht Herrn Schaarf, Bertrams Vater, auf, weil er aufgrund einer Personenbeschreibung vermutet, dass er ein Freier von Renate Plikat war. Schaarf gibt zu, bei ihr gewesen zu sein, gibt aber an, dass er sie gebeten hat, mit Bertram zumindest bis zum Abitur weiter zusammenzubleiben, da dieser in der Schule einen totalen Leistungsabfall gezeigt hätte. Finke fragt nach Bertram, dieser ist aber nicht zu Hause. Finke hat herausgefunden, dass Bertram falsche Angaben über seinen Verbleib am Todestag von Plikat gemacht hat, obwohl er ein korrektes Alibi hat. Der Polizei gelingt es derweil, Schulz zu stellen. Als Finke sich von Schaarf verabschiedet, kommt Hermes, ein Freund von Schaarf, vorbei. Finke kehrt aufs Präsidium zurück, dort wird Schulz vernommen. Seinen Sportwagen hat er mit 20 1.000-DM-Scheinen bezahlt, es könnten die von Renate Plikat sein. Kioskbesitzer Miesbach kann Bertram Schaarf identifizieren und aussagen, dass dieser öfter bei Plikat zu Besuch war, also hat er auch in diesem Punkt gelogen. Bertram hatte Plikat öfter aufgelauert und sie bedrängt. Miesbach erkennt ferner Schulz wieder, dieser sei öfter bei ihr gewesen. Auch an dem Freitag, an dem sie ermordet wurde, war Schulz bei ihr. Vorher hatte sie jedoch mit einem jungen Mann, der nicht Bertram war, das Haus verlassen.

Finke fragt Bertram, warum er ihn belogen habe, doch aus diesem ist nichts herauszubekommen. Schulz bestreitet, mit Renate Plikat ins Geschäft habe kommen wollen, er wollte sie lediglich darauf drängen, sich registrieren zu lassen. Ferner bestreitet er, ihr das Geld gestohlen zu haben. Kioskbetreiber Miesbach ruft bei der Polizei wegen eines Zeitungsartikels über den Stiefvater der Ermordeten an. Er ist verwundert, dass der Stiefvater „erschüttert“ über das Doppelleben seiner Stieftochter gewesen sei, denn er sei ja mehrmals in die Wohnung gefahren. Der Stiefvater kann allerdings beweisen, dass er beruflich wegen seiner Druckerei dort war, um nebenan Druckereiprodukte abzuliefern. Er kann glaubhaft versichern, dass dies ein Zufall war und er nicht wusste, dass dort seine Stieftochter wohnte und welcher Tätigkeit sie dort nachging.

Franke kann vermelden, dass Heiko Schulz den Einbruch und den Diebstahl des Geldes gestanden hat, den Mord bestreitet er aber weiterhin. Finke hat herausgefunden, dass das Wasser von halb vier bis halb fünf abgestellt war, wegen eines Rohrbruchs aufgrund von Nachtfrost. Man hatte die Leiche bei laufendem Wasser in der Wohnung gefunden, daraus schließt Finke, dass sie den Wasserhahn offen ließ, damit sie wisse, wann das Wasser wieder zur Verfügung steht und sie Kaffee kochen konnte. Aber sie hat sich keinen Kaffee gekocht. Sie müsste sich bis sie um sechs Uhr das Haus verließ, noch anderthalb Stunden in der Wohnung aufgehalten haben, ohne den Wasserhahn wieder zuzudrehen. Finke sieht sich noch einmal den Schrank von Renate Pikat in der Boutique an. Er findet heraus, dass Pikats Arbeitskollegin Monika ihn belogen und ihm den falschen Schrank, nämlich ihren, gezeigt hat. Monika bestreitet, jemals in der Wohnung von Renate Pikat gewesen zu sein, der Kioskbesitzer bestätigte, dass sie das Mädchen gewesen sein könnte, dass um sechs Uhr die Wohnung verlassen hat, er hatte Renate Pikat aufgrund der Dunkelheit nicht eindeutig identifizieren können. Monika bricht in Tränen aus, und berichtet, Renate hätte ihr erlaubt, die Wohnung zu benutzen, wenn sie nicht da gewesen sei. Sie sei mit ihrem Freund Horst am Freitag in der Wohnung gewesen und hätten dort die Leiche gefunden. Daraufhin seien sie aus der Wohnung geflohen. Sie hätten Angst gehabt, der Polizei hätte sie nichts erzählt, damit ihre Eltern nichts von ihr und ihrem Freund erfahren.

Heiko Schulz gibt zu, dass er um halb sieben in die Wohnung eingebrochen ist. Das Radio lief und der Wasserhahn lief. Fest steht somit, dass sie ermordet wurde, als der Wasserhahn nicht lief, also vor halb fünf. Bertrams Mutter eröffnet Bertram, dass sein Vater an dem Tag bei Renate gewesen ist, um sie umzustimmen. Bertram läuft daraufhin verstört von Zuhause weg. Herr Schaarf erzählt seiner Frau, dass sein Freund Hermes ihm von Plikats Tätigkeit als Prostituierte erzählt hätte. Er hat daraufhin seinen Sohn Bertram mit 100 DM zu Plikat geschickt, damit er einsieht, dass es keinen Sinn hat, Tränen für eine Prostituierte zu vergießen. Frau Schaarf ist schockiert. Finke taucht bei den Schaarfs auf, weil er Bertram sucht. Die Polizei umstellt den Wald. Bertram verschanzt sich im Wald, seine Mutter versucht per Lautsprecher, ihn zur Aufgabe zu bewegen, ebenso sein Vater. Die Situation bleibt angespannt bis zum nächsten Morgen. Dann geht die Polizei in den Wald hinein. Bertram hat ein Gewehr und eröffnet das Feuer auf seinen Vater, zum Glück verletzt er niemanden. Er ruft, dass er dort gewesen ist, Renate Plikat aber nicht mal für Geld mit ihm schlafen wollte. Daraufhin hat er sie umgebracht. Kurz darauf stürzt er vom Baum, er überlebt aber schwer verletzt.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film wurde überwiegend in Kiel sowie im niedersächsischen Jesteburg (30 km südlich von Hamburg) gedreht. In Jesteburg entstanden die Szenen im Wald, an der Villa der Schaarfs und an dem Wohnhaus bzw. der Druckerei von Renates Stiefeltern. Eine Szene wurde beim Torbogen des Krankenhauses Heidberg in Hamburg-Langenhorn gedreht, das heute zur Asklepios Klinik Nord gehört.[2]

Nachtfrost ist Finkes erster Fall ohne seinen Assistenten Jessner, gespielt von Wolf Roth, der allerdings in der Folge Kurzschluß noch einmal dabei ist. Stattdessen ist Franke sein Assistent, gespielt von Hans Peter Korff, der wenige Jahre später als Berliner Ermittler Behnke zwei Fälle löst. Franke ist in Reifezeugnis noch einmal Finkes Assistent, dann allerdings gespielt von Rüdiger Kirschstein. Nachtfrost hatte mit 76 % die höchste Sehbeteiligung aller gezeigten Tatort-Filme bei der Erstsendung.[3]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Tatort: Nachtfrost. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, August 2007 (PDF; Prüf­nummer: 110 958 DVD).
  2. Informationen (Memento vom 7. April 2016 im Internet Archive) zur Folge Nachtfrost. Dort wurde aber beim dickgeschriebenen Edit das Heidberg Krankenhaus (mit dem markanten Torbogen oder Portal) mit dem Krankenhaus Ochsenzoll (beides Asklepios Klinik Nord) verwechselt. Das auf der Website gewesene Foto des Tores ist beim Memento nicht mehr vorhanden.
  3. Cinema: Filmkritik, Stand 1. November 2008