Theater Brett

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Das Theater Brett ist ein Theater in Wien (seit 1978 als Freie Gruppe, seit 1984 mit eigenem Haus), das sich besonders um die Vernetzung der tschechischen und mitteleuropäischen mit der Wiener Theaterszene verdient gemacht hat, wofür es mit dem CENTROPE-Preis ausgezeichnet wurde.[1] Über ein Drittel der bisher etwa 150 Produktionen des Theaters waren Ur- und Erstaufführungen, hauptsächlich von Stücken tschechischer und österreichischer Autoren.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1978 wurde in Wien der Verein Theater Brett - Compagnie Brettschneider als freie Theatergruppe durch die tschechoslowakische Schauspielerin Nika Brettschneider (* 1951) und ihren Ehemann, den Theatermacher und Philosophen Ludvik Kavin (* 1943), gegründet. [2] Beide waren nach Unterzeichnung der Charta 77 aus der Tschechoslowakei ausgewiesen worden und hatten daraufhin in Österreich aufgrund einer diplomatischen Initiative von Bundeskanzler Bruno Kreisky politisches Asyl und in weiterer Folge auch die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten. Die erste Produktion des Ensembles war Das Licht der Welt von Jiří Kolář. Bis 1983 wurden an wechselnden Spielstätten in Wien insgesamt 19 verschiedene Inszenierungen zur Aufführung gebracht, teils als Duo- oder Soloperformance der Theatergründer, teils mit größerer Besetzung. Zudem fanden Tourneen und Gastspiele in vielen Ländern Europas sowie den USA statt. 1982 wurde Co-Theaterleiterin Nika Brettschneider für ihre Arbeit mit dem Förderungspreis der Kainz-Medaille ausgezeichnet.

Ab 1983 wurde die ehemalige Möbelfabrik Ludwig in der Münzwardeingasse 2 in Wien-Mariahilf für Theaterzwecke adaptiert und am 24. Jänner 1984 unter dem Namen Theater Brett als fixe Spielstätte des Ensembles eröffnet, mit der Inszenierung Das Labyrinth der Welt und das Paradies des Herzens nach Jan Amos Comenius. Der Theatersaal fasst bei Standardbestuhlung 99 Besucher und kann sowohl als klassische Guckkastenbühne bespielt, wie auch, dank variabler Tribünen, in unterschiedlichsten Formen als Raumbühne genutzt werden.

Seit Eröffnung des eigenen Theaters wurden dort durchschnittlich vier bis fünf Produktionen im Jahr herausgebracht, die üblicherweise en suite gespielt werden. Weiterhin fanden und finden darüber hinaus Gastspiele und Tourneen im In- und Ausland statt. Für die Regie waren und sind oft die Intendanten Brettschneider oder Kavin persönlich zuständig, ab 1995 kam als dritter Hausregisseur Christoph Prückner hinzu. Darüber hinaus arbeitete und arbeitet man regelmäßig mit Gastregisseuren vor allem aus Tschechien, der Slowakei und anderen mittel- und osteuropäischen Ländern, aber auch aus Österreich zusammen - darunter Arnošt Goldflam, Jaroslav Gillar, Petr Štindl, Vladimír Kelbl, Jiří Honzírek (alle Tschechien), Martin Porubjak (Slowakei), Milan Vukotic (Serbien), Barbara Novakovic (Slowenien), András Léner (Ungarn), Kitty Kino, Peter Hochegger, Lies Kató, Christine Wipplinger, Angelica Schütz (alle Österreich).

Von einer Theaterreform 1994/95 unter Kulturstadträtin Ursula Pasterk, die unter anderem beinhaltete, einer Reihe von Wiener Theatern die Subventionen zu streichen, war auch das Theater Brett betroffen. Im Unterschied zu den meisten anderen dieser Bühnen überstand das Brett die folgenden Jahre des finanziellen Engpasses, ohne schließen zu müssen, vor allem dadurch, dass in dieser Zeit der Spielplan fast ausschließlich mit Monodramen bestritten wurde (darunter die österreichische Erstaufführung von Thomas Brussigs Helden wie wir). Nach Amtsantritt von Pasterks Nachfolger im Kulturamt Peter Marboe erhielt das Theater Brett erneut Subventionen und konnte zu einem breiter gefächerten Repertoire mit größerem Ensemble zurückkehren.

Eine weitere Wiener Theaterreform gab es ab 2003 unter Andreas Mailath-Pokorny. Erneut wurden dem Theater Brett die finanziellen Zuwendungen radikal gekürzt. Dennoch hält das Theater den Spielbetrieb bis heute aufrecht, wenn auch teils mit reduzierten Mitteln (kleinere Ensembles oder Zweipersonenstücke), außerdem wurde das Haus vermehrt für Gastproduktionen anderer Ensembles geöffnet.

Die Gründerin und Co-Leiterin des Theater Brett Nika Brettschneider verstarb nach schwerer Krankheit am 30. Juni 2018.

Mitteleuropäisches Theaterkarussell[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2005 ist das Theater Brett einmal jährlich Veranstalter des Mitteleuropäischen Theaterkarussells, eines Festivals, das aktuelle Theaterproduktionen (von großen Bühnen wie etwa dem Nationaltheater Prag, aber auch von bekannten freien Gruppen und einzelnen Performern) in erster Linie aus den vier Visegrád-Ländern Tschechien, Slowakei, Polen und Ungarn, darüber hinaus auch aus Ländern wie Russland oder der Ukraine nach Wien holt. Zusätzlich werden internationale Theaterworkshops angeboten.

2013 wurden Nika Brettschneider und Ludvik Kavin für die Ausrichtung des Theaterkarussells von der Stadt Wien mit dem CENTROPE-Preis (für herausragende Leistungen im Bereich der grenzüberschreitenden Theaterzusammenarbeit in Mitteleuropa) ausgezeichnet. 2017 konnte das Festival erstmals mangels finanzieller Mittel nicht mehr ausgetragen werden.

Stil und Dramaturgie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Allgemeinen lässt sich der künstlerische Stil der Inszenierungen des Theater Brett als poetisch-realistisch bezeichnen. Besonderer Wert wird oft auf körperbetonte, bildhafte Darstellungsformen gelegt, gelegentlich, besonders in den Anfangsjahren des Theaters, mit Elementen aus Bewegungstheater, Pantomime, Maskenspiel oder Performance angereichert. Aber auch klassisches Sprechtheater findet genauso seinen Platz. Darüber hinaus wird oft mit den Mitteln des Armen Theaters (sowohl aus künstlerischen wie auch aus finanziellen Gründen) gearbeitet.

Die dramaturgische Ausrichtung des Theater Brett ist breit gefächert. Einer der Schwerpunkte liegt in der Auseinandersetzung mit Autorinnen und Autoren aus Ost- und Mitteleuropa, von denen einige erstmals im deutschsprachigen Raum bzw. in Österreich vorgestellt wurden, wie etwa Václav Havel, Jiří Kolář, Jaroslav Seifert, Milan Uhde, Bohumil Hrabal, Ladislav Klíma, Pavel Kohout, Karel Hynek Mácha oder Arnošt Goldflam aus Tschechien, Slavomir Mrozek oder Maria Wojtyszko aus Polen, Magda Szabó oder Krisztián Grecsó aus Ungarn, Fjodor M. Dostojewskij, Anton Tschechow oder Daniil Charms aus Russland, Drago Jančar aus Slowenien, oder Miloš Karásek aus der Slowakei.

Besonderer Wert wird aber ebenfalls auf österreichische Autoren gelegt, auch diese oftmals als Ur- oder Erstaufführung – gespielt wurden und werden unter anderem Friederike Mayröcker, Ernst Jandl, Peter Handke, Felix Mitterer, Gabriele Kögl, Herbert Berger, Armin Baumgartner, Werner Schwab, Jura Soyfer, Ingeborg Bachmann, Arthur Schnitzler oder Ferdinand Raimund.

Ein gezielter dramaturgischer Schwerpunkt befasste sich von 1996 bis 2002 mit deutschsprachigen Autoren aus Böhmen und Mähren – hierbei kamen zur Aufführung Werke von Paul Kornfeld, Gustav Meyrink, Leo Perutz, Marie von Ebner-Eschenbach, Christian Heinrich Spieß, Adalbert Stifter, Max Brod, Franz Kafka, Alexander Roda Roda und Hermann Ungar.

Eine Vorliebe hat man außerdem für Texte und Stücke aus dem Bereich des absurden und des surrealistischen Theaters, darunter auch einiges Unbekannte, etwa von Wassilij Kandinsky, Alfred Jarry, Boris Vian, Jean Cocteau, Pablo Picasso, Guillaume Apollinaire, Romain Weingarten, Samuel Beckett und Eugène Ionesco.

Auf die Bühne des Theater Brett kamen bislang fast 150 Inszenierungen, darunter mindestens 33 Uraufführungen, 18 österreichische oder deutschsprachige Erstaufführungen, sowie 2 tschechischsprachige Erstaufführungen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andrea Buršová: Dramatická umění - Portrét divadla Theater Brett do pádu „železné opony“ (Geschichte des Theater Brett bis 1989, in tschechischer Sprache, mit einer Auflistung sämtlicher Produktionen bis 2015 im Anhang). Online abrufbar hier: [1]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Centrope-Preis
  2. Vita Brettschneider und Kavin