Theater Lübeck

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Theaterfassade, 2013
Theater Lübeck, Großes Haus
Die Reliefs an der Fassade des Theaters
Professor Martin Dülfer aus Dresden (Erbauer)
Architekt Max Baudrexel (Leiter)


Das Theater Lübeck (früher: Bühnen der Hansestadt Lübeck oder kurz Stadttheater) wird von der Lübecker Theater gGmbH, einer Gesellschaft der Hansestadt Lübeck betrieben. Es ist eines der großen städtischen Theater in Norddeutschland mit über 180.000 Besuchern je Spielzeit.

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das bürgerliche Interesse an Schauspiel und Oper erwachte auch in Lübeck erst im Zuge der Aufklärung. Die erste Oper wurde am 2. Juni 1746 im Hause des Zimmermeisters Schröder Ecke Königstraße/Wahmstraße aufgeführt. Der Vorgängerbau des heutigen Theaters von 1752 und das Verhältnis von Ensemble zum städtischen Großbürgertum im 19. Jahrhundert wird ausführlich von Thomas Mann in seinen Buddenbrooks sowie von Ludwig Ewers in seiner Großvaterstadt beschrieben.

Zum Neubau des Theaters wurde 1905/06 eine Theaterneubaukommission gebildet. In die Kommission wurden vom Lübecker Senat die Senatoren Johann Hermann Eschenburg, Eugen Emil Arthur Kulenkamp und Julius Vermehren und aus dem Bürgerausschuss Johannes Daniel Benda, August Sartori (Pädagoge), H. Blunck, Heinrich Görtz, H. W. Behn, H. L. Fr. Stender und Hermann Otte gewählt. Als Ersatzmänner wurden Meyer, Ernst Wittern und Buchwald gewählt. Außerdem waren Baudirektor Johannes Baltzer und Baurat Eugen Deditius in der Kommission.[1] Die neuen Baugesetze des Jahres 1919, deren Vorarbeit bis in das Jahr 1906 zurückgingen, waren Deditius’ Hauptarbeit der späteren Zeit.

Martin Dülfer, der Sieger der Ausschreibung hatte einst im Atelier eines der Preisrichter, Karl von Großheim, gearbeitet.[2] Er entwarf und realisierte außerdem Theaterbauten z. B. in Meran, Duisburg und Sofia.

Das Theater in der Lübecker Altstadt wurde mithilfe von Spenden des Mäzens Emil Possehl durch den Dresdner Architekten Prof. Martin Dülfer sowie dessen örtlichen Bauleiter Max Baudrexel in der Beckergrube 10–14 neu im Jugendstil errichtet und im Oktober 1908 eröffnet. Es ersetzte damit den Vorgängerbau aus dem Jahr 1859, das sogenannte Casino-Theater. Das heutige Große Haus verfügte ursprünglich über 970 Sitzplätze und bis zu 78 Stehplätze (vgl. Abb.).

Die Reliefs im Hauptgesims der Sandsteinfassade sind eine Arbeit des Bildhauers Georg Roemer. Das Mittelfeld stellt Apollo und die neun Musen dar, jeweils seitlich Komödie und Tragödie. Die das Giebeldreieck tragende Gruppe von Karyatiden und Atlanten ist eine Arbeit des in Hamburg ansässigen Bauplastikers Karl Weinberger.

Von 1918 bis 1933 wurde in der Bürgerschaft die Schließung des Theaters und im Zusammenhang damit die Fusion mit Kiel, Rostock oder Schwerin diskutiert. Da die Fusion mit Kiel keine Einsparungen ergab und mit Rostock sich wegen der Eisenbahntarife als zu teuer erwies, wurden diese zu den Akten gelegt.[3]

1925 wurde der Festsaal in der 1. Etage des Theaters umgebaut. Seither befinden sich dort die Kammerspiele, in denen vorwiegend Sprechtheater geboten wird.

1937/38 erfolgte ein weiterer Innenumbau, bei dem ein Großteil der dekorativen Jugendstilelemente verloren ging.[4]

Ende der 1970er Jahre wurde im ehemaligen Speisesaal eine Studiobühne mit bis zu 100 variablen Plätzen für das Kinder- und Jugendtheater geschaffen.

In den Jahren 1992 bis 1996 wurde das Gebäude „generalsaniert“. Dabei wurden die Jugendstilornamente im Inneren des Gebäudes rekonstruiert, insbesondere die Saaldecke des Großen Hauses. Zugunsten des Brandschutzes und moderner Technik wurde dabei auf etwa 170 Sitzplätze verzichtet. Das Gebäude präsentiert sich seitdem als ein klarer Theaterbau der Jugendstilzeit.

Theater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Theater Lübeck vereint heute drei Bühnen in einem Gebäude. Im Großen Haus (rund 800 Plätze) wird eine Bühne mit 300 m2 Fläche zuzüglich Orchestergraben und umfangreicher Bühnenmaschinerie bespielt. In den Kammerspielen (rund 330 Plätze) steht eine Bühne mit 154 m2 Szenenfläche zur Verfügung. Das Angebot umfasste ursprünglich die drei klassischen Sparten. Nach Einstellung des Tanztheaters (Ballett) aufgrund von Sparmaßnahmen bietet es im Großen Haus, den Kammerspielen, und im Jungen Studio Musiktheater, Sprechtheater und Konzerte der Lübecker Philharmoniker und des Chores. Henry Vahl, Horst Frank oder Joachim Hermann Luger gehörten zum Ensemble des Theaters. Es gibt regelmäßig Aufführungen der Niederdeutschen Bühne, des Kinder- und Jugendtheaters, der Taschenoper Lübeck, sowie Projekte im Bereich Theaterpädagogik.

Orchester[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Philharmonische Orchester der Hansestadt Lübeck wurde 1897 durch den Verein der Musikfreunde Lübeck gegründet. Neben den jährlich neun Sinfoniekonzerten, sowie mehreren Kammerkonzerten, Sonder- und Extrakonzerten bestimmen die Lübecker Philharmoniker sowie der Chor und Extrachor des Theaters Lübeck seit 1908 maßgeblich das Klangprofil des Musiktheaters am Lübecker Stadttheater, dem sie organisatorisch zugeordnet sind. Das Philharmonische Orchester der Hansestadt Lübeck als B-Orchester mit 70 Musikern ist ein mit Lübeck, und mittlerweile der Hamburger Metropolregion, vielfältig verbundener Klangkörper. Die Orchesterakademie und das Internationale Opernelitestudio ermöglichen, dank der Possehl-Stiftung, eine enge Kooperation mit der Musikhochschule Lübeck, in dem für jeweils eine Spielzeit junge Gesangssolisten neben dem Studium in den Spielbetrieb integriert werden.

Dirigenten der frühen Zeit des Orchesters waren Hermann Abendroth (1905–1911), Wilhelm Furtwängler (1911–1915) und Eugen Jochum (1928/29). Von 1933 bis 1945 sollten sich Furtwängler und Abendroth andernorts immer wieder mit der nationalsozialistischen Herrschaft arrangieren. Auch in Lübeck betrieb man von 1933 bis 1945, ebenso wie an anderen Orten, aktiv die Ächtung und das Vergessen von Menschen und Werken.

In der Nachkriegszeit prägten das Philharmonische Orchester in Lübeck die Dirigenten Christoph von Dohnányi (1957–1963), Gerd Albrecht (1963–1966) oder Bernhard Klee (1966–1973). In der jüngeren und jüngsten Vergangenheit beförderten Erich Wächter (1989–2001), Roman Brogli-Sacher (2001–2012), Ryusuke Numajiri (2013–2017) und Andreas Wolf (2017–2019 kommissarischer GMD) Entwicklung und Wertschätzung des Philharmonischen Orchesters der Hansestadt.

Mit Stefan Vladar trat 2019 ein Dirigent und Pianist das Amt des Generalmusikdirektors an, der mit den Musikern des Orchesters und den Sängern der Chöre in der Konzerthalle ein herausragendes Antrittskonzert gegeben hat.

Seit der Gründung des Orchesters durch den Verein der Musikfreunde wurden zunächst der ehem. Saalbau Fünfhausen und das ehem. Casino-Theater, dann das Große Haus im heutigen Theaterbau und der Saal im „Kolosseum“ für Konzerte genutzt.

1994 bezogen die Lübecker Philharmoniker als neues Konzerthaus, die vom Architekten Meinhard v. Gerkan entworfene Musik- und Kongresshalle Lübeck. Der Konzertsaal der Halle verfügt über 1900 Plätze und bietet eine hervorragende Akustik. Die Mitglieder des Philharmonischen Orchesters und Besucher machen heute in unterschiedlichen Konzerten an unterschiedlichen Orten der Stadt in Freiheit und Vielfalt gemeinsame Klangerfahrungen: Während der Konzerte in der Musik- und Kongresshalle, im Theater Lübeck während der Aufführungen des Musiktheaters, während der Kammerkonzerte z. B. in den Museen, im Bibliothekssaal, im Rathaus sowie in den Kirchen der Altstadt.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Intendanten waren nach Ende des Zweiten Weltkriegs Friedrich Siems (1945–1947), Hans Schüler (1947–1951), Christian Mettin (1951–1959), Arno Wüstenhöfer (1959–1964), Walter Heidrich (1964–1968),[5] Karl Vibach (1968–1978), Hans Thoenies (1978–1991), Dietrich von Oertzen (1991–2000) und Marc Adam (2000–2007).

Im Jahr 2007 wurde die Leitungsstruktur des Theaters verändert und durch künstlerische Spartenleitungen ergänzt. Seither wird das Haus von einem Direktorium geleitet. Mitglieder waren Roman Brogli-Sacher und Ryusuke Numajiri.

Das Direktorium besteht zur Zeit aus dem Theaterdirektor Christian Schwandt, dem Generalmusikdirektor Stefan Vladar, der Operndirektorin Katharina Kost-Tolmein und dem Schauspieldirektor Pit Holzwarth.

62,5 Prozent der Anteile der Theater Lübeck gemeinnützigen Gesellschaft mit beschränkter Haftung hält die Hansestadt Lübeck, jeweils 12,5 Prozent der Landkreis Nordwestmecklenburg, die Kaufmannschaft zu Lübeck und die Gesellschaft der Theaterfreunde e. V. Lübeck.[6] Der Etat von rund 25 Mio. Euro (Stand 2018) wird durch Erlöse in Höhe von ca. 3,9 Mio. Euro, durch Zuschüsse der Hansestadt Lübeck (10,4 Mio. Euro) und durch den Kommunalen Finanzausgleich Schleswig-Holstein (10,5 Mio. Euro) finanziert.[7]

Die DVD-Edition einer Neuinszenierung des Ring des Nibelungen am Theater Lübeck wurde mit dem ECHO Klassik 2012 als DVD-Musikproduktion des Jahres ausgezeichnet.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Asmus: Die dramatische Kunst und Das Theater zu Lübeck. Ein Beitrag zur Geschichte des deutschen Theaters. Von Rohden, Lübeck 1862.
  • Friedrich Bruns, Hugo Rahtgens, Lutz Wilde: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Hansestadt Lübeck. Band I, 2. Teil: Rathaus und öffentliche Gebäude der Stadt. Max Schmidt-Römhild, Lübeck 1974, S. 379–385, ISBN 978-3-7950-0034-9.
  • Klaus Matthias: Grossbauten der Lübecker Innenstadt nach 1900. Von der Überwindung des Historismus zum Jugendstil. In: Der Wagen. 1992, S. 182–205 (S. 193 ff. zu Architektur und Bildprogramm der Fassade).
  • Carl Stiehl: Geschichte des Theaters in Lübeck. Borchers, Lübeck 1902.
  • Sidney Smith, Katharina Kost: Theater Lübeck. Geschichte, Räume, Höhepunkte, Menschen. Die 100. Spielzeit in Martin Dülfers Jugendstilbau. Hrsg.: Theater Lübeck. Schmidt-Römhild, Lübeck 2008, ISBN 978-3-7950-1288-5.
  • Günter Zschacke: Klingende Jahrzehnte – Die Lübecker Philharmoniker 1997-2017, Schmidt-Römhild, Lübeck 2017

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Theater Lübeck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lokale Notizen., in: Lübeckische Blätter, 48. Jahrgang, Nr. 1, Ausgabe vom 7. Januar 1906, S. 12.
  2. Geheimer Baurat Prof. Carl von Groszheim. In: Vaterstädtische Blätter. Jg. 1910, Nr. 44, Ausgabe vom 23. Oktober 1910.
  3. 100 Jahre Stadttheater – Der Opernliebhaber
  4. Helmut Weihsmann: Bauen unterm Hakenkreuz: Architektur des Untergangs. Promedia, Wien 1998, ISBN 3-85371-113-8, S. 621
  5. Wolfgang Tschechne: Lübeck und sein Theater. Die Geschichte einer großen Liebe. Reinbek 1996, S. 99.
  6. Gesellschaften der Hansestadt Lübeck (städtischer Anteil mindestens 50 %) In: Die Bürgerschaft der Hansestadt Lübeck – Aufgaben, Organisation, Kontakte Hansestadt Lübeck, Büro der Bürgerschaft, März 2006, S. 40.
  7. Lübecker Nachrichten vom 20. Juni 2019
  8. Auszeichnung für Der Ring des Nibelungen (Memento des Originals vom 14. Juli 2012 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.echoklassik.de auf echoklassik.de

Koordinaten: 53° 52′ 11″ N, 10° 41′ 11″ O