Theater Lübeck

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Theaterfassade, 2013
Theater Lübeck, Großes Haus
Die Reliefs an der Fassade des Theaters
Professor Martin Dülfer aus Dresden (Erbauer)
Architekt Max Baudrexel (Leiter)


Das Theater Lübeck (früher: Bühnen der Hansestadt Lübeck oder im Volksmund kurz Stadttheater) wird heute von der Lübecker Theater gGmbH, einer Gesellschaft der Hansestadt Lübeck betrieben. Es ist eines der großen Theater in Norddeutschland mit rund 180.000 Besuchern jährlich.

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Neubau des Theaters wurde 1905/06 eine Theaterneubaukommission gebildet. In die Kommission wurden vom Senat die Senatoren Johann Hermann Eschenburg, Eugen Emil Arthur Kulenkamp und Julius Vermehren und aus dem Bürgerausschuss Johannes Daniel Benda, August Sartori (Pädagoge), Blunck, Heinrich Görtz, H. W. Behn, H. L. Fr. Stender und Hermann Otte gewählt. Als Ersatzmänner wurden Meyer, Ernst Wittern und Buchwald. Außerdem waren Baudirektor Johannes Baltzer und Baurat Eugen Deditius in der Kommission.[1] Die neuen Baugesetze des Jahres 1919, deren Vorarbeit bis in das Jahr 1906 zurückgingen, waren Deditius’ Hauptarbeit der späteren Zeit.

Der Sieger der Ausschreibung hatte einst im Atelier eines der Preisrichter, Karl von Großheim, gearbeitet.[2]

Das Theater wurde im Jugendstil 1908 anstelle eines Vorgängerbaus aus dem Jahr 1859, des sogenannten Casino-Theaters, in der Beckergrube 10–14 der Lübecker Altstadt mit Spenden des Mäzens Emil Possehl durch den Dresdner Architekten Martin Dülfer sowie dessen örtlichen Bauleiter Max Baudrexel neu errichtet. Die Reliefs im Hauptgesims der Sandsteinfassade sind eine Arbeit des Bildhauers Georg Roemer. Das Mittelfeld stellt Apollo und die neun Musen dar, jeweils seitlich Komödie und Tragödie. Die das Giebeldreieck tragende Gruppe von Karyatiden und Atlanten ist eine Arbeit des in Hamburg ansässigen Bauplastikers Karl Weinberger.

1937/38 erfolgte ein Innenumbau, bei dem ein Großteil der dekorativen Jugendstil-Elemente verloren ging.[3]

In den Jahren 1992–96 wurde das Gebäude umfassend saniert. Dabei wurden die Jugendstil-Ornamente im Inneren rekonstruiert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das bürgerliche Interesse an Schauspiel und Oper erwachte auch in Lübeck erst im Zuge der Aufklärung. Die erste Oper wurde am 2. Juni 1746 im Hause des Zimmermeisters Schröder Ecke Königstraße/Wahmstraße aufgeführt. Der Vorgängerbau des heutigen Theaters von 1752 und das Verhältnis von Ensemble zum städtischen Großbürgertum im 19. Jahrhundert wird ausführlich von Thomas Mann in seinen Buddenbrooks sowie von Ludwig Ewers in seiner Großvaterstadt beschrieben.

Von 1918 bis 1933 wurde in der Bürgerschaft die Schließung des Theaters und im Zusammenhang damit die Fusion mit Kiel, Rostock oder Schwerin diskutiert. Da die Fusion mit Kiel keine Einsparungen ergab und mit Rostock sich wegen der Eisenbahntarife als zu teuer erwies, wurden diese zu den Akten gelegt.[4]

Theater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Theater Lübeck vereint drei Bühnen in einem Gebäude mit insgesamt 1220 Sitzplätzen. Das Angebot umfasste ursprünglich alle drei Sparten. Nach Einstellung des Tanztheaters (Ballett) aufgrund von Sparmaßnahmen bietet es im Großen Haus, den Kammerspielen und auf der Studiobühne Musiktheater, Sprechtheater und Konzerte des Philharmonischen Orchesters der Hansestadt Lübeck (Orchesterklasse B). Hier begannen Hermann Abendroth, Wilhelm Furtwängler[5] und Christoph von Dohnányi ihre Karrieren. Henry Vahl, Horst Frank oder Joachim Hermann Luger gehörten zu seinem Ensemble.

In Kooperation mit der Musikhochschule Lübeck besteht seit 2007 ein internationales Opernelitestudio am Theater, in dem für jeweils eine Spielzeit junge Gesangssolisten neben dem Studium in den Spielbetrieb integriert werden. Außerdem gibt es regelmäßig Aufführungen der Niederdeutschen Bühne, der Kinder- und Jugendoper (Taschenoper) sowie Projekte im Bereich Theaterpädagogik.

Intendanten waren nach Ende des Zweiten Weltkriegs Friedrich Siems (1945–1947), Hans Schüler (1947–1951), Christian Mettin (1951–1959), Arno Wüstenhöfer (1959–1964), Walter Heidrich (1964–1968),[6] Karl Vibach (1968–1978), Hans Thoenies (1978–1991), Dietrich von Oertzen (1991–2000) und Marc Adam (2000–2007).

Seit 2007 wird das Haus von einem Direktorium geleitet. Es besteht aus Geschäftsführender Theaterdirektion, Generalmusikdirektion, Operndirektion und Schauspieldirektion.

62,5 Prozent der Anteile der Theater Lübeck gemeinnützigen Gesellschaft mit beschränkter Haftung hält die Hansestadt Lübeck, jeweils 12,5 Prozent der Landkreis Nordwestmecklenburg, die Kaufmannschaft zu Lübeck und die Gesellschaft der Theaterfreunde e. V. Lübeck.[7]

Die DVD-Edition einer Neuinszenierung des Ring des Nibelungen am Theater Lübeck wurde mit dem ECHO Klassik 2012 als DVD-Musikproduktion des Jahres ausgezeichnet.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Asmus: Die dramatische Kunst und Das Theater zu Lübeck. Ein Beitrag zur Geschichte des deutschen Theaters. Von Rohden, Lübeck 1862.
  • Friedrich Bruns, Hugo Rahtgens, Lutz Wilde: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Hansestadt Lübeck. Band I, 2. Teil: Rathaus und öffentliche Gebäude der Stadt. Max Schmidt-Römhild, Lübeck 1974, S. 379–385, ISBN 978-3-7950-0034-9.
  • Klaus Matthias: Grossbauten der Lübecker Innenstadt nach 1900. Von der Überwindung des Historismus zum Jugendstil. In: Der Wagen. 1992, S. 182–205 (S. 193 ff. zu Architektur und Bildprogramm der Fassade).
  • Carl Stiehl: Geschichte des Theaters in Lübeck. Borchers, Lübeck 1902.
  • Sidney Smith, Katharina Kost: Theater Lübeck. Geschichte, Räume, Höhepunkte, Menschen. Die 100. Spielzeit in Martin Dülfers Jugendstilbau. Hrsg.: Theater Lübeck. Schmidt-Römhild, Lübeck 2008, ISBN 978-3-7950-1288-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Theater Lübeck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lokale Notizen., in: Lübeckische Blätter, 48. Jahrgang, Nr. 1, Ausgabe vom 7. Januar 1906, S. 12.
  2. Geheimer Baurat Prof. Carl von Groszheim. In: Vaterstädtische Blätter. Jg. 1910, Nr. 44, Ausgabe vom 23. Oktober 1910.
  3. Helmut Weihsmann: Bauen unterm Hakenkreuz: Architektur des Untergangs. Promedia, Wien 1998, ISBN 3-85371-113-8, S. 621
  4. 100 Jahre Stadttheater - Der Opernliebhaber
  5. Günter Zschacke: Furtwängler in Lübeck. Die Jahre 1911–1915 im Spiegel der Briefe von Lilli Dieckmann an ihre Mutter in Dresden. Hrsg. von "Orchesterfreunde - Verein Konzertsaal der Hansestadt Lübeck e. V.", Lübeck 2000
  6. Wolfgang Tschechne: Lübeck und sein Theater. Die Geschichte einer großen Liebe. Reinbek 1996, S. 99.
  7. Gesellschaften der Hansestadt Lübeck (städtischer Anteil mindestens 50 %) In: Die Bürgerschaft der Hansestadt Lübeck – Aufgaben, Organisation, Kontakte Hansestadt Lübeck, Büro der Bürgerschaft, März 2006, S. 40.
  8. Auszeichnung für Der Ring des Nibelungen auf echoklassik.de

Koordinaten: 53° 52′ 11″ N, 10° 41′ 11″ O