Theater an der Ruhr

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Theater an der Ruhr (2016)

Das Theater an der Ruhr wurde 1980 von dem italienischen Regisseur Roberto Ciulli und dem Dramaturgen Helmut Schäfer als gGmbH in Mülheim an der Ruhr gegründet. Die Stadt Mülheim wurde ebenfalls Gesellschafter der gGmbH. Das Konzept war eine künstlerische und wirtschaftliche Alternative zum herkömmlichen Modell kommunaler Bühnen, da ein im Vergleich hoher Eigenanteil bis heute zur Finanzierung des Etats durch Gastspiele und Drittmittel eingeworben wird. Die internationale Theaterarbeit und die Stiftung transkultureller Diskurse ist eine wesentliche konzeptionelle Säule des Theater an der Ruhr. 2001 wurde Sven Schlötcke Mitglied der künstlerischen Leitung, der u. a. professionelle Projekte für ein junges Publikum etabliert hat.

Seit 2019 besteht die künstlerische Leitung des Theater an der Ruhr aus dem Regisseur Philipp Preuss sowie den Dramaturgen Helmut Schäfer und Sven Schlötcke, der zudem Geschäftsführer ist.[1]

Spielorte sind seit 1981 die Mülheimer Stadthalle und das Theater an der Ruhr im Raffelbergpark, das in den 90er Jahren mit Mitteln des Landes Nordrhein – Westfalen saniert und zu einem vollwertigen Theater umgebaut wurde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1981 wurde das Theater an der Ruhr von Roberto Ciulli, Helmut Schäfer und Gralf-Edzard Habben gegründet. Die erste Premiere war Lulu von Frank Wedekind im November 1981. Von Beginn an waren die Inszenierungen so konzipiert, dass sie gastspielfähig waren. Die Gastspielreisen dienten in den ersten zwei Jahrzehnten auch wesentlich der Finanzierung des Theaters.

1988 wurde es von der Fachzeitschrift Theater heute zum Theater des Jahres gewählt, zudem zum Berliner Theatertreffen mit den Inszenierungen „Tote ohne Begräbnis“ (Sartre) und Peter Handkes „Kaspar“ eingeladen, Regie Roberto Ciulli.

Internationale Theaterarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Theater im Ausland

Einen großen Stellenwert hat die internationale Arbeit des Theaters, die von Anbeginn den Austausch favorisierte.

1983 erhielt das Theater an der Ruhr die erste Einladung ins Ausland auf das Theaterfestival in Parma (Italien) mit der Inszenierung des Sommernachtstraums von William Shakespeare. Ebenfalls 1983 gastiert das Theater mit Sommernachtstraum nach Zagreb und dem Belgrader Festival BITEF, die Inszenierung wird vom jugoslawischen Fernsehen aufgezeichnet. Die entstandenen Kontakte sorgen dafür, dass das Theater an der Ruhr 1985 das erste bundesdeutsche Theater sein wird, das in Jugoslawien auf Tournee geht, die jugoslawische Schauspielerin Gordana Kosanovic war Gründungsmitglied des Theater an der Ruhr.

Wichtige weitere Auslandstourneen: 1988 in Polen, 1990 in der Türkei, 1992 in Südamerika, 1994 wieder in der Türkei und erstmals in Russland, 1996 in Schweden, 2001 in Kasachstan, Usbekistan, Kirgisistan und Turkmenistan, sowie 2012 Kurdistan.

Zahlreiche Einladungen zu Theaterfestivals führten das Theater u. a. 1985 nach athen (Griechenland), 1998 nach Bogotá (Kolumbien) und 1999, 2000, 2001, 2004 und 2007 nach Teheran (Iran), 2013 nach Bejaia und Algier (Algerien) oder 2018 nach Budapest (Ungarn) und Neapel (Italien). Das Theater an der Ruhr war das erste westliche Theater, das nach der islamischen Revolution im Iran auftrat. Es folgten bis in die Gegenwart weitere Einladungen in verschiedene Länder.

Zu Gast im Theater an der Ruhr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Theater an der Ruhr organisierte zahlreiche Festivals in den letzten 30 Jahren. Außerdem gab es dem Roma-Theater Pralipe ein Asyl, als es im vom Bürgerkrieg zerstörten Jugoslawien nicht mehr existieren konnte. 2016 gründete sich das syrische Kollektiv Ma’louba am Theater an der Ruhr und erarbeitet hier seine Inszenierungen.

Wichtige Inszenierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Intendant Roberto Ciulli bei den Weißen Nächten 2007

Regie führte jeweils Roberto Ciulli:

In der Regie von Thomaspeter Goergen, seit 2004 Regiemitarbeiter von Roberto Ciulli, seit 2007 Regisseur am Haus:

In der Regie von Simone Thoma, seit 1993 Schauspielerin am Haus:

In der Regie von Karin Neuhäuser:

In der Regie von Friederike Felbeck, Regisseurin, von 1995 bis 2000 Regiemitarbeiterin am Haus,

Jugendarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den frühen 2000er Jahren erweitert das Theater an der Ruhr seine Jugendarbeit, nun werden auch professionell erarbeitete Inszenierungen Teil des Programms, die für junge Zuschauer gemacht sind; dies verstärkte die Zusammenarbeit mit den Schulen in der Region, von denen einige Partnerschaftsverträge mit dem Theater geschlossen haben.

Zur gleichen Zeit entwickeln einzelne Gruppen von Jugendlichen unter theaterpädagogischer Anleitung mehrere Produktionen, deren Vorstellungen am Ende der Theatersaison zu sehen sind.

Förderverein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Förderverein des Theater an der Ruhr, gegründet 1986, verleiht jährlich den Gordana-Kosanović-Schauspielerpreis.[2] Er fördert zudem die internationale Arbeit des Theaters sowie Projekte, die von oder für Jugendliche entwickelt werden.

Verschiedenes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 2. Juli 2012 wurde das umfangreiche Archiv des Theaters (Fotografien, Programmhefte, Plakate und Inszenierungsdokumente) offiziell an die Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln übergeben und damit öffentlich zugänglich gemacht.[3]

2021 wurde das Theater als eines von 11 Theatern mit dem Theaterpreis des Bundes ausgezeichnet. Die Würdigung war mit einem Preisgeld von 75.000 Euro verbunden.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinz-Norbert Jocks: Moderne und Mythos. Das Spiel um Kunst und Leben. Eine Liebeserklärung an das Theater an der Ruhr Theater Heute, Heft 6 Juni 1988, S. 4–11, Berlin 1988, ISSN 0040-5507.
  • Frank Raddatz: Botschafter der Sphinx: Zum Verhältnis von Ästhetik und Politik am Theater an der Ruhr. Theater der Zeit, Berlin 2006, ISBN 978-3-934344-76-1.
  • Alexander Wewerka, Jonas Tinius (Hrsg.): Der fremde Blick – Roberto Ciulli und das Theater an der Ruhr. Gespräche, Texte, Fotos, Material. Zwei Bände. Alexander Verlag, Berlin, 2020, ISBN 978-3-89581-491-4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Theater an der Ruhr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Über das Theater: Profil. In: theater-an-der-ruhr.de. Abgerufen am 10. Dezember 2022.
  2. Gordana-Kosanovic-Schauspielerpreis, auf kulturpreise.de, abgerufen am 1. Dezember 2022
  3. "Theater an der Ruhr" : Archivübergabe an die Uni Köln, General-Anzeiger vom 2. Juli 2012, abgerufen am 1. Dezember 2022
  4. Theaterpreis des Bundes 2021. In: iti-germany.de. Abgerufen am 6. Juli 2021.

Koordinaten: 51° 26′ 21″ N, 6° 49′ 25″ O