Todenhausen (Wetter)

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Todenhausen
Koordinaten: 50° 55′ 28″ N, 8° 42′ 17″ O
Höhe: 231 (202–236) m ü. NHN
Fläche: 2,33 km²[1]
Einwohner: 249 (30. Jun. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte: 107 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 35083
Vorwahl: 06423

Todenhausen ist ein Ortsteil von Wetter (Hessen) im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt nördlich von Wetter am Rande des Burgwaldes im Wetschaftstal. Durch den Ort verläuft die Bundesstraße 252. Am westlichen Ortsrand verläuft die Burgwaldbahn.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hugenotten- und Waldenserarchiv in der ehemaligen Volksschule in Todenhausen (Wetter), Eingangsbereich
Historische Grabsteine auf dem Todenhäuser Friedhof, zum Teil mit Familiennamen hugenottischen Ursprungs (Allié, Gombé)

Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Todenhausen erfolgte unter dem Namen Dudinhusen im Jahr 1349.[2] Der Ort bestand aus einer Mühle und drei Höfen. Im Jahre 1720 kamen Glaubensflüchtlinge aus Frankreich (Hugenotten und Waldenser) nach Todenhausen. Das waren etwa 40 Familien, die ihre Höfe entlang der Landstraße erbauen durften. Von da an wurden die Begriffe „Colonie“ und „Deutsch-Todenhausen“ geprägt. Die Traditionen dieser Hugenotten und Waldenser sind heute noch im Ort zu finden. Der Name Todenhausen hat nichts mit Tod oder Toten zu tun. Er stammt von dem ersten Bewohner oder Gründer namens Dudo. Im 20. Jahrhundert erfolgte ein Ausbau des Dorfes Richtung Norden. Der Bereich wird im Volksmund „Jackehausen“ genannt.

Im Jahr 1954 wurden durch Beschluss der Hessischen Landesregierung die beiden Gemeinden „Todenhausen-Colonie“ und „Deutsch-Todenhausen“ zu einer Gemeinde „Todenhausen“ zusammengeschlossen.[3]

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum 31. Dezember 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Todenhausen im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis in die Stadt Wetter (Hessen-Nassau) (damaliger Name der Stadt) eingegliedert.[4] Für den Ortsteil Todenhausen, wie für alle Ortsteile von Wetter, wurde ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung eingerichtet.[5]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Todenhausen lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[2][6]

Gerichte seit 1821[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Nun waren Justizämter für die erstinstanzliche Rechtsprechung zuständig, die Verwaltung wurde von Kreisen übernommen. Der Kreis Marburg war für die Verwaltung und das Justizamt Wetter war als Gericht in erster Instanz für Todenhausen zuständig. Das Oberste Gericht war das Oberappellationsgericht in Kassel. Untergeordnet war das Obergericht Marburg für die Provinz Oberhessen. Es war die zweite Instanz für die Justizämter.[11]

Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wurde das Justizamt Wetter 1867 zum königlich Preußischen Amtsgericht Wetter. Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung in den zum vormaligen Kurfürstentum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[12] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Wetter. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Marburg und das Appellationsgericht Kassel.[13]

Auch mit dem Inkrafttreten des Gerichtsverfassungsgesetzes (GVG) 1877 blieb das Amtsgericht bestehen. 1943 wurde dass Amtsgericht Zweigstelle des Amtsgerichts Marburg und 1946 wurde auch die Zweigstelle geschlossen. Der Bezirk des Amtsgerichts Wetter ging im Bezirk des Amtsgerichts Marburg auf.

In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Marburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Todenhausen 261 Einwohner. Darunter waren 9 (= 3,4 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 54 Einwohner unter 18 Jahren, 96 zwischen 18 und 49, 63 zwischen 51 und 64 und 60 Einwohner waren älter.[14] Die Einwohner lebten in 99 Haushalten. Davon waren 21 Singlehaushalte, 21 Paare ohne Kinder und 45 Paare mit Kindern, sowie 12 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 15 Haushalten lebten ausschließlich Senioren/-innen und in 60 Haushaltungen leben keine Senioren/-innen.[14]

Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle: Historisches Ortslexikon[2]
  – Deutsch-Todenhausen
um 1720: 7 Männer
um 1721: 7.5 Männer & 1 Frau
um 1722: 8 Männer & 1 Frau & 22 Kinder
1730: 7 Wohnhäuser
1742: 9 Haushalte
1787: 9 Häuser bzw. Feuerst, mit 60 Einwohner. Erwerbspersonen: ein Müller, ein Schmied, zwei Schneider, zwei Leineweber, zwei Tagelöhner, zwei Schäfer.
1811: 65 Einwohner
  – Kolonie Todenhausen
1720: 40 Familien
1730: 40 Wohnhäuser
1755: Aussiedlung von 13 Familien in die Kolonie Wiesenfeld, Kreis Frankenberg.
1758: 29 Wohnhäuser mit 113 Einwohner. Erwerbspersonen: ein Gastwirt, ein Perückenmacher, zwei Leineweber, zwei Schmiede, ein Schuhflicker, ein Tagelöhner
1780: 123 Einwohner.
1811: 186 Einwohner
  – Deutsch-Todenhausen und Kolonie
1838: 298 Einwohner. Familien: 36 nutzungsberechtigte, 14 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, ein Beisasse. Familien: 37 Ackerbau, 11 Gewerbe, 3 Tagelöhner.
1861: 144 evangelisch-reformierte, 156 evangelisch-lutherisch, ein römisch-katholischEinwohner
1961: 292 evangelische, 15 römisch-katholische Einwohner. Erwerbspersonen: 122 Land- und Forstwirtschaft, 34 Produzierendes Gewerbe, 15 Handel und Verkehr, 10 Dienstleistungen und Sonstiges.
Todenhausen: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2020
Jahr  Einwohner
1834
  
275
1840
  
296
1846
  
288
1852
  
308
1858
  
275
1864
  
287
1871
  
254
1875
  
255
1885
  
269
1895
  
263
1905
  
269
1910
  
300
1925
  
300
1939
  
300
1946
  
382
1950
  
371
1956
  
317
1961
  
307
1967
  
300
1976
  
315
1985
  
?
1995
  
283
2005
  
?
2011
  
361
2015
  
257
2020
  
249
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: LAGIS[2]; Städteatlas Hessen[15]; Stadt Wetter[16]; Zensus 2011[14]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle: Historisches Ortslexikon[2]
• 1861: 156 Einwohner evangelisch-lutherische, 144 evangelisch-reformierte, ein römisch-katholische Einwohner
• 1885: 269 evangelische (= 100 %) Einwohner
• 1961: 292 evangelische (= 95,11 %), 15 römisch-katholische (= 4,59 %) Einwohner

Erwerbstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle: Historisches Ortslexikon[2]
  Deutsch-Todenhausen
• 1787: ein Müller, ein Schmied, zwei Schneider, zwei Leineweber, zwei Tagelöhner, zwei Schäfer
  Kolonie Todenhausen
• 1758: ein Gastwirt, ein Perückenmacher, zwei Leineweber, zwei Schmiede, ein Schuhflicker, ein Tagelöhner
  Gemeinde (Kolonie und Deutsch-Todenhausen)
• 1838 Familien: 37 Ackerbau, 11 Gewerbe, 3 Tagelöhner
• 1961: Erwerbspersonen: 122 Land- und Forstwirtschaft, 34 Produzierendes Gewerbe, 15 Handel und Verkehr, 10 Dienstleistungen und Sonstiges.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Todenhausen gehört zum evangelischen Kirchspiel Wetter I.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsbeirat besteht aus fünf Personen, Ortsvorsteher ist Ralf Funk (Stand September 2009).

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Buslinie 61 des Regionalen Nahverkehrsverbandes Marburg-Biedenkopf von Wetter nach Marburg stellt den Öffentlichen Personennahverkehr sicher.
  • Eine Anbindung an das Schienenpersonennetz besteht über die Bahnhöfe Simtshausen und Wetter an die Burgwaldbahn.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sigrid Althaus: Hugenottendörfer um Marburg und Frankenberg (= Landeskundliche Bildbände Hessen. 2). Hitzeroth, Marburg 1989, ISBN 3-925944-76-1, Kapitel Todenhausen, S. 101–119.
  • Festausschuß und Ortsbeirat Todenhausen (Hrsg.): Colonie Todenhausen. 275 Jahre 1720–1995. Festschrift, herausgegeben anläßlich der 275-Jahrfeier der Colonie Todenhausen. Selbstverlag, Wetter-Todenhausen 1995.
  • Literatur über Todenhausen In: Hessische Bibliographie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Todenhausen – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Haushaltsplan 2021 (Statistische Angaben) der Stadt Wetter (PDF 7,3 MB). Abgerufen im Juni 2021.
  2. a b c d e f Todenhausen, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  3. Zusammenschluß der Gemeinden Todenhausen-Colonie und Deutsch-Todenhausen im Landkreis Marburg a. d. L., Regierungsbezirk Kassel, zu einer Gemeinde mit dem Namen „Todenhausen“ vom 1. Juli 1954. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1954 Nr. 29, S. 711, Punkt 654 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags).
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 402.
  5. Hauptsatzung. (PDF; 245 kB) § 7. In: Webauftritt. Stadt Wetter, abgerufen im Juni 2021.
  6. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  7. Georg Landau: Beschreibung des Kurfürstenthums Hessen. T. Fischer, Kassel 1842, S. 389 (online bei HathiTrust’s digital library).
  8. Die Zugehörigkeit des Amtes Wetter anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: Hessen-Marburg 1567–1604., Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt 1604–1638. und Hessen-Darmstadt 1567–1866.
  9. Kur-Hessischer Staats- und Adress-Kalender: 1818. Verlag d. Waisenhauses, Kassel 1818, S. 123 (online bei Google Books).
  10. Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 73 f.
  11. Neueste Kunde von Meklenburg/ Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und den freien Städten, aus den besten Quellen bearbeitet. im Verlage des G. H. G. privil. Landes-Industrie-Comptouts., Weimar 1823, S. 158 ff. (online bei HathiTrust’s digital library).
  12. Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)
  13. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 221–224http://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10509837~SZ%3D237~doppelseitig%3D~LT%3DPr.%20JMBl.%20S.%20221%E2%80%93224~PUR%3D)
  14. a b c Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,8 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 32 und 72;.
  15. Ursula Braasch-Schwersmann (Hrsg.): Wetter, Textheft. Marburg 2005, ISBN 3-87707-642-4, S. 16 (Online bei Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen [PDF; 334 kB]).
  16. Einwohnerzahlen seit 2015. aus den Haushaltsplänen. Stadt Wetter, archiviert vom Original; abgerufen im Juni 2021.