Total Eclipse – Die Affäre von Rimbaud und Verlaine

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Filmdaten
Deutscher TitelTotal Eclipse – Die Affäre von Rimbaud und Verlaine
OriginaltitelTotal Eclipse
ProduktionslandEngland, Frankreich, Belgien, Italien
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr1995
Länge111 Minuten
AltersfreigabeFSK 12
Stab
RegieAgnieszka Holland
DrehbuchChristopher Hampton
ProduktionJean-Pierre Ramsay Levi
MusikJan A. P. Kaczmarek
KameraYorgos Arvanitis
SchnittIsabel Lorente
Besetzung

Total Eclipse – Die Affäre von Rimbaud und Verlaine ist ein Spielfilm der polnischen Regisseurin Agnieszka Holland. Christopher Hampton schrieb das Theaterstück, das als Vorlage diente, sowie das Drehbuch.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film handelt von der selbstzerstörerischen homosexuellen Beziehung der französischen Lyriker Arthur Rimbaud (Leonardo DiCaprio) und Paul Verlaine (David Thewlis).

Beide wurden Vorreiter des Symbolismus und übten eine tiefe Wirkung auf die französische Literatur des 20. Jahrhunderts aus.

Der ältere Verlaine trifft sich mit Rimbauds Schwester in Paris. Sie verlangt die Übergabe aller anstößigen Briefe und Gedichte Rimbauds, um sie zu verbrennen. Verlaine erinnert sich an die unkonventionelle Beziehung zu Rimbaud:

Im September 1871 erhält der in Paris lebende Verlaine einen Brief des erst 16-jährigen Rimbaud. Die dem Brief beigelegten Gedichte begeistern Verlaine so sehr, dass er Rimbaud einlädt und diesem anbietet, mit ihm und seiner Frau Mathilde zusammenzuleben. Im Oktober 1871 wird Verlaine Vater eines Sohnes, doch seine Ehe zerbricht an der Beziehung zu Rimbaud: seine Frau wirft ihm vor, dass er Rimbaud mehr liebe als sie, was offenbar auch stimmt. Er pendelt zwischen Rimbaud, seiner Mutter und Mathilde. Im Juli 1872 verlässt Verlaine zusammen mit Rimbaud Paris, beide leben dann in Nordostfrankreich, England und Belgien. Nach einiger Zeit allein verlieben sie sich ineinander und haben miteinander auch Sex. Verlaine fühlt sich von Rimbaud, der sagt, Liebe existiere nicht, ausgenutzt, kann aber nicht von ihm lassen: er liebt seinen schönen Körper, bewundert aber auch sein Genie als Poet. Rimbaud sagt zu Verlaine: „Du weißt, dass ich dich sehr gerne mag.“ Sie trennen und versöhnen sich wiederholt. Als Verlaine Rimbauds Frage, ob er ihn liebe, bejaht, fordert ihn dieser auf, seine Hand auf den Tisch zu legen, was Verlaine tut, woraufhin ihm Rimbaud mit einem Messer in die Hand sticht und sagt: „Das Unerträgliche ist, dass nichts unerträglich ist.“ Anschließend kommt es zum Geschlechtsverkehr. Beide trinken viel Absinth und nehmen auch Drogen, doch sie befruchten sich gegenseitig in ihrer schriftstellerischen Arbeit. Zahlreiche bedeutende Werke entstehen in dieser Zeit. Verlaine behandelt seine Frau schlecht: im betrunkenen Zustand vergewaltigt er sie, brennt ihre Haare an und schlägt sie, sodass sie zu Ihrer Mutter flüchtet. Später ist Verlaine, immer wieder von seiner Mutter aufgesucht und unterstützt, vergeblich seine Frau kontaktierend, häufig depressiv. Als Verlaine mit Rimbaud in London ist, beantragt seine Frau die Scheidung. Rimbaud sagt: „Ich führe ein sinnloses, faules Leben in Armut als Konkubine eines kahlköpfigen, hässlichen, alternden, saufenden Lyrikdichters, der sich an mich klammert, weil seine Frau ihn nicht zurücknehmen will“ und „Deine Gesinnung ist so hässlich wie dein Körper.“ Als er ihn schließlich beleidigt mit „Du siehst aus wie eine Fotze“, lässt ihn Verlaine allein in London zurück und reist nach Brüssel.

Rimbaud verführt Verlaine, der ihre Beziehung fern jeder Konvention als befreiend empfindet und seine Kreativität als Schriftsteller wiederentdeckt. Ihre Beziehung ist geprägt von Gewalt, Anfeindungen und wiederholten Trennungen und Versöhnungen. Verlaine misshandelt seine Frau und verlässt sie schließlich. Er und Rimbaud unternehmen Reisen, die sie über England bis nach Belgien führen, wo es dann zum entscheidenden Eklat kommt: Verlaine schießt Rimbaud mit einer Pistole, die er gekauft hat, um seinem eigenen Leben ein Ende zu setzen, in die Hand und wird daraufhin wegen Sodomie und gefährlicher Körperverletzung zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. In der Haft findet Verlaine zu Gott und wird religiös. Rimbaud vollendet Une saison en enfer (1873) und beendet sein künstlerisches Schaffen im Alter von 21 Jahren.

Paul Verlaine und Arthur Rimbaud (links sitzend; Gemälde von Henri Fantin-Latour, 1872)

Verlaines Versuche, sich nach der Haft mit Rimbaud wieder zu versöhnen, scheitern. Bei ihrem letzten Treffen zwingt Rimbaud Verlaine, sich zu entscheiden: "Wähle zwischen meinem Körper oder meiner Seele!" Als Verlaine antwortet: "Ich will deinen Körper", entgegnet Rimbaud: "Du wirst jemand anderes finden müssen", wendet sich ab und verlässt ihn.

Rimbaud bereist in den folgenden Jahren Europa und Afrika. In Abessinien (Äthiopien) betreibt er einen Handelsstützpunkt. Er erkrankt an Knochenkrebs und kehrt nach 1891 nach Marseille zurück, wo ihm das Bein amputiert wird. Seine Schwester pflegt ihn bis zu seinem Tod.

Sie erzählt dem alten Verlaine, dass ein Priester Rimbaud die Beichte abgenommen und dieser Reue gezeigt habe. Demzufolge würden nur die zensierten Versionen seines Werks erhalten bleiben sollen. Verlaine geht scheinbar darauf ein, aber als Rimbauds Schwester gegangen ist, zerreißt er die Adresskarte, die sie ihm gegeben hat. Rimbaud zeigt sich ihm in einer Vision und gesteht ihm seine Liebe, die Verlaine mit seinem letzten Akt von Rebellion verdient hat.

Drehorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film wurde in Paris, Frankreich, Blankenberge und Antwerpen, Belgien, und in Djibouti gedreht.

Lob und Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemein gelobt wurde die schauspielerische Leistung von Leonardo DiCaprio und sein Mut, diese Rolle zu spielen.

Kritisiert wurde, dass im Film die hervorragende Bedeutung der beiden Poeten Verlaine und Rimbaud und ihr Einfluss auf die Literatur ihrer Zeit zu wenig deutlich wird.

Es wurde auch kritisiert, dass im Film meist nur die unglücklichen und dramatischen Szenen der beiden gezeigt wurden, wenig aber ihre glücklichen Momente.

Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

David Thewlis wurde für seine Rolle als Verlaine 1995 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes als bester Schauspieler ausgezeichnet.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • River Phoenix war ursprünglich für die Rolle des Rimbaud vorgesehen, aber wegen seines plötzlichen Todes wurde die Rolle umbesetzt.
  • John Malkovich sollte ursprünglich die Rolle des Verlaine übernehmen, aber er lehnte schließlich ab.
  • David Thewlis rasierte Teile seiner Haare auf dem Kopf ab, um so wie Verlaine auszusehen.
  • Fehler im Film: Im Café André, in dem die erwachsene Isabelle Rimbaud sich mit Paul Verlaine trifft, ist die Schrift auf dem Fenster in der Schriftart Helvetica geschrieben, eine Schrift, die erst 1954 erfunden wurde.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]