Mickey Rourke

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Mickey Rourke bei der US-Premiere von City Island am 26. April 2009 auf dem Tribeca Film Festival

Mickey Rourke (* 16. September 1952[1] als Philip Andre Rourke jr. in Schenectady, New York) ist ein US-amerikanischer Schauspieler. Zu seinem Geburtsjahr existieren unterschiedliche Angaben, so in verschiedenen seriösen Quellen unter anderem 1950 und 1952.[2] Von 1991 bis 1995 bestritt er acht Kämpfe als Profiboxer.

Kindheit und Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine Familie ist irischer Abstammung, sein Vater Philip war aus Cork eingewandert. Mickey Rourke ist das älteste von drei Kindern seines leiblichen Vaters, er hat eine Schwester (Patty) und einen Bruder (Joey). Letzterer starb 2004 nach langer Krebserkrankung, die bereits in der Kindheit bestanden hatte, im Alter von 50 Jahren. Der Vater betrieb eine Bar, war Hausmeister in einem Golfclub, Gewichtheber und starker Trinker. Die Familienatmosphäre war gewaltbelastet. Die Großmutter, die im selben Haus wohnte, war seine frühe Bezugsperson. Nach der Scheidung der Eltern – Rourke war sieben Jahre alt – zog seine Mutter mit den Kindern nach Miami, Florida. Ein Jahr später heiratete sie einen Polizeibeamten, der fünf Söhne mit in die neue Familie brachte. Auch diese Familienatmosphäre war vonseiten des Stiefvaters und der Stiefbrüder gewaltbelastet.

Rourkes Mutter betrieb in Liberty City, einem sozial problematischen Vorort von Miami, einen Waschsalon. Als Rourke 15 Jahre alt war, zog die Familie nach Miami Beach. Dort schloss er 1971 seine Schulzeit an der Miami Beach Senior High School ab. Herausragend waren seine Leistungen im Sport, vor allem Baseball und Boxen. Er trainierte an der Boxschule Fifth Street Gym, die vormals auch Muhammad Ali besucht hatte. Rourke bestritt zu dieser Zeit gute Trainingskämpfe, seine mangelhafte Trainingsdisziplin verhinderte jedoch größeren Erfolg.[3]

Schauspielausbildung und Theater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rourke wohnte nach dem Schulabschluss in einem Motel und bestritt seinen Lebensunterhalt durch Aushilfsarbeiten als Platzanweiser, Bau- und Lagerarbeiter. Bei der Ausübung einer Tätigkeit als Hilfsarbeiter lernte er ein Mitglied des örtlichen Theatervereins kennen, was zu einer Rolle in dem Jean-Genet-Stück Unter Aufsicht führte. Rourke wiederholte die Rolle mit Erfolg an einer zweiten Bühne. Dies war die Initialzündung für seine berufliche Ausrichtung als darstellender Künstler.

1975 ging er nach New York. Dort gelang ihm im zweiten Anlauf die Aufnahme am renommierten Actors Studio, wo er unter Sandra Seacat eine umfassende Schauspielausbildung im Method Acting nach Lee Strasberg erhielt, wie vor ihm auch schon Marlon Brando, Robert DeNiro und Steve McQueen, ein frühes schauspielerisches Vorbild für Rourke.[3] 1977 gab er in Arthur Millers A View from the Bridge in der Rolle des Eddie sein erfolgreiches Bühnendebüt.[4]

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mickey Rourke 2007 auf dem Film Festival in Cannes

Mit 16 Jahren gab Rourke nach einer Gehirnerschütterung eine erfolgversprechende Karriere als Amateurboxer zunächst auf. Er selbst sagte später, er musste „zurück in den Ring – um sich wieder wie ein Mann zu fühlen“.[5]

1979 wurde er von Steven Spielberg für 1941 – Wo bitte geht’s nach Hollywood (1978) entdeckt. Seinen Durchbruch hatte er Anfang der 1980er Jahre mit den Filmen American Diner, dem Erstlingswerk von Barry Levinson, und Rumble Fish unter der Regie von Francis Ford Coppola. Er spielte Hauptrollen in dem erotischen Film 9½ Wochen (1986) mit Kim Basinger, in Michael Ciminos Im Jahr des Drachen (1985), in dem okkulten Thriller Angel Heart (1987) von Alan Parker („cool, grob und verletzlich – gleichzeitig“ – Darren Aronofsky) und Barfly nach einem Drehbuch von Charles Bukowski.[6]

In den 1980er und 1990er Jahren, zu Zeiten von Rumble Fish, 9 1/2 Wochen und Angel Heart, war Rourke hoch geschätzt und als Ausnahmetalent bewundert; seine Leinwandpräsenz wurde verglichen mit der von James Dean, Marlon Brando oder Humphrey Bogart.[7]

Mit Wilde Orchidee (1990) gelang es ihm an der Seite von Jacqueline Bisset und Carré Otis, den Erfolg von 9½ Wochen zu wiederholen. Der Film spielte weltweit über 100 Millionen Dollar ein[8]. Noch im gleichen Jahr erschien der Michael Cimino-Thriller 24 Stunden in seiner Gewalt (mit Anthony Hopkins, einem Remake von An einem Tag wie jeder andere). Als der Film an der Kinokasse floppte, beschloss Rourke, doch Profiboxer zu werden. Er bestritt jedoch nur acht Kämpfe, von denen er sechs gewann und zwei unentschieden endeten. Allerdings zog er sich dabei diverse Verletzungen zu, wie z. B. eine gebrochene Nase, einen gebrochene Zehe und gebrochene Rippen. Er verletzte sich auch an der Zunge und an einem Wangenknochen.[9] Einmal litt er sogar an kurzzeitigem Gedächtnisverlust.[10]

In den 1990er Jahren musste er infolgedessen häufig mit Rollen in zweitrangigen Filmen vorliebnehmen, auch in Francis Ford Coppolas Der Regenmacher (1997) hatte er nur eine Nebenrolle.

2005 gelang ihm mit einer Hauptrolle in Sin City von Robert Rodriguez ein viel beachtetes Comeback. Auch seine Leistung als Kopfgeldjäger in Tony Scotts Domino (ebenfalls 2005) wurde von der Kritik gelobt, obwohl der Film floppte.

Am 8. November 2007 geriet Rourke wieder in die Schlagzeilen, als er wegen des Vorwurfs „Fahren unter Alkoholeinfluss“ aus dem Verkehr gezogen und anschließend ins Miami-Dade Pre-trial Detention Center (Untersuchungsgefängnis) eingeliefert wurde.[11]

Mit 56 Jahren glänzte er 2008[12][13] in Darren Aronofskys Film The Wrestler in der Rolle des Wrestling-Veteranen Randy „The Ram“ Robinson. Der Film gewann den Goldenen Löwen auf den 65. Filmfestspielen von Venedig.[14] Jurypräsident Wim Wenders bedauerte, dass aufgrund der Regularien der Festspiele Film- und Schauspielerauszeichnungen nicht kombiniert werden dürften. Mickey Rourke hätte sich mit seiner Leistung in The Wrestler auch für die Coppa Volpi empfohlen.[14] Neben zahlreichen weiteren Preisen erhielt er für The Wrestler den Golden Globe als bester Hauptdarsteller in einem Drama, den British Academy Film Award und seine erste Oscar-Nominierung.

Bis 1989 war Rourke mit der Schauspielerin Debra Feuer verheiratet, von 1992 bis 1998 mit dem US-amerikanischen Fotomodell Carré Otis.[15]

Seit Mai 2011 hat Mickey Rourke einen Zweitwohnsitz in Wiesbaden.[16] Anfang November 2011 erhielt er mit Autogramm, Hand- und Fußabdruck in einer Bodenplatte auf dem Hollywood Boulevard einen Platz vor dem Chinese Theatre.[17]

Zitate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

“He could break your heart with a look. The movie traveled to the moon every time he came onto the screen. Nobody could hold a candle to him. He was just there, didn’t have to say hello or goodbye.”

„Er konnte einem mit einem Blick das Herz brechen. Jeder Film wurde um Klassen besser, wenn er auf der Leinwand erschien. Niemand konnte ihm das Wasser reichen. Er war einfach da, er musste nicht einmal Hallo oder Wiedersehen sagen.“

Bob Dylan in seiner Autobiografie Chronicles Vol. I, Simon und Schuster, New York, 2004.

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusammenarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liste der Auszeichnungen
Jahr Auszeichnung Nominierung Film Resultat
1983 Boston Society of Film Critics Award Bester Nebendarsteller American Diner Gewonnen
National Society of Film Critics Bester Nebendarsteller
1987 Jupiter Bester Darsteller Angel Heart und Auf den Schwingen des Todes[18] Gewonnen
1988 Independent Spirit Awards Bester Darsteller Barfly
1991 Goldene Himbeere Schlechtester Darsteller Desperate Hours
Wilde Orchidee
2006 Saturn Award Bester Nebendarsteller Sin City Gewonnen
Chicago Film Critics Association Bester Nebendarsteller
Irish Film and Television Awards Bester Internationaler Darsteller
Online Film Critics Society Bester Nebendarsteller
Satellite Award Bester Nebendarsteller
Washington DC Area Film Critics Association Bestes Ensemble
Critics’ Choice Movie Award Bestes Ensemble
Total Film magazine Man of the Year Gewählt
2008 Moviefone Sexiest Movie Couple 9½ Wochen Gewählt
Golden Orange Award Ehrenpreis Gewonnen
Satellite Awards Bester Darsteller – Drama The Wrestler
Washington D.C. Area Film Critics Bester Darsteller Gewonnen
Goldener Löwe Bester Darsteller Gewonnen
San Francisco Film Critics Bester Darsteller Gewonnen
Broadcast Film Critics Bester Darsteller
San Diego Film Critics Society Bester Darsteller Gewonnen
Toronto Film Critics Association Bester Darsteller Gewonnen
Chicago Film Critics Association Bester Darsteller Gewonnen
Florida Film Critics Circle Bester Darsteller Gewonnen
Detroit Film Critics Society Bester Darsteller Gewonnen
2009 Golden Globe Award Bester Darsteller – Drama Gewonnen
Independent Spirit Award Bester Hauptdarsteller Gewonnen
BAFTA Award Bester Darsteller Gewonnen
Academy Awards Bester Hauptdarsteller
Chlotrudis Awards Bester Darsteller
Screen Actors Guild Awards Bester Hauptdarsteller
Santa Barbara International Film Festival Bester Hauptdarsteller Riviera Award Gewonnen
2010 Scream Awards Bester Bösewicht Iron Man 2 Gewonnen
2011 MTV Movie Awards Bester Bösewicht Iron Man 2

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mickey Rourke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gefängnis-Arrestierungsprotokoll der Polizei von Miami (PDF; 2,41 MB) nennt auf Seite 5 als Geburtsjahr 1952
  2. Mickey Rourke’s desperate truths. In: Magazin Salon, 15. Mai 2002 (englisch)
  3. a b Heinzlmeier, a. a. O., S. 19–22, Zurhorst, a. a. O., S. 19–23
  4. Quelle beachtete Leistung als „Eddie“ Heinzlmeier, a. a. O., S. 33
  5. Es gibt kaum etwas, das ich nicht bereue. In: Berliner Zeitung, 21. Februar 2009; Gespräch mit Mariam Schaghaghi
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatDavid Jenkins: Darren Aronofsky on the films behind ‘The Wrestler’. In: Time Out London. Abgerufen am 13. Februar 2009 (englisch): „cool, so tough and so soft at the same time“
  7. Quelle: Zeitdokument: Starporträt von 1987 auf der 2000 veröffentlichten DVD „Angel Heart“, Unterpunkt: Special Features, Unterpunkt: Star Portraits, Unterpunkt: Mickey Rourke. Kinowelt GmbH. Originaltext und Übersetzung: “Few actors working in Hollywood today [1987] can claim the admiration, curiosity and respect that this man, Mickey Rourke, can. He is – without question – one of the hottest young actors in the business. And in the opinion of those qualified to judge, one of the best. A former pretzel pusher on the sidewalks in the streets of New York, he is today being compared with the likes of James Dean, Marlon Brando, Robert de Niro and even Humphrey Bogart.” (deutsch: „Nur von wenigen Schauspielern, die heute [1987] in Hollywood arbeiten, kann man behaupten, dass sie ähnlich große Bewunderung oder solchen Respekt genießen, wie dieser Mann, Mickey Rourke. Er ist ohne Zweifel einer der gefragtesten jungen Schauspieler der Branche. Und laut Meinung derer, die das beurteilen können, einer der besten. Einst Brezelverkäufer auf den Bürgersteigen von New York City, wird er heute [1987] verglichen mit Größen wie James Dean, Marlon Brando, Robert de Niro und sogar Humphrey Bogart.“)
  8. Nachruf auf den Regisseur Zalman King (englisch)
  9. Mickey Rourke: I’ve hacked off so many people in Hollywood, who the hell would give me an Oscar? In: The Daily Mail, 20. Februar 2009
  10. Interview: Mickey Rourke. In: The Scotsman, 10. Januar 2009
  11. Mickey Rourke Busted … on a Vespa!! In: TMZ, 8. November 2007
  12. 65. mostra internazionale d’arte cinematografica. arte.tv
  13. Videointerview 2008 Filmfestspiele Venedig
  14. a b „The Wrestler“ gewinnt Goldenen Löwen in Venedig. In: welt.de, 8. September 2008
  15. Carré Otis – Damals und heute: Was machen die Topmodels der 80er und 90er Jahre? In: gmx.net
  16. Immobilien: Mickey Rourke wohnt jetzt in Wiesbaden. In: FAZ.net
  17. Mickey Rourke Autogramm Hollywood Walk of Fame. Akzeptanzrede auf laist.com, desgleichen auf youtube
  18. Übersicht Jupiter Awards