Totenmaske

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Totenmasken sind Gips- oder Wachsabdrücke vom Gesicht eines Verstorbenen.

Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herstellen einer Totenmaske um 1908

Früher wurde dazu eine dünne Schicht Gips auf das Gesicht der Person aufgetragen und in den frischen Gips ein Faden eingelassen, senkrecht verlaufend über Stirn, Nase, Mund und Kinn. Dann kam eine weitere Gipsschicht hinzu, die eine feste Kappe bildete. Vor dem vollständigen Erstarren der Masse wurde der Faden an beiden Enden gleichzeitig herausgezogen. Damit hatte man eine Naht geschaffen, um die Larve problemlos, zweigeteilt, vom Gesicht zu entfernen. Die Hälften wurden dann wieder zusammengefügt und kleine Abplatzer in dem Negativ repariert. Anschließend wurde diese wieder mit Gips ausgegossen und die Kappe (das Negativ) vorsichtig heruntergeschlagen. Daher redet man bei diesem Verfahren von einer sogenannten verlorenen Form. Vom Positiv wurde dann eine Stückform erstellt, die zur Herstellung weiterer Kopien herangezogen werden konnte (ein Indiz für eine Kopie, wie man es an einigen älteren Maskenkopien sehen kann: ein grobes Netz von Gussnähten zieht sich über die Maske).

Sogenannte Totenmasken wie die Goldmaske Agamemnons oder Tut-Anch-Amuns sind jedoch keine Totenmasken im Sinne dieser Definition, da sie zwar das Gesicht eines Toten bedeckten, aber nur eine freie Plastik darstellen.

Heutzutage werden Silikonmischungen oder ein spezielles Alginat zum Abgießen benutzt, da sie sich in der Abbildung kleinster Hautfeinheiten besser bewährt haben.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mongolische Totenmaske, Liao-Dynastie, 10. Jahrhundert

Seit dem Altertum kennt man Totenmasken, die sich insbesondere während der Klassik großer Beliebtheit erfreuten, um sich an die Verstorbenen besser erinnern zu können.

Viele Totenmasken bestanden in der Antike und im Alten Ägypten aus Gold, wobei die ägyptischen Masken keine Totenmasken im engeren Sinne sind, da sie frei gestaltet und nicht wie oben beschrieben auf dem Gesicht des Toten gearbeitet wurden. Zu den bekanntesten ägyptischen Masken zählt die Totenmaske des Tutanchamun. Eine weitere bekannte Maske eines Verstorbenen ist die Goldmaske des Agamemnon.

Unbearbeitete Totenmasken können auf den unvorbereiteten Betrachter durch den Anblick des eingefallenen Gesichts (wie z. B. bei der Totenmaske Friedrichs des Großen) abschreckend wirken. Deshalb wurden in der Renaissance viele Totenmasken nachträglich bearbeitet, so dass sie keine unverfälschten Aufschlüsse über das tatsächliche Aussehen des Verstorbenen geben können. Hauptsächlich dienten sie in allen Zeiten dazu, aus den Masken Bildnisse oder Büsten herzustellen.

Erst im 19. Jahrhundert erkannte man ihren Eigenwert und ihre Bedeutung für die Kunst. Deshalb wurden von vielen bedeutenden Persönlichkeiten Totenmasken abgenommen. Bei manchen Personen wurde die Maske bereits zu Lebzeiten angefertigt.

Im heutigen Bestattungswesen zählt die Herstellung von Totenmasken von Verstorbenen zu den Aufgabengebieten der Thanatopraxie.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Totenmaske Max Liebermanns von 1935 gehört zu den ungewöhnlichsten Abformungen. Auf Wunsch der Witwe hatte der Bildhauer Arno Breker den gesamten Kopf in höchster Perfektion abgeformt. Ein Bronzeabguss gehörte nach 1945 zur Sammlung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Er wird zeitweise im Jüdischen Museum Berlin ausgestellt. Ein Exemplar befindet sich im Museum Arno Breker.[1]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Benkard: Das ewige Antlitz. Eine Sammlung von Totenmasken. Frankfurter Verl.-Anst., Berlin 1927.
  • Michael Hertl: Totenmasken. Was vom Leben und Sterben bleibt. Thorbecke, Stuttgart 2002, ISBN 3799500995.
  • Urte Krass: Black Box Heiligenkult. Die Totenmaske als doppelte Schnittstelle. In: Katharina Hoins, Thomas Kühn, Johannes Mücke (Hrsg.): Schnittstellen. Die Gegenwart des Abwesenden (= Schriftenreihe der Isa Lohmann-Siems Stiftung. Bd. 7). Reimer, Berlin 2014, ISBN 978-3-496-02862-8, S. 150–171.
  • Claudia Schmölders: Die Totenmaske. Zum Reliquiar der Physiognomik. In: Jan Assmann, Rolf Trauzettel (Hrsg.): Tod, Jenseits und Identität. Perspektiven einer kulturwissenschaftlichen Thanatologie. Alber, Freiburg/München 2002, ISBN 3495479317, S. 173–193.
  • Caroline Welsh: Zur Kulturgeschichte der Totenmaske. In: Jonas Maatsch, Christoph Schmälzle (Hrsg.): Schillers Schädel. Physiognomie einer fixen Idee (= Begleitband zur Ausstellung "Schillers Schädel - Physiognomie einer fixen Idee", Schiller-Museum, Weimar, 24. September 2009 bis 31. Januar 2010). Wallstein, Göttingen 2009, ISBN 978-3-835-30575-5, S. 68–72.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Totenmaske – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Totenmaske – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Foto der Totenmaske Liebermanns von Arno Breker