Translationale Medizin

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Der Begriff Translationale Medizin (TM) umfasst die interdisziplinären Aktivitäten, die sich mit der schnellen und effizienten Umsetzung präklinischer Forschung in die klinische Entwicklung beschäftigen.

Definition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Konzept entstand in den 1990er Jahren und war zuerst unter dem Motto „bench to bedside“ (wörtlich: vom Labortisch zum Patientenbett, d. h. aus dem Forschungslabor in die klinische Anwendung) bekannt.

The European Society for Translational Medicine (EUSTM) definiert TM als „ein interdisziplinärer Zweig der Biomedizin, der durch drei Hauptsäulen unterstützt wird: die Forschung im Labor, die Behandlung am Krankenbett und die Gemeinschaft der Wissenschaftler. Das Ziel der TM ist es, verschiedene Disziplinen, Ressourcen, Expertisen und technisches Knowhow von Labor/Krankenbett/Wissenschaft(lern) zusammenzubringen, um eine Weiterentwicklung und Verbesserung der Prävention, Diagnose und Therapie zu fördern“.[1][2]

Praktisch bedeutet das, dass Entdeckungen in der Grundlagenforschung effizient zu potenzieller klinischer Anwendung geführt werden, indem man evidenzbasierten Leitlinien folgt und damit die verbesserte klinische Versorgung zu einer Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung führt.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

TM beschäftigt sich mit der Übersetzung von z. B. In-vitro-Modellen oder Tiermodellen auf die Anwendung am Menschen. Das können Labormethoden sein, die neue Wege in der Diagnose eröffnen, aber auch Erklärungsversuche, wieso eine bestimmte Krankheit unter bestimmten Bedingungen entsteht. Ein Beispiel wäre, die Bestätigung einer Theorie (Proof-of-concept), die mit einer Knock-out-Maus dargestellt wurde, in einer klinischen Studie am Menschen nachzuvollziehen, oder ein Medikament, das sich in Ratten als wirksam und sicher gezeigt hat, im Menschen zu erproben. Hierzu arbeiten interdisziplinäre Teams aus der Präklinik und der Klinik eng zusammen. Die Teams umfassen je nach Ziel u. a. Spezialisten aus den Bereichen Biologie, Biochemie, Biomedizin, Bioingenieurwesen, Medizin, Chemie, Pharmakologie, Pharmazie, Physiologie, Statistik, Toxikologie, Pharmakokinetik, Pharmakodynamik, experimentelle Medizin, Arzneimittelsicherheit. Bei der Entwicklung von neuen Medikamenten, die später zur Zulassung am Menschen kommen sollen, sind in diesem Stadium auch schon Spezialisten aus den Zulassungsabteilungen beteiligt, da es etliche ethische und regulatorische Hürden zu überwinden gilt, bevor eine 'First-in-man'-Studie starten kann. Durch die in den letzten Jahren deutlich gestiegenen gesetzlichen Anforderungen gibt es zunehmend eine Spezialisierung der Beteiligten auf diese Phase der Entwicklung. Zu diesem Zweck gründen Universitäten vermehrt Spin-Offs, die den Übergang von der rein akademischen Forschung in die kommerzielle Weiterentwicklung übernehmen. Manchmal wird auch dieser Übergang von akademischer auf kommerzielle medizinische Forschung als translationale Medizin bezeichnet, obwohl es die eigentliche Bedeutung nicht ganz trifft. Da die ersten Schritte in die klinische Anwendung sehr teuer sind und Erfahrung mit dieser sehr speziellen Phase der Entwicklung benötigen, kommen viele interessante Ansätze über diesen Schritt nicht hinaus. Deshalb hat das BMBF Kompetenzzentren für klinische Forschung eingerichtet, die sogenannten Koordinierungszentren für Klinische Studien (KKS). Diese sollen u. a. helfen, dass ein schnellerer Fortschritt vom Laborexperiment ans Patientenbett stattfindet.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pharmaforschung

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Randall J. Cohrs, Tyler Martin, Parviz Ghahramani, Luc Bidaut, Paul J. Higgins und Aamir Shahzad: Translational Medicine definition by the European Society for Translational Medicine, New Horizons in Translational Medicine, März 2015, Band 2 (3), S. 86–88: „An interdisciplinary branch of the biomedical field supported by three main pillars: benchside, bedside and community. The goal of TM is to combine disciplines, resources, expertise, and techniques within these pillars to promote enhancements in prevention, diagnosis, and therapies.“
  2. Gelegentlich und seltener findet man statt „Translationaler Medizin“ (analog „Translationale (Medizin)Forschung“) auch den Begriff „Translatorische Medizin“.