Trevira

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Trevira GmbH
Logo
Rechtsform GmbH
Gründung 1. Januar 2010
Sitz Bobingen, Deutschland
Leitung Klaus Holz[1]
Mitarbeiterzahl ca. 1100 (1. Januar 2017) [1]
Umsatz ca. 230 Mio (2016) [1]
Branche Chemiefasern (Polyesterfaserspezialitäten)
Website trevira.de

Die Trevira GmbH ist ein Hersteller von Markenfasern und -filamentgarnen für technische Anwendungen und Hygieneprodukte, Heimtextilien, Automobilinnenausstattungen und Funktionsbekleidung. Sitz des Unternehmens ist Bobingen bei Augsburg in Bayern.

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Trevira GmbH stellt textile Polyesterprodukte, insbesondere Fasern, Glatt-, Filament- und Texturgarne für Heimtextilien, Automobilinnenausstattungen, Bekleidung sowie für technische Textilien und Hygieneprodukte her. Die Produktionsmenge liegt bei jährlich rund 85.000 Tonnen Polyesterstapelfasern und -filamentgarnen. Zudem werden pro Jahr etwa 20.000 Tonnen Polyesterchips für den Verkauf an Dritte hergestellt (2016).[1] Der Anteil Fasern und Garne am Gesamtumsatz verteilt sich zu 19 % auf den Bereich Heimtextilien, zu 12 % auf Automobilinnenausstattungen, zu 44 % auf technische Textilien und Hygieneartikel sowie zu 10 % auf Bekleidung; auf Polyesterchips entfallen weitere 15 % (2016). Der Exportanteil in Länder außerhalb der Europäischen Union lag 2016 bei 24 %.[1] Trevira ist Marktführer für schwer entflammbare Polyesterfasern für Objekttextilien.[2]

Außer dem Hauptwerk in Bobingen hat das Unternehmen einen Produktionsstandort in Guben (Brandenburg) sowie ein Marketing- und Vertriebszentrum in Hattersheim bei Frankfurt am Main und einige Auslandsvertretungen.[1]

Internationale Zertifizierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen entstand aus der Kunstseidenfabrik Bobingen, die unter anderem Ballonseide für Heißluftballons produzierte. Ab 1931 bis 1941 war der Chemiker Adolf Kämpf Werksleiter. Kämpf veranlasste unter anderem den Bau einer eigenen Siedlung für die Arbeiter der Kunstseidenfabrik. 1933 wurde Trevira als Warenzeichen[3] eingetragen. Der Name Trevira beruht eigentlich auf einem Irrtum von Kämpf, der kein Einheimischer war: Er hatte den Namen von der römischen Bezeichnung der Stadt Augsburg (Augusta Vindelicorum) herleiten wollen, verwechselte ihn aber mit Augusta Treverorum, dem Namen von Trier. Auch als die Verwechslung aufgeklärt wurde, blieb der Markenname Trevira erhalten; seine Verwendung wechselte allerdings zunächst, zeitweise wurde sie gar nicht genutzt. In den Jahren 1946 und 1947 war Paul Schlack (der 1938 bei der Berliner Aceta GmbH in der I.G. Farben die Perlonfaser entwickelt hatte) in Bobingen zunächst Betriebsleiter für die Perlonfabrikation und später technischer Direktor der Kunstseidenfabrik (die im Nationalsozialismus ebenfalls zur I.G. Farben gehört hatte).

1952 wurde die Fabrik im Zuge der Entflechtung der I.G. Farben Teil der Farbwerke Hoechst AG, Schlack übernahm 1955 die Leitung der Hoechst-Faserforschung. Hoechst begann mit der Herstellung von Stapelfasern aus Polyester, die zunächst gemeinsam mit der Vereinigten Glanzstoff-Fabriken AG (der späteren Enka) unter der Marke Diolen vertrieben wurde. Erst seit Hoechst Anfang 1956 auch Polyester-Endlosfäden (Filamentgarne) entwickelte, benutzte man für diese den Namen Trevira. Die Polyestersparte expandierte rasch und wurde zum damals weltgrößten Polyesteranbieter. Weitere Werke in Berlin, Bad Hersfeld, Gersthofen (ebenfalls bei Augsburg), Offenbach und im Ausland entstanden.

Ab den 1970er Jahren verlegte man den Schwerpunkt zunehmend auf spezielle Funktionsfasern und -garne. Die Texturierbetriebe Ernst Michalke und Kaj Neckelmann in Dänemark wurden übernommen. 1980 kam mit der Submarke Trevira CS eine schwer entflammbare Faser auf den Markt, die bis heute ein Hauptprodukt des Unternehmens ist. 1987 übernahm Hoechst den Faserhersteller Celanese in den USA, nach der Wiedervereinigung Deutschlands das ehemalige Chemiefaserkombinat in Guben.

Seit 1996 wechselten mehrfach die Eigentümer, es kam zu Umstrukturierungen, Standortschließungen und -verlagerungen: 1998 wurde der europäische Bereich der textilen Polyesterprodukte in die Trevira GmbH & Co. KG ausgegliedert, 2000 erfolgte die vollständige Trennung von Hoechst und 2001 die Umwandlung in eine GmbH. Im August 2004 wurde die Trevira GmbH eine Tochtergesellschaft des weltgrößten Polyesterherstellers, der indischen Unternehmensgruppe Reliance Industries. Im Juni 2009 meldete Trevira (Trevira Group und Trevira Holding) Insolvenz an und begann mit einer umfangreichen Umstrukturierung.

Am 1. Januar 2010 wurde das operative Geschäft der Trevira Group und Trevira Holding von der neugegründeten Trevira GmbH übernommen. Die Eigentümer sind seit Juli 2011 die Indorama Ventures (Thailand) und die Sinterama (Italien).[4][5][6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g Internetseite der Trevira GmbH, abgerufen am 3. Februar 2018
  2. Trevira: Marktführer für schwer entflammbare Stoffe
  3. Markenregister Nr. 456828 Trevira 14. Februar 1933
  4. Schneider Geiwitz & Partner Pressemitteilung (PDF; 56 kB)
  5. Augsburger Allgemeine
  6. Augsburger Allgemeine Neue Bosse haben das Sagen