Trzebnica

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Trzebnica
Wappen von Trzebnica
Trzebnica (Polen)
Trzebnica
Trzebnica
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Powiat: Trzebnica
Fläche: 8,35 km²
Geographische Lage: 51° 18′ N, 17° 4′ OKoordinaten: 51° 18′ 0″ N, 17° 4′ 0″ O
Höhe: 160 m n.p.m.
Einwohner: 13.015
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 55-100
Telefonvorwahl: (+48) 71
Kfz-Kennzeichen: DTR
Wirtschaft und Verkehr
Straße: E261 LesznoBreslau
Nächster int. Flughafen: Breslau
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 46 Ortschaften
40 Schulzenämter
Fläche: 200,19 km²
Einwohner: 23.778
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 119 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0220033
Verwaltung (Stand: 2012)
Bürgermeister: Marek Długozima
Adresse: pl. Marszałka J. Piłsudskiego 1
55-100 Trzebnica
Webpräsenz: www.trzebnica.pl



Trzebnica [tʃɛbˈɲiʦa] (deutsch: Trebnitz) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Niederschlesien. Sie ist Sitz des Powiat Trzebnicki (Kreis Trebnitz).

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trebnitz nördlich von Breslau auf einer Landkarte von 1905

Die Kleinstadt liegt in Niederschlesien im Katzengebirge, etwa 20 Kilometer nördlich von Breslau.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rathaus am Ring.
St.-Peter-und-Paul-Kirche (13. Jahrhundert)
Triebwagen der Koleje Dolnośląskie am Bahnhof.

Trzebnica unter den schlesischen Piasten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahlreiche vorgeschichtliche Funde im benachbarten Dorf Massel (Masłów) bezeugen eine frühe Besiedlung des Trebnitzer Gebietes. Vor 1138 gehörte Trebnitz, das damals bereits Marktort war, dem Breslauer Vinzenzstift und dem schlesischen Magnaten Peter Wlast. Erstmals urkundlich erwähnt wurde es 1138, als Władysław II. der Vertriebene, Herzog von Schlesien, den ganzen Ort an sich brachte. Vermutlich wegen Władysławs Vertreibung 1146 verlor Trebnitz das Marktrecht an das benachbarte Zirkwitz (Cerekwica). Eine rege Siedlungstätigkeit des Gebietes um Trebnitz begann unter dem Sohn Władysławs II., Herzog Bolesław I., der 1163 aus der Vertreibung zurückgekehrt war. Dessen Sohn, Herzog Heinrich I., stiftete 1202 auf Bitten seiner Gemahlin Hedwig von Andechs das Zisterzienserinnenkloster Trebnitz, das er reich ausstattete und mit Zisterzienserinnen aus dem Bamberger Kloster St. Theodor besiedelte. Es war das erste Frauenkloster in Schlesien. Erste Äbtissin wurde Petrissa, die einstige Lehrerin Hedwigs aus dem mainfränkischen Kitzingen. Die Stiftungsurkunde wurde am 23. Juni 1203 in Trebnitz in Anwesenheit von Hedwigs Bruder, dem Bamberger Bischof Eckbert sowie Hedwigs Onkel, dem Bamberger Dompropst Poppo unterzeichnet.

1203 wurde das Marktrecht wiederhergestellt. Im selben Jahr wurde die Pfarrkirche St. Petri urkundlich erwähnt, die jedoch vermutlich schon 1138 existierte. In den nächsten Jahren errichtete das Herzogspaar die dreischiffige Klosterkirche. 1214 wurde die Krypta eingeweiht, 1219 der Chor. 1224 waren Dach und Glockenturm fertiggestellt. 1238 starb Herzog Heinrich I., fünf Jahre später seine Witwe Hedwig von Andechs. 1250 erhielt Trebnitz das deutsche Neumarkter Stadtrecht. Zwar gehörte die Stadt zur Ausstattung des Klosters, die Gerichtsbarkeit oblag jedoch nach der Teilung des Herzogtums Schlesien den Herzögen von Breslau. 1323 wurde die Gerichtsbarkeit über Trebnitz den Herzögen von Oels unterstellt.

Unter böhmischer Krone[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusammen mit dem Herzogtum Oels gelangte Trebnitz 1329 als ein Lehen an die Krone Böhmen, die 1526 an die Habsburger gelangte. 1413 wurden Kloster und Stadt durch einen Brand verheert. Beide wurden aus Privatmitteln der Äbtissin Anna Prinzessin von Kujawien wiederaufgebaut. 1430 wurden Kloster und Stadt von den Hussiten überfallen und ausgeraubt. Die verursachten Schäden wurden 1453 aus Privatmitteln der Äbtissin Prinzessin Margarethe († 1466), Tochter des Herzogs Konrad V. von Oels beseitigt. Da das Kloster Trebnitz ständig bestrebt gewesen war, alle herzoglichen Rechte über seine Besitzungen zu erwerben, wurden ihm diese schließlich 1480 von Herzog Konrad von Oels übertragen. Im 16. Jahrhundert verursachten wiederholte Brände große Schäden, zudem wütete 1596 die Pest, der 1600 Menschen zum Opfer fielen. Im Dreißigjährigen Krieg wurden Stadt und Kloster mehrmals von schwedischen Truppen geplündert. 1697–1726 wurden die Klostergebäude neu errichtet, 1730 das neue Rathaus und 1741−1747 erhielt die Klosterkirche eine neue Innenausstattung.

Preußische Herrschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Ersten Schlesischen Krieg fiel Trebnitz mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen. Für das Jahr 1776 sind in Trebnitz 1974 Einwohner belegt. Am 17. August 1810 starb die letzte Fürstäbtissin Dominika von Gillern. Am 11. November 1810 folgte die Säkularisation des Klosters, das damit auch die Grundherrschaft in Trebnitz verlor. Die Klosterkirche wurde zur katholischen Pfarrkirche umgewidmet. Der Klosterbesitz, einschließlich der Stadt Trebnitz, ging in Staatsbesitz über und wurde später verkauft. Ein Teil der Klostergebäude wurde zeitweise als Textilfabrik genutzt. 1870 wurde ein Teil der Gebäude von den Maltesern erworben, den Rest erwarben die Borromäerinnen, die in Trebnitz ihr Generalmutterhaus einrichteten.

Bereits 1816 war der Landkreis Trebnitz eingerichtet worden, der zum Regierungsbezirk Breslau gehörte. Von den 3129 Einwohnern im Jahre 1880 waren 3129 protestantisch, 1699 katholisch und 89 gehörten dem jüdischen Glauben an. 1886 erhielt Trebnitz Eisenbahnanschluss mit Breslau.

Ab 1888 erlangte die Stadt eine Bedeutung als Kurort. Der Kurkomplex mit zahlreichen Villen im Neobarock- und Jugendstil entstand nach Entwurf des Breslauer Architekten Hubert Jantke. 1897 erfolgte die Elektrifizierung. 1898 nahm die Kleinbahn, die als „Der fliegende Trebnitzer“ bezeichnet wurde, ihren Betrieb auf. Nachfolgend siedelten sich auch Breslauer in Trebnitz an. 1902 wurde ein neobarockes Krankenhaus mit Kapelle errichtet. 1910 erfolgte der Bau einer Gasanstalt. 1939 wurden 8500 Einwohner gezählt.

1945 bis heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1945 gehörte Trebnitz zum Landkreis Trebnitz im Regierungsbezirk Breslau der preußischen Provinz Niederschlesien des Deutschen Reichs.

Während des Zweiten Weltkriegs besetzte die Rote Armee am 25. Januar 1945 die Stadt, die von dem Volkssturmbataillon Trebnitz, zwei Sturmgeschützen und einem Panzerspähwagen verteidigt worden war. In den nächsten fünf Tagen zerstören sowjetische Soldaten etwa 60 % der Häuser der Stadt durch Plünderung und Brandschatzung. Das historische Stadtzentrum wurde vernichtet. Das Kloster und die Kirche blieben verschont.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Trebnitz von der sowjetischen Besatzungsmacht im Mai 1945 wie fast ganz Schlesien unter polnische Verwaltung gestellt. Die Stadt erhielt den polnischen Namen Trzebnica. Die deutsche Bevölkerung wurde in der Folgezeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde aus Trebnitz vertrieben. Die neu angesiedelten Bewohner waren zum großen Teil Aussiedler aus an die Sowjetunion gefallenen Gebieten östlich der Curzon-Linie, der sogenannten Kresy, hatten dort der polnischen ethnischen Minderheit angehört und waren nach Kriegsende an ihren Heimatorten vor die Wahl gestellt worden, entweder eine andere Staatsangehörigkeit zu akzeptieren oder auszuwandern.

Der Wiederaufbau der Stadt erfolgte nur langsam. Noch 1951 gab es um das Rathaus beinahe keine Häuser. Die neuen Wohnblöcke wurde in Plattenbauweise im „sozialistischen Stil“ errichtet. Die Wallfahrten zum St.-Hedwigs-Grab wurden bald wieder aufgenommen.

Von wirtschaftlicher Bedeutung ist die landwirtschaftlich geprägte Milch- und Holzbearbeitungsindustrie. Einen Teil seiner Einkünfte bezieht Trzebnica aus dem Kurbetrieb und der Touristik. Viele der Einwohner sind im nahen Breslau beschäftigt.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1875 4.744 [2]
1880 4.783 [2]
1890 5.333 davon 3.346 Evangelische, 1.904 Katholiken und 79 Juden[2]
1933 8.719 [2]
1939 8.505 [2]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kapelle der Vierzehn Nothelfer
  • Klosterkirche mit den Gräbern der hl. Hedwig von Andechs und ihrem Gemahl Herzog Heinrich I. „dem Bärtigen“ sowie dem Hochmeister des Deutschen Ordens Konrad von Feuchtwangen
  • Säule mit dem böhmischen Landesheiligen Johannes von Nepomuk auf dem Vorplatz der Klosterkirche.
  • Die St.-Petri-Pfarrkirche (seit 1994 Kośćiół par. ŚŚ Piotra i Pawła) aus dem 13. Jahrhundert wurde vermutlich vom Magnaten Peter Wlast gestiftet. 1853–1855 wurde sie im Stil der Neugotik neu errichtet. Erhalten wurde der gotische Turm, sowie der Taufstein aus dem Jahre 1505. Von 1525 bis Kriegsende 1945 diente die Kirche als evangelisches Gotteshaus. Ab 1947 wurde sie zweckentfremdet als Lagerhaus genutzt. 1987 wurde sie der katholischen Pfarrei übergeben und danach restauriert und wiederaufgebaut. Seit 1994 ist sie katholische Pfarrkirche, die den Aposteln Peter und Paul geweiht ist.
  • Das Rathaus auf dem rechteckigen Marktplatz wurde in seiner heutigen Form 1858/69 errichtet.
  • Auf dem ovalen Burghügel nordwestlich des Rings befand sich die 1322 bezeugte herzogliche Burg. 1432 wurde sie geschleift.
  • Das Stadtmuseum befindet sich in einem barocken Bürgerhaus aus dem 17. Jahrhundert.
  • Südöstlich der Stadt im Buchenwald (ul. Leśna) befindet sich ein Kreuzweg mit einer Einsiedelei sowie einer neugotischen Kapelle der Vierzehn Nothelfer. Sie entstand 1886 nach Entwurf von Hubert Jantke an der Stelle einer Kapelle aus dem Jahr 1496. Der sie umgebende Friedhof wurde um 1970 eingeebnet. Die Einsiedelei ist von vielen alten Legenden umwoben.

Stadtwappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stadtwappen zeigt zwei goldene gekreuzte Schlüssel in Blau, mit den Bärten nach oben gekehrt, zwischen ihnen der weiße und bärtige Kopf des Apostels Petrus mit Gloriole.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Stadt- und Landgemeinde Trebnitz (Trzebnica) gehören 40 Ortsteile (deutsche Namen bis 1945)[3] mit einem Schulzenamt:

  • Będkowo (Bentkau)
  • Biedaszków Mały (Klein Biadauschen, 1936–1945: Margaretenmühle)
  • Biedaszków Wielki (Groß Biadauschen, 1936–1945: Heidegrund)
  • Boleścin (Pollentschine, 1937–1945: Eichendorf)
  • Brochocin (Brockotschine, 1937–1945: Moltketal)
  • Brzezie (Briesche)
  • Brzyków (Brietzen)
  • Cerekwica (Zirkwitz)
  • Domanowice (Domnowitz, 1936–1945: Germanengrund)
  • Droszów (Droschen)
  • Głuchów Górny (Ober-Glauche)
  • Jaszyce (Jeschütz)
  • Jaźwiny (Werndorf)
  • Kobylice (Kobelwitz)
  • Koczurki (Kotzerke)
  • Komorowo (Groß Kommerowe, 1936–1945: Hasdingen)
  • Komorówko (Klein Kommerowe, 1936–1945: Waldkirch)
  • Koniowo (Groß Cainowe, 1936–1945: Kainowe)
  • Księginice (Kniegnitz)
  • Kuźniczysko (Groß Hammer)
  • Ligota (Kloch-Ellguth, 1937–1945: Kloch-Felde)
  • Malczów (Maltschawe, 1936–1945: Kleinau)
  • Małuszyn (Maluschütz, 1936–1945: Erbenfelde)
  • Marcinowo (Groß Märtinau)
  • Masłowiec (Maßlisch Hammer)
  • Masłów-Nowy Dwór (Massel-Neuhof)
  • Piersno (Pirschen)
  • Raszów (Raschen)
  • Rzepotowice (Klein Märtinau)
  • Skarszyn (Skarsine, 1936–1945: Sauerbrunn)
  • Skoroszów (Katholisch Hammer)
  • Sulisławice (Zülzendorf)
  • Szczytkowice (Schickwitz)
  • Świątniki (Groß Schwundnig)
  • Taczów Mały (Klein Totschen)
  • Taczów Wielki (Groß Totschen)
  • Ujeździec Mały (Klein Ujeschütz)
  • Ujeździec Wielki (Groß Ujeschütz )
  • Węgrzynów (Pflaumendorf)

Weitere Ortschaften der Gemeinde sind Blizocin (Neuwalde), Bukowiec, Janiszów, Kanice, Koniówko und Trzy Chałupy.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Trzebnica – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. a b c d e http://www.verwaltungsgeschichte.de/trebnitz.html
  3. Das Genealogische Orts-Verzeichnis