Ulrich Marseille

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Ulrich Marseille (* 23. Dezember 1955 in Bremerhaven als Ulrich Hansel) ist ein deutscher Unternehmer und Politiker.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Eltern von Ulrich Hansel starben früh. Danach wuchs der Junge bei der Familie Marseille, Freunden seiner Eltern auf. Theo und Ilse Marseille bauten nach dem Krieg mit Filmtheatern ein florierendes Unternehmen auf. Theo Marseille entstammt einer Seidenweberfamilie aus Krefeld. Gemeinsam mit Hansel gründete er 1984 ein Unternehmen, aus dem die Marseille-Kliniken hervorgingen. Ulrich Hansel wurde nach dem Tod von Theo Marseille von dessen Frau Ilse adoptiert, um auch selbst den Namen des Unternehmens zu tragen. Nach dem Abitur studierte Marseille an der Universität Bremen Volkswirtschaftslehre und Rechtswissenschaften, ohne den Abschluss zu erreichen.

Unternehmer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1984 eröffnete Marseille das erste eigene Pflegeheim Senioren-Wohnpark Langen mit 40 Pflegebetten.[1] Dieses war der Grundstock für das expandierende Unternehmen Marseille-Kliniken AG. Nach der deutschen Wiedervereinigung wuchs die Marseille-Kliniken AG durch die Erschließung neuer Standorte in den neuen Bundesländern dynamisch weiter; das Unternehmen verfügt in 60 Einrichtungen über rund 8.000 Betten. 1994 wurde Marseille Vorstandsvorsitzender der börsennotierten Marseille-Kliniken AG. Seit 1996 hat er einen Sitz im Aufsichtsrat des Tochterunternehmens Karlsruher-Sanatorium AG. Die Karlsruher-Sanatorium AG betreibt Rehabilitationskliniken in Baden-Württemberg und Hessen. 1999 gab er den Vorstandsvorsitz der Marseille-Kliniken AG ab und wechselte in den Aufsichtsrat des Unternehmens. Im März 2003 übernahm er den Aufsichtsratsvorsitz der Marseille-Kliniken AG. Als im März 2010 der damalige Vorstandsvorsitzende Axel Hölzer - offiziell „aus gesundheitlichen Gründen“ - sein Amt niederlegte, übernahm Marseille wieder diese Aufgabe.[2] Im Juli 2011 kündigte er aufgrund verschiedener Gerichtsverfahren, in denen er strafrechtlich verurteilt wurde (siehe unten: „Gerichtsverfahren“), seinen Rücktritt an. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Estella-Maria hält Ulrich Marseille eine Aktienmehrheit von rund 60 Prozent an dem Unternehmen.

Im Jahr 2000 wurde gemeinsam mit Donald Trump und der Trump Organization die TD Trump Deutschland AG gegründet zur Planung und Vermarktung eines „Trump Towers“ in Deutschland. Als Standort waren Frankfurt,[3] Berlin[4] und letztlich Stuttgart geplant.[5][6][7] Die TD Trump Deutschland AG wurde 2005 unter Streitigkeiten mit Trump und staatsanwaltlichen Ermittlungen aufgelöst.[8][9][10][11]

Politiker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2001 trat Marseille in die Partei Rechtsstaatlicher Offensive – die so genannte „Schill-Partei“ – ein und war deren Spitzenkandidat bei der Landtagswahl von Sachsen-Anhalt 2002. Die Partei scheiterte damals mit 4,5 % der Stimmen an der Fünf-Prozent-Hürde. Im gleichen Jahr kam er in die Schlagzeilen, weil er den Hamburger Parteivorsitzenden Ronald Schill in seinem Privatflugzeug von Hamburg nach München geflogen hatte, damit dieser dort eine Haarprobe zur Entkräftung von Gerüchten des Kokainmissbrauchs abgeben konnte. 2003 trat Marseille aus der Partei aus.[12]

Gerichtsverfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Verfahren Marseilles durch alle Instanzen bis zum Bundesverfassungsgericht zur Zulassung zum juristischen Staatsexamen ging zu seinen Ungunsten aus. Nachdem er 1983 das erste Staatsexamen nicht bestanden hatte, hatte er versucht, sich für die Nachprüfung eine juristische Examensarbeit zu kaufen. Marseille klagte erfolglos gegen die Entscheidung des Prüfungsamtes, das ihn von weiteren Prüfungen ausgeschlossen hatte, nachdem sein Täuschungsversuch ans Licht gekommen war.[13][14][15] Trotzdem wird Marseille in den Medien gelegentlich als Jurist bezeichnet, was rechtlich allerdings nicht angreifbar ist, da "Jurist" (etwa im Gegensatz zu "Rechtsanwalt") keine geschützte Berufsbezeichnung ist.

2009 wurde Marseille vom Landgericht Halle wegen Versuchs der Anstiftung zur Falschaussage in Tateinheit mit versuchter Nötigung zu einer zur Bewährung ausgesetzten Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt, weil er 2000 versucht haben soll, durch einen Drohbrief auf das Aussageverhalten eines Zeugen in einem Schadensersatzprozess vor dem Oberlandesgericht Naumburg Einfluss zu nehmen. Ihm wurde die Auflage erteilt, 6 Mio. € an die Staatskasse zu zahlen.[16] Das Oberlandesgericht Naumburg wies Marseilles Revision gegen das Urteil zurück, änderte jedoch die Geldauflage ab.

In einem anderen Verfahren wurde Marseille 2010 vom Landgericht Halle wegen Bestechung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Mit Abschluss des Revisionsverfahrens beim Oberlandesgericht Naumburg ist das Urteil seit Juli 2011 endgültig rechtskräftig.[17][18]

Marseille erklärte wenige Tage nach dem Urteil gegenüber dem Magazin Wirtschaftswoche zunächst nur seine Bereitschaft zum Rücktritt von seinem Posten als Vorstandsvorsitzender, um Schaden von den Marseille-Kliniken abzuwehren.[19] Nur sechs Tage später teilt das Manager Magazin die Demission Marseilles mit.[20]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Marseille-Kliniken Unternehmen
  2. [1] Adhoc-Mitteilung, 5. März 2010 „Axel Hölzer legt aus gesundheitlichen Gründen sein Amt als Vorstandsvorsitzender der Marseille-Kliniken AG mit sofortiger Wirkung nieder - Der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Ulrich Marseille übernimmt temporär den Vorstandsvorsitz“
  3. Peter Badenhop: Mega-Hochhaus in Frankfurt: Donald Trump hat nicht geliefert. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 4. Februar 2016, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 30. Oktober 2016]).
  4. Hochhäuser in Berlin: Ein Trump-Tower für den Alex. (tagesspiegel.de [abgerufen am 30. Oktober 2016]).
  5. Der Turmbau zu Schwaben: - WELT. In: DIE WELT. Abgerufen am 30. Oktober 2016.
  6. TRUMP TOWER: ASP Architekten. In: asp-architekten.eu. Abgerufen am 30. Oktober 2016.
  7. Stuttgarter Zeitung, Stuttgart, Germany: Serie: Ablage P (4): Der Trump Tower - eine Luftnummer. In: stuttgarter-zeitung.de. (stuttgarter-zeitung.de [abgerufen am 30. Oktober 2016]).
  8. MK-Kliniken AG - Presse - Pressemitteilungen. In: www.mk-kliniken.de. Abgerufen am 30. Oktober 2016.
  9. MK-Kliniken AG - Presse - Pressemitteilungen. In: www.mk-kliniken.de. Abgerufen am 30. Oktober 2016.
  10. Nebenwerte: Marseille-Kliniken: Aktie ringt um Aufwärtstrend. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 8. Juni 2005, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 30. Oktober 2016]).
  11. openJur e.V.: OLG München, Urteil vom 8. Dezember 2009 - Az. 5 U 3029/06. In: openjur.de. Abgerufen am 30. Oktober 2016.
  12. [2] Welt Online, 30. Dezember 2003 „Klinikchef Ulrich Marseille kehrt der Schill-Partei den Rücken“
  13. [3] Der Spiegel, 15. April 2002 „Trickserei beim Examen“
  14. [4] Süddeutsche Zeitung, 12. April 2002 „Examen günstig zu kaufen gesucht“
  15. [5] Manager Magazin, 15. April 2004 „Peinliche Enthüllungen“
  16. Ulrich Marseille muss 6 Millionen Euro zahlen, Hamburger Abendblatt, 13. August 2009
  17. www.mz-web.de: Bestechungs-Urteil gegen Marseille hat Bestand, 6. Juli 2011
  18. Revisionen im Bestechungsverfahren unbegründet, Presseinformation des Oberlandesgerichts Naumburg, 6. Juli 2011
  19. [6], www.wiwo.de, 14. Juli 2011 „Ulrich Marseille zum Rücktritt bereit“
  20. [7], Manager Magazin, 20. Juli 2011 „Ulrich Marseille tritt zurück“