Ulrich Menzel

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Ulrich Menzel, 2016

Ulrich Menzel (* 21. Juli 1947 in Düsseldorf) ist ein deutscher Politikwissenschaftler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Menzel besuchte bis zum Abitur 1967 das Humboldt-Gymnasium Düsseldorf. Er studierte von 1969 bis 1974 in Düsseldorf, Köln und Frankfurt am Main Politikwissenschaft, Geschichte, Philosophie, Soziologie und Germanistik. 1978 wurde er in Frankfurt bei Dieter Senghaas mit einer Dissertation über die Theorie und Praxis des chinesischen Entwicklungsmodells promoviert, 1982 habilitierte er sich, ebenfalls in Frankfurt, im Fach Politikwissenschaft mit einer Arbeit über Autozentrierte Entwicklung trotz Weltmarktintegration.

Nach der Promotion lehrte und forschte er in Bremen, Tokio, Frankfurt, Duisburg und Braunschweig, bevor er 1993 als Nachfolger von Gilbert Ziebura auf den Lehrstuhl für Internationale Beziehungen und Vergleichende Regierungslehre am Institut für Sozialwissenschaften der TU Braunschweig berufen wurde. Er amtierte als Dekan (1995–1997) und Vizepräsident für Lehre, Studium und Weiterbildung (2001–2003). Von 2004 bis zum Eintritt in den Ruhestand 2015 war er geschäftsführender Leiter des Instituts für Sozialwissenschaften.[1]

Menzels Schwerpunkte in Lehre und Forschung sind Theorie und Geschichte des Internationalen Systems, Entwicklungstheorie und Nord-Süd-Beziehungen, Internationale Politische Ökonomie und Friedens- und Konfliktforschung. Seine regionalen Interessenschwerpunkte liegen in Ost- und Südostasien (insbesondere China und Japan) und Europa. Aufsehen erregte er in den 1990er Jahren mit seiner These vom Scheitern der klassischen Entwicklungshilfe und vom (konzeptionellen) "Ende der Dritten Welt" nach dem Kalten Krieg.

Sein Hauptwerk, Die Ordnung der Welt, ist nach einer zehnjährigen Arbeit 2015 erschienen.[2]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Dieter Senghaas (Hrsg.): Multinationale Konzerne und Dritte Welt. Westdeutscher Verlag, Opladen 1976, ISBN 3-531-11361-5.
  • Theorie und Praxis des chinesischen Entwicklungsmodells. Ein Beitrag zum Konzept autozentrierter Entwicklung. Westdeutscher Verlag, Opladen 1978, ISBN 3-531-11451-4.
  • Wirtschaft und Politik im modernen China. Eine Sozial- und Wirtschaftsgeschichte von 1842 bis nach Maos Tod. Westdeutscher Verlag, Opladen 1978, ISBN 3-531-11460-3.
  • mit Gerd Wontroba: Stagnation und Unterentwicklung in Korea. Von der Yi-Dynastie zur Peripherisierung unter japanischer Kolonialherrschaft. Anton Hain, Meisenheim am Glan 1978, ISBN 3-445-01822-7.
  • In der Nachfolge Europas. Autozentrierte Entwicklung in den ostasiatischen Schwellenländern Südkorea und Taiwan. Simon & Magiera, München 1985, ISBN 3-88676-101-0.
  • mit Dieter Senghaas: Europas Entwicklung und die Dritte Welt. Eine Bestandsaufnahme. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1986, ISBN 3-518-11393-3.
  • Auswege aus der Abhängigkeit. Die entwicklungspolitische Aktualität Europas. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-518-11312-7.
  • (Hrsg.): Nachdenken über China. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-518-11602-9.
  • (Hrsg.): Im Schatten des Siegers: Japan. 4 Bände, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1989, ISBN 3-518-11495-6, ISBN 3-518-11496-4, ISBN 3-518-11497-2 und ISBN 3-518-11498-0.
  • Das Ende der Dritten Welt und das Scheitern der großen Theorie. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1992, ISBN 3-518-11718-1.
  • Geschichte der Entwicklungstheorie. Einführung und systematische Bibliographie. 3., überarbeitete Auflage. Deutsches Übersee-Institut, Hamburg 1995, ISBN 3-926953-30-6.
  • Shanghai. Systematische Bibliographie. Mit einer Einführung und einem Anhang zu Yokohama. Deutsches Übersee-Institut, Hamburg 1995, ISBN 3-922852-61-0.
  • Globalisierung versus Fragmentierung. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-518-12022-0.
  • mit Katharina Varga: Theorie und Geschichte der Lehre von den Internationalen Beziehungen. Deutsches Übersee-Institut, Hamburg 1999, ISBN 3-926953-44-6.
  • mit Mathias Albert u. a.: Die Neue Weltwirtschaft. Entstofflichung und Entgrenzung der Ökonomie. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-518-11983-4.
  • (Hrsg.): Vom ewigen Frieden und vom Wohlstand der Nationen. Dieter Senghaas zum 60. Geburtstag. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-518-12173-1.
  • Zwischen Idealismus und Realismus. Die Lehre von den internationalen Beziehungen. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-518-12224-X.
  • mit Hartwig Hummel (Hrsg.): Die Ethnisierung internationaler Wirtschaftsbeziehungen und daraus resultierende Konflikte. Lit, Münster 2001, ISBN 3-8258-4836-1.
  • Paradoxien der neuen Weltordnung. Politische Essays. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-518-12365-3.
  • mit Reinhard Stockmann und Franz Nuscheler: Entwicklungspolitik. Theorien-Probleme-Strategien. Oldenbourg, München 2010. (2. überarb. Auflage. 2016, ISBN 978-3-486-71874-4)
  • Die Ordnung der Welt. Imperium oder Hegemonie in der Hierarchie der Staatenwelt. Suhrkamp Verlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-518-42372-1.
  • als Hrsg.: Willem Cha. Festschrift zum 50jährigen Bestehen des Hochschullehrersports der TU Braunschweig. Universitätsbibliothek Braunschweig 2016, ISBN 978-3-927115-77-4.

Vorlass[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sämtliche bisherige Veröffentlichungen (derzeit ca. 650), unveröffentlichte Schriften und andere Materialien zu Ulrich Menzel sind im Archiv der TU Braunschweig unter der Signatur G48 II einsehbar. Ein Inventar zum Vorlass (Stand Februar 2016) ist verfügbar.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerald Heere: Ulrich Menzel – Werke und Wirkungen 1974–2005 (= Forschungsberichte aus dem Institut für Sozialwissenschaften. Nr. 65). Braunschweig 2005, ISSN 0949-2267. (online PDF-Datei; 637 kB)
  • Wolfgang Hein: Ulrich Menzel (* 1947). Von der großen Theorie zur Differenzierung der Welt. In: Eins Entwicklungspolitik. Nr. 21, 2006, S. 61–63.
  • Hartwig Hummel, Bastian Loges (Hrsg.): Gestaltungen der Globalisierung. Festschrift für Ulrich Menzel. Budrich, Opladen 2009, ISBN 978-3-940755-29-2.
  • Salomon, David: Hegemonie. Imperialität. Imperialismus. Ein Kommentar zu Ulrich Menzel. In: Erhard Crome/Raimund Krämer (Hrsg.), Hegemonie und Multipolarität. Weltordnungen im 21. Jahrhundert. Potsdam: WeltTrends 2013. S. 37–51.
  • Mehring, Reinhard: Gute Macht! Ulrich Menzel über die Ordnungsleistung der „großen Mächte“. In: Georg Zenkert (Hrsg.), Die Macht der Demokratie. Zur Organisation des Verfassungsstaates. Baden-Baden: Nomos 2018. S. 181–204.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Persönliche Website von Ulrich Menzel
  2. Jos Schnurer, Rezension vom 22. Juni 2015 zu: Ulrich Menzel: Die Ordnung der Welt. Imperium oder Hegemonie in der Hierarchie der Staatenwelt. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, Online (abgerufen am 12. April 2018).