Ume

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Ume
Fruits of Japanese plum.jpg

Ume (Prunus mume)

Systematik
Ordnung: Rosenartige (Rosales)
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
Unterfamilie: Spiraeoideae
Tribus: Steinobstgewächse (Amygdaleae)
Gattung: Prunus
Art: Ume
Wissenschaftlicher Name
Prunus mume
Siebold & Zucc.

Ume (Prunus mume; von jap. , kana うめ)[1][2][3][4], auch Japanische Aprikose oder Japanische Pflaume, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Prunus in der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Sie gehört wie die Aprikose und die Sibirische Aprikose zur Sektion Armeniaca in der Untergattung Prunus. Eine andere oft als „Japanische Pflaume“ bezeichnete Art ist die Sumomo (Prunus salicina).

Der asiatische Ume-Baum stammt aus China, aus der Gegend von Sichuan, Shaanxi, West-Hubei[5], dort méi (chinesisch , Pinyin méi, Jyutping mui4 ‚Ume‘)[6][7][8][9][10] bzw. méishù (梅樹 / 梅树, méishù, Jyutping mui4syu6 ‚Ume-Baum‘) genannt. Über kultureller Austausch mit China wuchs der Ume-Baum jedoch schon in alten Zeiten auch in Japan und auf der Koreanischen Halbinsel (dort maesil genannt). Er wird wegen seiner Früchte und Blüten kultiviert.[11]

In Japan gibt es mehr als 300 Kultursorten der Ume. Sie werden in drei Typen eingeteilt:

  • Wildpflaumen-Typ (野梅系, yabai-kei), als Pfropfunterlage genutzt
  • Purpur-blütiger Typ (紅梅系, kōbai-kei), eher als Zierbaum angebaut
  • Bungo-Typ (豊後系, Bungo-kei), liefert die besten Früchte

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der wissenschaftliche Name (Prunus mume) bewahrt eine andere alte japanische Aussprache, möglicherweise die ursprüngliche mme (んめ), was historisch als „mume“ (むめ) geschrieben wurde, da es damals noch kein spezielles Kana für den verwendeten einzelnen Nasallaut gab. Alle drei Namen (chin. méi, jap. ume und kor. maesil) stammen von der länderspezifischen Aussprache des gleichen Schriftzeichens ab.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ume ist ein Baum mit einer runden Krone, der Wuchshöhen von 1 bis zu 15 Meter erreicht, oder ein hoher Strauch. Die dünne Rinde ist graugrün. Die einfachen, wechselständigen, frischgrünen, mit hellerer Unterseite, hautartigen Laubblätter sind 4 bis 10 Zentimeter lang, eiförmig bis elliptisch, fein und scharf, gesägt. In der Jugend beidseitg behaart, später oberseitig kahl, unterseitig nur auf den Nerven behaart und haben oft eine lange, schiefe Spitze.[12] Die Blüten sind einzeln oder zu zweit, einfach oder gefüllt. Sie sind weiß bis dunkelrosa gefärbt, fast sitzend, erscheinen vor den Blättern und duften insbesondere abends stark. Der Blütenbecher ist breit becherförmig, es ist ein Winterblüher, die Blüten erscheinen vor den Blättern.[13][14] Die Frucht hat einen Durchmesser von 2 bis 3 Zentimetern und ist gelb oder grün, etwas behaart, kugelig und sauer bis bitter. Der Steinkern ist grubig und haftet am Fruchtfleisch.[15] Einzelne Exemplare können über tausend Jahre alt werden.[16]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16, selten 32.[17]

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Huàméi (話梅 / 话梅); getrocknete Ume-Früchte
Chinesischer „Pflaumenwein“ méijiǔ (梅酒) mit Eiswürfeln
Umeboshi-Pflaumen (梅干)

Ume-Sirup, Extrakt wird durch Einlegen der Früchte in Zucker gewonnen.[18] Der Sirup schmeckt süß-sauer und wird im Sommer als erfrischendes Getränk in Tee als Maesil-cha (매실차) geschätzt. In Nord- und Südkorea wird er mit zunehmendem Erfolg als gesundes Tonikum unter den Namen Maesil-cheong (매실청) vermarktet. Die nach dem Einlegen zurückbleibenden Ume-Früchte werden zu Maesil-jangajji (매실 장아찌) verarbeitet, entweder mit Gochujang oder koreanischer Sojasauce Ganjang und Sojabohnenpaste Doenjang, auch mit Chili-Pulver Gochutgaru, Perilla-Blättern, Knoblauch, Gurken, Winterrettich, Zuckermelone, Essig und Deodeok-Wurzeln (Codonopsis lanceolata).

Auch wird der Saft der unreifen Ume-Früchte in Japan und Korea so verwendet. Auch werden sie einfach in Sole eingelegt verwendet.

In China werden die Ume-Früchte in Salz, Zucker und Essig sowie Kräutern eingelegt Suān méizǐ (酸梅子 ‚saure Ume‘).[19] Eine andere Variante ist Huàméi (話梅 / 话梅)[20], die Ume-Früchte werden in ein Sole eingelegt und dann an der Sonne getrocknet, dann gezuckert und mit Zitronensaft, sowie auch mit verschiedenen Gewürzen (Anis, Gewürznelken oder Zimt) gewürzt.

Auch gibt es ein traditionelles kaltes süßsaures Erfrischungsgetränk das Bīngzhèn Suānméitāng (冰鎮酸梅湯 / 冰镇酸梅汤 ‚eisgekühltes Suanmeitang‘)[21] aus geräucherten Ume-Früchten (烏梅 / 乌梅, wūméi ‚schwarze Ume‘)[22][23] sowie wahlweise weiteren Zutaten. Meistens mit Kandiszucker der mit der süßen Duftblüte parfümiert wird, Fiederblatt-Weißdorn (Crataegus pinnatifida), Chinesisches Süßholz (Glycyrrhiza uralensis) und etwas Salz,[24] weiter können wahlweise getrocknete Mandarine, aber auch Chinesische Jujube, Zimtkassien-Rinde und Blüten, Gewürznelken sowie Rosenblüten zugegeben werden.

Sowie eine dicke, süße Sauce, Méizǐjiàng (梅子醬 / 梅子酱 ‚Ume-Würzsoße‘), auch Méijiàng (梅醬 / 梅酱) genannt, mit Zucker oder Rohzucker, Salz, auch mit Gewürzen, eingekochte Ume-Früchte oder auch als gezuckerte Marmelade.[25][26]

In der japanischen Küche findet die Ume folgende Verwendung:

  • Umeshu (梅酒), also „Ume-Alkohol“, ist ein alkoholisches Getränk, das durch Einlegen von grünen Ume–Früchten in Shōchū (einem klaren Branntwein) hergestellt wird. Es gibt auch eine chinesische und koreanische Variante.
  • Umeboshi (梅干), also „Ume getrocknet“, sind in Salz und in Shiso-Blättern eingelegte Ume-Früchte. Das Pendant in China heißt Suān méizǐ (酸梅子)
  • Ume-Su (梅酢), also „Ume-Essig“, ist die Flüssigkeit, die während der Milchsäuregärung entstanden ist. Mit seinem säuerlichen Geschmack kann man ihn genauso wie Essig einsetzen. Mit einem kleinen Unterschied: Ume-Su ist sehr salzig, somit muss dem Gericht kein Salz mehr zugegeben werden. Ume Su ist weniger säurehaltig als herkömmliche Essigsorten.[27][28][29]

Kulturelle Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der chinesischen Kultur wird die Ume, besonders aber ihre Blüte, hochgeschätzt. Ume blüht in der kältesten Zeit des Jahres und wird deswegen als Symbol für Lebenskraft und das Trotzen widriger Bedingungen angesehen. Ume, Kiefer und Bambus werden die „Drei Winterfreunde“ (歲寒三友 / 岁寒三友, suìhán sānyǒu)[30] genannt. Ferner bildet die Ume mit Orchidee, Bambus und Chrysantheme (梅蘭竹菊 / 梅兰竹菊, méilán zhújú) die sogenannten „Vier Edelmänner“ (四君子, sì jūnzǐ). Diese vier Blumen symbolisiert im sinokulturellen Raum Asiens die vier Jahreszeiten, Orchidee ( / , lán)[31] für den Frühling, Bambus (, zhú)[32] für den Sommer, Chrysantheme (, )[33] für den Sommer und Ume (, méi) für den Winter.[34]

Der Ume-Baum, der angeblich nach Kyūshū flog, um bei Sugawara no Michizane zu sein

Am 21. Juli 1964 bestimmte das Parlament der Republik China (Taiwan) Ume als Staatsblüte.[35] China Airlines zeigt deswegen auf der Heckflosse seiner Maschinen eine Ume-Blüte. Jedes dieser Bilder ist von Hand gemalt, weswegen sie alle unterschiedlich sind.

Die Volksrepublik China hat keine Staatsblüte, die Ume wird jedoch neben der Pfingstrose als die aussichtsreichste Kandidatin gehandelt.

1928 bestimmte die damalige Hauptstadt der Republik China Nanjing die Ume als Stadtblüte. 1982 wurde dieser Beschluss von der (nun volksrepublikanischen) Stadtregierung bestätigt.

Viele Autoren, unter anderem Wang Anshi[36] und Mao Zedong [37], haben der Ume Gedichte gewidmet, sie wurde auch im Man’yōshū erwähnt.

Auf der chinesischen 100-Yuan-Renminbi-Note ist eine Ume-Blüte abgebildet.[38] Beispielsweise nutzt die chinesische Reederei OOCL eine stilisierte Ume-Blüte im Firmenlogo.

In China wird das Schriftzeichen Méi () für Ume auch als Name genutzt sowohl als Familienname (z. B. Anita Mui, 梅艷芳 / 梅艳芳, Méi Yànfāng, Jyutping Mui2 Jim6fong1) als auch in Vorname, besonders beliebt bei Frauen.

Ume-Blüten werden in der japanischen Poesie oft als Symbol des beginnenden Frühlings verwendet. Vor allem in traditionellen japanischen Gedichten (Haiku, Tanka und Renga) sind sie ein Sinnbild (Kigo) für den Frühlingsanfang.

Die Blüten werden mit dem Singvogel Uguisu, einem der Symbole der Stadt Nara, in Verbindung gebracht.[39] Zusammen bilden beide eine der zwölf Farben der japanischen Spielkarten (Hanafuda).

In der Nara-Zeit war die Ume-Blüte beliebter als die heute bevorzugte Kirschblüte (Sakura), die erst nach der Heian-Zeit populär wurde.[40]

Der Ume-Baum wird im Shintō mit dem Kami Tenjin in Verbindung gebracht und deshalb an dessen Schreinen gepflanzt. Auch in China wird er geliebt und gefeiert und dort oft zur Dekoration des chinesischen Neujahrsfestes verwendet.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Ume - Prunus mume Sieb.“ – 梅 - méi (englisch): [1], auf efloras.org, abgerufen am 10. August 2018 – Online
  2. „Ume - Prunus mume Sieb.“ (englisch): [2], auf ipni.org, abgerufen am 10. August 2018 – Online
  3. Begriff „Ume – 梅“ (englisch, japanisch): [3], auf tangorin.com, abgerufen am 10. August 2018 – Online
  4. Begriff „Ume – 梅“ (deutsch, japanisch): [4], auf wadoku.de, abgerufen am 10. August 2018 – Online
  5. Ruth Schneebeli-Graf, Ernest Henry Wilson: Blütenland China: Zierpflanzen. Band 1, 2. Auflage, Birkhäuser, 1995, ISBN 978-3-7643-5182-3, S. 98.
  6. „Ume - Armeniaca mume Sieb.“ – 梅 - méi (englisch): [5], auf efloras.org, abgerufen am 10. August 2018 – Online
  7. „Ume - Armeniaca mume Sieb.“ – 梅 - méi (chinesisch): [6], auf baike.baidu.com, abgerufen am 10. August 2018 – Online
  8. Begriff „Ume“ – 梅 - méi (chinesisch): [7], auf zdic.net, abgerufen am 10. August 2018 – Online
  9. Begriff „Ume“ – 梅 - méi (chinesisch, deutsch): [8], auf dict.leo.org, abgerufen am 10. August 2018 – Online
  10. Begriff „Ume“ – 梅 - méi (chinesisch): [9], auf baike.baidu.com, abgerufen am 10. August 2018 – Online
  11. Jules Janick: Horticultural Reviews. Band 23, Wiley, 1999, ISBN 0-471-25445-2, S. 209.
  12. Leopold Dippel: Handbuch Der Laubholzkunde. Band 3, Paul Parey, Berlin 1893, Wentworth Press, 2016, ISBN 978-1-362-69958-3 (Reprint), S. 632 f, online auf biodiversitylibrary.org, abgerufen am 14. Februar 2017.
  13. Leah Chester-Davis,Toby Bost: The Successful Gardener Guide. John F. Blair (Hrsg.), 2011, ISBN 978-0-89587-515-0, S. 99 f.
  14. Hideyuki Doi: Winter flowering phenology of Japanese apricot Prunus mume reflects climate change across Japan. In: Climate Research. Vol. 34, No. 2, 2007, online (PDF; 168 kB), auf int-res.com, abgerufen am 14. Februar 2017, doi:10.3354/cr034099.
  15. Hildemar Scholz, Ilse Scholz: Prunus. In: Hans. J. Conert u. a. (Hrsg.): Gustav Hegi. Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Band 4 Teil 2B: Spermatophyta: Angiospermae: Dicotyledones 2 (3). Rosaceae 2. Blackwell 1995, ISBN 3-8263-2533-8.
  16. Patricia Jonas, Brooklyn Botanic Garden: Japanese-inspired Gardens: Adapting Japan's Design Traditions for Your Garden. Brooklyn Botanic Garden, 2001, ISBN 1-889538-20-5, S. 74.
  17. Prunus mume bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  18. Green Plum Syrup auf kimchimari.com, abgerufen am 16. Februar 2017.
  19. Ken Albala: Three World Cuisines: Italian, Mexican, Chinese. Altamira Press, 2012, ISBN 978-0-7591-2125-6, S. 201.
  20. Begriff „getrocknete Ume-Früchte“ – 話梅 / 话梅 - huàméi (chinesisch): [10], auf baike.baidu.com, abgerufen am 10. August 2018 – Online
  21. „eisgekühltes Suanmeitang“ – 冰鎮酸梅湯 / 冰镇酸梅汤 - Bīngzhèn Suānméitāng (chinesisch): [11], auf baike.baidu.com, abgerufen am 10. August 2018 – Online
  22. Begriff „geräucherte Ume“ – 烏梅 / 乌梅 - wūméi, „schwarze Ume“ (chinesisch): [12], auf zdic.net, abgerufen am 10. August 2018 – Online
  23. „geräucherte Ume“ – 烏梅 / 乌梅 - wūméi, „schwarze Ume“ (chinesisch): [13], auf baike.baidu.com, abgerufen am 10. August 2018 – Online
  24. Sour Plum Drink; Suanmeitang auf pressurecookrecipes.com, abgerufen am 15. Februar 2017.
  25. Begriff „Meizijiang“ – 梅子醬 / 梅子酱 (chinesisch): [14], auf xiachufang.com, abgerufen am 10. August 2018 – Online
  26. Begriff „Meizijiang“ – 梅子醬 / 梅子酱 (chinesisch): [15], auf xiachufang.com, abgerufen am 10. August 2018 – Online
  27. „Ume-Essig“ – 梅酢 (japanisch): [16], auf ume1.com, abgerufen am 10. August 2018 – Online
  28. Begriff „Ume-Su“ – 梅酢 – Ume-Essig (englisch, japanisch): [17], auf tangorin.com, abgerufen am 10. August 2018 – Online
  29. Begriff „Ume-Su“ – 梅酢 – Ume-Essig (deutsch, japanisch): [18], auf wadoku.de, abgerufen am 10. August 2018 – Online
  30. Begriff „Drei Winterfreunde“ – 歲寒三友 / 岁寒三友 - suìhán sānyǒu (chinesisch, englisch): [19], auf zdic.net, abgerufen am 10. August 2018 – Online
  31. Begriff „Orchidee“ – 蘭 / 兰 - lán (chinesisch): [20], auf zdic.net, abgerufen am 10. August 2018 – Online
  32. Begriff „Bambus“ – 竹 - zhú (chinesisch): [21], auf zdic.net, abgerufen am 10. August 2018 – Online
  33. Begriff „Chrysantheme“ – 菊 - jú (chinesisch): [22], auf zdic.net, abgerufen am 10. August 2018 – Online
  34. Begriff „Vier Edelmänner“ – 四君子 - sì jūnzǐ (chinesisch): [23], auf zdic.net, abgerufen am 10. August 2018 – Online
  35. Republic of China (Taiwan): The Republic of China Yearbook 2015. Executive Yuan, 2015, ISBN 978-986-04-6013-1, S. 5
  36. Jürgen Weber: In den späten Jahren begehr ich nur die Stille: Chinesische Gedichte. Norderstedt, 2009, ISBN 978-3-8370-8551-8, S. 77.
  37. Hans-Christian Günther, Gu Zhengkun (Hrsg.): Mao Zedong - Gedichte. Traugott Bautz, Nordhausen 2013, ISBN 978-3-88309-864-7, S. 136 ff.
  38. 100 Yuan-Note mit Prunus mume-Blüte auf currencyguide.eu, abgerufen am 14. Februar 2017.
  39. S. Katsumata: Gleams From Japan. Routledge, 2011, ISBN 978-0-415-67958-9 (Reprint).
  40. Michel Conan, W. John Kress: Botanical Progress, Horticultural Innovation and Cultural Changes. Harvard University Press, 2007, ISBN 978-0-88402-327-2, S. 132.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ume – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien