Ungeheuersee

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Ungeheuersee
Ungeheuersee im Winter
Ungeheuersee im Winter
Geographische Lage Deutschland
Rheinland-Pfalz
Pfälzerwald
Zuflüsse Krumbach und eine namenlose Quelle[1]
Abfluss Krumbach
Orte in der Nähe Weisenheim am Berg, Leistadt
Daten
Koordinaten 49° 29′ 57,2″ N, 8° 7′ 19,5″ OKoordinaten: 49° 29′ 57,2″ N, 8° 7′ 19,5″ O
Ungeheuersee (Rheinland-Pfalz)
Ungeheuersee
Höhe über Meeresspiegel 357 m ü. NHN[2]
Fläche 0,4 haf5
Länge 140 m[2]
Breite 40 m[2]
Umfang 400 m[2]

Besonderheiten

Abfluss Krumbach versickert streckenweise im Landschaftsschutzgebiet Krumbachtal.

Der Ungeheuersee im Leininger Sporn, einem Teil des nordöstlichen Pfälzerwalds (Rheinland-Pfalz), ist ein flacher Hochmoorteich, der durch den Krumbach gespeist wird. Als Teil des einzigen Hochmoores in diesem Mittelgebirge steht der See seit den 1930er Jahren als Naturdenkmal unter Schutz. Im amtlichen Verzeichnis ist er mit der Listennummer ND-7332-195 ausgewiesen.[3]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der von zwei Quellen[1] gespeiste See liegt auf 357 m ü. NHN[4] in einem Kerbtal etwa 2 km südwestlich von Weisenheim am Berg auf dessen Waldgemarkung und erstreckt sich von Südwest nach Nordost. Er ist wasserstandsabhängig bis 140 m lang und bis 40 m breit bei einer Fläche von maximal 0,4 Hektar.

Sein Hauptzufluss Krumbach entspringt nur 300 m südwestlich. Nach der Passage des Sees fließt er nordwärts und versickert nach gut 1000 m zunächst im Waldboden. Im Krumbachtal, in dem das Bachbett anschließend nach Nordosten verläuft, liegen später weitere Abschnitte des Krumbachs an der Oberfläche. Das Tal reicht bis zum Haardtrand unterhalb von Battenberg. Der Krumbach mündet am Ostrand von Kleinkarlbach von rechts in den Eckbach, einen linken Nebenfluss des Rheins.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name und Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name hat nichts mit Ungeheuern zu tun, sondern leitet sich her von den Wörtern „Unger“ für Waldweide und „Heyer“ für Gehege.[1]

Der Ungeheuersee wurde im ausgehenden Mittelalter oder in der frühen Neuzeit als Viehtränke angelegt und 1599 erstmals urkundlich erwähnt.[5] Da es keinerlei Spuren eines Staudamms gibt, wurde offenbar eine natürliche Einsenkung des Krumbachtals genutzt, in der sich ein flacher Sumpf gebildet hatte.

Legenden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut einer Legende ging früher, als der See noch ungepflegt und die Umgebung morastig war, niemand gerne dorthin, weil hier um Mitternacht Waldgeister ihr Unwesen treiben würden. Angeblich lebte auch eine Waldfrau am See, die manches Kind geraubt haben soll.[6]

Eine weitere Legende berichtet davon, die Bürger von Weisenheim am Berg hätten während des Dreißigjährigen Krieges die Glocken vom Kirchturm genommen und im Ungeheuersee versenkt. Das Dorf sei dann durch fremde Soldaten niedergebrannt worden, dabei seien alle Einwohner, die den genauen Ort der Versenkung gekannt hätten, ums Leben gekommen. Deshalb seien die Glocken nie wieder gefunden worden.[7]

Einer dritten Legende zufolge hätten die Mönche des knapp 4 km entfernten Klosters Höningen ihre Silberglöckchen dem See anvertraut, aber auch von diesen fehle seither jede Spur.[7]

Flora und Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ungeheuersee im Sommer

Der See ist von Mischwald umschlossen und zeichnet sich durch eine artenreiche Flora am Ufer und auf schwimmenden Inseln aus; beispielsweise werden Wollgräser, verschiedene Orchideenarten und der Rundblättrige Sonnentau, eine fleischfressende Pflanze, angetroffen.

Die Größenangaben zum See sind ungefähre Werte. Sein Wasserstand ist von den Niederschlägen abhängig und kann demzufolge schwanken, zu manchen Zeiten fällt das Gewässer sogar vollkommen trocken. Bei niedrigem Wasserstand können Pflanzen und Tiere durch das Betreten der Uferzone gefährdet oder geschädigt werden.[5]

Im Jahr 2013 legten freiwillige Helfer der Naturschutzverbände GNOR und Pollichia am südöstlichen Ufer des Sees auf einer 4000 m² großen Windbruchfläche ein Feuchtbiotop mit kleinen Tümpeln an.[8] Bereits während des ersten Folgejahrs begrünte sich die anfängliche Brache von selbst, und die Zahl der beobachteten Arten von Insekten, Amphibien, Reptilien und Vögeln nahm beträchtlich zu.[8] Die Naturschützer drückten ihre Hoffnung aus, dass auch die seltene Gelbbauchunke wieder hier heimisch wird, die in anderen Gewässern der Gegend noch vorkommt.[8] Sie wurde von der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde 2014 zum Lurch des Jahres gekürt.[9]

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weisenheimer Hütte des PWV

Am Seeufer links des Krumbach-Ausflusses steht etwas erhöht (365 m) die Weisenheimer Hütte (im Volksmund auch Ungeheuersee-Hütte)[10] des Pfälzerwald-Vereins, die von Mitte März bis in den Herbst hinein an Sonntagen bewirtschaftet ist.[11]

Der See ist nur über Wanderpfade erreichbar sowie über Waldwege, die nicht für den allgemeinen Kraftfahrzeugverkehr zugelassen sind, beispielsweise von Leistadt aus über das Sandtal, von Weisenheim am Berg aus über das Langental und von Battenberg oder Bobenheim am Berg aus durch das Krumbachtal. Die Wegmarkierungen können auf einschlägigen Websites nachgesehen werden.[10] Trotz der eingeschränkten Erreichbarkeit hat die intensive touristische Nutzung des Naturdenkmals und seiner Umgebung in den letzten Jahren wiederholt zu Beeinträchtigungen geführt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ungeheuersee – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Ortsgemeinde Weisenheim am Berg. Landkreis Bad Dürkheim, abgerufen am 26. August 2014.
  2. a b c d Kartendienst des Landschaftsinformationssystems der Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz (LANIS-Karte) (Hinweise)
  3. Landschaftsinformationssystem; Naturschutzgebiete. Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz, abgerufen am 28. August 2014.
  4. Ungeheuersee. palzpix.de, abgerufen am 28. August 2014.
  5. a b Naturpark Pfälzerwald e. V., Bad Dürkheim: Naturdenkmal Ungeheuersee. Informationstafel vor Ort.
  6. Viktor Carl: Waldgeister und Waldfrau. In: Pfälzer Sagen und Legenden. Arwid Hennig Verlag, Edenkoben 2000, ISBN 3-9804668-3-3.
  7. a b Viktor Carl: Die Glocken läuten heute noch. In: Pfälzer Sagen und Legenden. Arwid Hennig Verlag, Edenkoben 2000, ISBN 3-9804668-3-3.
  8. a b c Ungeheuer beeindruckend. In: Landkreis Bad Dürkheim (Hrsg.): DÜW-Journal. Nr. 4 (August/September), 2014, S. 21.
  9. Lurch des Jahres 2014: Die Gelbbauchunke. Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde, abgerufen am 26. August 2014.
  10. a b Weisenheimer Hütte am Ungeheuersee 365 m. berge-gipfel.de, abgerufen am 30. August 2014.
  11. Wald, Wein und Ungeheuer. deutsche-weinstrasse.de, abgerufen am 26. August 2014 (PDF).