Upskirt

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Upskirt

Upskirt ist ein Ausdruck für ein voyeuristisches Foto, das einer Frau unter den Rock (engl. „skirt“) blickt. Es kann eine Momentaufnahme sein oder absichtlich erstellt werden, indem einer Frau eine Kamera unter den Rock gehalten wird, zum Beispiel ein Mobiltelefon („Fotohandy“).[1]

Häufig werden solche Fotos ohne das Wissen oder Einverständnis der betroffenen Frau gemacht.[2] Es gibt mehr als hundert Websites, die unter anderem auf – meist professionell inszenierte – Upskirt-Fotos spezialisiert sind.[1][3] Upskirt-Fotos sind für den Betrachter eine Form des Voyeurismus.[1] Paula Justice von der Old Dominion University beschreibt die Eigenschaft des Verbotenen als den Reiz dieses Genres, es sei „wie in ein Fenster zu spannen“.[4]

Daniel J. Solove, Associate Professor an der Law School der George Washington University, beschreibt in seinem Buch The Future of Reputation von 2007 einen Fall, bei dem zwei Männer im amerikanischen Bundesstaat Washington wegen des Produzierens von Upskirt-Fotos in einem Einkaufszentrum in einem ersten Prozess gemäß einem Gesetz gegen Videovoyeurismus verurteilt worden seien, da die Fotos „zum Zwecke, sexuelles Begehren zu erwecken oder zu befriedigen“, gemacht worden seien, an einer Örtlichkeit, an der das Opfer Grund gehabt hätte, eine Gewährleistung seiner Privatsphäre zu erwarten. Vor dem obersten Gerichtshof von Washington habe dieser Urteilsspruch aber nicht standgehalten, da das Gesetz die Privatsphäre auf einem öffentlichen Grund wie eines Einkaufszentrum durch Fotografieren nicht verletzt sah. Das Gesetz sei später angepasst worden, sodass auch solche Fälle abgedeckt wurden.

Eine Petition an den Deutschen Bundestag und alle deutschen Landtage forderte im März 2019 ein Gesetz zur Bestrafung von "Upskirting" (wie es zum Beispiel in England bereits Anfang 2019 durch eine Petition erreicht wurde[5]) und schulische Aufklärungsarbeit dagegen.[6]

Im Mai 2019 schrieb die NRW-Gleichstellungsministerin Ina Scharrenbach (CDU) in einem (von der SPD beantragten[7]) Bericht an den Ausschuss für Gleichstellung und Frauen des NRW-Landtags: „Die Landesregierung missbilligt Upskirting aufs Schärfste“, und spricht von einer „verabscheuenswürdigen Praxis“. In einem darauf folgenden Interview kündigte sie an, sie werde das Thema in der nächsten Konferenz der Gleichsstellungsminister der Länder am 6. und 7. Juni zur Sprache bringen: „Wir prüfen, inwieweit ein gesetzgeberischer Handlungsbedarf besteht“.[8] Auch nach Ausschusssprecherin Susanne Schneider (FDP) bedarf es eines eigenen Gesetzes. Ausschussmitglied Josefine Paul (Grüne) sprach von einer "Form der sexualisierten Gewalt". Das Fotografieren unter den Rock müsse unter das Sexualstrafrecht fallen und ein eigener Straftatbestand werden, wie in England, Wales und Schottland schon geschehen. Tätern drohen dort bis zu zwei Jahren Gefängnis.[9]

Verurteilte werden außerdem als Sexualstraftäter registriert.[10] In England war das Vorhaben zunächst vom Scheitern bedroht, da ein konservativer Abgeordneter im Unterhaus das Gesetz blockierte. Die Regierung von Premierministerin Theresa May nahm sich jedoch in einer parteiübergreifenden Initiative der Sache an und brachte das Verbot durchs Unterhaus.[11]

Auch in Frankreich und Belgien ist "Upskirting" bereits verboten.[12]

Auch Baden- Württembergs Justizminister Guido Wolf (CDU) unterstützt Forderungen, inzwischen auch von mehreren öffentlichen Petitionen[13][14], auch in Deutschland einen entsprechenden Straftatbestand zu schaffen. „Das sogenannte Upskirting ist ein abstoßender und verletzender Eingriff in die Intimsphäre der betroffenen Frauen und Mädchen“, sagte Wolf. „Gerade in einer Zeit, in der – gerade auch bei größeren Menschenansammlungen – immer wieder über sexuellen Übergriffe auf Frauen berichtet wird, sorgt das für zusätzliche Unsicherheit.“ Er will das Thema bei der Konferenz der Justizminister des Bundes und der Länder Anfang Juni 2019 ansprechen.[15] Anne- Katrin Wolf, die in der Strafrechtskommission des Deutschen Juristinnenbundes ist, forderte allerdings vor einer möglichen Gesetzesänderung genau zu überlegen wie diese aussehen muss, damit sie sinnvoll sowie praktisch anwendbar ist. Inhaltlich sollte ein Paragraph dazu sich nicht nur explizit auf Upskirting beziehen, sondern das Problem von Übergriffen im öffentlichen Raum und digitaler Gewalt gegen Frauen grundsätzlich thematisieren.[16]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Upskirt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c The Future of Reputation, Daniel J. Solove, Yale University Press, 2007, Seite 166
  2. Sex in Consumer Culture, Tom Reichert, Jacqueline Lambiase, Routledge, 2006, ISBN 0-8058-5090-2
  3. „Handy-Spanner“: Die nackte Unwahrheit. FAZ vom 11. August 2003.
  4. Sex Crimes Investigation: Catching and Prosecuting the Perpetrators, Robert L. Snow, Greenwood Publishing Group, 2006, ISBN 0-275-98934-8, S. 146
  5. stern.de: Unter-den-Rock-Fotografieren ist dank dieser Frau endlich verboten – zumindest in England
  6. initiativegedenkbuch.de: Petition_Upskirting.docx
  7. Lothar Schmalen: SPD-Landtagsabgeordnete fordert Strafen für Kamerablick unter den Rock. Abgerufen am 21. Mai 2019.
  8. nw.de: "UPSKIRTING" Landtags-Frauen fordern Strafen für Kamerablick unter den Rock
  9. wdr.de: Härtere Strafen für Kamerablicke unter den Rock gefordert
  10. RP ONLINE: Fotografieren unterm Rock: „Upskirting“ soll in England und Wales mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft werden. Abgerufen am 23. Mai 2019.
  11. Upskirting-Gesetz: Großbritannien verbietet Fotografieren unter Röcke. In: Spiegel Online. 17. Januar 2019 (spiegel.de [abgerufen am 23. Mai 2019]).
  12. Frankreich stellt heimliche Unter-dem-Rock-Fotos unter Strafe. Abgerufen am 23. Mai 2019.
  13. Petition unterschreiben. Abgerufen am 23. Mai 2019 (deutsch).
  14. Petition an den deutschen Bundestag Nr. 83590. Abgerufen am 23. Mai 2019.
  15. Stuttgarter Zeitung, Stuttgart Germany: Fotografieren unterm Rock: „Upskirting“ soll einfacher bestraft werden können. Abgerufen am 23. Mai 2019.
  16. Fotografieren unter den Rock: Minister fordert eigenen Straftatbestand für „Upskirting“. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 23. Mai 2019]).