Vereinigung für Ökologische Ökonomie

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Vereinigung für Ökologische Ökonomie e.V.
(VÖÖ)
Logo der VÖÖ
Zweck: Wissenschaftliche Vereinigung
Vorsitz: Susanne Hartard, Dirk Löhr
Gründungsdatum: April 1996
Sitz: Heidelberg
Website: www.voeoe.de

Die Vereinigung für Ökologische Ökonomie (VÖÖ) ist eine deutsche wissenschaftliche Vereinigung, die sich für ökologische Grundsätze in der globalen Wirtschaft einsetzt.

Geschichte und Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1992 hielten die Ökonomin Christiane Busch-Lüty und der Physiker Hans-Peter Dürr bei der Tagung des Vereins für Socialpolitik (VfS) einen Duett-Vortrag zu „Ökonomie und Natur“. Da sich in der Diskussion herausstellte, dass die vertretene Sicht der Ökonomie im VfS zeitnah keinen Platz finden würde, entschloss man sich zur Gründung einer eigenständigen Vereinigung.[1] Busch-Lüty initiierte 1996 die Gründung als Teil einer kleinen, interdisziplinär zusammengesetzten Wissenschaftlergruppe als deutschsprachige Sektion der International Society for Ecological Economics (ISEE).[2] Die Schirmherrschaft der konstituierenden Tagung im April 1996 in der Heidelberger Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST) übernahm die dortige Oberbürgermeisterin Beate Weber. Die 50 anwesenden Wissenschaftler verband die Überzeugung, „dass die Forderungen des UNO-Gipfels 1992 von Rio de Janeiro, überall eine wirklich nachhaltige Entwicklung einzuleiten, berechtigt sind und umfassend umgesetzt werden müssen.“[3] Aus der Erkenntnis heraus, dass Wirtschaftswachstum die falsche Antwort auf die damaligen ökonomischen Probleme ist, wollte die Vereinigung „strategisch handeln, um die Chance einer Veränderung der hochschulpolitischen Landschaft in Lehre und Forschung in ihrem Sinne zu nutzen“.[4]

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die VÖÖ vertritt die Ansicht, dass die klassischen ökonomischen Wissenschaften allein mit der sich hieraus ergebenden Reformaufgabe überfordert sind und erklärt: „Andere Wissenschaften, eine veränderungsbereite Politik und die kulturellen Kräfte der ganzen Gesellschaft werden gebraucht, um den notwendigen Wandel umzusetzen und zu gestalten.“[3] Bis zum Jahr 2010 konzentrierte sich die VÖÖ auf die Etablierung des Konzepts der Nachhaltigkeit in seiner ökologischen, sozialen und ökonomischen Perspektive.[5] Seit Beginn vertritt sie die Notwendigkeit einer transdisziplinären Herangehensweise.[6] Seit einer Neuorientierung im Jahr 2010[7] hat sie die Ablösung der ökonomischen Wachstumspolitik durch eine Postwachstumsökonomie in ihrem Leitbild verankert.[3] Hierbei wird insbesondere der Begriff des „Nachhaltigen Wachstums“ als Oxymoron kritisiert,[5] und die Bedeutung der Kombination von Öko-Effizienz, Konsistenz und Suffizienz betont.

Arbeit und Kooperationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Podiumsdiskussion bei der Jahrestagung 2012

Die VÖÖ arbeitet vor allem in themenfeldbezogenen Arbeitskreisen, in jährlichen Arbeitstagungen[7] und Workshops. Sie verlegt eine Schriftenreihe,[8] in der unter anderem mit dem Kapp-Forschungspreises ausgezeichnete Arbeiten veröffentlicht werden,[9][10] eine Reihe von Diskussionspapieren[11] sowie weitere Publikationen[12]. Seit Oktober 2010 unterstützt die VÖÖ über das „Netzwerk Wachstumswende“ Studierende und Praktiker, die sich mit wachstumskritischen Fragen befassen.[13][14]

Neben den Vorsitzenden[15] Susanne Hartard und Dirk Löhr sind weitere Vorstandsmitglieder Eva Lang, Gerhard Oesten und Gerhard Scherhorn. Ehemalige Vorsitzende waren Niko Paech (2010–14[16][17]), Gerhard Oesten (2010–12[16]), Oliver Richters (2012–16[17][18]) und Eva Lang (2014–16[18]). Bekannte Mitglieder sind Adelheid Biesecker,[19] Hans Christoph Binswanger[1], Peter Finke[17] und Beate Weber[20], Hans-Peter Dürr[21] war Gründungsmitglied. Die im November 2010 verstorbene Ehrenvorsitzende Christiane Busch-Lüty ist Gründungsmitglied und Mitinitiatorin der Vereinigung.[22]

Die VÖÖ beziehungsweise ihre Mitglieder sind über vielfältige Vernetzungen und Kooperationen mit anderen gesellschaftlichen Gruppierungen und Institutionen verbunden. Die Vereinigung ist Mitglied in der International Society for Ecological Economics (ISEE), auf deren Ideen und Grundsätzen sie sich in ihrer Satzung ausdrücklich bezieht.[23] Weitere inhaltliche Verbindungen bestehen zur European Society for Ecological Economics (ESEE) sowie in Deutschland zur Vereinigung für ökologische Wirtschaftsforschung (VÖW), mit der bereits gemeinsame Tagungen organisiert wurden.[24] Im Rahmen der gemeinsamen Tagung 2003 wurde die „Heidelberger Erklärung zur Umsetzung und Weiterentwicklung der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie“ veröffentlicht.[25] Im Jahr 2010 begann eine jährliche Tagungsreihe mit dem Thema „Perspektiven einer Wirtschaft ohne Wachstum“.[7][26][27]

Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1998 und 2002 vergab die VÖÖ gemeinsam mit der Schweisfurth-Stiftung zweijährlich den Schweisfurth-Forschungspreis für Ökologische Ökonomie an junge Wissenschaftler. Seit 2004 wird er als Kapp-Forschungspreis für Ökologische Ökonomie gemeinsam mit mehreren Stiftungen ausgeschrieben. 2013 vergab sie erstmals in Gedenken an die Gründerin und Ehrenvorsitzende den Christiane Busch-Lüty Förderpreis für Ökologische Ökonomie an die Lüneburger Soziologin Daniela Gottschlich,[28] 2015 wurde er an Tilman Santarius verliehen.[29]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Vereinigung für Ökologische Ökonomie e.V., Irmi Seidl (Hrsg.): Ökologische Ökonomie. Ansätze zur Positionsbestimmung der Vereinigung für Ökologische Ökonomie. 1999 (voeoe.de [PDF]).
  • Eva Lang, Christiane Busch-Lüty, Jürgen Kopfmüller (Hrsg.): Wiedervorlage dringend: Ansätze für eine Ökonomie der Nachhaltigkeit. oekom verlag, München 2007, ISBN 978-3-86581-070-0.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Christiane Busch-Lüty, Hans-Peter Dürr: Ökonomie und Natur: Versuch einer Annäherung im interdisziplinären Dialog. In: Heinz König (Hrsg.): Umweltverträgliches Wirtschaften als Problem von Wissenschaft und Politik (= Schriften des Vereins für Socialpolitik). Duncker & Humblot, Berlin 1993, ISBN 3-428-07771-7, S. 13–44 (voeoe.de [PDF; abgerufen am 3. Februar 2015]). Vgl. auch die Vorbemerkung im Online-Dokument.
  2. Gründung einer Vereinigung für Ökologische Ökonomie im deutschsprachigen Raum: Call for Members. In: Ökologisches Wirtschaften. 1/1996. Abgerufen am 5. Februar 2012.
  3. a b c VÖÖ: Wir über uns und Leitbild, voeoe.de, abgerufen am 15. November 2016.
  4. Arne Daniels: Teleunternehmen: Amerikanische Hochzeit Brauereien: Schwäbische Allianz Eurotunnel: Französisch-britischer Flop. In: Die Zeit. Nr. 18, 1996 (zeit.de).
  5. a b Peter Finke: Die VÖÖ am Scheideweg (PDF; 23 kB), abgerufen am 6. Oktober 2011
  6. Peter Finke: Transdisziplinarität und Methodologie. In: Vereinigung für Ökologische Ökonomie e.V., Irmi Seidl (Hrsg.): Ökologische Ökonomie. Ansätze zur Positionsbestimmung der Vereinigung für Ökologische Ökonomie. 1999, S. 6–16. (voeoe.de [PDF]).
  7. a b c Tagungen, voeoe.de, abgerufen am 15. November 2016
  8. Schriftenreihe, voeoe.de, abgerufen am 15. November 2016.
  9. Corinna Burkhart: Who says what is absurd? A case study on being(s) in an alternative normality. Vereinigung für Ökologische Ökonomie e.V., Heidelberg 2015, ISBN 978-3-9811006-4-8 (PDF, 1.1 MB).
  10. Dirk Posse: Zukunftsfähige Unternehmen in einer Postwachstumsgesellschaft. Eine theoretische und empirische Untersuchung. Vereinigung für Ökologische Ökonomie e.V., Heidelberg 2015, ISBN 978-3-9811006-2-4 (PDF, 1 MB).
  11. VÖÖ Discussion Papers, ISSN 2366-7753, auch verfügbar bei econstor.eu.
  12. Veröffentlichungen der VÖÖ
  13. Netzwerk Wachstumswende, abgerufen am 16. Juni 2014
  14. Netzwerk Wachstumswende, abgerufen am 12. Januar 2013
  15. Vorstand der VÖÖ, voeoe.de, abgerufen am 15. November 2016.
  16. a b Der Vorstand 2010–2012, voeoe.de, abgerufen am 15. November 2016.
  17. a b c Der Vorstand 2012–2014, voeoe.de, abgerufen am 15. November 2016.
  18. a b Der Vorstand 2014–2016, voeoe.de, abgerufen am 15. November 2016.
  19. Adelheid Biesecker bei nachhaltigkeit-neu-denken.de (Memento vom 26. März 2008 im Internet Archive)
  20. beate-weber.de, abgerufen am 18. Oktober 2011.
  21. Hans-Peter Dürr, 7.10.1929 – 18.05.2014, voeoe.de, abgerufen am 16. Juni 2014.
  22. Christiane Busch-Lüty, voeoe.de, abgerufen am 15. November 2016.
  23. Satzung der VÖÖ, §2. Abgerufen von voeoe.de am 22. März 2016.
  24. Meilensteine der VÖW, abgerufen am 18. Juni 2011.
  25. Heidelberger Erklärung 2003 (PDF; 115 kB), abgerufen am 6. Oktober 2011
  26. Jubiläumstagung 2011 auf der Seite der VÖÖ, abgerufen am 6. Oktober 2011.
  27. Jahrestagung 2012 auf der Seite der VÖÖ, abgerufen am 26. Februar 2013.
  28. Hohe Ehre für die Lüneburger Soziologin Daniela Gottschlich. In: Landeszeitung für die Lüneburger Heide. 14. September 2013.
  29. Christiane Busch-Lüty Förderpreis für Ökologische Ökonomie. In: voeoe.de, abgerufen 27. Januar 2016.