Völkenrode

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Völkenrode
Wappen von Völkenrode
Koordinaten: 52° 18′ 17″ N, 10° 26′ 33″ O
Höhe: 74 m ü. NN
Einwohner: 1743 (31. Dez. 2017)[1]
Eingemeindung: 1. März 1974
Postleitzahl: 38112
Vorwahl: 0531
Karte
Lage Völkenrodes in Braunschweig
Grünanlage „Klever Bleeke“ in Völkenrode
Grünanlage „Klever Bleeke“ in Völkenrode

Völkenrode ist ein Stadtteil von Braunschweig. Der Ort wurde 1974 im Zuge der Gebietsreform in Niedersachsen eingemeindet. Er liegt nordwestlich der Kernstadt und gehört zum Stadtbezirk 321 – Lehndorf-Watenbüttel. Der Ortsteil gilt, auch wegen seiner Nähe zum 2009 errichteten Yachthafen Marina Bortfeld in Bortfeld (Wendeburg), der teils historischen Bausubstanz sowie diverser Neubauprojekte im höherpreisigen Segment als "gehoben".

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1344 wird der Ort erstmals in einer Urkunde als „Villa Volkingrode“, ein herzogliches Lehen der Herren von Weferlingen, erwähnt. Das Gebiet war jedoch schon vorher besiedelt, wie Urnenfunde vom Ende des 19. Jahrhunderts belegen, die bei der Anlage von Spargelfeldern südlich der Ansiedlung entdeckt wurden. Sie werden der Jastorf-Kultur (etwa 600 bis 500 v. Chr.) zugeordnet.

Völkenrode
Ämteratlas des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel von Gottfried Mascop, 1574.
Die erste kartografische Darstellung Völkenrodes 1574 im Ämteratlas des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel von Gottfried Mascop.

Völkenrode zählte ursprünglich zu den so genannten Rundlingsdörfern und war um einen zentralen Platz (heute Pöttgerbrink) angeordnet. Östlich davon lag ein zweiter Siedlungskern, der sich um den grünen Platz (heute Dorfplatz) gebildet hatte. Hier hatten sich unter anderem auch Neusiedler aus dem wüst gefallenen Rischau niedergelassen. In den Jahren 1566 bis 1569 waren in Völkenrode 26 Höfe, sogenannte Kotsassen, registriert.[2]

Im Jahr 1743 wurde das Dorf bei einem großen Brand fast vollständig zerstört. Nur zwei alte Häuser im Dorf sind aus der Zeit davor erhalten geblieben. Das Kirchengebäude war jedoch völlig niedergebrannt und wurde 1744 neu errichtet. 1894 kam zu Völkenrode ein Rieselgut, das Gut Steinhof, hinzu und in den Jahren 1916 bis 1923 wurde es durch die Anlage einer Eisenbahnstrecke erschlossen. Die Eisenbahnstrecke ist heute weitgehend stillgelegt und wird nur noch von dem Recyclingunternehmen Alba und dem VW-Logistikzentrum in Harvesse für wöchentliche Waggontransporte genutzt. Mit dem "Spargel-Express"[1] besteht allerdings die Überlegung, die Eisenbahnstrecke zu reaktivieren.

Forschungsanstalt für Luftfahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Machtergreifung durch die NSDAP 1933 wurde vom Reichsluftfahrtministerium ein neuer Forschungszweig eingerichtet, für den ein geeigneter Standort gesucht und mit der Deutschen Forschungsanstalt für Luftfahrt (DFL bzw. LFA) ab 1936 bezogen wurde.

Die Stadt Braunschweig war als Standort von vornherein favorisiert worden. Führende Nationalsozialisten, wie der Ministerpräsident des Landes Braunschweig Dietrich Klagges, der Oberbürgermeister der Stadt Braunschweig Wilhelm Hesse und Staatsminister Fritz Alpers setzten sich für dieses Anliegen ein, so dass die Stadt tatsächlich den Zuschlag erhielt. Bedingung war, dass ein kostenfreies Gelände zur Verfügung gestellt und sowohl für eine geeignete Verkehrsanbindung als auch für Wohnraum für die dort eingesetzten Mitarbeiter gesorgt wurde. Schließlich wurde ein 483 ha großer Bereich zwischen Völkenrode, Bortfeld und Lamme ausgewählt, wodurch insgesamt 15 Familien nach Winnigstedt, Barnsdorf und Neuhaus umgesiedelt werden mussten.[2] Die ersten Planierungsarbeiten begannen bereits im Herbst 1935, Baubeginn war im Oktober 1936.[3]

Geplant waren unter anderem folgende Einrichtungen: Werkstätten und ein zentral gelegener Flugplatz sowie je ein Institut für Aerodynamik und Gasdynamik, für Festigkeit, für Waffenforschung und eines für die Motorenforschung.

Die Gebäude wurden zur besseren Tarnung im Wald errichtet, die DFL blieb jedoch von Luftangriffen verschont und wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs von amerikanischen Truppen besetzt. 1947 wurde die DFL geschlossen und die Versuchseinrichtungen entweder zerstört oder demontiert. Stattdessen wurden auf dem Gelände die „Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft“ (FAL) und die „Physikalisch-Technische Bundesanstalt“ (PTB) eingerichtet.[3]

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Religion und Brauchtum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Es besteht eine evangelisch-lutherische Kirchengemeinde. Der vierteljährlich erscheinende Gemeindebrief (Auflage: 2.300) behandelt ein überregionales, religiös-gesellschaftliches Schwerpunktthema und wird von ehrenamtlichen Mitarbeitern kostenlos an alle Haushalte im Ort verteilt.
  • Jeweils zum 1. Mai und 1. Dezember veranstaltet die Bürgergemeinschaft Völkenrode ein Fest.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Völkenrode

Das Wappen ist vertikal geteilt und zeigt in der einen Hälfte eine goldene Ähre auf blauem Feld und in der anderen eine blaue Feder auf goldenem Grund.

Die Ähre symbolisiert die landwirtschaftliche Forschungsanstalt und die bäuerliche Ausprägung des Ortes. Die Feder steht für ein nahe gelegenes Vogelschutzgebiet. Die Farben Blau-Gelb entsprechen den ehemaligen Braunschweiger Landesfarben.

Arnold Rabbow hat das Wappen entworfen, es wurde am 13. April 1981 von der Bürgerversammlung angenommen und am 15. Juni vom Ortsrat Watenbüttel bestätigt.[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Völkenrode – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Einwohner nach Statistischen Bezirken. In: www.braunschweig.de. Stadt Braunschweig, 31. Dezember 2017, abgerufen am 12. Februar 2018.
  2. a b Völkenrode - ein kleiner Ort vor Braunschweig. In: www.braunschweig.de. Stadt Braunschweig, abgerufen am 11. Februar 2018.
  3. a b @1@2Vorlage:Toter Link/www.brunswiek-historica.de Seite nicht mehr abrufbar; Suche in Webarchiven: Geschichte der Forschungsanstalt für Luftfahrt (PDF; 329 kB) auf brunswiek-historica.de
  4. Grundschule gs-voelkenrode-watenbuettel.de
  5. Buslinien der BSVAG auf braunschweiger-verkehrs-ag.de
  6. Sportverein auf tsveintrachtvoelkenrode.de
  7. Arnold Rabbow: Neues Braunschweigisches Wappenbuch. Braunschweiger Zeitungsverlag, Meyer Verlag, Braunschweig 2003, ISBN 3-926701-59-5, S. 29.