Vellore

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Vellore
வேலூர்
Vellore (Indien)
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Staat: Indien
Bundesstaat: Tamil Nadu
Distrikt: Vellore
Lage: 12° 55′ N, 79° 8′ OKoordinaten: 12° 55′ N, 79° 8′ O
Höhe: 216 m
Fläche: 87,9 km²
Einwohner: 185.803 (2011)[1]
Bevölkerungsdichte: 2114 Ew./km²
Website: Vellore
Vellore – Festungsgräben
Vellore – Festungsgräben

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Vellore (Tamil: வேலூர் Vēlūr) ist eine Stadt mit rund 190.000 Einwohnern im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu. Sie ist Verwaltungssitz des Distrikts Vellore.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vellore erstreckt sich auf beiden Ufern des Palar-River etwa 140 km (Fahrtstrecke) westlich von Chennai (ehemals Madras) in einer Höhe von ca. 220 m ü. d. M. Das Klima ist heiß und in der zweiten Jahreshälfte durchaus regnerisch.[2]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Assumption cathedral

Ca. 70 % der Einwohner Vellores sind Hindus, ca. 24 % sind Muslime und knapp 5 % sind Christen; Vellore ist seit 1953 Sitz eines katholischen Bistums. Etwas mehr als 1 % entfällt auf die Religionsgemeinschaften der Buddhisten, Jains und Sikhs. Der weibliche Bevölkerungsanteil liegt leicht über dem männlichen.[3] Die Hauptsprache ist, wie in ganz Tamil Nadu, das Tamil, das von 71 % der Bevölkerung als Muttersprache gesprochen wird; 21 % sprechen Urdu und 6 % Telugu, aber auch Hindi und Englisch werden von den meisten Städtern verstanden und gesprochen.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Jahrhunderten bildet die Herstellung und Verarbeitung von Leder die wirtschaftliche Grundlage für das Leben in der Stadt. Heute ist Vellore vor allem für sein Krankenhaus, das Christian Medical College (CMC), das als eines der größten und bestausgerüsteten Indiens gilt, sowie für die private Universität Vellore Institute of Technology (VIT) bekannt. Außerdem gibt es mehrere der Universität von Chennai angegliederte Colleges in der Stadt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mittelalter stand Vellore unter der Herrschaft der Pallava, Rashtrakuta, Chola sowie des Reiches Vijayanagar. Nach dessen Zerfall infolge der Schlacht von Talikota im Jahre 1565 schwangen sich die Nayaks, die ehemaligen Provinzstatthalter Vijayanagars, zu regionalen Machthabern auf. Auch Vellore geriet unter die Kontrolle eines Nayaks, der in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts den Bau einer starken Festung zur Verteidigung der Stadt anordnete. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts fiel die Festung in die Hände des Sultans von Bijapur, dessen Truppen jedoch schon 1676 von den Marathen wieder vertrieben wurden. Auf sie folgte 1708 Daud Khan, der erste Nawab von Arcot. Er und seine Nachfolger konnten Vellore bis 1760 halten, als die Briten erstmals bis in die Stadt vorstießen. Wenige Jahre darauf wurde die Festung vom muslimischen Feldherrn Hyder Ali, der sich 1761 an die Spitze des Königreiches Mysore gesetzt hatte, übernommen. Für Hyder Ali und seinen Nachfolger Tipu Sultan stellte sie ein wichtiges Bollwerk gegen die britischen Widersacher dar. Letzteren gelang es jedoch, die Stadt zwischen 1780 und 1782, während des Zweiten Mysore-Krieges, besetzt zu halten. Nach der endgültigen Niederlage Mysores 1799 wurden Tipu Sultans Kinder von den Briten in der Festung Vellore gefangen gehalten.

Berühmt wurde Vellore durch einen Aufstand indischer Söldner gegen ihre britischen Befehlshaber am 10. Mai 1806, der als Vellore Munity in die Geschichte einging. Damals stürmten aufständische Soldaten die Festung Vellore, um die Kinder Tipu Sultans zu befreien. Britische Truppen schlugen die Meuterei jedoch innerhalb weniger Stunden blutig nieder.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gopuram-Torbau des Sri Jalakandeswarar-Tempels
  • Die wichtigste Sehenswürdigkeit der Stadt ist die von einem Wassergraben umgebene Festung aus dem 16. Jahrhundert.
  • Der im Bereich des Forts stehende Jalagandeswarar-Tempel stammt aus der Zeit der Vijayanagar-Herrschaft über die Stadt. Seine vier Torbauten (gopurams) überragen den – innerhalb eines ummauerten Tempelbezirks stehenden – eigentlichen Tempel bei Weitem. Wie die meisten Skulpturen der Epoche entbehren auch die des Jalagandeswarar-Tempels nicht einer gewissen Grobheit.
  • Die Ende des 20. Jahrhunderts erbaute Assumption Cathedral ist ein Zentralbau mit zahlreichen Giebelfenstern und einem mittigen Kegel.

Umgebung

  • Ca. 8 km südwestlich beim Ort Sripuram liegt – innerhalb einer sternförmigen Außenmauer – der im Jahr 2007 eingeweihte Golden Temple der Sri-Lakshmi-Narayani-Sekte.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vellore – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vellore – Census 2011
  2. Vellore – Klimatabellen
  3. Vellore – Census 2011