Verfolgungsjagd

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Eine Verfolgungsjagd (auch Verfolgungsfahrt genannt) ist die Verfolgung eines Kriminellen durch die Polizei. Verlässt die verfolgende Behörde dabei ihr Hoheitsgebiet, spricht man von „Nacheile“.

Realität[Bearbeiten]

Verfolgungsjagden stellen ein großes Verkehrssicherheitsproblem dar. Im Vereinigten Königreich gibt es Schätzungen, nach denen pro Jahr 40 Personen in Unfällen getötet werden, in die Polizeifahrzeuge involviert sind.[1]

Situation in Deutschland[Bearbeiten]

Eine Verfolgungsfahrt ist die Bezeichnung für einen Sonderfall einer Dringlichkeitsfahrt von Polizei und Ordnungskräften. Im offiziellen Sprachgebrauch von Ordnungsbehörden kommt es dazu, wenn eine Person versucht, sich mit Hilfe eines motorisierten Kraftfahrzeugs dem Zugriff durch Polizeivollzugsbeamte zu entziehen.

Zu einer Verfolgungsfahrt wird der routinemäßige Anhaltevorgang eines Autofahrers durch die Polizei in dem Moment, wenn die Anhaltesignale absichtlich missachtet werden und die Fahrt (meistens mit erhöhter Geschwindigkeit) fortgesetzt wird. Die Gründe hierfür sind vielfältig, einige Beispiele wären Fahren ohne Führerschein, Angst vor Verlust des Führerscheins, gesuchte Straftäter, Drogen- und/oder Alkoholmissbrauch, Fahrerflucht nach Straßenverkehrsunfall, psychologische Ursachen.

Eine Verfolgungsfahrt wird in der Regel mit Streifenwagen durchgeführt. In seltenen Fällen, z. B. Geiselnahmen, bei denen der oder die Täter mit ihren Geiseln in einem Fahrzeug flüchten, wird das Mobile Einsatzkommando (MEK) hinzugezogen. Diese Spezialisten nehmen meist in zivilen Einsatzfahrzeugen die Verfolgung auf. Es wird versucht, den Flüchtenden bzw. das zu verfolgende Fahrzeug zu stoppen. Hier ergeben sich nationale Unterschiede: In Deutschland versucht man das Risiko für andere Verkehrsteilnehmer so gering wie möglich zu halten und folgt dem Fahrzeug, bis sich die Möglichkeit bietet, es durch Überholen und Ausbremsen oder, in seltenen Fällen, durch Rammen mit dem Polizeifahrzeug zum Anhalten zu bewegen. Neben den Polizisten rast auch der Verfolgte, ein Laie, mit und legt „meist eine erhebliche Strecke bei hohen Geschwindigkeiten zurück“. „Daraus ergibt sich, dass das Risiko für Dritte sowie die Betroffenen selbst um ein mehrfaches höher ist, als bei gewöhnlichen Dringlichkeitsfahrten.“[2]

Situation in den USA[Bearbeiten]

In den USA sterben jährlich ungefähr 360 Personen bei Verfolgungsjagden der Polizei.[3] Im Jahr 2002 wurden allein in Los Angeles 700 Verfolgungsjagden gemeldet.[4] Zudem werden einige spektakuläre Verfolgungsjagden von Nachrichtenteams aus dem Helikopter heraus aufgenommen und live im Fernsehen übertragen. Große Bekanntheit erlangte die Verfolgungsjagd von O. J. Simpson im Jahr 1994.

Verfolgungsfahrten kommen in den USA weitaus häufiger vor als in Europa. Los Angeles war 2002 die Stadt mit den weltweit häufigsten Car Chases. [5]Die dortigen Polizeifahrzeuge sind zu diesem Zweck oft noch zusätzlich mit einem Rammbock ausgestattet. Auch hier wird versucht, Unbeteiligte zu schützen, doch aufgrund der Straßenverhältnisse und der höheren Gefährdung durch bewaffnete Straftäter werden oft auch innerhalb von Städten rabiate Methoden angewandt.

In der Vergangenheit kam es dabei immer wieder zu schweren Unfällen, bei denen Beteiligte die Kontrolle über ihr Fahrzeug verloren und Personen schwer verletzt oder gar getötet wurden. Seit der Häufung dieser Vorfälle sind Verfolgungsfahrten, insbesondere in Kalifornien, zu einer umstrittenen Angelegenheit geworden. Jedoch sind sie oft nötig, um Personen zu stellen, die eine Straftat begangen haben oder eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellen.

Verfolgungsjagden im Film[Bearbeiten]

In Film und Fernsehen ist eine Verfolgungsjagd eine Sequenz, in der ein oder mehrere Fahrzeuge von Anderen gejagt werden. Verfolgungsjagden sind weit verbreitet im Actiongenre und sind sogar Hauptmotiv einiger Filme. Sie sind vor allem beliebt, da sie schnelle, actionreiche Szenen liefern, ohne einen großen Finanzaufwand zu erfordern. Durch Autounfälle kann zudem Gewalt dargestellt werden, ohne dass Menschen Schaden zugefügt wird.

Verfolgungsjagden wurden in Filmen schon früh dargestellt. Schon 1913 hatte der Regisseur Franz Hofer in seinem Film Die schwarze Kugel eine Verfolgung dargestellt und damit den Grundstein für die noch heute dafür gültige Schnitttechnik gelegt.

Als erste moderne Verfolgungsjagd gilt jene im Film Bullitt von 1968, da sie wesentlich länger und schneller war als vorherige. Zudem wurden Kameraeinstellungen verwendet, die dem Zuschauer das Gefühl gaben, im Auto selbst zu sein. French Connection erhöhte den Realismus noch weiter: Während frühere Verfolgungsjagden auf geschlossenen Straßen oder Landstraßen stattfanden, wurden die Szene hier inmitten des normalen Verkehrs dargestellt. Ein weiterer Meilenstein war Die Seven-Ups, in dem eine wilde Verfolgungsjagd durch New York dargestellt wird, die von vielen als ähnlich zu Bullitt gesehen wird.

Seit Bullitt wurden die Verfolgungsjagden in Filmen ständig aufwendiger und unterhaltsamer. Unfälle nehmen eine zunehmend wichtigere Rolle ein, und die Zerstörung von Fahrzeugen wird von den Zuschauern oft erwartet. Ein frühes Beispiel eines solchen Unfalls findet sich in dem 1974er Film McQ. In der Filmkomodie Blues Brothers aus dem Jahr 1980 kommt es gleich zu mehreren Verfolgungsjagden der Titelhelden (in einem 1974er Dodge Monaco): zunächst die Flucht vor der Polizei mitten durch ein Einkaufszentrum, dann die Flucht vor einer geprellten Country-Band, sowie vor Angehörigen der Partei der amerikanischen Nationalsozialisten. Die abschließende Verfolgungsjagd vor der Polizei nach Chicago (später begleitet von Feuerwehr, Armee und Nationalgarde), mit zahlreichen Massenkarambolagen, gilt als eine der eindrucksvollsten der Filmgeschichte.

Am verbreitetsten dürfte die Verfolgungsjagd sein, in der ein Auto von der Polizei gejagt wird. Aber auch Busse, LKWs, Motorräder, Schneemobile, Panzer und praktisch jeder andere Typ von Fahrzeug waren in diesem oder jenem Film in Verfolgungsjagden zu sehen. Sämtliche James-Bond-Filme enthalten meist mehrere detailliert inszenierte Verfolgungsjagden.

Einige Fernsehserien enthalten Verfolgungsjagden als ein Hauptmotiv, wie zum Beispiel Knight Rider, Alarm für Cobra 11 oder Airwolf.

In zahlreichen Zeichentrickfilmen, wie Tom und Jerry, sind Verfolgungsjagden ein wichtiges Element.

Verfolgungsjagden in Computerspielen[Bearbeiten]

Einige Computerspiele enthalten Spielmodi, in denen Verfolgungsjagden dargestellt werden. Hierzu gehören unter anderem:

Literatur[Bearbeiten]

  • Stephan Schwentuchowski, Martin Herrnkind (Hrsg.): Einsatz- und Verfolgungsfahrten., Verlag für Polizeiwissenschaft, ISBN 978-3-86676-024-0 [6]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. IPCC publishes major study on police road traffic incidents auf der Website der Independent Police Complaints Commission. Abgerufen am 3. Juni 2015.
  2. http://www.ccfw.ch/masterarbeit_haenggi-ohne-kapital-7.2-3.pdf
  3. Zeitungsartikel zum Thema Tote bei Verfolgungsjagden (englisch) abgerufen am 17. Juni 2014
  4. Los Angeles urges media to curb coverage of police chases auf smh.com.au. Abgerufen am 3. Juni 2015.
  5. http://www.smh.com.au/articles/2003/02/27/1046064169270.html?oneclick=true
  6. Polizeispiegel 2008 (PDF-Datei; 1,99 MB)