Victoria amazonica

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Victoria amazonica
Victoria amazonica, Blüte in der ersten Nacht

Victoria amazonica, Blüte in der ersten Nacht

Systematik
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Ordnung: Seerosenartige (Nymphaeales)
Familie: Seerosengewächse (Nymphaeaceae)
Unterfamilie: Nymphaeoideae
Gattung: Riesenseerosen (Victoria)
Art: Victoria amazonica
Wissenschaftlicher Name
Victoria amazonica
(Poepp.) J.C.Sowerby

Victoria amazonica, auch Amazonas-Riesenseerose genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Riesenseerosen (Victoria) innerhalb der Familie der Seerosengewächse (Nymphaeaceae). Sie ist in den flachen Gewässern, wie in Altwässern und Bayous, des Amazonas-Beckens heimisch.

Beschreibung und Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration aus Victoria Regia : or, Illustrations of the Royal water-lily, in a series of figures chiefly made from specimens flowering at Syon and at Kew by Walter Fitch; with descriptions by Sir W.J. Hooker., 1851

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Victoria amazonica ist eine krautige Pflanze. Die Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Der untergetauchte Blattstiel besitzt eine Länge von 7 bis 8 Meter. Die auf dem Wasser schwimmende Blattspreite besitzt einen Durchmesser von bis zu 3 Meter.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blüten weisen Durchmesser von bis zu 40 Zentimeter auf. Die Blüten sind in ihrer ersten Nacht, in der sie sich öffnen, weiß und wechseln ihre Farbe in der zweiten Nacht zu rosafarben. Die Bestäubung erfolgt durch Käfer.

Illustration von Walter Hood Fitch, 1851

Systematik und botanische Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Victoria amazonica gehört zur Gattung Victoria in der Unterfamilie Nymphaeoideae innerhalb der Familie Nymphaeaceae, früher Euryalaceae.[1] Synonyme für Victoria amazonica (Poepp.) J.C.Sowerby sind: Euryale amazonica Poepp., Nymphaea victoria R.H.Schomb. ex Lindl. nom. inval., Victoria amazonica Planch. ex Casp., Victoria regia Lindl., Victoria regia var. randii hort. ex Conard nom. inval., Victoria regina R.H.Schomb.[1][2]

Die Erstbeschreibung dieser Art erfolgte 1836 unter dem Namen (Basionym) Euryale amazonica Poepp. durch Eduard Friedrich Poeppig in Reise in Chile, Peru, Band 2, S. 432 (Frorieps Notizen 35, 1832, S. 131).[1][2] Der heute gültige Name wurde 1850 durch James de Carle Sowerby in Annals and Magazine of Natural History, Ser. 2, 6, S. 310 veröffentlicht.[2]

John Lindley stellte 1837 in Monog. 3 die Gattung Victoria auf.[2] Im Oktober 1837 veröffentlichte Lindley, basierend auf Pflanzenexemplaren, die durch Robert Schomburgk in Britisch-Guayana gesammelt wurden, den Namen Victoria regia. Lindley benannte die Gattung Victoria und die Art Victoria regia nach der damals jüngst gekrönten britischen Königin Victoria.[3] Die Schreibweise nach Schomburgks Beschreibung im Athenaeum, einen Monat zuvor veröffentlicht, war noch mit Victoria Regina angegeben.[4] Trotz der Tatsache, dass die Schreibweise durch die Botanical Society of London für ihr neues Emblem angepasst wurde, wurde Lindleys Version während des 19. Jahrhunderts durchweg benutzt.[5]

In der Erstbeschreibung als Euryale amazonica aus dem Jahr 1832 beschrieb Eduard Friedrich Poeppig eine Ähnlichkeit mit Euryale ferox. Eine Sammlung und Beschreibung wurde ebenso durch den französischen Botaniker Aimé Bonpland im Jahr 1825 erstellt.[3] 1850 bemerkte James de Carle Sowerby in Ann. Mag. Nat. Hist., Ser. 2, 6, 310 Poeppigs frühere Beschreibung und überführte das Artepitheton zu amazonica. Der neue Name wurde durch Lindley jedoch abgelehnt. Die aktuelle Bezeichnung Victoria amazonica setzte sich dadurch erst im 20. Jahrhundert durch.[5]

„On unbent leaf in fairy guise,
Reflected in the water,
Beloved, admired by hearts and eyes,
Stands Annie, Paxton's daughter...“


Annie, die Tochter von Joseph Paxton, wird von einem Blatt der Victoria amazonica im speziell für diese Pflanze angelegten Gewächshaus in den Royal Botanic Gardens getragen.
Publiziert in der Illustrated London News vom 17. November 1849

Unter dem Namen Victoria regia war sie einst Gegenstand einer Rivalität zwischen viktorianischen Gärtnern in England. Stets auf der Suche nach einer spektakulären neuen Art mit denen sie ihre Peers beeindrucken konnten, begannen die viktorianischen Gärtner (In Wahrheit gärtnerten sie nie selbst, sondern beschäftigten talentierte Gartenbauer so wie Joseph Paxton (für Devonshire) und den in Vergessenheit geratenen Herr Ivison (für Northumberland) um ihre Liegenschaften und Gärten zu pflegen.) wie der Duke of Devonshire und der Duke of Northumberland einen Wettstreit darum wer der Erste sein würde diese enorme „Seerose“ zunächst zu kultivieren und dann zur Blüte zu bringen. Letztlich waren es die beiden eben erwähnten Herzöge, die dies erreichten, wobei es Joseph Paxton (für den Duke of Devonshire) als erstes im November 1849 [6] gelang indem er den warmen sumpfigen Habitat dieser Art nachbaute („nicht einfach im winterlichen England ausgerüstet lediglich mit einer kohlebefeuerten Heizung“)[7][8], und ein gewisser „Herr Ivison“ als Zweitem jedoch längerfristig erfolgreichen (für Northumberland) im Syon House[9].

Diese Pflanzenart erregte öffentliches Aufsehen und wurde Gegenstand etlicher ihr gewidmeter wissenschaftlicher Einzeldarstellungen. Die botanischen Illustrationen von kultivierten Exemplaren in Fitchs und W. J. Hookers Arbeit Victoria Regia von 1851[10] erfuhren kritische Würdigung im Athenaeum, „they are accurate, and they are beautiful“ (dt.: „sie sind akkurat und sie sind schön“).[11] Der Duke of Devonshire beschenkte Königin Victoria mit einer der ersten Blüten[6] und benannte sie ihr zu Ehren. Die Seerose mit ihren Stützrippen auf der Blattunterseite wie „Träger und Halter“, inspirierten Paxton später zum Bau des Crystal Palace, einem Gebäude viermal so groß wie der Petersdom in Rom.[12]

Kultur im Gewächshaus des Botanischen Garten Bochum

Kulturbedingungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese tropische Wasserpflanze weist eine Winterhärte entsprechend der USDA-Klimazonen 10-11 auf. Sie kann zwar in Teichen und Schaubecken den Sommer über auch in Gebieten in denen es Frost gibt in Freien kultiviert werden, muss dann aber zur Überwinterung in frostfreie Räume gebracht werden. Üblicherweise wird sie aber wie einjährige Pflanzen im späten Winter ausgesät, in Containern im Gewächshaus vorkultiviert und dann den Sommer über in den Schaubecken weiter gepflegt. In botanischen Gärten der gemäßigten Zonen wird Victoria amazonica oft in Gewächshäusern gepflegt. Sie gedeiht am besten in klarem Süßwasser bei voller Sonne.[13]

Wappen von Guyana

Wappen und Mythologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Abbildung ist Victoria amazonica Teil des Wappens von Guyana.

Victoria amazonica fand auch Eingang in die Mythologie der Guaraní, wonach der Mond eine sich opfernde Prinzessin zur Victoria amazonica, dem „Stern der Wasser“ umwandelte. [14]

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Victoria amazonica im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 28. Dezember 2013.
  2. a b c d Victoria amazonica bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis, abgerufen am 28. Dezember 2013.
  3. a b Kit Knotts: Victoria's History. In: Victoria Adventure. Knotts. Abgerufen am 28. Dezember 2013.
  4. R.H.Schomb., Athenaeum 515, S. 661. Sep 9. 1837
  5. a b Piers Trehane, Pagels, Walter: Victoria Regia or Victoria Regina? How A Politics Can Change A Waterlily Name. In: Letters. (cited at GRIN). Victoria Adventure. 2001. Abgerufen am 4. April 2009.
  6. a b victoria-adventure.org: History of Victoria
  7. doaks.org: Online publications
  8. chatsworth.org: garden attractions
  9. victoria-adventure.org: Gardeners of Victoria
  10. Victoria Regia : or, Illustrations of the Royal water-lily, in a series of figures chiefly made from specimens flowering at Syon and at Kew by Walter Fitch; with descriptions by Sir W.J. Hooker..
  11. Samuel Austin Allibone: A critical dictionary of English literature and British and American authors., Band 1. George W. Childs, 1863.
  12. H. Peter Loewer: The Evening Garden: Flowers and Fragrance from Dusk Till Dawn. Timber Press, 2002. ISBN 978-0-88192-532-6. S. 130.
  13. Datenblatt des Missouri Botanical Garden.
  14. Brazilian Legend about the Lily pad

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Victoria amazonica – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien