Vojvodina

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Аутономна Покрајина Војводина
Autonomna Pokrajina Vojvodina
Vajdaság Autonóm Tartomány
Autonómna Pokrajina Vojvodina
Provincia Autonomă Voivodina
Автономна Покраїна Войводина
Autonome Provinz Wojwodina
Flagge Wappen
Flagge der Provinz Wappen der Vojvodina
(Details) (Details)
Basisdaten
Administration: Novi Sad
Fläche: 21.506 km²
Einwohner: 1.916.889 (1. Oktober 2011)
Bevölkerungsdichte: 89,13 Einwohner je km²
Amtssprachen: Serbisch, Ungarisch, Slowakisch, Kroatisch, Rumänisch, Ruthenisch[1]
BIP
 - Total
 - Anteil BIP Serbien
2005
n/a  Mrd. €
n/a
Staatsform: autonome Provinz innerhalb Serbiens
Vorsitzender des Exekutivrates: Bojan Pajtić
Parlamentspräsident: Sándor Egeresi
Offizielle Website: www.vojvodina.gov.rs
Karte
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Vojvodina in Serbien

Die Vojvodina [ˈvɔjvɔdina] (Serbisch Kyrillisch: Војводина; deutsch auch Wojwodina oder Woiwodina; ungarisch: Vajdaság) ist eine autonome Provinz in der Republik Serbien. Sie macht den Landesteil nördlich der Save und Donau aus, dessen administrative Grenze vom Westen her überwiegend an der Save entlang (am Bezirk Belgrad mit einem Bogen Richtung Norden) und weiter in Richtung Osten zur rumänischen Grenze fast ständig an der Donau entlang verläuft. Administrativer Hauptsitz ist Novi Sad, die zweitgrößte Stadt Serbiens.

Die Vojvodina ist die Heimat vieler verschiedener Volksgruppen. Neben Serben, die mit etwa 66,76 Prozent (2011) die absolute Mehrheit der Bevölkerung stellen, leben in der Vojvodina als anerkannte autochthone Minderheiten unter anderem Ungarn, Slowaken, Kroaten, Rumänen, Bunjewatzen, Šokci, Russinen, Roma, Deutsche und Bulgaren.

Geographie[Bearbeiten]

Das Zwischenstromland Syrmiens in einer Landsat 8 ETM+ Aufnahme, 12. März 2014 (Infrarot Falschfarben)

Den größten Teil der Provinz nimmt die Pannonische Tiefebene ein. In Syrmien durchzieht die bis knapp über 500 m ansteigende Fruška Gora die Provinz. Seit 1960 ist das Gebiet um das Mittelgebirge ein Nationalpark, welcher auch für die Liste des UNESCO-Weltnatur- und Weltkulturerbes nominiert ist. Im äußersten Osten bei Vršac erheben sich die Ausläufer der Karpaten. Hier befindet sich auch mit einer Höhe von 641 m die höchste Erhebung der Vojvodina, der Gudurički vrh. Damit bildet die Vojvodina landschaftlich eine Ausnahme im Vergleich zum übrigen, dem zum größten Teil gebirgigen Serbien.

Die Vojvodina wird von drei großen Flüssen durchlaufen. Die Donau bildet zunächst die Staatsgrenze zum Westen hin und fließt dann durch die Provinz hindurch. Vom Norden her verläuft die Theiß und von Westen fließt die Save auf die Donau zu, die beide außerhalb der Vojvodina bei Belgrad letztlich in diese münden. Die Donau unterteilt in Richtung Osten Serbien einerseits in Zentralserbien und andererseits in die Provinz Vojvodina.

Die Vojvodina ist durch diese Flüsse zugleich in drei historische Regionen gegliedert: Syrmien, Banat und Batschka. Im Südwesten, zwischen Donau und Save, liegt Syrmien (serbisch: Срем / Srem). Nördlich von Syrmien liegt die Batschka (serbisch: Бачка / Bačka). Die Donau bildet hier sowohl die Westgrenze als auch die Südgrenze, da der Fluss hier seinen Lauf Richtung Süden ändert und weiter in östlicher Richtung fließt. Die Theiß ist die Grenze zwischen der Batschka und dem Banat. Das Banat liegt östlich der Theiß und nördlich der Donau. Das Banat wird durch die Staatsgrenze im Osten mit Rumänien in einen serbischen und rumänischen Teil zertrennt.

Der administrativer Hauptsitz ist Novi Sad, die zweitgrößte Stadt in Serbien. Weitere wichtige Städte sind Ruma, Inđija, Sremski Karlovci und Sremska Mitrovica in Syrmien; Subotica, Sombor, Vrbas, Bačka Topola und Bačka Palanka in der Batschka und Zrenjanin, Kikinda, Pančevo und Vršac im Banat.

Die Vojvodina gilt als die Kornkammer Serbiens. In der Frühzeit lag hier das Pannonische Meer. Der fruchtbare Boden der Vojvodina besteht dadurch zum Teil aus Ablagerungen von Meeresfossilien. Deshalb ist die Landwirtschaft sehr ergiebig, weshalb sie ein bedeutender Wirtschaftszweig in der Vojvodina ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Vojvodina im Habsburgerreich[Bearbeiten]

Der Name Vojvodina entlehnt sich aus dem serbischen Vojvodstvo für Heerführung oder Vojvode für Heerführer. Erstmals erwähnt wird sie im Mai 1848 in der Proklamation der Serbische Vojvodina (serb. Srpska Vojvodina) für die Gebiete Syrmien, das Banat, die Batschka und Baranya als Antwort auf die ungarische Erhebung gegen das österreichische Kaiserhaus.

Vor 1848 war die Region Teil des Königreichs Ungarn, welches wiederum zum Habsburgerreich gehörte. Ursprünglich bestand die Vojvodina aus dem Gebieten Bačka und dem Westbanat, in denen zur Bewirtschaftung der Ackerflächen in mehreren so genannten Schwabenzügen schon früher die Donauschwaben angesiedelt wurden. Als Grundlage für die planmäßige Ansiedelung der deutschstämmigen Bevölkerungsanteile in der Vojvodina diente die österreichischen Ansiedelungspolitik (Kolonisierungs-Patent von Kaiserin Maria Theresia, Ansiedlungspatent von Kaiser Joseph II., Politik von Prinz Eugen von Savoyen), um die nach den Türkenkriegen größtenteils entvölkerte pannonische Ebene (Donauebene) mit Steuerzahlern anzusiedeln. Dabei überschneidet sich die geschichtliche und örtliche Zuordnung der Donauschwaben für die Vojvodina auch mit den Buchenlanddeutschen und der Jugoslawien-Ungarn.

1850 wurde das Kronland Woiwodschaft Serbien und Temeser Banat errichtet, dieses 1860 aber wieder aufgelöst und die politische Ordnung von vor 1848/1850 wiederhergestellt. 1868 wurde die Vojvođanska banka gegründet, als eines der ältesten Unternehmen Serbiens existiert sie bis heute.

Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs 1918 gehörte die Vojvodina zu Österreich-Ungarn.

Zwischenkriegszeit und Königreich Jugoslawien[Bearbeiten]

Nach dem Sieg der Entente im Ersten Weltkrieg, welcher auch Serbien angehörte, wurde die Vojvodina dem neu gegründeten Staat der Serben, Kroaten und Slowenen zugeschlagen. Durch die Auflösung der Donaumonarchie wurde die historische Region Banat durch den Vertrag von Trianon in drei geteilt. Rumänien erhielt den größten Teil um Temeswar. Den zweitgrößten Teil erhielt Serbien um Novi Sad, die heutige Vojvodina. Den kleinsten Teil erhielt Ungarn um Szeged. Die Nationalversammlung der Vojvodina beschloss am 25. November 1918, sich Serbien anzuschließen.

Innerhalb des neuen Staates, welcher sich ab 1929 Königreich Jugoslawien nannte, bildete die Vojvodina zusammen mit Syrmien und einem Teil des Engeren Serbien südlich der Donau die Banschaft Donau (serbisch: Dunavska banovina) mit Novi Sad als Hauptstadt.

Erinnerungsstätte an die Opfer der Razzia gegen Juden und Serben in Novi Sad 1942

1941 marschierten deutsche und ungarische Truppen in die Vojvodina ein und teilten sie unter sich auf: Die Baranja und Bačka fielen an Ungarn, der Srem an Kroatien und das Banat wurde einem serbischen Staat unter deutscher Verwaltung zugeschlagen. 1942 kam es zur berüchtigten „Razzia“ in Novi Sad. Dort ließ der ungarische Befehlshaber General Ferenc Feketehalmy-Czeydner vom 21. bis 23. Januar 1942 1246 Zivilisten erschießen, darunter waren 809 Juden, 375 Serben, 8 Deutsche und 18 Ungarn. Mehrere hundert Zivilisten wurden unter das Eis der zugefrorenen Donau geworfen und ertränkt.[2] Heute erinnert eine in Bronze gegossene Skulptur, auf der ein Mann, eine Frau und ein Kind zu sehen sind, an die schreckliche Tat. Dahinter befinden sich Tafeln, auf denen in serbischer und hebräischer Schrift die Namen der identifizierten Opfer eingraviert sind. Während des gesamten Krieges kamen 50.000 Menschen ums Leben, 280.000 waren in Gefangenschaft. Eine der heftigsten Schlachten auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens lieferten sich Josip Broz Titos Partisanen und die deutschen und kroatischen Faschisten im Srem (Sremski Front). Im April 1945 wurde die Vojvodina endgültig befreit. Die meisten der dort ansässigen Donauschwaben wurden vertrieben, tausende Zurückgebliebene wurden in Lagern interniert und kamen dort ums Leben. 1944 war es bereits zu schweren Übergriffen auf die ungarische Minderheit gekommen, nachdem serbische Partisanen die mit Deutschland verbündeten ungarischen Truppen vertrieben hatten[3].

Autonome Provinz Vojvodina[Bearbeiten]

1945 entsteht erneut eine politische Einheit mit der Bezeichnung Vojvodina, die Autonome Provinz Vojvodina. In diesem Jahr wurde die Vojvodina als autonome Provinz mit Novi Sad als Administrativer Hauptsitz in ihren heutigen Grenzen (d. h. ohne die Baranja, dafür mit dem größten Teil Syrmiens) der jugoslawischen Teilrepublik Serbien angeschlossen. 1974 wurde der Autonomiestatus durch eine Verfassungsänderung Josip Broz Titos erweitert. 1989 stufte Präsident Slobodan Milošević die Autonomie der Vojvodina auf den Stand von vor 1974 zurück. Erst nach seinem Sturz erhielt die Vojvodina durch das Omnibus-Gesetz im Jahr 2002 einen Teil der alten Kompetenzen wieder zurück. Mit der neuen Verfassung Serbiens 2006 wurde die Autonomie der Vojvodina um die finanzielle Selbstständigkeit erweitert. Im Oktober 2008 verabschiedete das Vojvodina-Parlament einen Verfassungsentwurf, mit dem an den weitreichenden Autonomie-Status vor der Milošević-Ära angeknüpft werden soll. Die Opposition sieht darin eine separatistische Politik. Das Inkrafttreten der neuen Verfassung ist von der Zustimmung des Zentralparlaments in Belgrad abhängig.[4]

Vorsitzende des Exekutivrates (seit 1991)

Bevölkerung[Bearbeiten]

Ethnien nach Volkszählung 2002

Die Vojvodina zählte 2002 2.031.992 Einwohner, welche sich folgendermaßen auf die sieben Verwaltungsbezirke verteilen:

Die nationale Zugehörigkeit setzt sich laut der Volkszählung von 2002 (1991) aus 65,05 (56,79) % Serben, 14,28 (16,86) % Ungarn, 2,79 (3,16) % Slowaken, 2,78 (3,71) % Kroaten, 2,45 (8,65) % Jugoslawen, 1,75 (2,23) % Montenegrinern, 1,50 (1,93) % Rumänen zusammen. Die restliche Bevölkerung (4,4 %) bilden Bulgaren, Bunjewatzen, Goranen, Mazedonier, Russen, Russinen (zusammen 2,3 %), Roma, Serbiendeutsche, Slowenen, Tschechen, Ukrainer und andere Nationalitäten.[5]

68,97 % der Bürger sind Orthodoxe Christen, 19,11 % Katholiken und 3,55 % Evangelische Christen, die überwiegend der Slowakischen Evangelisch-Christlichen Kirche A. B. in Serbien angehören.

Amtssprachen[Bearbeiten]

In der Vojvodina werden sechs Amtssprachen mit ihren jeweiligen Schriften verwendet: Serbisch (kyrillisches sowie lateinisches Schriftsystem), Ungarisch (lateinisch), Slowakisch (lateinisch), Kroatisch (lateinisch), Rumänisch (lateinisch) und Russinisch (kyrillisch).

Der Vojvodiner Landtag ist Gründer und Herausgeber von den folgenden Zeitschriften die in den jeweiligen Amtssprachen erscheinen: Die Tageszeitungen Dnevnik (Tagesblatt) in serbischer Sprache und Magyar Szó' (Ungarisches Wort). Die Wochenzeitungen Hrvatska riječ (Kroatisches Wort), Hlas Lúdu (Volksstimme – slowakisch), Libertatea (Freiheit – rumänisch) und Rusinska reč (Russinisches Wort)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Vojvodina – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1]
  2. Hungarian Is Faced With Evidence of Role in ’42 Atrocity By Nicholas Wood and Ivana Šekularac, Published October 1, 2006 The New York Times
  3. Erin K. Jenne: Ethnic Bargaining. The Paradox of Minority Empowerment. Cornell University Press, 2007, S. 24
  4. http://www.dw-world.de/dw/article/0,,3718404,00.html?maca=de-newsletter_ostfokus-643-txt-nl
  5. Bevölkerung Serbiens, Veröffentlichung des Statistischen Amtes der Republik Serbien (PDF, englisch)