Vorwerker Friedhof

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Der Vorwerker Friedhof im Norden von Lübeck ist der größte der sechs städtischen Friedhöfe mit einer Fläche von 53 Hektar. Auf ihm befinden sich Kriegsgräberstätten verschiedener Nationen aus dem Ersten Weltkrieg und Zweiten Weltkrieg.[1]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Friedhof erstreckt sich in einem Oval. Er wird auf seinen Längsseiten begrenzt durch Friedhofsallee und den Fackenburger Landgraben. Er grenzt damit an Stockelsdorf. Von der Friedhofsallee aus gibt es die Eingänge 1 zu Verwaltung und Krematorium, Eingang 2 zur Kapelle 1, Eingang 3 zur Kapelle 2 und Eingang 4 für Fußgänger zum Jüdischen Friedhof.[2] Die Linie 7 des Nahverkehrs in Lübeck fährt den Vorwerker Friedhof an.

Anlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entstehungsgeschichte des Friedhofs geht bis auf das Jahr 1902 zurück. Am 30. April des Jahres hatte es der Bürgerausschuss abgelehnt, einen weiteren Friedhof für die Vorstadt St. Lorenz an der Schönböckener Straße einzurichten. Der Senat stellte daraufhin am 22. November den Antrag, die früher schon in Betracht gezogene, dem Staat gehörende Fläche am Vorwerker Weg zwischen Krempelsdorf und Vorwerk in einer Größe von 21 ha 01 a 39qm für die Anlage eines Friedhofes zu bestimmen. Die Kosten für die Übernahme hatte das Finanzdepartement auf rund 94560 Mk. (49 Pfg. je qm) festgesetzt, während die vorläufigen Kosten 243450 Mk. betragen sollten. Zur Verbreiterung des alten Feldweges auf 15 Meter sowie die Schaffung mehrerer Baulichkeiten waren zusätzlich mehrere Landstreifen zu erwerben. Der Bau der Kapelle wurde vorerst am 18. Juli 1904 von der Bürgerschaft nicht genehmigt. Die der Form nach wie eine alte Vicelinkirche wirkende Leichenhalle war geräumiger als die in der Israelsdorfer Allee. Damit wie auf der Kapelle des Allgemeinen Gottesackers, auf der zu jener Zeit im Sommer meistens ein Storch nistete, fehlte auch auf der neuen Leichenhalle neben dem Symbol des Todes nicht das des Lebens. Während bisher die Verwaltung der Friedhöfe durch eine Staatsbehörde, die Kirchhofs- und Begräbnisdeputation, erfolgte, ging der Vorwerker Friedhof am 17. September 1906 durch einen Beschluss der Bürgerschaft in das Eigentum der Stadtgemeinde Lübeck über.[3]

Der Friedhof wurde von Erwin Barth als Gartenfriedhof entworfen und dessen Anlage August Langenbuch, Friedhofsaufseher der Friedhofsdeputation, übertragen. Mit dem ersten Begräbnis am 13. Mai 1907 wurde der nun größte Friedhof der Stadt eröffnet. Zu dem Begräbnis des bejahrten Mitbürgers aus St. Lorenz waren die Mitglieder der Friedhofsbehörde sowie die Vorstände der St. Lorenz- und St. Matthäi-Gemeinde eingeladen gewesen.

Die Friedhofskapelle 1 wurde von 1908 bis 1909 nach den Plänen Carl Mühlenpfordts im Stil der Heimatschutzarchitektur.

Mit dem Fahrplanwechsel 1908 wurde der Friedhof über eine Stichlinie von der Fackenburger Allee aus an den städtischen Nahverkehr mit der Straßenbahn angeschlossen.

Seit 1910 ist auf dem Friedhof auch eine Feuerbestattung möglich.

Im Jahr 1926 wurde der Friedhof nach Plänen des städtischen Gartenarchitekten Harry Maasz erweitert. Die Friedhofskapelle 2 wurde am 6. Dezember 1958 eingeweiht.[4] Im selben Jahr wurde das Innere der Kapelle 1 modernisiert und mit dem Auferstehungsfries von Curt Stoermer geschmückt.

Der Friedhof wird zwischen Kapelle 1 und 2 von zwei Längsstraßen durchzogen. Eine Art Rundweg im Friedhof verbindet die Eingänge der Friedhofsallee und verläuft dann parallel zum Fackenburger Landgraben.[5]

Die Bürgerschaft der Hansestadt Lübeck beschloss am 26. Februar 2015, ein Segment des Friedhofs zwischen Eingang 3 und Fackenburger Landgraben mittelfristig, d. h. bis 2030 bzw. 2050, zu schließen.[6]

Krematorium und Urnengräber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am äußersten Ende des Friedhofes, dicht an dem die Grenze zwischen lübeckischen und oldenburgischem[7] bezeichnenden Landgraben, ist das neue staatliche Krematorium erbaut worden. Es war Ursprünglich eine Verbrennungskirche samt Vorhalle. Die einfache Vorhalle erreichte man von außen durch das Portal zu dem eine breite mit mächtigen Quaderwangen eingefasste Freitreppe führte. Von ihr führte eine Treppe zum Chor hinauf und dann gelangte man durch eine zweite Flügeltür in die mit großen, schlanken Fenstern ausgestattete Haupt- oder Bestattungshalle. Jener Raum ist mit großen, schlanken Fenstern ausgestattet. auf der Rückseite der Haupthalle stand auf einer kleinen Erhöhung, zu der Stufen hinaufführten, die Einsegnungskanzel. Über sie spannte sich ein Rundbogen. Dicht vor ihr befand sich zwischen den einen Baldachin tragenden Säulen der Versenkung. Nördlich der Bestattungshalle befand sich die Sakristei und südlich ein enger Raum für die Angehörigen. Unter ihr war der Verbrennungsraum mit dem in Schamottesteinen ausgeführten Verbrennungsofen. Im darunterliegenden Feuerungsraum wurde die Asche gesammelt und in einer Kapsel gesammelt. Diese konnte auf dem damals die Verbrennungskirche von drei Seiten umgebenen Urnenfriedhofsteil des Vorwerker Friedhofs beigesetzt werden.[8] Mit seinem hohen und massigen Granitsockel, seinem steilen Dach und seinen gefälligen Linien fügte es sich in das Landschaftsbild ein und der schaffende Baukünstler, Bauinspektor Carl Mühlenpfordt, setzte sich mit ihm ein Denkmal. Die innere Ausgestaltung der Verbrennungskirche gelang ihm jedoch nicht so gut wie die äußere.

Am 22. März 1910[9] fand in dem neuen staatlichen Krematorium eine allseits zufriedenstellende Probeverbrennung statt.[10] Langenbuch, unter dessen Mitwirkung einst alle Baulichkeiten des Friedhofs entworfen und errichtet worden sind, erläuterte den das Krematorium am 12. Mai besichtigenden Bürgerschaftsmitgliedern eingehend dessen einzelne Einrichtungen und Vorgänge.[11] Die Hülle der Gräfin Louise von Baudissin, Mutter des Schriftstellers Graf Wolf von Baudissin (Freiherr von Schlicht) wurde am 17. Mai als erste Leiche verbrannt und das Krematorium somit eingeweiht.[12]

Heute wird das Krematorium privat betrieben. Seit seiner Entkernung dient das Krematorium nur noch der Feuerbestattung. Der einstige Urnenfriedhofsteil ist aufgelöst worden. Auf ihm steht heute die „Gedenkstätte für die Opfer der Gewaltherrschaft“ (Block 20). Die Urnenbeisetzungen finden in vielfältigen Formen statt: anonym, Gemeinschaftsgrabstätten für Urnen, Urnenrasenreihengräber, Urnenrasenwahlgräber, Urnenstelengräber, Kolumbarium. Dennoch blieb das Erscheinungsbild eines Parkfriedhofs gewahrt.[13]

Gräber bekannter Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hans Pieper, Stadtbaudirektor

Gemeinschaftsgrabanlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorwerker Friedhof Lübeck: Gemeinschaftsgrab in Block 51 für die Helfer der Ärztlichen Wissenschaft.

Das Gemeinschaftsgrab für die Schwestern des Deutschen Roten Kreuzes befinden sich in Block 28. Das Rasengrab für die Helfer der Ärztlichen Wissenschaft ist in Block 51 durch einen Findling gekennzeichnet.

Kriegsgräberstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurden dessen Tote auf beiden Seiten der Hauptkapelle begraben. Zu deren linken Seite befanden sich die deutschen, auf deren rechten die Gräber der fremdländischen Toten des Barackenlazaretts. Laut den Lübeckischen Anzeigen des 24. November 1914 waren dies acht deutsche sowie sechs andere. Es wurde aber schon darauf verwiesen, dass die der gefallenen Lübecker dort vorerst nur provisorisch wären.[14] Zur Eröffnung des Ehrenfriedhofs im Jahre 1915 Gefallene, die auf diesem Friedhof seit Oktober 1914 beigesetzt worden waren, dorthin umgebettet. Jener Friedhof war jedoch nur Lübeckern, d. h. den Toten des Infanterie-Regiments „Lübeck“ (3. Hanseatisches) Nr. 162 und den Lübeckern, die in anderen Einheiten fielen, vorbehalten. Deutsche Opfer des Barackenlazaretts auf dem Burgfeld, die nicht in deren Heimatstadt überführt werden konnten, wurden weiterhin auf dem Vorwerker Friedhof bestattet.[15]

Ab Ende April wurden die Leichen der KZ-Häftlinge, die noch vor der Bombardierung der Cap Arcona (Schiff, 1927) starben, nur noch in Massengräbern und ohne Särge beigesetzt.[16] Fast 3.000 Tote aus Konzentrationslagern, Deutsche, Niederländer, Polen, Esten, Letten, Ukrainer und Russen, ruhen auf dem Friedhof. Die verstorbenen amerikanischen, britischen, französischen, belgischen und norwegischen Militärangehörigen wurden 1947–1949 in ihre Heimatorte überführt.[17] Grabstätten/Gedenkstätten sind angelegt für folgende Opfergruppen:[18]

  • Russische Kriegsgräberstätte Lübeck: Russische Soldaten Erster Weltkrieg in Block 21 und Russische Kriegstote Zweiter Weltkrieg in Block 32.[19]
  • Auf der Niederländischen Kriegsgräberstätte Lübeck (niederländisch: Erebegraafplaats Lübeck) in Block 37, die sich innerhalb des Vorwerker Friedhofs befindet, sind niederländische Zwangsarbeiter des Zweiten Weltkriegs aus Berlin und Schleswig-Holstein beigesetzt.
  • Polen und Tote aus Konzentrationslagern in Block 39
  • Ukrainische Gräberstätte für Flüchtlinge, die sich innerhalb des Vorwerker Friedhofs, Friedhofsallee in Block 36 befindet
  • Kriegsgräberstätte für die in Schleswig-Holstein begrabenen Esten in Block 26. Das Jahr der Aufstellung, 1947, umrahmt die drei Estnischen Löwen.
  • Litauer
  • Deutsche Kriegsgräberstätte Vorwerker Friedhof: Deutsche Soldaten des Ersten Weltkriegs in Block 3 und 15 und des Zweiten Weltkriegs in Block 12. Kriegsgräberstätte Bombenopfer und Vertriebene in Block 13
  • Lettische Kriegsgräberstätte in Block 23
  • Die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft ruhen in einem ummauerten Innenhof in Block 20. An den inneren Seitenwänden wird durch Bilder an die Stationen des Leidens erinnert. Auf einem im Innenhof platzierten Gedenkstein wird an namenlose Opfer und an die Opfer, die fern der Heimat ruhen, erinnert. Derjenigen, die durch Feuer, giftige Gase, in Wasser und in der Luft ihr Leben ließen, wird gedacht.
  • Vereinzelte Kriegsgräber mehrerer Nationen aus Umbettungen: Im Jahr 2014 wurden auf Feld 23/3 24 Einzel-Kriegsgräber, die sich zuvor auf dem Vorwerker Friedhof verstreut befanden, zusammengeführt.[20]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vorwerker Friedhof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Vorwerker Friedhof
  2. Friedhofsplan des Vorwerker Friedhofs
  3. Auf dem „Vorwerker Friedhof“. In: Vaterstädtische Blätter, Jahrgang 1906, Nr. 40 , Ausgabe vom 30. September 1906, S. 161-163.
  4. Vorwerker Friedhof. In: Hansestadt Lübeck: Der Friedhofswegweiser. Mammut-Verlag, Leipzig, 2. Ausgabe März 2013, S. 30–34.
  5. Friedhofsplan des Vorwerker Friedhofs
  6. Hansestadt Lübeck, Der Bürgermeister, Bereich Stadtgrün und Verkehr: Veränderungen auf den städtischen Friedhöfen Vorwerk und Waldhusen. Informationsblatt vom 31. März 2015.
  7. Der Kreis Ostholstein entstand erst am 26. April 1970 im Zuge der Kreisreform in Schleswig-Holstein aus den Kreisen Oldenburg in Holstein (ehemaliger Teil des Oldenburgischen Freistaates) und Eutin (ehemaliges Fürstentum Lübeck).
  8. Das Lübecker Krematorium. In: Vaterstädtische Blätter, Jahrgang 1910, Nr. 24, Ausgabe vom 12. Juni 1910, S. 93-95.
  9. Der 22. März war im Deutschen Kaiserreich ein besonderes Datum für symbolische Handlungen gewesen, da am 22. März 1797 der Heldenkaiser geboren wurde.
  10. Wochen-Chronik. In: Vaterstädtische Blätter, Jahrgang 1910, Nr. 13, Ausgabe vom 27. März 1910, S. 52.
  11. Wochen-Chronik. In: Vaterstädtische Blätter, Jahrgang 1910, Nr. 20, Ausgabe vom 15. Mai 1910, S. 80.
  12. siehe Todesfall der Gräfin Louise Gräfin Baudissin mit zeitgenössischen Zeitungsberichten.
  13. Vorwerker Friedhof – Park und Friedhof in einem
  14. Auf dem Friedhof der gefallenen Krieger: In: Lübeckische Anzeigen. 166. Jg., Nr. 595, Ausgabe vom 24. November 1914.
  15. Wilfried Fick: Lübecker Friedhöfe. Ehrenfriedhof. Hansestadt Lübeck – Fachbereich Planen und Bauen, Lübeck 2010 (Lübeck plant und baut 103, ISSN 0933-193X).
  16. Albrecht Schreiber: Vorwerker Friedhof Lübeck: Carl Höppners letzte Ehre für die Opfer von Gewalt und Terror. In: Ohlsdorf – Zeitschrift für Trauerkultur 89, II, 2005 – Mai 2005
  17. Vorwerker Friedhof. In: Hansestadt Lübeck: Der Friedhofswegweiser. Mammut-Verlag, Leipzig, 2. Ausgabe März 2013, S. 30–34.
  18. Historie Vorwerker Friedhof bei www.weltkriegsopfer.de
  19. Russland bedankt sich für Pflege der Kriegsgräber. In: HL-live.de, Archiv vom 17. Dezember 2014
  20. Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V., Landesverband Schleswig-Holstein: Neue Kriegsgräberanlage in Lübeck

Koordinaten: 53° 53′ 41″ N, 10° 39′ 51″ O