Westermann Druck- und Verlagsgruppe

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Westermann Druck- und Verlagsgruppe
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Rechtsform KG
Gründung 1838
Sitz Braunschweig, Deutschland
Leitung Ralf Halfbrodt
Mitarbeiter 800 (2010)[1]
Umsatz 259 Mio. Euro (2010)[1]
247 Mio. Euro (2010 lt. Buchreport Magazin)[2]
Branche Verlag, Buchverlag
Website www.westermanngruppe.de

Die Westermann Druck- und Verlagsgruppe in Braunschweig gehört zu den großen deutschen Anbietern von Bildungsmedien und ist das fünftgrößte Verlagshaus in Deutschland.[3] Das Unternehmen umfasst Verlagsmarken wie Westermann, Schroedel, Diesterweg und Winklers. Die Westermann-Gruppe stellt Schulbücher und Bücher für die berufliche Bildung, Lernsoftware, Lernspiele, Fachzeitschriften, Online-Bildungsangebote, Atlanten, kartographische Erzeugnisse, Kinder- und Jugendbücher sowie Sachbücher her. Eines ihrer bekanntesten Produkte ist der Diercke Weltatlas. Zur Unternehmensgruppe gehören außerdem Druckereien und Servicebetriebe für Verlage.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

George Westermann

Von der Gründung bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 21. Mai 1838 gründete George Westermann (1810–1879) mit Unterstützung des Verlegers Eduard Vieweg eine Verlagsbuchhandlung in Braunschweig. Er verlegte vor allem Wörterbücher, Belletristik und Atlanten.[4] Das Unternehmen wurde über mehrere Generationen von der Familie Westermann fortgeführt. 1845 errichtete Westermann eine eigene Druckerei, ab 1849 wurde das Medienangebot durch einen Zeitschriftenverlag erweitert. Der erste Schulatlas erschien 1853. Westermann hatte eine kartographische Anstalt aufgebaut, die die Produktion von Atlanten ermöglichte. Fünf Generationen lang blieb das Unternehmen in Familienbesitz. Nach dem Tod von George Westermann übernahm 1879 sein Sohn Friedrich Westermann (1840–1907) gemeinsam mit den weiteren Erben und dem Prokuristen Robert Brandt den Verlag. Im Jahr 1883 wurde der erste Diercke Schulatlas herausgegeben.[5] 1889 wurde Friedrich Westermann alleiniger Inhaber des Verlags.

1907 übernahm Georg Westermann (1869–1945) den Westermann-Verlag. Am 1. Juli 1908 wurde aus dem Verlag eine Kommanditgesellschaft; nach dem Ausstieg des Prokuristen Robert Brandt im selben Jahr wurden Johannes Himstedt, Paul Krösing und Max Robert Hoffmann als neue Prokuristen benannt. Im Jahr 1912/13 zog der Verlag aus der Innenstadt, wo ab den 1840er-Jahren das erste eigene Geschäftshaus lag, an den Stadtrand in den Riddagshäuser Weg, die heutige Westermann-Allee, um mehr Raum für die Druckerei zu haben. 1912 wurde die erste Offsetdruckpresse installiert.[5] Im selben Jahr wurde in Berlin ein Zweigsitz eingerichtet. 1914 stieg der Verlagskaufmann Hans Reichel als persönlich haftender Mitinhaber in die Firmenleitung ein, während sich Georg Westermann aus dem aktiven Verlagsgeschäft zurückzog.

1917 wurde der Verlag erweitert: Der Verleger Alfred Janssen (1865–1935) verkaufte in diesem Jahr seinen 1891 in Leipzig gegründeten und 1899 nach Hamburg gezogenen „Verlag Alfred Janssen“ an Georg Westermann. Janssen hatte unter anderem das Werk Gustav Falkes verlegt.[6] Während des Ersten Weltkriegs diente Westermann als Reserve-Offizier. 1922 stieg er aus der Firmenleitung aus und zog nach Potsdam, wo er 1945 starb.[7]

Nach dem Ersten Weltkrieg erschien erstmals der Westermanns Weltatlas, der Geschichte, Wirtschaft und Geographie vereinigte. Dieses Werk ist in vielen Auflagen und Ausgaben (auch als Druckauftrag für andere Firmen) bis zum Ende der 1930er-Jahre erschienen. Für diese verlegerische Leistung erhielt Hans Reichel die Ehrendoktorwürde der Universität Greifswald.

In diese Zeit fiel auch der Ausbau des Lehrmittelverlages, dessen erste Landkarten zwar schon 1903 erschienen, die jetzt aber, zu einer breiten Palette ausgebaut, an Schulen und Behörden verkauft werden konnten. Eine wesentliche Ausweitung der Kartographie brachte 1932 der Erwerb der Firma Carl Flemming & Wiscott in Glogau mit sich, deren „Generalkarten“ von Westermann fast 1½ Jahrzehnte lang weitergeführt und ausgebaut wurden. Georgs jüngerer Sohn Everhard (1905–1973) trat 1931 als persönlich haftender Gesellschafter in das Unternehmen seines Urgroßvaters ein. Georg Mackensen (1895–1965), trat 1933 in den Verlag ein und wurde zwei Jahre später persönlich haftender Gesellschafter. Nachdem 1935 Hans Reichel und sein Sohn Hellmut aus dem Unternehmen ausgeschieden waren, befand sich das Unternehmen bis 1986 wieder ungeteilt im Besitz der Familien Westermann und Mackensen.[7] Die Nachfolger Georg Mackensens waren seine beiden Neffen Jürgen Mackensen und Gerd Mackensen sowie der Schwiegersohn des Urenkels von George Westermann, Dirk Tebbenjohanns.

Von der Nachkriegszeit bis 2000[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden ab dem Jahr 1949 zunehmend pädagogische Fachzeitschriften herausgegeben und der Verlag widmete sich insbesondere der schulischen und außerschulischen Aus- und Weiterbildung, etwa durch den Zukauf des Heinz-Vogel-Verlages 1968.[8] Im Jahr 1977 wurde eine Rollenoffsetanlage installiert. 1979 erwarb Westermann den Würzburger Arena Verlag für Kinder- und Jugendliteratur. 1986 wurde die Unternehmensgruppe in die Medien Union in Ludwigshafen am Rhein integriert. Die Geschäftsführung wurde Jürgen Richter übertragen, der 1994 von Hans-Dieter Möller abgelöst wurde.

1988 kam eine überarbeitete Jubiläumsausgabe des Diercke Weltatlas heraus. 1990 erwarb die Westermann-Gruppe eine Druckerei in Zwickau und bereitete Schulbücher und Atlanten für alle Bundesländer neu auf.[5]

In den Jahren 1990 bis 1994 erweiterte der Verlag sein Angebot durch die Computerkartographie, es kamen ein Info-Zentrum in Leipzig und weitere Standorte in Deutschland und Österreich hinzu. Es wurden erste interaktive CD-ROMs vermarktet. 1997 richtete das Unternehmen eine eigene Website mit Online-Katalog ein und installierte 1998 zwei Computer-to-Plate-Plattenbebilderungsanlagen. Weitere Neuerungen kamen in den Folgejahren hinzu, so wurden eine einheitliche Druckereisoftware angeschafft, die Post-Press-Abteilung ausgebaut, eine Fadenheft-Verbundanlage oder eine Buch-Fertigungsanlage für Deckenband-Fertigung installiert.[5]

Ebenfalls im Jahr 1998 übernahm die Westermann-Gruppe den Winklers-Verlag aus Darmstadt, der auf Medien für die kaufmännische Aus- und Weiterbildung spezialisiert ist. 2007 holte Westermann den Verlag von Darmstadt zum Stammsitz nach Braunschweig.[9]

2000 bis heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebäude der Westermann Druck- und Verlagsgruppe in Braunschweig

In den Arena Verlag wurde im Jahr 2000 der Ensslin Verlag aus Eningen integriert. Im April 2002 erwarb die Westermann-Verlagsgruppe den Schöningh-Schulbuchverlag in Paderborn. Im November des Jahres vergrößerte sie sich durch den Zukauf einiger Schulbuchverlage, die die Georg-von-Holtzbrinck-Gruppe in ihrer Unternehmensgruppe Das Bildungshaus geführt hatte. So kamen die Verlage Schroedel (Hannover), Diesterweg (Frankfurt), Logo und Spectra (Essen), Advesco-Schubi (Schaffhausen) und die Schroedel-Tochter BMS Bildungsmedien Service zu Westermann. Die Verlage Schroedel und Diesterweg zogen 2003 nach Braunschweig um. Diese Bündelung der Aktivitäten am Stammsitz sollte der Verbesserung der Wettbewerbsposition gegenüber den Konkurrenten Klett und Cornelsen dienen.[10] Sie kostete rund 100 Arbeitsplätze.[11]

Im Frühjahr 2013 baute Westermann mit dem Zukauf des Bildungsverlags EINS seinen Bestand in Richtung berufliche Bildung weiter aus. Seit März 2014 ist Ralf Halfbrodt Geschäftsführer der Westermann Gruppe.

Weitere Marken, Namen und Standorte der Verlagsgruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Unternehmensgruppe gehören außerdem folgende Verlagsmarken und Gesellschaften (Stand 2014):

Bekannte Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Westermann. Profil eines Verlages 1838 bis 1963. Ein Jubiläumsbericht. 112 Seiten, herausgegeben von Georg Westermann Verlag, Text Volker Hohenberg, Druckerei und Kartographische Anstalt, Braunschweig 1963.
  • 150 Jahre Westermann 1838–1988 … und beehre ich mich Ihnen anzuzeigen. Eine Firmengeschichte durch anderthalb Jahrhunderte. Westermann Verlag, Braunschweig 1988, ISBN 3-07-500000-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Westermann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Westermann auf wer-zu-wem.de, abgerufen am 13. Mai 2013.
  2. buchreport.magazin April 2011.
  3. Artikel "Die 100 größten Verlage", buchreport.magazin April 2014, S. 67.
  4. Paul Zimmermann: Westermann, George. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 42, Duncker & Humblot, Leipzig 1897, S. 184–186.
  5. a b c d Westermann – Die Verlagsgeschichte auf westermann-druck.de, abgerufen am 13. Mai 2013.
  6. Janssen, Alfred (1865–1935) auf allegro.sub.uni-hamburg.de. Kurzbiographie des Verlegers und Verlagsbuchhändlers aus der Datenbank der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, wo sich sein Nachlass befindet.
  7. a b 150 Jahre Westermann 1838–1988 … und beehre ich mich Ihnen anzuzeigen. Eine Firmengeschichte durch anderthalb Jahrhunderte. Westermann Verlag, Braunschweig 1988; ISBN 3-07-500000-0.
  8. Lerne, übe, kontrolliere! Seit 50 Jahren spielen Kinder mit LÜK
  9. Artikel Westermann verlegt Darmstädter Winklers Verlag nach Braunschweig (13. Februar 2007) in Buchmarkt.de, URL: Westermann verlegt Darmstädter Winklers Verlag nach Braunschweig, Stand: 13. September 2014.
  10. Artikel Westermann verteidigt Umzugsplan, in: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 7. Februar 2003.
  11. Artikel Schroedel streicht 100 Jobs, in: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 8. April 2003.
  12. 125 Jahre Diercke Weltatlas, Braunschweig 2008, u. a.
  13. Ernst von Seydlitz: Lebenslauf mit Bruch
  14. Artikel "Der Herr der Zahl", in: Trierischer Volksfreund, 17./18. Februar 2007.
  15. Nachruf auf Prof. Dr. Wolfgang Birkenfeld
  16. Artikel Der Fu-Erfinder. Seine Socken kennt jedes Kind, in: Hamburger Morgenpost, 5. März 2009.

Koordinaten: 52° 15′ 36″ N, 10° 33′ 6″ O